Schroddis Tag 580 – Der Letzte macht das Licht aus

30 11 2011

Ort: Km 24.593, Canal, Mooloolaba
Ortszeit: RoadtripTag 179 + 1, 29.11.2011, 10.30 Uhr
Wetter: 28 Grad, gnadenloser Sonnenschein
Anwesende: Eine einaeugige Moewe

Roadtrip 2011, Zahlen & Fakten:

  • 259.200 Minuten
  • 25.300 Kilometer
  • 11.000 $ ( 8.000 EUR)
  • 46 Gigabyte Foto- & Filmmaterial
  • 7 Jobs
  • 4 Autopannen
  • 3 Staaten
  • 2 Chaoