Schroddis Tag 241 – Weihnachten

22 12 2010

Ort: Am Ufer des Preston River, Donnybrook
Ortszeit: 22.12.2010, 17.45 Uhr
Wetter: 30 Grad, bewoelkt
Anwesende: Jede Menge, es zirpst, zwitschert, klackt und raschelt ueberall. Massenhaft Papageien, Grillen Spinnen und Schlangen und ahhhhh alle wolln’se mich toeten =)

Nun ist es ja wie jedes Jahr ploetzlich wieder Weihnachten und wir feiern Marias Niederkunft mit den kleinen Konsumerus & Kommerzus und lassen z.B. an den Wuehltischen fuer last minute Weihnachtsgescheke unsere Naechstenliebe walten – und zwar mit den Ellenbogen…

Macht euch keinen Stress, meine Weihnachtsgeschenke schippern wohl auch noch auf einem der 7 Weltmeere nach Europa.

Ich wuensche jedenfalls Allen eine schoene und besinnliche (fuer einige vielleicht besinnungslose) Weihnachtszeit. Ich werde von Freitag bis Sonntag mit einem Arbeitskollegen Grillen, die Nachbarn und Schwiegermutter besuchen und vielleicht mit dem Motorrad das ein oder andere Kaenguru jagen.

Unser Wetterbericht fuer die Weihnachtstage ist sich recht einig und besagt 34 – 36 Grad und Sonnenschein. Grillen werden wir also in jedem Fall, mit oder ohne Essen…

Frohe Weihnachten und alles Gute fuer euch und eure Anhaenger 🙂

LG Schroddi



Schroddis Tag 233 – Pflaumen, Aeppel, Spinnen und Traktor fahren

21 12 2010

Ort: Zimmer 3, Brook Lodge, Donnybrook
Ortszeit: 13.12.2010, 21.10 Uhr
Wetter: 19 Grad, Sternenhimmel
Anwesende: Stetig zunehmende Muedigkeit

Mit ordentlich Muskelkater vom Holzstapeln ging es am dritten Arbeitstag im schoenen Donnybrook endlich auf eine richtige Farm. Mein neuer Freund Steven Robocop Segal sagte mir vorab, dass meine Arbeit wohl hauptsaechlich aus Apple thinning bestehen wuerde, was bedeutet, dass man an Apfelbaeumen die ueberfluessigen Jungaepfel und Aeste entfernt.

Mit dem Shuttlebus des Hostels wurde ich also am Haus des Farmbesitzers Peter abgesetzt. Dieser erwartete mich bereits und bat mich in sein Auto, mit dem er mich zu seinem Feld fuhr. Waehrend der Fahrt erklaerte er, dass er Arbeit bis mindestens Weihnachten fuer mich hat. Zumindest, wenn ich mich gut anstelle. Anschliessend teilte er mir mit, dass ich erstmal Pflaumen anstatt Aepfel pfluecken muss. Nachdem er erstmal ueber meine unfaehige franzoesische Vorgaengerin hergezogen hat, wies er mich sehr bestimmt an, mit beiden Haenden gleichzeitig zu pfluecken. Dieser Satz schlug bei mir ein und wuehlte ein bereits verdraengtes Trauma auf, was mich beinahe veranlasste durchs geschlossene Autofenster auszusteigen. Er klang in diesem Moment genau wie mein Freund Gunnery Sergenat Hartman auf seinem verdammten Erdbeerfeld an der Sunshine Coast.

Nachdem sich mein Schock ein wenig gelegt hatte, erreichten wir ein riesiges mit Vogelnetzen abgedecktes Feld. Wir hielten neben einem Kerl, der aussah wie gerade bei RTL’s „Bauer sucht Frau“ entlaufen. Er wurde mir als John, mein Boss vorgestellt.

Dieser Stellte mich direkt Shane, meinem neuen Kollegen vor, welcher bereits auf einer fahrbaren Plattform Pflaumen pflueckte. Shane hatte bereits ausgeduenntes, lang gewachsenes und zotteliges Haar, welches zu seinem Vollbart und den nahezu komplett taetowierten Armen passte. Mit seinen mehr Luecken als Zaehnen sah er aus als waere er gerade aus einem Werner Comic entlaufen. Mit einem starken Aussie Slang (Ja, es war wirklich der Slang und kein Kaugummi) erklaerte er mir welche Pflaumen wie gepflueckt werden muessen und zu guter letzt, dass ich mir ueber die Spinnen in den Bueschen keine Gedanken machen brauche. Alles ganz ungiftig.

Made in Italy und dauernd kaputt...

Made in Italy und dauernd kaputt...

Aaaahja, alles ganz ungiftig….So verliess ich mich also auf sein Wort und begann zu pfluecken. Nachdem wir die oberen Haelften der Baeume auf der Plattform stehend geerntet hatten, ging es an den weitaus beschwerlicheren Teil der Arbeit. So mussten wir uns die Sammelbehaelter umhaengen und die unteren Haelften der Baeume abpfluecken, was mit 20kg Pflaumen im Saeckel doch etwas zaeh ist. Man gewoehnt sich aber an alles. So pflueckten wir die naechsten Tage munter die ausgesprochen leckeren Pflaumen.

Tataechlich hingen massenhaft Spinnenetze und ich versuchte weitestgehend die dahinterliegenden Pflaumen um die Netze herum zu angeln. Die am haeufigsten vertretene Weihnachtsspinne schien tatsaechlich harmlos, da sie sich in der Regel aus dem Staub machte, wenn man ihr nahe kam. Allerdings gab es auch weitaus groessere und haesslichere Exemplare, die anstatt aus dem Weg zu gehen, auf einen zustuermten. Das loeste etwas unbehagen in mir aus, da man nicht selten im Eifer des Gefechts doch mal in ein Netz greift. Immer mal fragte ich meinen Kollegen, um was fuer Spinnen es sich handelt . Als Antwort kamen dann so beruhigende Saetze wie: „Das ist die Sonstwiespinne. Sie wird dich warscheinlich beissen, jedoch bringt dich das nicht um“. Ich versuchte also mit dem Getier ganz schnell Freundschaft zu schliessen und blieb bisher bis auf einige erfolglose Attacken auch unversehrt.

v.l.n.r. ungefaehrlich, ungemuetlich, unbekannt, UNGEHEUER

v.l.n.r. ungefaehrlich, ungemuetlich, unbekannt, UNGEHEUER

Eines Tages schaffte es dann mein Kollege ueber einen Ast zu stolpern und sich ungluecklich den Fuss zu verdrehen. Um nach seinem Ausfall alleine weiterarbeiten zu koennen, erklaerte mir John schnell, wie sich der Traktor fahren laesst. So hatte ich den Nachmittag das Vergnuegen mit dem Traktor unsere Pflaumen durch die Gegend zu karren.

Wieder Zwichenfall bei Hoechst AG - Diesmal hagelte es gruen

Wieder Zwischenfall bei Hoechst AG - Diesmal hagelte es gruen

Als wir nach einer Woche die Plaumenbaeume ordentlich geleert hatten, ging es dann ans Aeppel thinnen, was die deutlich aetzendere Arbeit ist. So arbeite ich mich taeglich durch rund 50 Baeume und lasse mich waerend dessen via Kopfhoerer anbruellen.

Alles ist besser als das permanente Fliegengesumme um mein ueber dem Kopf haengendes Netz. Zu allem Ueberfluss treibt unser Farmer auch regelmaessig sein Rind direkt neben dem Feld zusammen und trennt die Jungtiere von den aelteren. Das artet dann in einem tagelang ununterbrochen anhaltenden Muhen aus.

Mit dieser Geraeuschkulisse mache ich dann meine Pausen mit Blick auf einen Teich, an deren anderen Seite froehlich die Kaengurus lang hoppeln.

Hey Ladies, guckt mal doof...danke, passt schon

Hey Ladies, guckt mal doof...danke, passt schon

Alles in allem fuehle ich mich auf der Farm echt wohl, verdiene in Euro das zweifache wie zuletzt in Deutschland und bin mal gespannt, wie lange dieser Job Bestand hat 🙂

Es gruesst der Aeppel Schroddi



Schroddis Tag 230 – Was man Unterkunft nennt

20 12 2010

Ort: Parkplatz, Brook Lodge, Donnybrook
Ortszeit: 11.12.2010, 14.45 Uhr
Wetter: 27 Grad, sonnig
Anwesende: Fliegen, was auch sonst…

Nach ersten Andeutungen, moechte ich heute mal ein paar Saetze ueber das verlieren, was man wohl Unterkunft nennen muss.

Ungewoehnlich pigmentierte Taube

Ungewoehnlich pigmentierte Taube

Als wir hier ankamen, wussten wir noch nicht, ob wir ueberhaupt ein Zimmer bekommen wuerden, da das Hostel in den beiden Tagen zuvor auf keinen meiner Kontaktversuche reagierte. An der Rezeption trafen wir auf Lynne, die Managerin, welche uns ganz herzlich willkommen hiess und uns ein Zimmer organisierte. Des weiteren erklaerte sie uns ein paar grundlegende Dinge ueber das Hostelleben. Unter Anderem bat sie uns nach dem Kochen bzw. Essen unser Geschirr abzuspuelen, falls dies moeglich ist. Verdutzt fragte ich sie, was denn mit dem Nebensatz „falls dies moeglich ist“ gemeint sei. Daraufhin sagte sie nur, dass wir das schon sehen werden.

Anschliessend machte sie einen kleinen Rundgang mit uns, was uns einfach nur die Kinnlade offen stehen liess. Diesmal jedoch vor Entsetzen.

Liebevoll eingerichtetes Bad - mit IKEA :-)

Liebevoll eingerichtetes Bad - mit IKEA 🙂

In unserem Hostel leben rund 160 Leute. Davon sind, wenn es hoch kommt, 30 nicht aisatischer Abstammung. Alle Einwohner teilen sich einen mit Essensresten bedeckten Raum, der sich nach gelegentlicher Reinigung annaehernd Kueche nennen laesst. Ebenso gibt es pro Geschlecht einen Nassraum (Nassraum aufgrund der Pisslachen am Boden) mit vier Duschen (von denen bis zu Drei ausfallen, weil irgendjemand aus unbekannten Gruenden regelmaessig Wasserhaehne und Duschkoepfe klaut…und drei Toiletten, in denen man am liebsten nichts beruehren moechte.

Im gegensatz zu unseren europaeischen Mitbewohnern, die es selten laenger als drei Wochen hier aushalten, scheint dies ein Paradies fuer unsere asiatischen Freunde

Besonders ins Auge sticht doch hier der rot-gelb-gruene Gardena Spruehkopf

Besonders ins Auge sticht doch hier der rot-gelb-gruene Gardena Spruehkopf

zu sein, die sich hier auch sichtlich wohl fuehlen und teilweise schon seit zwei Jahren „wohnen““. Dies aeussert sich darin, dass sie im Prinzip permanent die Kueche blockieren und nicht nur Kochen, sondern die Zubereitung von Mahlzeiten geradezu rituell und Stunden lang zelebrieren, was die Benutzung der im Regelfall komplett verdreckten Kueche nahezu unmoeglich macht.

Wie wir erfahren haben, haben die Putzleute am Wochenende frei, was u.A. dazu fuehrt, dass der Kotzfleck, welchen wohl einer unserer Freunde nach dem freitaeglichen Karaokeabend auf dem Badboden hinterhlassen hat, auch am Montag Morgen dort noch zu finden war..

Um unser Zimmer zu erreichen, haben wir das Vergnuegen durch einen Flur zu gehen, in welchem die Arbeiter, also quasi jeder seine mueffeligen Arbeitsschuhe abstellt, was zu einer Geruchsbelastung fuehrt, welche mir bei einem tiefen Atemzug die Fussnaegel hoch rollt und zu extremen Schwindel fuehrt.

Dschungelpruefung - Der Flur des Wuergreizes

Dschungelpruefung - Der Flur des Wuergreizes

Zu guter letzt weist unser absolut unisoliertes Zimmer (was bei naechtlichen Temperaturen um 10 Grad gelinde gesagt unangenhem ist) eine weitere Besonderheit auf. Nicht nur, dass uns bei Betreten binnen kuerzester Zeit die Nase zuschwillt und Paolo einen seltsamen Husten bekommt, haben wir seit unserer ersten Nacht immer Alptraeume, was wir uns nicht erklaeren koennen, da die Traeume nicht mal was mit dem Hostel zu tun haben, was ja noch verstaendlich waere….

Wie man also vorstehend lesen kann, fuehle ich mich hier pudelwohl und werde wohl noch eine Weile in unserem wunderschoenen neuen Zuhause verweilen.

Bis ich hier raus komme, spreche ich dann die hier meistgesprochenen Sprachen Taiwanesisch und Koreanisch fluessig. Wer braucht schon Englisch?! 🙂

Es gruesst der Schroddi mit der nahezu nicht mehr existenten Ekelgrenze



Schroddis Tag 226 – Arbeiten mit Robo Segal

12 12 2010

Ort: Zimmer Drei, Brook Lodge, Donnybrook
Ortszeit: 07.12.2010, 18.15 Uhr
Wetter: 21 Grad, wolkig
Anwesende: Alle meine Mitbewohner….woanders kann man sich ja hier nicht aufhalten…

Bei Ankunft hatte man mir an der Rezeption mitgeteilt, dass ich die naechsten Tage voraussichtlich schon anfangen koennte zu arbeiten. Nach einem freien Tag, an dem ich mich totgelangweilt und einfach nur auf Arbeit gehofft habe, kam abends die erloesende Nachricht ueber den Arbeitsplan des Folgetags. Am naechsten morgen sollte ich um 8 Uhr auf dem Parkplatz bereitstehen, um (vermutlich) von meinem neuen Arbeitgeber Russell abgeholt zu werden. Als ich am naechsten Morgen gerade am Zusammenpacken war, entdeckte ich auf dem Parkplatz vorm Hostel zwei staemmige Maenner, von denen einer ganz sicher Russell sein musste.

Sowie ich aus der Tuere kam, fragte man mich schon, nach meinem Namen, was fuer ihn einen Volltreffer bedeutete. Russell, der kleinere von beiden stellte mich auch sofort Peter, einem befreundeten Farmer vor, welcher von meiner stattlichen Groesse (immerhin einen Kopf hoeher als der oertliche Durchschnittsasiat) sehr angetan war und mir sagte, dass er grosse Leute braucht und mich unbedingt haben will, wenn ich den Job fuer Russell erledigt habe.

Waehrend der Fahrt zur Farm meines neuen Chefs stellte sich heraus, dass es sich bei meinem Job gar nicht um Erntearbeit, sondern um das Stapeln und Transportieren von Hartholz handelte, was etwa 1 ½ Tage in anspruch nehmen wird.

Auf seinem Anwesen angekommen, sprang er aus dem Auto, rief mir zu, dass er sich den Lkw holt und ich ihm anschliessend folgen sollte. So ueberliess er mir einfach mal so sein geliebtes Auto, ohne mich auch nur eine Viertelstunde zu kennen. In Kolonne fuhren wir dann etwa 10 Minuten seine Farm

Ein guter Grund für Muskelkater

Ein guter Grund für Muskelkater

entlang, bis wir an einer Metallhuette ankamen, vor der etliche Tonnen Holz gestapelt und anschliessend vom Freund seiner Tochter umgefahren wurden. Da er in kuerze das Holz verkaufen wollte, sollten die Balken nach Groesse sortiert auf den Lkw geladen und zu seinem Hof gebracht werden.

Russell ist klein, staemmig, etwa mitte 50 und strotzt geradezu vor Testosteron. Sein Bewegungsablauf erinnerte stark an Robocop und er schaute wie Mr. „ich habe nur einen Gesichtsausdruck“ Steven Segal, denn er hatte permanent einen echt grimmigen Blick drauf, was ihm durchaus gut stand, wenn er nahezu permanent mit den wuestesten Kraftausdruecken um sich warf. Er schaffte es sogar grimmig zu schauen, waehrend er lachte. Ansich war er aber ein ganz lieber Kerl. Es gab jedoch etwas, das den Job nahezu unertraeglich machte.

Es waren die verfickten Fotzen, wie Robo Segal sie nannte (ich haette sie einfach als Fliegen bezeichnet). Und zwar waren es so viele davon, wie ich es selbst im Outback noch nicht erlebt habe. Ich denke ich kann mir gutem Gewissen und ohne zu uebertreiben behaupten, dass auf mir und um mich herum meistens ganz locker weit ueber 100 Fliegen schwirrten, deren Vorliebe es war, sich

Antiquitäten....restaurationsbedürftig

Antiquitäten....restaurationsbedürftig

ausgerechnet in Augen-, Ohren- und Mundgegend niederzulassen. Ich hielt das etwa 2 Stunden aus, bis ich mir aus dem Auto mein Fliegennetz (1000 Dank an Meggy fuer das tolle und absolut notwendige Geschenk!!!) holte.

Damit liess es sich dann wesentlich angenehmer arbeiten. So sortierten wir diese riesigen Balken nach einem sehr eigensinnigen System meines Chefs, was im Endeffekt nicht wirklich etwas mit Sortieren zu tun hatte, da am Ende alle groessen wieder annaehernd durcheinandergewuerfelt waren wie zuvor. Einen Grossteil bekamen wir am ersten Tag fertig. Nachdem wir am zweiten Tag alles „sortiert und abtransportiert hatten, stand als naechste Aufgabe an, seine Blechhuette aufzuraeumen. Ungluecklicherweise war dies in den letzten 50 – 100 Jahren nicht mehr geschehen, sodass verdeckt unter Spinnenweben und Nestern von Tieren, die ich lieber nicht kennenlernen will (hier versuchen sie dich ja eh alle umzubringen), die abgefahrensten Sachen zum Vorschein kamen. Darunter waren antike Moebel, ein Pferdepflug, der Radsatz einer Pferdekutsche und eine uralte gusseiserne Badewanne. Nachdem seine Huette anschliessend sauber und ich dreckig war, hatte dieser Job fuer mich ein Ende, allerdings sollte der Naechste bei Peter schon auf mich warten…

Gruesst denn der alte Holzschroddi noch, Holzschroddi noch…?

Jaaaa, er gruesst noch



Schroddis Tag 224 – Die Reise ins Dunny

10 12 2010

Ort: Etwa 10.000 Meter ueber der Great Victoria Dessert
Ortszeit: 05.12.2010, 09.45 Uhr (also Ortszeit Perth)
Wetter: Draussen bestimmt kaelter als in Deutschland
Anwesende: Etwa 70 gelangweilte Mitreisende

Nun ist es soweit, ich habe Alice und meinem geliebten Outback den Ruecken zugekehrt. Die Reise soll zwecks Arbeit weitergehen – und zwar in eine Region, in der man mit leichter koerperlicher Arbeit in wenigen Stunden nicht gleich 5 Liter Wasser verliert.
Nachdem ich vom Osten nach wie vor die Nase voll habe, zieht es mich weiter Richtung Westen. Die Entscheidende Frage war nur: Wohin?

In Alice habe ich mich via Internet die komplette Westkueste entlang auf diversen Farmen beworben, was bisher leider keine groesseren Erfolge hervorbrachte. Nachdem ich vor Wochen mit Jana bereits das grobe Ziel Perth festgelegt habe und sie sich wenige Tage spaeter mit einer Mitfahrgelegenheit auf den Weg machte, verfehlte sie ihr Ziel um nur knappe 250 km und landete voller Begeisterung im kleinen Ort Margaret River, von wo sie mich anrief und von massenhaft verfuegbaren Jobs berichtete.

Da dieser Ort wunderschoen in Strandnaehe gelegen ist und dort wohl eine wesentlich entspanntere Atmosphaere als in Alice Springs herrscht, liess ich mich dazu hinreisen, auch meinen Weg in dieses Oertchen zu planen.

Da ich keine Lust hatte unnoetig viel Geld fuer Sprit auszugeben und nahezu die gleichen 1.600 km nach Adelaide zurueck zu eiern (direkter Weg nach Perth geht mangels Strassen leider nicht), welche wir bereits vor drei Wochen in Gegenrichtung gefahren sind, entschied ich mich ausnahmsweise einen Flug nach Perth zu nehmen. Zwar sind oeffentliche Verkehrsmittel an der Westkueste relativ mau, dennoch fand sich von Perth ein Bus nach Margaret River. Dieser sollte jedoch bereits rund 90 Minuten nach meiner Landung in einem anderen Stadteil Perth’s abfahren. Alternativ haette ich ein Hostel buchen koennen und waere in der City fuer teuer Geld in irgendeinem Drecksloch abgestiegen. So entschied ich mich relativ schnell diese sportliche Herausforderung anzunehmen und wollte versuchen meinen Bus binnen kuerzester Zeit zu erreichen, um moeglichst schnell die Grossstadt wieder verlassen zu koennen.

Somit war der Trip nach Margaret eigentlich bestens geplant und ich stand quasi in den Startloechern als ich gestern dann einen liebreizenden Anruf von Jana erhielt, in dem sie mir mitteilte, dass nun die Arbeitsmoeglichkeiten in Margaret stark nachgelassen haben und man sich bezueglich Jobs etwas gedulden muss.

Da ich jetzt in Alice eigentlich erstmal genug rumgesessen habe und gerne mal wieder ein bissi Bewegung und einen regelmaessigen Geldfluss haette, starb der Plan nach Margaret zu gehen recht schnell, da ich nicht dort rumsitzen und weiter Geld verbrennen wollte. Wie wir ja mittlerweile gelernt haben, sind Plaene in Australien dafuer da, ueber den Haufen geworfen zu werden. Gluecklicherweise erzaehlte Jana zusaetzlich, dass in einem kleinen Ort namens Donnybrook, etwa 100km weiter, zur Zeit Erntesaison und somit Arbeit verfuegbar sei.

Dieser Ort war mir bis dato noch kein Begriff, was zwei Gruende haben konnte:

1. Der Ort ist einfach zu klein, um auf einer Landkarte zu landen
2. Ich hab mal wieder schlampig gearbeitet

Im Endeffekt denke ich einfach, dass es am Namen liegt, denn aus Donnybrook wird mit einem kleinen Buchstabentausch Dunnybrook, was in etwa = Plumpsklobach bedeutet und diesen Ort nicht wirklich attraktiv erscheinen laesst. Auf den meisten Landkarten ist er zumindest zu finden und oh Wunder, eine Busanbindung hat er auch.

Das bereits nach Margaret gebuchte Ticket liess sich leider nicht mehr stornieren, jedoch gibt es die Moeglichkeit einfach auf halbem Wege auszusteigen und einen anderen Anschlussbus nach Dunnyb…, aehm Donnybrook zu nehmen.

Leider war das einzige Hostel im Ort, welches u.A. die Farmarbeit vermittelte, telefonisch zu dem Zeitpunkt nicht erreichbar. Da ich die Rezeption in der Mittagspause vermutete, buchte ich einfach auf gut Glueck das Busticket.

Ungluecklicherweise war das Hostel auch den restlichen Tag weder per Telefon, noch auf Handy erreichbar. Daher schickte ich am gleichen Nachmittag noch eine Email mit der Bitte mich zu kontaktieren, wenn sie diese Lesen. Leider sollte sich auch diesbezueglich nichts mehr tun.

Wovor es mir bezueglich meiner Reise am allermeisten graute, war das Gepaecklimit von 23kg. Nachdem ich in Deutschland mit 19,8kg vor ueber einem halben Jahr gestartet bin und mittlerweile einiges dazugekommen und anderes dafuer rausgeflogen ist, hatte ich keine Ahnung wie sich dies in meinem Gepaeck auswirken wuerde. Gluecklicherweise hatten wir zur Kontrolle eine Personenwage im Hostel, welches mein Gepaeckgewicht mit 21,5kg angab. In wie weit ich dieser Waage trauen sollte, wusste ich nicht, da sie mein eigenes Gewicht noch vor einer Woche 5kg hoeher angegeben hatte als an diesem Abend. Ich verliess mich also auf die Waage, eine andere Wahl hatte ich schliesslich nicht.

Nachdem die Rucksaecke gepackt, die Essensreste vertilgt und die Angehoerigen vor einem eventuellen Flugzeugabsturz informiert waren, ging es dann ins Bettchen, da am naechsten Morgen bereits um 8.30 Uhr das Taxi auf uns warteten sollte.

Selbst machdem sich das Ziel geaendert hatte, klang der erdachte Reiseplan einfach noch zu perfekt, um zu funktionieren (mal abgesehen von dem Hostel, welches auf auf keine meiner Kontaktierungsversuche reagierte).

Gegen 7 Uhr wurde ich dann von einem Donnergrollen aus dem Schlaf gerissen. Wie haette es auch anders sein koennen?! Ich habe mit einem Gewitter in Alice Springs Einzug gehalten und verliess den Ort auch wieder mit einem Donnerschlag. Das hat doch Stil. Achtung wueste, der Gewitterschroddi geht und das Wetter wird bald wieder besser.

Ueberpuenktlich sammelte uns dann das bestellte Taxi vor der Hosteltuer ein und brachte uns sicher und mit reichlich Zeitpuffer zu dem Ort, den man in Alice Springs einen Flughafen nennt. Von aussen sah es mehr wie eine kleine Bahnhofshalle aus. Das Einzige, was diesen Ort von einem Bahnhof unterschied, war die Tatsache, dass wir neben den beiden Damen am Check In-Schalter scheinbar die einzigen Menschen am „Flughafen“ waren. Nach und nach trudelten einige weitere Leute ein bis alle Passagiere unserer mit rund 70 Menschen zu ¾ gefuellten Maschine anwesend waren. An der Sicherheitsschleuse bekam ich ungluecklicherweise zwei meiner drei Feuerzeuge abgenommen. Weitere Dinge wie z.B. ein Pfefferspray gab es diesmal gluecklicherweise nicht zu bemaengeln. 10 Minuten vor der offiziellen Boardingzeit kamen wir am bereits geoeffneten Gate an. Da offensichtllich an diesem Tag alle Leute ueberpuenktliich waren, hoben wir auch gleich einige Minuten frueher ab. Mit einem ueberfuellten Flugraum schien es hier ja keine Probleme zu geben.

So flogen wir rund drei Stunden der Zeit hinterher, was im Endeffekt eine Flugzeit von nur 1,5 Stunden ergab. Entgegen der ausdruecklichen Sicherheitsvorschriften filmte ich Start und Landung mit meiner Kamera und brachte damit enttaeuschenderweise den Piloten nichtmal ins Schwitzen. Das naechste Mal werde ich versuchen gleichzeitig noch mit dem Handy zu telefonieren, ohne dabei von einem Skymarshall erschossen zu werden.

Wir landeten auch 15 Minuten frueher, was dem knappen Zeitplan in Perth etwas entgegen kam. Da auch der Flughafen einer 2 Millionen Stadt ueberraschend klein ausfiel, hatten wir unsere Rucksaecke nach rund 20 Minuten unversehrt wieder und sattelten erstmal von Waldbrandaustretern auf Flip Flops um.

Anschliessend stiegen wir zu einem ehemaligen Rennfahrer ins Taxi, welcher in Wohngebieten gerne mal das Dreifache der erlaubten Geschwindigkeit fuhr, was unserem Portemonaie ganz gelegen kam. Ungluecklicherweise war er nicht ganz sicher, wo wir hinmussten, landete jedoch am richtigen Busterminal eine Punktlandung. Dort angekommen checkten wir bei der freundlichen Vertreterin unserer Busagentur ein und hatten noch einige Minuten bis wir uns zum Bus begeben mussten, was ich mir mit einem Mittagessen beim oertlichen Asiaten versuesste.

Auf den bequemen Ledersitzen im Bus bequem gemacht ging es dann die naechsten 2,5 Stunden weiter nach Sueden. Das vorlaeufige Ziel hiess Bunbury, wo wir einen rund dreistuendigen Aufenthalt hatten, bevor es weiter zu unserem endgueltigen Ziel ging.

Aufgrund einer Art Weihnachtsmarkt war das dortige Busterminal jedoch nicht erreichbar, woraufhin wir an einer Landstrasse rausgeschmissen wurden. Erstmal ziel- und orientierungslos liefen wir zu einem Kiosk, wo ich mit einem Asiaten ins Gespraech kam. Dieser verriet mir, dass unser Busterminal, von dem wir weiterreisen sollten, ausserhalb der Laufdistanz lag. Sofort bot er uns an, uns in seinem Auto mitzunehmen. Da wir aber ohnehin noch drei Stunden Zeit hatten, lehnte ich erstmal dankend ab. Gleichzeitig kam Katharina mit einem deutschen Paerchen ins Gespraech. Sie erzaehlten viele lustige Geschichten von ihrer Auswanderung und dem Leben, was sie in Australien fuehren. Nebenher boten sie uns immer wieder an, uns Arbeit auf diversen Farmen von Bekannten vemitteln zu koennen und sollten alle Stricke in Dunnyb…. Donnybrook reissen, koennten wir sie anrufen, um fuer den Notfall erstmal bei ihnen unterzukommen. Mit einigen einer guten Unterhaltung und kuehlen Bierchen verging die Zeit wie im Fluge und unsere drei Stunden Aufenthalt waren so gut wie totgeschwaetzt. So luden sie uns in ihren VW-Transporter und fuhren uns zu unserer naechsten Bushalltestelle.

Der dortige Bus kam wie irgendwie alles an diesem Tag ueberpuenktlich und kutschierte uns die naechsten 30 Minuten an unser Tagesziel. Nach kurzer Orientierung war der Weg zum oertlichen Hostel gefunden und ich war gespannt wie ein Flitzebogen, ob am gleichen Abend noch ein Zimmer zu bekommen war. Schliesslich hatte ich bis dato das Hostel nicht erreicht und auch nch keine Rueckmeldung bekommen.

An der Bar mit integrierter Rezeption empfang man uns recht herzlich und gab uns die vermutlich letzten Schlafplaetze im Hostel. Im 4 Bett-Zimmer angekommen traf ich direkt auf einen sehr sympatischen Kerl, mit dem ich bereits an der letzten Haltestelle ins Gespraech gekommen war.

Ein kurzer Rundgang im Hostel lies mir jedoch graue Haare wachsen. Die Kueche, sowie die Waschraeume waren total verdreckt und in einem erbaermlichen Zustand, was offensichtlich nicht ausschliesslich daran lag, dass die Hostelbetreiber ihr Geschaeft nur halbherzig fuehrten, sondern auch an den 150 Bewohnern, die sich dem ersten Anschein nach nur 4 Toiletten und Duschen, sowie eine Kueche zu teilen hatten.

Da wir aufgrund der Gepaeckbegrenzung in Alice saemtliche Lebensmittel aufgebraucht oder zurueckgelassen hatten, trieb uns der Hunger noch einmal in die „Stadt“, wo an einem Sonntagabend bereits alles geschlossen war….mit ausnahme eines chinesischen Restaurants, in das wir uns auch schnellstens begaben, bevor auch dieser Laden die Tueren schliesst. Ich weiss nicht, ob man den Raum, welchen wir vorfanden wirklich ein Restaurant nennen konnte. Es erinnerte mich eher an ein Nachkriegsesszimmer…. „Damals hatten wir ja nichts“. Es war ein nackter, mit Furnierholz ausgekleideter Raum, mit einer notduerftig ausgekleideten Theke und einigen Stuehlen und Tischen im Stil der 70er Jahre. Nicht zu vergessen sei der Kuehlschrank, in welchem 4 Getraenkedosen mit Logos standen, die es seit meiner fruehen Kindeheit schon nicht mehr gibt.

Wir wurden von einem aelteren Chinesen in sehr gebrochenem Englisch bedient und bekamen letztendlich ein Essen, von dem sich die Einrichtung mal eine Scheibe abschneiden koennte.

Gluecklich nach gut 11 Stunden die Distanz von knapp ueber 2.000 Kilometern ohne groessere Zwischenfaelle zurueckgelegt zu haben und dennoch mit gemischten Gefuehlen ueber die neue Unterkunft, ging es anschliessend, in Erwartung was der Ort noch bringen mag, auf die durchgelegenen Betten.

Es gruesst

Schroddi aus dem Dunny in Donnybrook



Schroddis Tag 223 – Alice, das Wunderland

8 12 2010

Ort: Terrasse vorm Honeymoon-Caravan, Alice Lodge, Alice Springs
Ortszeit: 04.12.2010, 13.15 Uhr
Wetter: 39 Grad waermer als in Deutschland, leicht bewoelkt
Anwesende: Sunshine Reggae

Nachdem wir mit Pauken und Trompeten, Blitz und Donner in diesen beschaulichen Outback-Ort eingefahren sind, waren wir natuerlich gespannt, was Alice noch so fuer uns bereit halten wird.

Vor Meggys Hostel erwarteten uns bei Ankunft bereits Kris und Dallas, welche uns aus Mooloolaba mit dem Flieger nachgereist waren. Immernoch verwirrt von drei Zeitumstellungen in den letzten Tagen fragte ich Dallas, meinen Mooloolaba-Zimmergenossen nach der richtigen Zeit. So hielt er mir grinsend seine Armbanduhr unter die Nase. Seine? Es dauerte eine Sekunde, um zu schalten, dass es sich dabei um meine Uhr handelte, welche ich schon seit einiger Zeit vermisste. Wie sich herausstellte, hatte ich sie vor Wochen in seinem Rucksack liegen lassen.

Meggy hatte bereits einen Job rund 130 km ausserhalb in einem Touristenresort, wollte allerdings noch eine Woche in Alice bleiben, bevor es an die Arbeit geht. Unerwartet wurde sie dann bereits am naechsten Tag abgeholt und verschwand mit Kris und Dalls nach Glen Helen.

So stand ich mit Jana alleine da. In unserem Hostel wurden wir mangels freier Zimmer in einem luxurioesen Caravan im Garten einquartiert. Da wir aufgrund des Preises nicht laenger im grossen Caravan bleiben konnten, bot man uns am naechsten Tag einen „etwas“ kleineren Caravan fuer kleines Geld auf Basis einer woechentlichen Rate an.

Nach zwei Naechten in diesem Kaefig, der ausser einem Bett gerade noch genug Platz fuer das Gepaeck bot, stellten wir fest, dass diesen Caravan ausser uns noch eine Maeusefamilie ihr Zuhause nannten.
Jana fand das gar nicht so lustig und beschwerte sich am naechsten Tag bitterlich an der Rezeption, woraufhin ein Angestellter des Hostels lediglich ein paar Maeusefallen aufstellte. Am naechsten Tag stellten wir fest, dass die Koeder zwar gefressen, die Fallen jedoch nicht ausgeloest waren. Nach erneuter Beschwerde ueber die Maeuse, sowie deren Hinterlassenschaften mit der Bitte diese doch zu beseitigen, kam als Antwort nur, dass die Maeuse vor uns angeblich nicht dagewesen waeren und wir den Dreck doch selbst wegmachen koennten.

Ein weiterer Service des Hostels war kostenloses Fruehstueck von 4 bis 10 Uhr, welches aus Muesli und Toast mit Butter bestand. Ungluecklicherweise war das Muesli in aller Regel zwischen 8 und 9 Uhr leer und trockenes Toast zum Fruehstueck war nicht unbedingt das gelbe vom Ei. So beschwerte sich Jana wieder, dass doch bitte das Muesli noch mal aufgefuellt werden soll, da das kostenlose Fruehstueck ja schliesslich noch mindestens eine Stunde zur Verfuegung stehen muesste. Wieder bekam sie eine patzige Antwort. Sie solle doch Toast anstatt Muesli essen. Keine 2 Minuten spaeter stand sie mit einem verschimmelten Toast an der Rezeption und verlangte zu Recht ein Frisches. Genervt von so vielen Beschwerden am Morgen kuendigte der Manager an, dass sie am naechsten Tag das Hostel zu verlassen habe.

Da unsere Plaene ohnehin im Groben darin bestanden, mittelfristig in den Grossraum Perth zu verlegen, hielt sie nun Ausschau nach einer Mitfahrgelegenheit. Es bot sich ein Australier mittleren Alters an, welchen sie wenig spaeter in der Stadt treffen sollte.

Zur verabredeten Zeit bittete er sie in ein Pub zu kommen, wo er schon stark angetrunken mit leichten Sprachdefiziten auf sie wartete.

Ich waere wohl nicht zu ihm ins Auto gestiegen, Jana hatte jedoch keinen Skrupel. So sollte es dann am naechsten Tag losgehen. Gesagt – Getan, Jana verschwand am naechsten Tag so ploetzlich, wie sie zu unserem Roadtrip hinzugestossen war.

Ich war nun alleine in Alice und verlegte mein Zuhause erstmal in ein Mehrbettzimmer in das Haupthaus des Hostels. Von dort bewarb ich mich online auf Jobs vom Nordwesten bis nach Tasmanien im Sueden.

Das Einzige, was sich kurzfristig ergab, war ein Jobangebot wie folgt: „193km noerdlich von Alice kannst du auf einem Weinberg arbeiten und wirst nach Menge bezahlt, wodurch du mir harter Arbeit bis 200$ taeglich verdienen kannst. Wenn du kannst, komm hoch. Die Arbeit beginnt am Freitag.“ Passenderweise haette ich am Freitag eine Mitfahrgelegenheit von zwei Bekannten bekommen koennen, allerdings waren mir die Informationen einfach zu mau, um von jetzt auf gleich in einen Outbackort mit 190 Nicht-Aboriginal Einwohnern zu verlegen. So schrieb ich ihm am Vortag eine Mail mit einigen Fragen bezueglich Kontakt, Unterkunft, Arbeit und sonstigen Umstaenden.

Von der Antwort machte ich es abhaengig, ob ich am naechsten Morgen aufbrechen wuerde. Als mich dann 30 Minuten vor geplanter Abfahrt eine Mail mit dem Inhalt: Fahr 183km, gucke nach einer Farm und frage nach Hannes“ erreichte, entschied ich mich es lieber sein zu lassen.

So buchte ich mich weitere zwei Tage in mein Zimmer ein. Nach diesen zwei Tagen fragte mich der Hostelmanager wie es denn jetzt weitergehen wuerde. Ich sagte ihm, dass ich noch ein paar Tage bleibe, woraufhin er mir freundlich mitteilte, dass er bereits mein Bett weiter vermietet hatte. Na super, er haette ja mal fragen koennen. Schliesslich weiss er wo ich zu finden bin….

Ersatzweise bot er mir an mit einer Person meiner Wahl wieder in den Maeusecaravan zu gehen. Alternativ haette er noch ein Auto mit einer Matratze drin, auf der ich schlafen koennte. Ich traute meinen Ohren nicht recht und entschied mich fuer den Caravan. Noch am gleichen Tag zog ich dann mit Katharina wieder in die Maeusehoehle.

Auch arbeitstechnisch hielt Alice einige Ueberraschungen fuer mich bereit. Im Internet hatte ich 8 Jobagenturen ausfindig gemacht und auf einer Karte eingezeichnet, Ungluecklicherweise schienen lediglich zwei davon noch zu existieren.

Nr. 1 war uns keine grosse Hilfe, da wir dort lediglich im Internet nach Arbeit suchen konnten. Die zweite Jobagentur direkt ueber einem Sexshop gelegen war hingegen jedoch ein Volltreffer. Sie suchten fuer den kommenden Samstag noch Leute, die auf einem Pferderennen an der Bar arbeiteten, wofuer jedoch eine Alkoholausschanklizenz erforderlich ist, welche 75 Dollar kostet. Alternativ gab es noch eine Stelle als Klofrau zu besetzen, wo ich direkt zuschlug.

Ich freute mich unheimlich auf diesem Job, da in Australien die Jugend lediglich zu Pferderennen geht, um sich hemmungslos zu besaufen. Fuer 37 Dollar die Stunde war ich jedoch bereit einigen Ekel in Kauf zu nehmen. Jana hingegen bevorzugte an einer Bar zu arbeiten und ihrer Ausschanklizenz zu machen. So fuhren wir also samstags mit dem Bus zur Pferderennbahn, wo wir beide bereits etwas frueher anfangen konnten zu arbeiten.

Entgegen meines Klofrauenjobs bestand meine Aufgabe darin, auf dem ganzen Gelaende die Muelltonnen in einen bereits reichlich gefuellten Muellcontainer zu leeren und auf den Toiletten lediglich das Klopapier auffuellen. Mangels Gaesten fuellten sich jedoch die Muelltonnen nicht und die Toiletten waren auch naehzu unberuehrt. So verdiente ich meine ersten 100$ mit ein wenig durch die Gegend laufen und ersetzte immerhin eine Klopapierrolle. Die Arbeit zog jedoch in den spaeteren Stunden etwas an und bei 34 Grad Aussentemperatur stand mir doch recht schnell der Schweiss auf der Stirn, was meinem Chef gefiel. So tingelte ich permanent um das (nicht gerade kleine) Gelaende, zog die Muelltonnen zum Container und leerte sie aus.

Ploetzlich stand eine leicht schwankende Frau neben mir und empoerte sich darueber, dass wir ja gar kein Recycling betreiben. Als ich ihr anbot in den Container zu steigen und den Mist zu sortieren, waehrend ich fuer Nachschub sorgte, verlor sie ihren Sinn fuer Umweltschutz auch ganz schnell wieder und stolperte davon.

Auch auf den Toiletten wurden die Leute immer lustiger. Als ich mit einer Hand voll Klopapierrollen wieder in die Toilette flitzte, um die Bestaende aufzufuellen, war die betroffene Kabine allerdings gerade besetzt. So parkte ich eine Rolle auf der Kabinentuer. Von innen angelte eine Hand nach der Rolle, woraufhin ich ihm direkt eine andere in die Hand drueckte. Kaum drehte ich mich rum, flog mir die Rolle ueber die Tuer an den Kopf.
Das war es wohl nicht, was er wollte…..

Nach getaner Arbeit, gefuehlten 10 Litern Fluessigkeitsverlust und einer wohltuenden Dusche war ich mal schnell 250$ reicher….so schnell kanns gehen.

Auch unser manchmal echt aetzender Hostelmanager versorgte mich hin und wieder mit Arbeit. Er betreibt auch ein Motel, in dem ein Sonnendach fuer seinen Pool errichtet werden sollte. Fuer die dazugehoerigen Pfosten hatte ich dann die vorgesehenen Loecher zu graben. Klang im ersten Moment nicht so kompliziert, entpuppte sich jedoch mit 37 Grad Aussentemperatur, einem stumpfen Spaten und armdicken Wurzeln als echte herausforderung. Nach rund zwei Stunden war das Werk vollbracht und ich hatte 8 beinahe muenzgrosse Blasen an den Haenden.

Anschliessend durfte ich noch mit einem Benzinbetriebenen Stihl-Rasentrimmer den riesigen Garten maehen.

Tommy, falls du das liest….ja, es war ein echter S-T-I-H-L 🙂

Am naechsten Tag ging es darum die Pfosten fuer das Sonnendach einzubetonieren. Waehrend ich schweisstriefend schuftete, unterhielt sich mein Chef neben mir stehend mit einem kalten Bier in der Hand mit einem aelteren Ehepaar darueber, dass die bescheuerten Backpacker ja tolle Billigarbeitskraefte sind, aehnlich wie die Polen in Europa. In meinem Kopf spielten sich binnen Sekunden Bilder davon ab, was ich mit meinem Spaten und seinem Gesicht alles anstellen koennte – Arschloch…

Des weiteren habe ich noch Hecken fuer ihn geschnitten und diverse Kleinigkeiten erledigt, wodurch ich in den letzten 3 Wochen fuer meine Unterkunft nicht mal die Haelfte des Preises zu zahlen hatte.

Nach einer schoenen Zeit im Outback geht morgen mein Flieger in einen etwas angenehmer temperierten Part Australiens, wo das Arbeiten dann (hoffentlich) angenehmer sein wird.

Tschuess Outback, du hast mir gefallen!

Gruesse vom

Schroddi, dessen Antidehydrationsmanagement manchmal ein wenig ins Wasser gefallen ist…



Schroddis Tag 221 – Geruchsneutrale Elefantenpupse

2 12 2010

Ort: Terrasse vorm Honeymoon-Caravan, Alice Lodge, Alice Springs
Ortszeit: 02.11.2010, 21.30 Uhr
Wetter: 24 Grad und ein umwerfender Sternenhimmel
Anwesende: Eine Geckofamilie, welche im Scheinwerferkegel nach Viechzeug jagt

Nachdem ich auf dem Emundi Market bereits einen absolut genialen Kuenstler gesehen habe, welcher gleichzeitig Didgeridoo und Schlagzeug spielte und auf diesem Weg die Marktbesucher mit absolut abgefahrenen Klaengen in seinen Bann zog, hat es mich in den Fingern gekribbelt dieses so anders wirkende Musikinstrument spielen zu lernen.

Hier in Alice hatte ich dann einen Flyer entdeckt, auf dem mit kostenlosen Didgeridooworkshops geworben wurde. Chance also erkannt und direkt wahrgenommen.
Mit Katharina bin ich dann eines Nachmittags im oertlichen Didgeridooshop mit integrierter Konzerthalle vorbei gegangen, um mal an einem Rohr rumzuspielen.

Irgendwie waren wir an diesem Tag wohl die Einzigen, die sich fuer dieses Instrument begeistern liessen. So bat uns der Landenbesitzer, welcher mich mit seinen langen weissen Haaren stark an einen Hippie erinnerte, platz und uns ein Rohr unserer Wahl zu nehmen. Er erklaerte uns kurz wie wir mit den Lippen zu flattern haben und spielte uns ein paar hypnotisierende Toene auf seinem riesigen Klangrohr vor.

So versuchten wir uns anschliessend selbst einen Ton aus unseren Rohren heraus zu pressen. Zu unserer Belustigung erinnerte das Ergebnis eher an einen mit Magenverstimmung auf dem Lokus sitzenden Elefanten. Irgendwie hatte ich mir das Ganze einfacher vorgestellt. So probierten wir eine weile herum, bis ich wenigstens einen monotonen Brummton aus meinem Rohr zaubern konnte. Es dauerte nicht lange bis meine Lippen kribbelten und mich ein wenig an meine letzte Betaeubungsspritze beim Zahnarzt erinnerten.

Nachdem wir also die Basics schon mal verstanden hatten (jedoch noch nicht ordentlich umsetzen konnten), zeigte uns der freundliche Klangrohrhippie eine DVD mit weiteren Tricks und Kniffen, um die ersten anstaendigen Toene aus unseren Didgeridoos zu bekommen. Nach insgesamt ueber einer Stunde Elefantenpupsen spuerten wir letztendlich unsere Lippen gar nicht mehr und gaben vor laeufig auf.

Dennoch fasziniert von diesem Instrument lieh ich mir anschliessend im Hostel ein Didgeridoo aus und pupste froehlich weiter.

Mal sehen, ob ich es eines Tages anstaendig hinbekomme und mir dabei meine Lippen nicht irgendwann komplett wegflattere.

Soweit erstmal von dem, mit den geruchsneutralen Elefantenpupsis.

Gruesse

Schroddi



Schroddis Tag 211 – Wie Jana zu ihrer Schlange kam

1 12 2010

Ort: Terrasse vor unserem Honeymoon-Caravan, Alice Lodge, Alice Springs
Ortszeit: 22.11.2010, 11.11 Uhr
Wetter: Noch angenehme 29 Grad
Anwesende: Zirpende Grillen und unsere brummende Klimaanlage

Vorab hat man bereits viel ueber Alice Springs gehoert. Leider nicht viel Positives, im Speziellen ueber die Aborigines. Oft wurde uns gesagt, dass man sich In Alice nach Einbruch der Dunkelheit nur noch mit Taxis in der Stadt bewegen sollte, da die Aborigines in aller Regel sternhagel voll und recht aggressiv sind. In meinen Augen klag das alles recht ueberzogen und ich konnte es mir einfach nicht vorstellen. Mein erstes halbes Jahr in Australien habe ich nicht einen einzigen Ureinwohner gesehen und liess mich daher einfach mal ueberraschen.

Die ersten Eindruecke hatten wir bereits in Coober Pedi sammeln koennen, als ueberall, im speziellen vor Bottleshops dunkelhaeutige Menschentrauben auf dem Boden hockten.
Des weiteren zeigten sie alles und jedem bei jeder Gelegenheit den Stinkefinger. Wir waren etwas verunsichert, jedoch ohnehin weitestgehend im Auto unterwegs und deuteten daher den Stinkefinger als „Hallo mein Freund“ auf Aboriginal.

In Alice zeigte sich dann ein aehnliches Bild, jedoch hat man sich schnell an den Anblick gewoehnt. Eines schoenen Abends wollten Jana und ich dann den Tag an einem Mahnmal auf einem Huegel ausklingen lassen. Sie ging schon vor und ich folgte ihr wenige Minuten spaeter.

Nachdem ich die ersten Stufen des Huegels erklungen hatte, sah ich Jana bereits mit einem Aboriginepaerchen auf dem Weg sitzen. So gesellte ich mich dazu und sollte Teil einer echt skurrilen Unteraltung werden. Die Beiden (an deren Namen ich mich nicht mehr erinnern kann und selbst wenn, nicht wuesste wie ich sie schreiben sollte) fragten mich nach einer freundlichen Begruessung erstmal nach 5 Dollar, was ich hoefflich mit dem Argument, dass ich kein Geld mit mit fuehre, abgelehnt habe.

Weiter erzaehlten sie in gebrochenem Englisch, dass Jana ihre beste Freundin ist und sie gemeinsam auf den Strassen getanzt haben. Auch, dass sie sie bereits in Adelaide gesehen haben. Offensichtlich war, dass beide total betrunken waren, jedoch irgendwie total suess. Zumindest die Frau. Der Mann hatte eher einen rauhen Ton an sich und wurde immer wieder laut.

Ploetzlich verlangte er nach Janas Arm. Etwas zoegerlich reichte sie ihm den und er begann mit einigen seltsamen Handgriffen bis hoch zur Schulter scheinbar ein Ritual durchzufuehren. Anschliessend teilte er ihr Jana mit, dass er ihr eine Schlange uebertragen hat, welche sie beschuetzen wuerde, wenn jemand ihr boeses tun wolle.

Anschliessend verlangte er nach meinem Arm. Eetwas zoegerlich reichte auch ich ihm meine Hand, woraufhin er direkt nach meiner Uhr griff. Scharfsinnig teilte ihm seine Frau mit, dass er die Uhr nicht nehmen koenne, da sie an meinem Arm befestigt ist. Ich klaerte ihn anschliessend auf, dass die Uhr ein Geschenk von meiner Mutter und mir sehr wichtig ist, was fuer ihn dann auch ok war.

Kurze Zeit spaeter forderte er mich dann auf mich umzudrehen. In diesem Moment wollte ich Jana jedoch nicht aus den Augen lassen. Als dann jedoch auch Jana sagte, dass ich mich eben kurz umdrehen soll, hoerte ich schon, dass seine Freundin an die Stelle, wo sie eben noch gesessen hat, also unmittelbar neben mir, hinpinkelte und unser Gespraech damit beendete. Die beiden Wackelten richtung Stadtzentrum und wir wanderten letztendlich auf den Huegel. Waehrenddessen sagte Jana, dass ihr Arm bei dem Ritual ganz seltsam gekribbelt habe und sie mir normalerweise jetzt aus Spass ein paar Schlangenbisse zufuegen wuerde. Allerdings hatte sich alles so real angefuehlt und sie wolle nicht verantwortlich sein, dass mir doch was passiert.

So beendeten wir den Abend, Jana selbstbewusst mit ihrer Schlange und ich gluecklich noch meine Uhr zu haben, mal wieder um eine Erfahrung reicher.

Es gruesst der Schroddi mit der Schlange an seiner Seite



Schroddis Tag 200 – Der Tod hatte einen Plan…hatte

19 11 2010

Ort: Parkplatz am Lake Hart
Ortszeit: 11.11.2010, 23.00 Uhr
Wetter: 29 Grad, gefuehlt mehr
Anwesende: Etliche Muecken, die auf meinem Monitor tanzen

Heute moechte ich meinen Blogeintrag mal mit einer Mathematischen Formel beginnen.
Es ist mittlerweile etliche Jahre her, dass verzweifelte Paedagogen vergeblich versucht haben mir glaubhaft zu machen, dass Minus mal Minus Plus ergibt. Heute, knappe 15 Jahre spaeter moechte ich auf diesem Weg meinen mittlerweile wohl schneeweissen (woran ich sicher nicht ganz unschuldig bin) Lehrern mitteilen, dass sie wohl doch recht gehabt haben. Wie ich weiss, bin ich ja gluecklicherweise nicht der einzige Schrottvogel auf diesem Planeten. Umso schoener ist es, wenn man dann mal gleichgesinnte oder besser formuliert, gleich geschrottete trifft. Irgendwie scheint diese geballte Ladung Schrottigene dann doch einen positiven Effekt zu bewirken. Um dies an einem aktuellen Beispiel aufzuzeigen, moechte ich unsere Geschichte jedoch von einem etwas frueheren Zeitpunkt an erzaehlen.

Nachdem wir unsere geplante Zeit in Adelaide schon so gut wie rum, alle Waesche gewaschen, Post verschickt und die Rucksaecke schon fast gepackt hatten, rief ich am Vorabend der geplanten Abholung unseres naechsten Ueberfuehrungsfahrzeugs bei der lokalen Autovermietung an, um uns ueber das im Auto vorhandene Kochequipment zu informieren. Die freundliche Dame an der anderen Leitung teilte mir zu meiner Freude mit, dass Toepfe, Pfannen, ein Gaskocher und einiges Weiteres im Auto zur verfuegung stehe. Ach ja, und ganz nebenbei, dass unser Fahrzeug vermutlich einen Unfall hatte und storniert ist. Unglaeubig fragte ich noch mal nach, ob sie gerade einen Scherz gemacht habe oder unser Fahrzeug wirklich nicht mehr verfuegbar sei. Sie bestaetige dies und teilte mir feundlichst mit, dass das Naechstmoegliche erst 8 Tage spaeter abholbar ist.

Da diese Auskunft alle unsere Plaene sprengte, rief ich daraufhin immernoch unglaeubig die Relocation-Agentur an, welche mir ebenfalls diesen Sachverhalt bestaetigte, mir jedoch anbot sich umgehend bei mir zu melden, wenn das naechste Auto verfuegbar sei. Da wir im Hostel ohnehin eine weitere (kostenlose) Nacht gebucht hatten, sahen wir das ganz entspannt und freuten uns auf einen verlaengerten Aufenthalt im schoenen Adelaide.

Am naechsten Morgen erhielt ich dann den rettenden Anruf, dass das naechste Auto zu den gleichen Konditionen bereits zwei Tage spaeter abholbereit sei. So verbrachten wir mit Max und Robert noch zwei schoene Tage und kamen am vorabend vor unserer Abreise ins Gespraech mit Julia, einer anderen Deutschen.

Von ihr bekam ich die wohl schrottigste Australien-Geschichte zu hoeren, die mir bisher untergekommen ist – und ich habe hier echt schon ne Menge schraege Geschichten gehoert.

Sie hatte sich beim Wandern in Neuseeland ungluecklicherweise eine Sehnenscheidenentzuendung im rechten Fuss zugezogen, was sie spaeter in Australien veranlasste, sich einen Roller zu mieten, um ihren Fuss zu schonen. Leider hatte sie es dabei jedoch geschafft sich auf nasser Strasse mit ihrer motorisierten Gehhilfe lang zu machen. Glueck im Unglueck war, dass sie lediglich mit einem angerissenen Miniskus davon gekommen ist, was sie jedoch nicht davon abhaelt ihren Australien-Trip fortzusetzen – und zwar mit einer etwas sichereren Gehhilfe in Form eines Mietwagens, welchen sie vor 2 Tagen mit einem australischen Freund gemietet hatte. So liess sie sich von Melbourne nach Adelaide kutschieren und wollte die naechsten Tage weiter nach Alice Springs fahren, waehren sie nicht fahrlaessigerweise mit 90 kmh durch eine Baustelle gerauscht, wo 40 erlaubt war und an deren Ende die freundlichen Helfer in Blau-Weiss warteten, welche neben 600$ auch den Fuehrerschein ihres Chauffeurs einkassierten. So waren sie nun mit einem Mitwagen in Adelaide gestrandet, welcher in Brisbane, etwa 2000km entfernt wieder zurueckgegeben werden musste. Zu allem Ueberfluss hatte sie auch bereits ihren Weiterflug einige Tage spaeter von Alice Springs geplant, bevor Andrew, ihr Freund das Auto nach Brisbane weiterfaehrt.

Durch den Verlust des Fuehrerscheins standen die beiden jedoch etwas doof da.
Eine telefonische Ruecksprache mit der Vermietung ergab lediglich, dass der zustaendige Betreuer ebenfalls absolut ueberfordert und daher keine Hilfe war.
Saemtliche durchgespielten Szenarien stellten sich als unmoeglich heraus.
In Adelaide oder Alice Springs befanden sich keine Depots, um das Auto zurueck zu geben. Einen weiteren Fahrer zu organisieren fiel auch ins Wasser, da dieses Auto nur zwei Sitzplaetze hatte und selbst zu fahren haette fuer Andrew mit einem Gefaengnisaufenthalt und fuer Julia mit einer Verschlimmerung ihrer Verletzung enden koennen. Obwohl eine Weiterreise nach Alice derzeit unmoeglich schien oder mit grossen Risiken verbunden war, pochte Julia darauf irgendwie in die Wueste zu kommen.

Route

Route

Nachdem Sie uns ihre Geschichte erzaehlt hatte, schaltete sich zumindest bei Jana ganz schnell der Sinn fuers Geschaeft ein. So boten wir ihnen an, dass einer von uns Ihren Van und dafuer einer von ihnen in unserem Auto mitfaehrt, somit alles im legalen Bereich ist und die beiden sicher in Alice Springs ankommen. Das alles fuer eine Aufwandsentschaedigung von „lediglich“ 150 – 200 Dollar. Zu unserem Erstaunen nahmen sie unser Angebot freudig an und wollten am naechsten Tag mit uns aufbrechen.

Um 10 Uhr sollte unser Bushcamper (was auch immer das sein moege) bereit stehen.
Etwa 15 Minuten vorher brach ich mit Meggy Richtung Bushaltestelle auf, um die 5 km zur

Die Kanzerparawane

Die Kanzerparawane

Vermietung nicht laufen zu muessen. Da wir nicht die leiseste Ahnung hatten, an welcher Haltestelle wir aussteigen muessen, kam wieder Ulf, das Aprilscherz-Navi zum Einsatz. Kurz vor dem angezeigten Ziel sprangen wir aus dem Bus und wunderten uns, dass wir noch rund 100 Hausnummern von der Vermietung entfernt waren. So liefen wir auf Ulf fluchend das letzte Stueck und kamen leicht verspaetet an der Vermietung an.

Dort begruesste man uns freundlich und praesentierte uns wie gewohnt ein Video, was die verschiedenen Funktionen des Fahrzeugs erklaerte. Als der Film beendet war, war unser Vermietungsfuzzi allerdings ebenfalls verschwunden und tauchte eine Weile nicht mehr auf. Uns02 Laendlich vor Adelaide sass die Zeit im Nacken, da wir lt. Plan an diesem Tag noch rund 850km vor uns hatten. Als der nette Herr Arsch dann endlich wieder auftauchte und wir den ganzen Papierkram abgewickelt hatten, drueckte er mir einen fertig ausgefuellten Schadensreport des Autos in die Hand und bat mich zu unterschreiben. Verdutzt fragte ich ihn, ob wir das nicht gemeinsam am Auto machen wuerden. Daraufhin kam nur die kurze Abfertigung, dass ich ja noch mal rein kommen koenne, wenn etwas am Auto ist, was er nicht notiert hat. So nahmen Meggy und ich dann unser neues Zuhause in Augenschein, welches nach rund 230.000 Outbackkilometern die eine oder andere Macke davongetragen hatte. Nicht nur, dass einige Kratzer am und im Auto 03 Vulkan, Meteor oder Inselwaren, hatte es auch einen beachtlichen Steinschlag und wie wir erst spaeter feststellen sollten einen Kuehlschrank, der wie ein alter Fischkutter stank. Bevor wir vom Hof rollten, schoss ich mit meinem Handy noch schnell ein paar Fotos von den groebsten Maengeln, um auf Nummer sicher zu gehen. Dieser Geistesblitz sollte meinen Kopf spaeter noch aus der Schlinge ziehen.

Trotz einer echt hakeligen Schaltung hatte unser Buschpanzer ordentlich Bums unter der gut 2 Meter langen Motorhaube. Zwar hatten wir zwei Tanks mit jeweils 70 Liter Fassungsvermoegen, jedoch konnte man davon ausgehen, 04 Tiere am Wegdass diese bei einem freudenbringenden Fahrstil auch schneller leer als wieder voll waren. Zurueck am Hostel trafen wir auf Jana und die anderen beiden Schrottvoegel, welchen in letzter Sekunde eingefallen ist, dass ich ja als Fahrer noch in deren Mietvertrag aufgenommen werden muesse. So rannte Andrew mit meinem Fuehrerschein in die naechste Reiseagentur, um das Ding noch an seine Autovermietung zu faxen. Nach etlichen Versuchen und etwa einer weiteren halben Stunde waren wir dann endlich startklar. Bis 14 Uhr des Tages durfte unser zukuenftiger Fussgaenger noch fahren. Daher bat ich ihn das Auto noch aus der Stadt zu kutschieren, wo ich dann nach Ablauf seiner Frist uebernahm. 05 Messibude top aufgeraeumt

Mit Ulf, unserem Chaosnavi, versuchte ich dann durch den Grossstadtdschungel den Ortsausgang zu finden, waehrend die Huehners neben mir wieder aufdrehten und ihren Spass dabei hatten, sich wie bei einer Achterbahnfahrt zu benehmen.

Mit dem Navi und dem Schaltknueppel in der einen Hand, dem Lenkrad in der anderen Hand, mit einem Auge auf den Verkehr voraus und dem anderen Auge auf den Rueckspiegel gerichtet, um das folgende Auto auf mehrspurigen Strassen zu beachten, fuhren wir erstmal eine Runde im Kreis.

Nach besserwisserischen Spruechen meiner Achterbahnfreundinnen, konnte ich erst fuer Ruhe sorgen, als ich dezent andeutete, dass wenigstens eine von ihnen in Kopfnussweitreiche sitzt und in kuerze einfach ausgeschaltet wird, wenn nicht bald ruhe ist. Manchmal ist Gewalt eben doch eine Loesung – und Maenner Multitaskingfaehig.

Auf den zweiten Versuch ging es dann auf dem Richtigen Weg aus der Stadt. Wie ueblich wurde es schnell laendlicher und wir kamen gut voran. Gegen 14 Uhr legten wir dann die erste Pause ein und mischten uns durch. Ich war ganz froh bei 27 Grad aus unserem engen Auto mit den Plastiksitzen zu kommen und es gegen einen weitaus komfortableren Van tauschen. Andrew tat mir schon etwas leid ohne jegliche Beinfreiheit die naechsten Tage zwischen den beidem Maedels verbringen zu muessen und vor allem dafuer noch Geld bezahlt zu haben…

Unsere Reise fuehrte uns durch laendliche Umgebung entlang des Meeres nach Port Agusta, wo wir die Tanks noch einmal auffuellten. Anschliessend wechselte die Landschaft von jetzt auf gleich auf das gewohnt gruene Outback-Nichts.

Mit meiner Beifahrerin hatte ich in sachen Musikgeschmack echt Glueck. So glitten wir entspannt bangend den ewig geradeausfuehrenden Highway entlang. Kurz bevor die Daemmerung einsetzte hatten wir unseren naechsten Tankstop. Da die letzten hunderten Kilometer so gut wie kein Bewuchs war, entschieden wir uns noch ein ganzes Stueck in die Dunkelheit zu fahren, da wir uns relativ sicher fuehlten und noch ein Stueck voran kommen wollten. Grundsaetzlich sollte man gerade auf diesem Weg nicht in Dunkelheit fahren, jedoch haetten Kaengurus mangels Bewuchs nicht einfach aus dem Nichts auftauchen koennen. 06 Skorpion King

Da die Beleuchtung von meinem Van absolut fuer die Fuesse war und zwischen Windschutzscheibe und Stossstange nur wenige Zentimeter lagen, liess ich Meggy mit dem Panzen und der riesigen Roobar (Australischer Kaengu-Kuhfaenger) vorfahren. Kurz nach unserem Tankstop wechselte jedoch ploetzlich die Landschaft vom absoluten Nichts auf Buschlandschaft mit dichtem Bewuchs direkt am Strassenrand, was uns im nachfahrenden Auto echt gruselte und dementsprechend immer langsamer werden liess. Mit noch gut 50 km/h rollte ich auf den naechsten Parkplatz und weigerte mich weiter zu fahren. Von weiblicher Seite war zwar gewuenscht an einer Tankstelle mit Toilette zu naechtigen, allerdings konnte und wollte ich eine Weiterfahrt einfach nicht mehr verantworten. Nach kurzer Diskussion suchten wir uns eine Nische, assen etwas und legten uns dann in die Betten, wo ich anfing diesen Blogeintrag zu schreiben und waehrenddessen allerlei Viechzeug auf meinem Monitor sammelte.

Vernuenftigerweise klappte ich gegen halb 12 die Kiste zu und versuchte zu schlafen.

Coober Pedi

Coober Pedi

Versuchte… die Stunden gingen ins Land und ich lag immernoch wach. Genau wie Jana eine Etage tiefer. Irgendwann mitten in der Nacht entschieden wir uns noch mal austreten zu gehen und die ganzen Informationstafeln auf dem Parkplatz zu lesen – es gab ja auch sonst nichts zu tun.

Meggy lag quer ueber die Fahrer- und Beifahrersitze und schlief schon seit Stunden tief und fest. Nach Janas Theorie hatten wir wohl ueber einer Wasserader geparkt, was uns den Schlaf raubte. Kurze Zeit nachdem wir wieder im Auto waren schlief sie jedoch tief und fest. Wir wollten am kommenden Tag mit dem Sonnenaufgang aufbrechen.

Coober Pedi-Ost

Coober Pedi-Ost

Ungluecklicherweise wussten wir aber absolut nicht, wann dieser sein wuerde, da wir die letzte Zeit etliche Laengen- und Breitengrade durchfahren hatten, eine Zeitverschiebung und die letzten Naechte in einem Zimmer ohne Fenster geschlafen hatten. Als ich immernoch wach lag als mein Wecker um 4.45 Uhr klingelte und es noch finster war, stellte ich ihn noch mal um eine halbe Stunde weiter und schlief dann endlich ein – wie gesagt fuer eine halbe Stunde.

Am naechsten Morgen erstaunlich hell wach packten wir unseren Krempel wieder zusammen und wollten erstmal an die naechste Tankstelle verlegen.

Untergrund Hotel

Untergrund Hotel

Waehrend Julia hinter unserem Wagen stand sagte ihr Jana unvermittelt in einem ganz ruhigen Ton: „Da laeuft gerade ein Skorpion auf dich zu“. Vollkommen verwirrt von diesem so ruhig wirkenden Satz blickte ich zu Boden und sah tatsaechlich einen Skorpion stattlicher Groesse keinen halben Meter von Julias Fuss entfernt. In Australien sind die meisten Backpacker von Schlangen und Spinnen gegruselt aber dieser Skopion kam fuer mich direkten Weges aus Absurdistan.

Ein Tier, dass in seiner mythologischen Symbolik Bedrohung und Tod verkoerpert. Sollte dies ein Zeichen gewesen sein, dass es die richtige Entscheidung war, am10 Und dunkel wirds Vorabend nicht weiter durch die Dunkelheit zu fahren?

Am naechsten Tag fuhren wir weiter nach Norden und erreichten gegen Mittag bei leichtem Regen die mitten in der Wueste gelegene Opal-Stadt Coober Pedi. An der dortigen Tankstelle legten wir einen Duschstop ein und assen etwas, bevor es darum ging die Gegend zu erkunden. Dort stiessen wir u.A. das erste Mal auf Aborigines , welche etwas unbehagen in uns ausloesten. Da es ohnehin regnete kreuzten wir etwas mit den Autos in der Stadt bis wir an einem Untergrundhotel landeten, welches in einen alten Minenschacht gebaut war. Nach einer Erkundung bot uns der Hotelwirt an 11 Janas Freundkostenlos einige Rohopale als Souveniere mitzunehmen.

So, jetzt stellt mal eine Frau vor eine Kiste mit hunderten glitzernden Steinen und sag, dass sie sich nur zwei mitnehmen darf. FuNkTiOnIeRt NiChT!!!!!

Nach einer halbe Stunde Stand Jana vor „nur“ noch 8 Steinen, zwischen denen sie sich nicht entscheiden konnte. So handelte sie einen Preis von 5 $ aus und nahm sie letztendlich alle mit.

Weiter ging unsere Reise nach Norden als wir mit einbrechender Daemerung die Grenze zum

Klofrau

Klofrau

Northern Territory passierten als ich ploetzlich einige Hundert Meter voraus das Gefuehl hatte, etwas wahrgenommen zu haben und das Tempo drosselte. Als wir naeher kamen, entpuppte sich das Etwas als ein gut 1,5m grosses Kaenguru. Als ich langsam heranfuhr und das Fenster runter kurbelte, um es zu fragen, ob auch seine Kumpels hier rumhaengen, hopste es wortlos zurueck in den Busch. Wieder deuteten wir dies als ein Zeichen. Diesmal eher als direkten Bugschuss. So drosselten wir das Tempo und ich lies Meggy mit ihrem Raeumgeraet wieder den Vortritt. Nur wenige Kilometer weiter sah ich ein etwa 4 Meter grosses Kaenguru etwa 50 Meter von der Strasse entfernt. Nach einem Tipp entdeckte es auch Julia. Naeherkommend entpuppte es sich allerdings als ein sehr markant 13 Kulgerageformter Baum. Wieder hatten wir ein Zeichen des Todes erkannt, drosselten wiederum das Tempo und fuhren am naechsten am Kulgera Roadhouse raus.

Dort angekommen liess sich irgendwie kein schoener Schlafplatz auftun. Also ging ich ins Roadhouse und fragte nach entsprechenden Schlafmoeglichkeiten. Ungluecklicherweise wurde uns anstatt einer Parkplatznische nur der dazugehoerige Campingplatz angeboten, auf dem wir dann zwangslaeufig fuer 4 Dollar pro Person eincheckten.

Bei der Erkundung der dazugehoerigen Waschraeume kam mal wieder richtige 14 Neulich auf dem MondOutbackstimmung auf. Nicht nur war alles voller Kaefer, sondern hingen dort auch reichlich Spinnen rum, die gross genug waren, um aus der Naehe ihre vermutlich toedlichen Beisswerkzeuge zu sehen.

Ganz anders erging es Jana. Sie kam froehlich mit einem kunterbunten Babygecko aus dem Bad, mit dem sie die naechsten Stunden einen Monolog fuehren sollte.
Aufgrund der zeitlichen Gegebenheiten hatten sich unsere beiden zwangslaeufigen Begleiter am gleichen Mittag entschieden am kommenden Tag an der Abzweigung zum Uluru weiter nach Alice zu fahren, da am

Kings Canyon

Kings Canyon

darauffolgenden Sonntag morgen deren Freundin aus Brisbane eingeflogen kommt, um das Auto weiter zu fahren.

Daher setzten wir uns abends noch auf ein kuehles Blondes ins Roadhouse, waehrend sich Jana weiterhin mit ihrem Freund und damit gleichzeitig die kopfschuettelnden anderen Gaeste unterhielt.

Nach einer geruhsamen Nacht – diesmal mit Schlaf, denn wir hatten wohl die Wasserader verfehlt – war unser Plan mittags den Kings Canyon zu besichtigen und abends noch rechtzeitig zum Sonnenuntergang am grossen roten Brocken einzutreffen.

Garten Eden

Garten Eden

So ging es mit dem Sonnenaufgang weiter bis wir an die an der Strassengabelung zu Uluru gelegenen Tankstelle kamen, alle Tanks auffuellten und ein paeuschen machten. Dort sprang uns dann eine Freundin aus Adelaide vor die Fuesse, welche bereits einen Tag vor uns mit einer Bustour aufgebrochen war.

Nach kurzer Verabschiedung und 150 zusaetzlichen Dollars in der Tasche ging es dann weiter in Richtung Kings Cannyon. Nach gut 300 Kilometern kurviger Schlagloecher, umrandet mit Asphalt erreichten wir am Mittag den Canyon. Nach inspizierung der oertlichen Begebenheiten erfuhren wir, dass die Wanderstrecke nicht ohne ist und rund 4 Stunden in Anspruch nehmen wird. Bei 29 Grad und strahlend blauem 17 CannyonHimmel entschied sich Meggy kurzfristig nicht an unserer Wanderung teilzunehmen. Da die 4 Stunden wirklich knapp waren, um rechtzeitig zu Sonnenuntergang (wann immer der sein wuerde) am roten Brocken zu sein, war die Ueberlegung anfangs nur ein Stueck zu wandern, allerdings lag der Garten Eden genau auf der haelfte der Strecke und war eigentlich der Grund, warum ich mit Jana dort hoch wollte. So entschieden wir uns eben „etwas“ schneller zu laufen. Auf diversen Schildern war gewarnt ausschliesslich mit festem Schuhwerk, Hut, Sonnencreme und einem Liter Wasser/Stunde den Wanderpfad anzutreten. Barfuss in Surfshorts und Bikini mit 2 Litern Wasser fuer uns beide machten wir uns dann auf den Weg – im Eiltempo. Nach rund 50 18 BrockenMinuten hatten wir komplett ausgelaugt von der Hitze den Garten Eden erreicht. Am dortigen Wasserloch war unser Plan mit Kamera bewaffnet hinter eine Conservation Area zu schwimmen, wo man direkt am Abgrund eines gut 75m tiefen Wasserfalls im Wasserloch entspannen kann.

Als wir dann ins Wasser sprangen checkte leider die Reiseleiterin einer gerade angekommenen Gruppe, was wir vorhatten und verbot uns mit dem Satz „in 20 Minuten sind wir eh wieder weg“ die Conservation Area zu ueberqueren. So sassen wir also die Gruppe aus, schwammen anschliessend hinter die

Da waret

Da waret

Conservation Area und wurden mit absolut einmaligen Impressionen belohnt. Irgendwann machten wir uns auf den Rueckweg und schafften den Rundgang inkl. einstuendiger Pause am Wasserloch in 3,5 Stunden. Zurueck am Parplatz belohnten wir uns mit einer kurzen Dusche aus der Wasserflasche und machten uns wieder auf den Weg. Bereits spaeter dran als geplant, liess ich mich das erste mal in Australien darauf ein die Geschwindigkeitsbegrenzung eher als Richtgeschwindigkeit anzusehen, was auf einer kurvigen Strecke mit teils 30 cm tiefen Schlagloechern zeitweise echt zur Herausforderung wurde. Als wir noch eine ganze Ecke vom Steinchen entfernt waren, raste die Sonne schon unaufhaltsam dem Horizont entgegen. Obwohl wir bereits wieder rund 400 km

Gewitta

Gewitta

nach Westen gefahren waren ging die Sonne bereits wesentlich frueher unter. Warum?

Wir hatten drei Uhren, welche alle unterschiedliche Uhrzeiten anzeigten, zudem hatten wir mit der Grenze des Northern Territorys mal wieder eine andere Zeitzone erreicht und waren dadurch mal wieder total verplant.
Mit der Dunkelheit erreichten wir dann den entsprechenden Nationalpark, was jedoch relativ uninteressant war, da man anstatt einen roten Brocken lediglich noch einen schwarzen Umriss sah. So kam dann wie ueblich die knifflige Frage nach einem Nachtlager auf. Direkt am Eingang des Nationalparks ist ein riesiges Touristenresort mit Hotels, Tankstelle und Campingplatz. Jedoch steht selbst im Reisefuehrer ein unterschwelliger Tip, lieber die 20 km weiter zu fahren (falls verantwortbar) und auf einer freien Restarea zu schlafen.

Wir wollten wenigstens mal sehen, ob es in Yulara, der Touristadt nicht doch eine Nische fuer eine nicht ganz legale Uebernachtung gibt. Leider wimmelte es dort von Security, weshalb wir wenigstens einen Blick auf den Campingplatz werfen wollten. An der Rezeption teilte man uns dann freundlich mit, dass uns eine Nacht 50 $ kosten wuerde. Somit war die Entscheidung bereits gefallen diesen Ort der Touristenausbeute definitiv zu verlassen. Da wir dort seit 3 Tagen das erste mal wieder Empfang mit unseren Handys hatten, wurde erstmal ein kurzes Lebenszeichen an die Heimat abgegeben.

Traurigerweise endete dies wie ueblich wieder mit schlechten Nachrichten fuer einen von uns. Ein guter Freund von Jana wurde einige Tage zuvor von einem Zug erfasst und hat leider nicht ueberlebt.

Mit getruebter Stimmung fuhr ich uns dann die letzten 20 Kilometer auf den freien Rastplatz. Unterwegs hatten wir ENDLICH die Situation, die wir nun schon so haeufig und mit allen Mitteln herausgefordert hatten. Kurz vor uns hopste ein Kaenguru auf die Strasse und blieb irritiert im Scheinwerferlicht stehen. Langsam genug gefahren – frueh genug erkannt fuhr ich langsam an unseren Freund heran, um auch mit ihm mal eine Konversation zu beginnen, worauf sich dieser jedoch nicht einliess.

Mit letzter Kraft erreichten wir unseren Rastplatz, bauten kurz das Auto um und fielen in den Schlaf.

Am naechsten Morgen schmiss mich mein Wecker wieder kurz nach 5 Uhr aus dem Bett.
Bei einem Spatziergang um den Parplatz entdeckte ich am Horizont eine Wolke, in der es mehrmals in der Sekunde zuckte. Entweder handelte es sich um die wahrscheinlich geilste Technoparty, die jemals im Outback gefeiert wurde oder eben um ein Gewitter mit stroboskopartigen Blitzen. Zweiteres sollte widerum nur ein Zeichen sein fuer das, was uns an diesem Tag erwarten wuerde.

Kurz zusammengepackt machten wir uns wieder auf den Weg, um vor Sonnenaufgang am Steinchen zu sein. Kurz vor Einfahrt in den Nationalpark versteckten wir Jana im hinteren Teil des Fahrzeugs, wodurch wir nur 50 anstatt 75 $ Eintritt zahlten. Am speziell fuer den Sonnenaufgang errichteten Parkplatz (ist das nicht allein schon pervers?) angekommen, tummelten sich schon die Touristenschaaren mit ihren Spiegelreflexpenisverlaengerungen. Ich suchte mir ein bequemes Plaetzchen in 2,8m hoehe auf unserem Wagendach und bin dadurch beinahe genauso oft abgelichtet worden wie der Hauptgrund des Getuemmels.

Wie ich da so sass und eine uneingeschraenkte Sicht auf den nackten, roten Klumpen hatte, isses mir auf einmal voll spirituell geworden und ich haette am liebsten meine Klamotten vom leib gerissen und waere in den Busch gegangen, um im Einklang mit der Natur….

….ach was solls, glaubt mir ja eh keiner. Also weiter im Text….

Leider hatten wir die Leute an diesem Tag kein Glueck mit dem Sonnenaufgang, da der Himmel etwas bewoelkt war. Relativ schnell verschwanden all die Touristenbusse, sowie ein grossteil der Autos wieder. Nachdem sich der ganze Trubel gelegt hatte, kam dann die Sonne zum Vorschein und belohnte uns mit einem wunderschoen leuchtenden Fels. Mitten auf dem Parkplatz sitzend machten wir uns dann nach Pennerknigge Fruehstueck, raeumten unsere Messibude auf und machten uns auf den Rueckweg zum Stuart Highway. Die morgentlichen Woelkchen formierten sich relativ schnell zu einer imposant anmutenden schwarzen Front, aus der massig Blitze zu Boden schossen.
Diese Front wuchs in rasanter Geschwindigkeit. Kurze Zeit spaeter war in noerdlicher (wo wir hin mussten) und westlicher Richtung (wo wir herkamen) scheinbar der Weltuntergang nicht weit. Nahezu trocken erreichten wir unsere Strassengabelung des Vortags in Erldunda wieder, wo wir erstmal fuer 112 $ die Tanks auffuellten und von unserer West-Ost-Route auf den Stuart Highway Richtung Norden abbogen. Nun sollte es mitten ins Unwetter gehen. Ich habe seit Verlassen Deutschlands kein Gewitter mehr aus der Naehe gesehen. Nun sollte ich ausgerechnet in der Wueste ins eines geraten.

Die Rotation war einfach beeindruckend

Die Rotation war einfach beeindruckend

Kurze Zeit spaeter oeffnete sich der Himmel und liess scheinbar mehr Wasser auf uns niederregnen als die Wueste in den letzten 10 Jahren gesehen hat. Nach einigen Minuten erreichten wir die ersten ueberfluteten Strassenabschnitte und hatten riesigen Spass unserem Auto mal eine ordentliche Unterbodenwaesche zu verpassen (die es auch noetig hatte). Auch die ganzen Fliegenreste spuelte es endlich mal von der Scheibe und als wir rund 50 km spaeter Die Gewitterfront veriessen, hatten wir seit Ewigkeiten mal wieder freie Sicht. Nach einem Blick in den Rueckspiegel musste ich zum Entsetzen der Maedels das Auto mit blockierenden Raedern im Schotter zum stehen bringen und sprang aus dem Wagen, denn hinter uns erstreckte sich ueber den gesamten Horizont die mit

Das Schmuddelwetter folgte uns

Das Schmuddelwetter folgte uns

Abstand imposanteste Boehenwalze, die ich in meinem Leben gesehen hatte. Die Rotation war mit blossem Auge bestens zu erkennen und bewegte sich rasant auf uns zu. Mit dem Unwetter im Nacken eilten wir dann die letzten Kilometer nach Alice Springs, wo wir erst an Jana und mein Hostel zum Ausladen fuhren und anschliessend zum YHA, wo wir Meggy absetzten. In diesem Moment hatte uns das freundliche Ungewitter bereits auch schon wieder eingeholt. Um es auszusitzen blieb allerdings nicht viel Zeit, da wir wie immer in letzter Minute das Auto loswerden mussten. So kamen wir 6 Minuten vor Abgabefrist bei der Autovermietung an. Die Dame sprang kurz raus und kam mit einem etwas zerknirschten Gesicht zurueck. Sie meinte wir haetten einen krassen Steinschlag in der Scheibe und waren so doof keine zusaetzliche 24 woelkchenVersicherung abzuschliessen. Das wuerde teuer werden.

Im ersten Moment fiel mir alles aus dem Gesicht. Im zweiten Moment jedoch mein Ass aus dem Aermel. Ich sagte ihr, dass der Kackvogel in Adelaide den Schadenbericht schlampig und ohne mein Beisein ausgefuellt hat und das Auto ohnehin in erbaermlichen Zustand und dreckig war. Darueber hinaus habe ich Bilder u.a. von dem Steinschlag gemacht, die ich ihr zeigen koenne. Bei einem Griff an meine Hose musste ich allerdings feststellen, dass ich mein Handy im Hostel liegen hatte, was jetzt meine Argumente etwas schaechte.
Ich redete noch etwas auf sie ein und versprach ihr die Bilder per Mail zu schicken, wenn ich zurueck im Hostel bin. Andererseits haette es mich rund 40 Dollar Taxi gekostet mein Handy extra zu holen. Da ich ja so ein charmantes und vertrauenswuerdiges armes Backpackerlein bin, liess sie sich auf meinen Deal ein.

Zurueck im Hostel machte ich mich direkt dran ihr die Bilder zu schicken. Diese Bilder waren nicht nur mit einem Zeitstempel versehen, sondern zeigten auch beim Foto durch die Windschutzscheibe das Gebaeude der Autovermietung in Adelaide.

Am naechsten Tag erhielt ich eine total suesse Mail von ihr, in der sie sich fuer die Bilder bedankt hat und immernoch total hin und weg von meiner ehrlichen Art war.

Wenn sie gemerkt haette, dass wir rund 300 km mehr gefahren sind als es uns erlaubt war….Bescheissen und beschissen werden, wir Backpacker tun’s doch alle 🙂

Also, vorsicht vor Leuten mit grossen Rucksaecken….

Nach 2.400 km, zwei Schlangen-, drei Kaenguru- und einer Skorpionsbegegnung, mindestens zehn Vogelschlaegen und jeder Menge Moehren gruesst der Schroddi, der die Zeichen zu deuten wusste und dem Plan des Todes entronnen ist…im Gegensatz zu einigen Voegeln.

Final Destination Alice Springs!

Somit waere bewiesen, dass Minus x Minus Plus ergibt und Julia und ich die teils verheerenden Effekte des Schrottigens gemeinsam neutralisieren konnten und einen erfolgreichen Trip hatten.



Schroddis Tag 195 – Wer zum Teufel ist Ulf?!

19 11 2010

Ort: My Place, Adelaide, Zimmer 2
Ortszeit: 09.11.2010, 10 Uhr
Wetter: 22 Grad
Anwesende: Ich, also aehm Ulf

Bereits im Artikel ueber unsere Fahrt nach Adelheim hatte ich erwaehnt, dass ich unser Navi Ulf getauft habe. Ulf hat sich seinen Namen wirklich verdient. Wie es dazu gekommen ist, moechte ich an dieser Stelle kurz erklaeren.

In Australien trifft man sich immer mindestens zweimal. Ist ja schliesslich nur ein kleines Inselchen. So kam es, dass Max und Robert, zwei Freunde von Jana, die sie bereits in einer ganz anderen Ecke des Landes kennengelernt hatte, fast zeitgleich in die toedliche Zivilisation Adelaids einfuhren. Nach mehreren Wochen im Outback nahezu ohne Kontakt zu Zweibeinern, die in der Lage sind sich zu artikulieren, gewoehnt man sich recht schnell seltsame Eigenheiten an.

So bruellte Max immer nach Ulf, wenn er ein sprudelndes Kaltgetraenk zu sich genommen hatte. Eines Tages war Jana so liebreizend fuer uns das Abendessen zu kochen. Im Beisein unserer verwirrten Killerin Nr. 1 bat ich sie anschliessend einfach im Gang nach Ulf zu bruellen, wenn das Essen fertig ist. Von diesem Tag an nannte mich unsere Killerin lustigerweise nur noch Ulf, was vor Gericht bei einem Mordgestaendnis vermutlich zu Verwirrung gefuehrt haette, wenn sie ihr Opfer auch noch mit falschem Namen nennt…

Wie ich jetzt auf die Namensgebung unseres Navis kommen?
Ganz einfach, das Ding ist mir jetzt schon viel zu oft uebel aufgestossen. *burp‘

In diesem Sinne

Gruesse Ulf



Schroddis Tag 194 – Der Killer in meinem Schlafzimmer

19 11 2010

Ort: My Place, Adelaide, Zimmer 2
Ortszeit: 08.11.2010, 17.30 Uhr
Wetter: 21 Grad
Anwesende: Ein zum Glueck freies Bett

Adelaide ist ansich eine wunderschoene aber toedliche Stadt.
Man kann dort bei der Stadt kostenlos Fahrraeder ausleihen, mit welchen man wunderbar, selbst auf mehrspurigen Strassen, in den Gegenverkehr fahren kann.

O-Ton: „Guck mal Paddy, ich hab dich ueberholt!“
„Schoen, du befindest dich aber auch gerade im Gegenverkehr auf einer dreispurigen Stadtautobahn…“

Auch kann man bei einem wiederlichen Schnellrestaurant, dessen Namen ich jetzt nicht nennen moechte, kostenlos ins Internet gehen. Wenn man dies allerdings am Wochenende um 3 Uhr morgens bei Mc Doedels* versucht, koennte es passieren, dass die Haupteingangstuer aus Sicherheitsgruenden geschlossen ist, im Innenraum vier Securities patrollieren und vor der Tuer die Polizei steht. Dabei trifft man auf lauter nette Menschen, die unter u.a. gerade aus ihnen unbekannten Umstaenden ihre Zaehne verloren haben und einem anraten lieber nach Hause zu gehen.

Aber was soll man dann zu Hause, wenn dort der Killer im eigenen Schlafzimmer wartet.

Und zwar einen Killer in Form einer etwa 30 jaehrigen verwirrten Frau, die ploetzlich in der Hostelkueche auftauchte und ganz unentschlossen berichtete, dass sie auf eine Hochzeit in Indien eingeladen ist und nicht wusste, ob sie dort hingehen soll. In jedem Fall war es zu spaet, um sich um Hostel fuer eine weitere Nacht einzubuchen, ob Hochzeit oder nicht. Aus mir unerfindlichen Gruenden wurde diese Frau eingeladen diese Nacht im freien Bett unseres 4-Bettzimmers zu verbringen.

So hatten wir nun eine echt schraege Tante in unserem Zimmer, von der wir weder wussten wer sie war, noch was sie hier wollte. Unsere Phantasie spann immer weiter und irgendwann waren wir uns dann sicher, dass sie ein Killer sein muss.

So nannten wir sie inoffiziell unseren Killer. Natuerlich war ich wieder so daemlich ueber unseren Killer zu sprechen, waehrend sie sich zur gleichen Zeit (vermutlich mit todbringenden Waffen) unter ihrer Decke versteckt hat. Wir haben das Spiel dann soweit getrieben, dass sich Jana u.A. ihren Ausweis hat zeigen lassen.

Nach drei Tagen war der Spuk dann vorueber und sie verschwand wieder so ploetzlich wie sie gekommen war. Im Nachhinein weiss ich jedoch nicht, ob freiwillig oder wegen unseren Bloedeleien.Da wir alle noch am leben waren, freuten wir uns, dass das Bett wieder frei war.

Noch am gleichen Tag kam allerdings Meggy auf mich zugerannt und teilte mir annaehernd panisch mit, dass ein neuer Killer in Form eines stark behaarten Mannes mittleren Alters mit Leopardenkoffer eingecheckt hat, im Bett liegt und wortlos die Decke anstarrt. Also ging ich mit ins Zimmer und die Situation klaerte sich relativ schnell auf. Es handelte sich um einen Perser, der im Streit vor seiner Frau abgehauen ist und ein paar Tage im Hostel abstieg. Ein Killer, der vor seiner Frau abhaut? Somit war die Situation auch entscharft.

Nachdem er sich wieder gefangen hatte, war er sogar so suess die Maedels nach Tipps im Umgang mit seiner Frau zu fragen.

Er blieb letztendlich zwei Tage und liess sich anschliessend von seiner Frau wieder abholen.

Tags drauf checkte widerum eine Fau um 30 Jahre ein, die wir dann einfach und ganz unverbluehmt als unseren Killer bezeichneten, was fuer sie dann auch ok war. Eigentlich war sie ja ganz sympathisch…

Dennoch schien Adelaide ein echt toedlicher Ort zu sein, den wir ganz souveraen ueberlebt haben.

Es gruesst ein toetungsresistenter Schroddi

*Name vom Autor geaendert



Schroddis Tag 189 – Im Schlachtschiff unterwegs mit zwei verrueckten Huehnern

16 11 2010

Ort: Irgendwo im Nirgendwo zwischen Gooniwindi und Broken Hill

Ortszeit: 31.10.2010, 14.30 Uhr

Wetter: 29 Grad

Anwesende: Zwei verrueckte Tanten und ein boeser Onkel

Nach rund 170 Tagen, 60.000 gespuelten Tellern, annaehernd einem halben Liter Blutverlust und viel zu vielen schraegen Aktionen entwickelte sich in letzter Zeit langsam aber sicher ein unterschwelliger Drang dieses Miami Beach-Feeling hinter sich zu lassen und mal wieder auf Reisen zu gehen. Doch die Entscheidung, wohin es diesmal gehen sollte fiel nicht ganz einfach, da es auf dieser kleinen Insel doch einiges zu sehen gibt.

Auch die zwischenzeitlich arbeitslos gewordene Meggy packte das Reisefieber erneut und plante mit Kris und Dallas ins Landesinnere zu reisen. Als mit Alice Springs deren Ziel schon feststand und es nur noch um die Wahl des entsprechenden Verkehrsmittels ging, entschied sich Dallas spontan, kurzfristig wieder wieder fuer gut 2 Wochen auf ein Fischerboot zu gehen und unter einem pruegelnden Skipper mit einem breiten Grinsen im Gesicht Haie und anderes Getier auszuweiden.

So stand Meggy mit ihrem Wunsch schnellstmoeglich australisch Miami zu verlassen wieder alleine da – fast, denn mit dem Gedanken in das Herzen dieses Kontinents zu reisen hatte ich auch bereits gespielt. Allerdings wollte ich die Strecke auf keinen Fall fliegen, sondern etwas oder nichts (das Nichts) sehen.

Da wir in der Vergangenheit gute Erfahrungen mit Relocation Cars gemacht haben und es im Prinzip der guenstigste Weg zu reisen ist, entschlossen wir uns auf ein passendes Auto nach Alice zu warten. Da ich jedoch nach wie vor im Nacktcafe arbeitete, wollte ich der Fairness halber noch eine Woche warten, um dem Cafe die Chance zu geben, einen Nachfolger fuer mich zu besorgen. In der kommenden Woche hatte ich meine beiden freien Tage am Freitag und Samstag. Diese Tage wollten wir noch nutzen, um einiges zu sehen und Sonntag sollte dann mein letzter Arbeitstag sein. So beschlossen wir am Freitag in den Australia Zoo und Samstags nach Double Island zu fahren.

Als wir dann Freitags auf den Bus zum Zoo warteten, klingelte mein Handy und die freundliche Dame der Relocation Agentur bot mir zwei Autos an. Das Erste fuer den kommenden Tag von Brisbane nach Adelaide und das Zweite am 9. November von Adelaide nach Alice Springs.Nach einer etwa 5-Sekuendigen Ruecksprache mit Meggy schlugen wir zu. Mit gemischten Gefuehlen ging es dann in den Zoo. Einerseits sprudelte die Vorfreude auf den kommenden Roadtrip, andererseits plagte etwas Wehmut so ploetzlich den Ort zu verlassen, der im letzten halben Jahr unser Zuhause geworden ist. Zudem schossen mir noch 1000 Sachen durch den Kopf, welche am gleichen Abend noch zu erledigen waren.

Nach einem wunderschoenen Tag im Zoo in Gedenken an den Nationalhelden Steve Irwin ging die Rennerei dann los. Im Hostel angekommen bestaetigte ich zuerst die Abholung des Fahrzeugs. Da es wieder ein 6-Bett Campervan war, boten wir anschliessend am schwarzen Brett Mitfahrgelegenheiten nach Adelaide an. Danach ging es im Eiltempo in die Stadt, um meine letzten Arbeitgeber zwecks Papierkram abzuklappern. Darueber hinaus besuchte ich auch ein letztes Mal das italienische Restaurant, um mein seit gut 6 Wochen ausstehendes Gehalt einzufordern.

Weiter ging es in den oertlichen Souvenierladen, um mit noch ein Sunshine Coast-Shirt zu kaufen. Dort wartete bereits Jana auf mich, welche die Kassiererin bereits mit der Frage nach einem Typ mit einem Smile auf dem Kopf ordentlich verwirrt hatte.

Eigentlich wollte sie mich zum Strand schleppen, wir kamen aber bzgl. der anstehenden Tour ins Gespraech. Ihr fiel der Gedanke ganz gut, wollte noch eine Nacht darueber schlafen, entschied sich dann jedoch relativ schnell am naechsten Tag mit uns zu kommen.

Jana ist definitiv eine der chaotischsten und verrueckstesten Personen, die ich in meiner Zeit in Down Under getroffen habe, was natuerlich eine abgefahrene Zeit voller verrueckter Aktionen versprach. Zurueck im Hostel handelte ich meine (nicht mehr) zu zahlende Miete aus, kopierte einige Daten, brachte meinem Arbeitskollegen seine externe Festplatte zurueck, organisierte uns eine Mitfahrgelegenheit nach Brisbane, wo wir unser Auto abholten und begann dann langsam zu packen.

Wenn man nach einem halben Jahr an einem Ort haeuslich geworden ist, faellt das Packen jedoch nicht mehr so einfach. So zog sich diese Aktion bis etwa 2 Uhr morgens. Als der Rucksack nach allen Regeln der Kunst vollgestopft und geschlossen war, verschwand ich noch fuer ein Zigarettchen auf dem Balkon. In diesem Moment kam Maggus von der Arbeit und wir sassen noch eine Weile zusammen. Kurz bevor es dann hell wurde, verzog ich mich ins Bett, um wenigstens noch zwei Stunden zu schlafen, bevor die Reise losging.

Kurze Zeit spaeter checkten wir im Hotel California aus und luden das Gepaeck von vier Backpackern (wir Drei + Fahrer) in einen Kleinwagen, dessen Stossdaempfer in den kommenden Stunden die vermutlich haerteste Zeit ihres ihres Lebens durchleben sollten.

Bis unters Dach beladen rollten wir dann nach ausgiebiger Verabschiedung vom Hof. Nach rund einer Stunde und unserer verpassten Ausfahrt vor Brisbane schlaengelten wir uns dann durch die Innenstadt und erreichten kurze Zeit spaeter Das Mietwagendepot, in dem wir zuletzt vor rund einem halben Jahr unser letztes Auto abgegeben hatten.

Unser Mutterschiff Klausi Mausi

Unser Mutterschiff Klausi Mausi

Mit der wie ueblich deutschen Tante der Autovermietung erledigten wir dann den ganzen Papierkram und besichtigten anschliessend unseren fast neuen Volkswagen Campervan.

Unser erstes Ziel war der nahegelegene Supermarkt, um uns mit allem noetigen fuer die Reise einzudecken. Da es nicht so einfach ist mit einem 3,5m hohen und rund 7m langen Schiff einen Parplatz vor einem Supermarkt zu finden, schmiss ich die Maedels raus, stellte mich an den guenstigsten Ort und begann Karten zu studieren und unser kleines Outdoor Navi zu programmieren. Nach gefuehlten fuenf Stunden, kam dann Meggy mit einem reichlich gefuellten Einkaufsagen zurueck, die Dritte im Bunde fehlte jedoch nach wie vor. Weitere 20 Minuten spaeter tauchte auch Jana mit einem Einkaufsagen voller toller Sachen auf.

Als dann alles sicher verstaut war, konnte es endlich auf die eigentliche Reise gehen. Die erste Aufgabe bestand darin, aus Brisbane raus zu kommen. Im Optimalfall natuerlich in die richtige Richtung. Erfahrungsgemaess stellt sich diese Aufgabe jedoch nicht so einfach da. Da unser Navi keine Halterung fuer Autos besitzt, lies ich Meggy navigieren und versuchte das Schlachtschiff, getauft Klaus, sicher durch den Grossstadtjungel zu manoevrieren. Als die Route waehrend der Fahrt zum fuenften Mal neu berechnet wurde, versuchte ich waehrend der Fahrt auch die Navigation in die Hand zu nehmen. Es war ja wirklich lieb gemeint, dass Jana mich im gleichen Moment mit Essen versorgen wollte, allerdings musste ich sie daran erinnern, dass wir Maenner nicht wirklich Multitaskingfaehig sind und ich meinen tropfenden Wrap lieber essen wollte, wenn ich nicht gerade auf einer stark frequentierten, mehrspurigen Stadtautobahn mit einem viel zu grossen Auto fahre und nebenbei mit einer Hand versuche ein viel zu kleines Navi zu bedienen.

Ohne Helm, ts, ts, ts....

Ohne Helm, ts, ts, ts....

Letztendlich schafften wir es aus dem gehassten Grossstadtdschungel, der Verkehr liess schnell nach und die Umgebung wurde sofort laendlicher. Daher goennten wir uns eine kurze Rast an einem sehr schoenen Barbequeplatz mit Schaukel und Wippe.

Nach einem goettlichen Essen (nachtraeglich einen herzlichen an die Wrapartistin, die dieses Essen unter schwierigsten Bedingungen in einem heftig schaukelnden Auto gezuabert hat) schaukelten wir dann unseren Kreislauf wieder in Schwung und rollten weiter in Richtung Hinterland.

Unser Tagesziel war eine Gesamtstrecke von rund 380 Km und hiess laut Landkarte 03 Duster wirdsGoondiwindi“, direkt an der Staatsgrenze zu New South Wales gelegen.

Diese 380 Kilometer zogen sich jedoch wie Kaugummi, da eine Hoechstgeschwindigkeit von 100 kmh diesen Streckenteil dominierten, die Strassen immer schlechter wurden, die Dunkelheit relativ schnell zu unserem Begleiter wurde und die letzte Nacht bekanntlich nur rund zwei Stunden hatte.

Mit reichlich Pausen unter dem atemberaubensten Sternenhimmel, den man sich vorstellen kann, erreichten wir letztendlich unser Ziel: Den beleuchteten Parplatz eines bekannten und verachteten Fast Food-Restaurants. Ungluecklicherweise parkten wir direkt unter einem Scheinwerfer, sodass massig tote Kaefer und Falter vom Himmel hagelten. Dies sollte aber nicht die schlimmste Plage auf unserer Reise werden….04 Outback

Ungluecklicherweise hatte an diesem Abend niemand mehr daran gedacht, einen Wecker fuer den naechsten Morgen zu stellen. So starteten wir den Tag relativ spaet mit einer Dusche an der benachbarten Tankstelle. Wie schon in der Vergangenheit beobachtet, koennen diese Trucker-Duschen in Sachen durchaus in Sachen Sauberkeit mit dem in Australien ueblichen Hostel-Standard mithalten. Die einzigen Unannaehmlichkeiten stellte der Hochdruckreinigeraehnliche Wasserdruck dar, welcher mir locker die ersten drei Braeuneschichten von der Haus bliess, sowie die Tatsache, dass der Duschkopf etwa in Augenhoehe angebracht war, was mich wie ein Klappstuhl hat in der Dusche stehen lassen. 05 Outback

Da wir in der letzten Nacht reichlich Ungeziefer auf der Windschutzscheibe gesammelt und den Tank ordentlich geleert hatten, fuhr ich vor Weiterfahrt auf die benachbarte Tankstelle. Als ich an der Kasse bezahlen wollte, staunte der Tankwart nicht schlecht, als er zur Zapfsaeule blickte und zwei leicht bekleidete Maedels sah, die von beiden Seiten meine Windschutzscheibe reinigten. Erfrischt und gut gefruehstueckt ging es dann am spaeten Vormittag wieder zurueck auf die Holperstrecke. Die Erde um uns herum wurde immer roter, die Doerfer kleiner und seltener und nach einer Zeit passierten wir das Schild „Herzlich willkommen im Outback von New South Wales“.

Regelmaessige Muelltonnenleerung?

Regelmaessige Muelltonnenleerung?

Alle hatten wir uns darauf gefreut endlich ins Outback, das grosse Nichts zu fahren. Roter Sand so weit das Auge reicht, Kaengurus, Schlangen, der Geruch von Tod und Verderben in der Luft und hier und da eine verlassene Minenstadt. Das war, was wir erwarteten. Zu sehen bekamen wir jedoch etwas ganz anderes. Perfekt asphaltierte Strassen, gesaeumt von gruenen Waeldern und Bueschen, wunderschoene Landschaften und verschlafene kleine Doerfer.

Wir troesteten uns mit dem Gedanken, dass wir erst am Rande des Outbacks sind und wurden mit etwas Geduld auf der knapp 800 Kilometer langen Tagesstrecke mit regelmaessig wechselnden Landschaften eines jeden Typs belohnt. Mal Flach, mal huegelig, und ab und zu richtig bergig, mal mehr Vegetation, mal weniger. Die Orte wurden mit der Zeit weniger doch die Wuestenlandschaft tat sich uns auch am zweiten Tag nicht auf.

Herr der Fliegen

Herr der Fliegen

Auch wenn auf den ersten Blick nicht sichtbar, machte sich das Outback nun bemerkbar.

Und zwar hat die Rinderzucht im Outback einen sehr unschoenen Nebeneffekt. Mal abgesehen von der Tatsache, dass ich nicht eine einzige Rinderfarm auf unserem gesamten Trip gesehen habe, hat sich durch die Zucht eine Fliegenplage entwickelt, wie ich es noch nie erlebt habe. Es ist nahezu unmoeglich regungslos fuer mehr als eine Minute zu stehen, da binnen Sekunden mehrere Dutzend Fliegen um einen schwirren, wie um einen Haufen ScheiXXX. Darueber hinaus zaehlen die Augenwimpern und Ohren mitunter zu den beliebtesten Landeplaetzen, was das ganze echt unertraeglich macht.

Luxus im Outback, wer haetts gedacht?

Luxus im Outback, wer haetts gedacht?

Nach einem langen Tag und erneut einigen Stunden Fahrt in absoluter Dunkelheit hielten wir Ausschau nach einem geeigneten Rastplatz. Wir erreichten ein Dorf mit einer schaebigen Tankstelle und einem benachbarten Lkw-Parkplatz. Bei einem der dortigen Truckern erkundigte ich mich nach den naechstbesseren Schlafmoeglichkeiten und erfuhr, dass in rund 80 km der naechste Ort namens Cobar mit einer 24h Tankstelle nicht so schlecht sei. So kaempften wir uns die letzten Kilometer durch die extreme Dunkelheit und erreichten am spaeten Abend unser Ziel. Nach einer zuenftigen Mahlzeit, gekocht in unserer rollenden Kueche ging es dann endlich ins Bettchen.

Nachdem sich Jana am naechsten Morgen eine erfrischende Dusche im Herren-Bad abgeholt hat (Geschlechtertrennung nimmt sie bezueglich stiller Oertchen generell nicht so genau und sorgt damit regelmaessig fuer verdutzte Gesichter bei den Tankwarten) und unser Tank wieder voll war, ging es auf die etwa 450 Kilometer lange Tagesstrecke nach Broken Hill, eine Minenstadt mitten im Outback.

"Geh mal bitte in den Nachbar Ort Milch holen." "Ok, bis naechste dann..."

"Geh mal bitte in den Nachbar Ort Milch holen." "Ok, bis naechste Woche dann..."

Auf der Suche nach einem schoenen Ort zum Fruehstuecken stoppten wir nach rund einer Stunde an einem fuer das Niemalsland typischen Rasthof, ausgestattet mit einem Plumpsklo, ueberdachten Baenken und einer Muelltonne. Nachdem wir alle gesaettigt waren, sprangen wir ein wenig in der Morgensonne rum.

Neben den Sitzbaenken befanden sich einige etwa 50 cm hohe Betonsaeulen. Jana entdeckte eine der Saeulen fuer sich und stand, gleich einer Staue, froehlich grinsend auf der Saeule, was mich fuer als ein oertchen fuer ein witziges Gruppenfoto inspirierte.

So rangierte ich Klaus, das alte Mutterschiff in eine passende Position, um vom geoeffneten Motorraum aus, mittels Selbstausloeser, drei schraege Voegel auf

Kangarookaka voraus :-)

Kangarookaka voraus 🙂

Betonpfosten abzulichten.

Als wir dann alle grinsend auf unseren Pfoestchen standen, kam ploetzlich ein Auto auf den Parkplatz gerollt. Darin sass unglauebig lachend der freundliche Herr, welcher fuer die Sauberkeit auf den Raststaetten verantwortlich war. Nachdem wir ihm erklaert hatten, warum er mitten im Outback auf drei bekloppte Touris grinsend auf Pfosten stehend traf. Als ihm Jana auch noch seinen typisch australischen Hut mopste, knipste er nach wie vor lachend unsere gewuenschten Bilder. Ich will nicht wissen, was er Abends seiner Frau erzaehlt hat…“Schatz, du glaubst nicht, was ich heute wieder fuer bekloppte Touris gesehen habe“.13 Feuer frei

Wir fuhren weiter durch faszinierende Landschaften in Richtung Broken Hill, als wir den naechsten Stop zwecks Fahrerwechsel mitten im Nirgendwo einlegten. Waehrend ich mir die Fuesse vertrat, wunderte ich mich ueber die durchloecherten Muelltonnen. Bei genauerem Hinsehen handelte es sich um diverse Ein- und Durchschussloecher. Oehm joa, nicht drueber nachdenken…..weiter geht’s.

Als uns die Tankanzeige das naechste Mal zwang zu stoppen, landeten wir an einem echt urigen Roadhouse mit ausgesprochen guenstigem Sprit. Als Jana an die Theke ging, um zu zahlen,

Oeffentliches Nudelsieb

Oeffentliches Nudelsieb

wurde sie allen ernstes gefragt, was sie zu zahlen habe. Nachdem wir ungefaehr den richtigen Preis zahlten, schauten wir uns die vielen an der Wand haengenden Fotos an und amuesierten uns ueber die etlichen abgebildeten Truckergenitalien….naja, andere Leute Sammeln halt Briefmarken.

Wieder auf dem Weg tauchten kurze Zeit spaeter die ersten Verbotsschilder am Strassenrand auf, dass man keine Fruechte oder Gemuese mit in die vorausliegende Zone nehmen duerfe. So begannen Jana und ich im Eiltempo Moehren zu futtern. Die Schilder wurden immer haeufiger und vor allem gruseliger (bis 11.000$ Strafe). Da wir weder wussten, wo die Zone genau beginnt, noch welche Fruechte und

Fliegengeschiss

Fliegengeschiss

Gemuese das genau betrifft, wurden wir immer verunsichter und stoppten einfach am Strassenrand.

Ueberall sah man Obst herumliegen, was darauf deutete, dass die Schilder irgendwie ernst gemeint waren. Da wir nicht einsahen unsere teuer erworbenen Lebensmittel einfach ins Niemalsland zu schmeissen, entschieden wir den Herd anzuschmeissen uns uns ein Essen zu kochen. Meggy fand das nicht annaehernd so lustig wie wir und wollte lieber erstmal weiterfahren, da es ihr nicht ganz geheuer war direkt am Strassenrand zu koecheln. Unbeeindruckt davon brodelte bereits unsere Sosse auf dem Herd.

Etwa 500 Meter voraus stand bereits das naechste Warnschild, was wir leider von unseren

Quarantaenetonne

Quarantaenetonne

mobilen Kueche aus nicht lesen konnten. So erklaerte ich mich bereit einfach mal hin zu spatzieren, um ausfindig zu machen, was denn dort angeschrieben war. Auf meinem Weg entschied sich ein ungluecklicher Outbackvogel Suizid zu begehen und waehlte ausgerechnet den im gleichen Moment vorbeifahrenden Jeep. Als Fleischeinlage fuer unser Mittagessen war der Vogel leider zu klein. So liess ich ihn liegen.

Kurze Zeit spaeter las ich dann auf dem Warnschild, dass einen Kilometer voraus ein Quarataene Muelleimer war, um die entsprechenden Lebensmittel zu entsorgen. Zurueck am Camper raeumten wir also etwas die Kueche auf und fuhren auch den letzten Kilometer, um unser

Gibts denn hier kein Lift!?

Gibts denn hier kein Lift!?

Mittagessen nicht direkt am Strassenrand geniessen zu muessen, waehrend nur wenige cm entfernt Roadtrains an uns vorbeidonnern und uns ordentlich durchschuetteln.

Nach diesem Festmahl und mit einem leeren Kuehlschrank kamen wir dann wenige Minuten spaeter in der alten Minenstadt Broken Hill an. Da wir etwas von der Stadt sehen wollten, eierten wir etwas mit Klaus, dem Mutterschiff um die Stadt. Schnell fing es an zu daemmern und die Chance in der Stadt einen legalen und kostenlosen Stellplatz fuer die kommende Nacht zu finden war relativ aussichtslos. So entschieden wir uns die Stadt wieder zu verlassen und im Outback zu naechtigen. Da Klaus, die alte Saufnase schon wieder nach Sprit 11 Outbackschmachtete, hielten wir vor unserem Aufbruch noch an einer Tankstelle.

Waehrend ich den Tank fuellte, plauderte Jana bereits mit dem Trucker an der Nachbarzapfsaeule. Dieser erzaehlte ihr, dass sich etwa 40 km entfernt der naechste Rastplatz mit der ueblichen Outback-Ausstattung befand, wo wir es uns gemuetlich machen koennten. Vom Tankstellenwaerter lies ich mir erklaeren, auf welchem Weg wir die Stadt in die richtige Richtung verlassen koennen. Gleichzeitig bot der Trucker an, uns zum Rastplatz zu eskortieren und so eventuelle Kaengurus auf der Strasse aus dem Weg zu raeumen. Da sein Truck allerdings wesentlich mehr schluckte als unser „nur“ 7

Noch Steinesammler oder schon Messi?

Noch Steinesammler oder schon Messi?

Meter langes Schiff, entschieden wir uns auf eigene Faust weiter zu fahren.

Als wir dann mangels Beschilderung anstatt auf dem Highway mal wieder mitten im Nichts landeten, drehten wir rum und sahen unseren aufgetankten Trucker gerade von der Tankstelle rollen. So klemmten wir uns hinter ihn, bis dieser am naechsten Bottleshop anhielt, um offensichtlich selbst am Abend noch tanken zu koennen.

Da uns der richtige Weg aus der Stadt nun ersichtlich war, eierten wir froehlich weiter in die absolute Dunkelheit. Eine gute halbe Stunde spaeter erreichten wir dann den besagten Parkplatz, wo wir schon den Camper eines aeltern Paerchens stehen sahen, welche wir bei unserer Spontankocherei am Quarantaenestop am Mittag getroffen haben.

Wir hatten noch nicht ganz eingeparkt, als hinter uns ein Ungetuem auf den Parkplatz rollte, aus dem froehlich unser Trucker sprang und sich versicherte, dass bei uns alles im Lot sei.

Nun schienen wir uns mitten im Nichts zu befinden. Nicht nur die Fliegen waren in der 20 WanderpfadDunkelheit verschwunden, sondern auch alle Grillen und anscheinend saemtliches anderes Getier. Man es war ploetzlich so still, dass man das eigene Herz schlagen hoeren konnte. Mit einer gemuetlichen Runde mit Blick auf die wundervoll leuchtende Milchstrasse beendeten wir den Tag.

Am naechsten Morgen ging es dann nach einem Fruehstueck und einem kleinen Spatziergang durch ein abgesperrtes und verlassenes altes Mienengelaende (bei dem ich nach etlichen Stacheln im Fuss feststellen musste, dass ich endlich einen Ort gefunden hatte, den man nicht unbedingt mit Flip Flops

Flipflopungeeignetes Territorium

Flipflopungeeignetes Territorium

betreten sollte) weiter auf unsere Reise, welche uns abends nach Deutschland fuehren sollte.

Nach Deutschland? Richtig. Unser Tagesziel war Hahndorf, etwa 20 Kilometer entfernt von Adelaide gelegen.

Als Zwischenstop haben wir ich Peterborough ausgesucht. Ein Outback-Ort, der sehr stolz auf seine Eisenbahngeschichte ist. Die Landschaft war nach wie vor verdammt flach, jedoch gruen und wir langsam etwas geknickt, da wir entgegen unserer Erwartungen das wahre Outback mit dem endlosen roten Nichts scheinbar umfahren haben.

Am fruehen Nachmittag erreichten wir dann unseren geplanten Zwischenstop. Die 16 OutbackEisenbahngeschichte machte sich an jeder Ecke bemerkbar, denn selbst die Fussgaengerueberwege waren mit Bahnsignalen ausgestattet.

Nach einem Rundgang im Touristeninformationszentrum, welches sich selbstverstaendlich in einem alten 1. Klasse Waggon befand, entschieden wir uns auf einen Aussichtspunkt am Stadtrand zu fahren. Ueber eine Schotterpiste ging es dann einige wirklich steilen Huegel hoch. Zu meiner Ueberraschung meisterte Klaus diese Huegel wie ein Mann und ohne Steigeisen. Als wir an einem etwas abgelegenen Grundstueck vorbei kamen, sahen wir mitten auf einer Wiese ein uraltes Piano stehen und beschlossen auf dem Rueckweg zu halten, um ein Foto zu schiessen.24 Musik fuer Millionen

Dort wieder angehalten kam ein baertiger Mann mittleres Alters aus seiner notduerftig zusammengeschusterten Huette und winkte uns ran. Ich stieg also aus, um zu erfahren, was er von uns wollte. Er erzaehlte mir freundlich und mit anstaendiger Trinkerfahne, dass in woechentlich etwa drei Backpackerautos halten, um sein Klavier zu besichtigen. Er lud uns ein doch auf sein Grundstueck zu fahren und Bilder des Pianos aus der Naehe zu machen. Die Maedels waren anfangs von der Idee nicht so angetan, dennoch lenkte ich Klaus in seinen Garten.

Der Killer kam mit einem Laecheln...und ner Jackie-Cola

Der Killer kam mit einem Laecheln...und ner Jackie-Cola

Waehrend Meggy knipste und ich mich mit dem durchaus freundlichen Herren unterhielt, kam ploetzlich seine mit ordentlich Spieltrieb angespornte Kampftoele angefetzt, mit der sich Jana relativ schnell anfreundete. Er hatte ein paar sehr schoene, fahrtuechtige Autos aus den 60ern in einem Schuppen stehen, welche ich mir unbedingt ansehen musste. Auch wenn die Situation etwas schraeg war, kann man vorbehaltlos sagen, dass es eine nette Unterhaltung mit einem einsamen alten Herren war. Hat man jedoch den Film Wolfcreek vorher gesehen oder bereits Ausfluege mit gesuchten Moerdern unternommen, entwickelt sich ein etwas gruseliger Beigeschmack, welcher erklaerte, dass Jana in der Tasche nicht die Finger von ihrem Pfefferspray liess.

Mit dem Versprechen ihm ein Bild von seinem Piano zu schicken verabschiedeten wir uns und

Roadhouse mit Penisbildern und Gartenzwergsammlung

Roadhouse mit Penisbildern und Gartenzwergsammlung

suchten uns in der Stadt ein Plaetzchen fuer ein Mittagessen, was in erster Linie aus Suppen, belegten Broten und Toast bestehen sollte. Da die Steckdosen unseres Mutterschiffs nicht ohne externe Stromversorgung funktionierte und Jana auf getoastetes Weissbrot bestand, zog sie anschliessend mit einem Toaster und einer Packung Weissbrot unterm Arm los und klapperte Haustueren ab, um irgendwo Strom zu bekommen. Nach einiger Zeit kam sie dann froehlich grinsend mit massig warmen Toastbrot und einer Blume, die sie in einem Vorgarten gepflueckt hatte zurueck.

Etwa 10km ausserhalb der Stadt befand sich auf einem Huegel noch eine weitere Sehenswuerdigkeit, die wir vor unserer Weiterreise besichtigen wollten. Die freundliche Dame in der Touristeninformation hatte uns

Wohnst du noch oder lebst du schon?

Wohnst du noch oder lebst du schon?

bereits grob den Weg erklaert und gesagt, dass wir nach dem Ortsausgang einfach nur der Beschilderung folgen muessen.

So fuhren wir die entsprechende Strasse lang. 5km, 10km, 15km und immer noch fand sich kein entsprechendes Hinweisschild. Nach einem Blick auf die Karte, mussten wir feststellen, dass wir bereits an unserer Ausfahrt vorbei sein mussten. Kurz gedreht, nahmen wir den Anlauf zum zweiten Versuch. An einer unbefestigten Strasse (immernoch ohne Beschilderung bogen wir dann ab, da wir uns ziemlich sicher waren, die richtige Ausfahrt genommen zu haben. Ungluecklicherweise splittete sich dieser Schotterweg dann noch in zwei Richtungen auf und war nicht beschildert. Mit unserem Mutterschiff durften wir allerdings befestigte Strassen nicht verlassen, 26 Bayern down underwas mir bei der Aktion ein etwas unwohles Gefuehl verpasste. Zu allem uebel wurde die Piste auch immer enger und der Magnetic Hill war weit und breit noch nicht zu sehen. Daher beschloss ich rumzudrehen, bevor es ganz zu spaet war. Allerdings war der Weg bereits nur noch wenige Zentimeter breiter als Klaus lang war. So wendete ich dann Blut schwitzend in 500 Zuegen und erreichte nach einiger Zeit erleichtert wieder die geteerte Strasse. Auf einen zweiten Versuch wollte ich es dann auch nicht mehr ankommen lassen.

Nachdem es lange Richtung Westen gefahren sind, fuehrte uns die Strasse jetzt relativ gerade nach Sueden. Am Vortag schwitzten wir noch bei 29 Grad und bei unserem naechsten Stop sollten wir gerade noch 15 Grad Aussentemperatur haben.Distanz

An einem kleinen Entenweiher machten wir einen kurzen Stop. Ungluecklicherweise nahm Meggy beim Verlassen des Parkplatzes einige Aeste mit unserem 3,5m hohen Schiff mit, welche uns einen tiefen Kratzer in der Hinteren Tuer verpassten.

Kurz vor der angepeilten Metropole hat Klaus dann noch mal gut 70 Liter Schoppen gepetzt, um uns dann auch noch die letzten Kilometer nach Adelaide zu bringen. Besser gesagt an Adelaide vorbei, da wir das etwa 20 Kilometer westlich gelegene Hahndorf besuchen wollten, wo wir leider erst bei Dunkelheit ankamen.

Ein Schlafplatz lief sich hier leider nicht finden. So entschlossen wir die Stadt zu verlassen und noch einige Kilometer auf dem Highway von Adelaide weg zu fahren, um im Optimalfall eine 24h-Tankstelle zu finden. Ungluecklicherweise kam einfach nichts mehr. Daher entschied ich mich zu drehen und einfach auf gut Glueck in eines der kleinen Doerfer zu fahren. Ich nahm also die naechste Abfahrt und die geworfene Muenze sagte mir nach rechts zu fahren. Die Beschilderung Richtung City fuehrte mich ueber eine Einspurige Bruecke, was nicht unbedingt auf eine groessere Gemeinde schliessen liess. Durch immer kleinere Strassen geeiert stoppte ich irgendwann einfach am Strassenrand. Waehrend wir weiter ueberlegten, wo wir zum Schlafen hinfahren koennten, jaulte permanent der Wackeldackel im benachbarten Garten, was die Bewohnerin veranlasste mal nach dem Rechten zu sehen. Um die Dame nicht zu verschrecken, liess ich Jana den Vortritt, nach dem Weg zu fragen.

Sie erklaerte uns, dass es im Nachbarort eine 24h-Tanke mit Parkplatz gibt, wo man sich wohl bedenkenlos hinstellen koenne. Wir wollten unser glueck versuchen und erreichten die Tankstelle, nachdem wir etliche Wendemanoever hinter uns hatten, da ploetzlich der Ortsausgang spurlos verschwunden war. Es hatte sich bereits ordentlich abgekuehlt und war vermutlich die kaelteste Nacht seit 4 Monaten. So kochten wir uns noch was und heizten den Camper mittels unseres Gasherds. Meggy fielen relativ schnell die Augen zu und mit Jana schmiedete ich noch Plaene fuer die kommende Woche. Da wir nun schon seit 2 Tagen keine Dusche mehr hatten, kamen wir mitten in der Nacht auf die Idee unsere Dusche im Campervan zu testen. Ich wurde als Tester vorgeschickt und genoss eine goettlich warme Dusche. Als naechstes wollte Jana ihr Glueck versuchen. Nach einigen Minuten fragte sie mich, ob es sein koenne, dass unser Wasservorrat bereits aufgebraucht sei. So, wie unsere Wasserpumpe klang, musste ich das bestaetigen. Dennoch schaffte sie es mit den letzten Trofen noch alles zu erledigen, waehrend ich mit einem Saftkannister auf dem Weg an die Tanke war, um neues Wasser zu besorgen. Dort traf ich auf den echt kernigen Nachtwaechter und kam mit ihm ins Gespraech.

Spaeter stoss noch Jana dazu und wir unterhielten uns noch die halbe nacht vor der Tankstelle im Regen sitzend. Als der Berufsverkehr begann, fielen wir letztendlich gegen 5 Uhr ins Bett und wurden rund 2 Stunden, immernoch total zerstoert, von Meggy geweckt. 27 Hahndorf

Wir packten alles zusammen, fuellten unsere Wasservorraete mittels eines Wasserhahns an einer einsamen Hauswand wieder auf und fuhren noch einmal nach Hahndorf, das erste deutsche Pioniersdorf in Australien. Dort wollte ich mir um jeden Preis die legendaere Kaengurusalami kaufen, welche ich bereits in Melbourne vergoettert habe.

Der Rundgang durch das sehr schoen gestaltete Staedchen zog sich leider mehr als gedacht in die Laenge. Es gab viel zu sehen und wir kamen mit einigen Leuten ins Gespraech. Ein aelteres Ehepaar, welches gerade erst aus Alice Springs kam, erklaerte uns zu unserer Entsetzung, dass auch nach Norden das Outback absolut gruen ist, was an diesem regenreichen Jahr liegt und nur rund zweimal in 50 Jahren vorkommt. 28 Wenn man es mal eilig hat

Nachdem wir viel zu lange durch Hahndorf gewandert sind, machte ich dann Druck, dass wir noch rechtzeitig unser Auto loswuerden. Zurueck am Auto – leider ohne meine erhoffte Salami – starteten wir dann mit der Zeit im Nacken wieder Richtung Adelaide. Leider jedoch in die falsche Richtung, was uns dann am Ortsausgang auffiel. Nach dem naechsten Wendemanoever stockte dann ploetzlich der Verkehr. Grund dafuer war ein Baum, welcher aus unbekannten Gruenden auf die Strasse gestuerzt war und ein Passieren unmoeglich machte. Wieder gedreht und einen kleinen Umweg genommen kamen wir letztendlich in die richtige Richtung und erreichten kurze Zeit spaeter den Ortseingang Adelaide.

Unser eigentlich ausgewaehltes Hostel war leider total unsympathisch. Auf der gegenueberliegenden Strassenseite befand sich ein wesentlich guenstigeres, jedoch scheinbar ausschliesslich mit Asiaten gefuelltes Hostel. Da wir nur in einer Entladebucht gehalten hatten, musste ich schnell noch unser Auto umparken. Zu diesem Zeitpunkt blieben uns noch 30 Minuten, um das Auto rechtzeitig zurueck zu geben, was bei einer Verspaetung bis zu 1000 $ Strafe kosten koennte. In aller Eile nahm ich beim Ausparken zu allem Ueberfluss noch einen Baum mit, was mir Meggy zum Glueck nicht gesagt hatte.

Einmal um den Block gefahren fand sich jedoch auch kein geeignetes Plaetzchen, um unser Mutterschiff anstaendig zu positionieren. Als ich von meiner Runde zurueck kam, standen die Maedels bereits am Strassenrand, entschlossen nach einem anderen Hostel zu gucken. Janas klarer Favorit war das wohl einzige Backpacker mit einer Sauna. Ungluecklicherweise fuehrte uns das Navi einige Male im Kreis bis wir endlich das angepeilte Haus erreichen. Nahezu in Lichtgeschwindigkeit raeumten wir den Camper aus, spuelten das letzte Geschirr und fegten noch mal durch.

Mit dem neu programmierten Navi versuchte ich dann die Port Road 387 zu finden. Souveraen lotste es mich dann auch auf die Port Road, liess mich drehen und schickte mich anschliessend in eine Baustelleneinfahrt. Nach der zweiten Kreiselfahrt stoppte ich dann in der Baustelle, um der Vermietung Bescheid zu geben, dass ich mich wohl etwas verspaeten wuerde, da mich mein mittlerweile Ulf getauftes Navi versucht auf den Arm zu nehmen.

Wie sich kurze Zeit spaeter herausstellte, wollte Ulf nicht die Port Road in Adelaide, sondern im Stadtteil Brooklyn Park von mir wissen. Mit guter Hoffnung und schon 10 Minuten ueber der Deadline startete ich den naechsten Versuch. Unterwegs hatte ich noch kurz zu stoppen, um den Tank wieder voll zu machen. Zu meinem Entsetzen wollte in diesem Moment der Computer auch meine Kreditkarte nicht mehr akzeptieren. Fluchend funktionierte es dann mit der Zweiten. In einer Schweisslache von Blut und Wasser rollte ich dann weiter durch die verstopfte Port Road bis mich mein kleiner, digitaler Freund aufforderte zu wenden, da sich das Ziel auf der anderen Strassenseite befand. Kurz gewendet schaute ich auf ein Fabrikgelaende als Ulf mir freundlichst mitteilte, dass ich an meinem Ziel angekommen sei. Mit letztem Saft meines Akkus rief ich noch einmal den langsam etwas genervten Typen der Vermietung an und liess mich das letzte Stueck von ihm lotsen.

Rund 40 Minuten zu spaet auf den Hof gerollt, versuchte ich den armen Herren halb tot zu schwaetzen, um ihn von den diversen Schaeden am Auto abzulenken. Auch ging ich davon aus, dass wir mehr als die erlaubten 2.350 km gefahren sind, jedoch lagen wir stolze 15 km unter dieser Marke und von einer Strafe fuer die Verspaetung sah er gluecklicherweise ab. Auch die Schaeden blieben unbemerkt, sodass ich erleichtert und vor Freude strahlend vom Hof ging. Mit dem Bus fuhr ich dann zurueck zum Hostel, wo meine beiden Maedels schon auf mich warteten.

Wieder war uns eine Relocation geglueckt und wir konnten uns entspannt die naechsten 6 Tage in Adelaide angehen.

Es gruesst der erfolgreich ueberfuehrte Schroddi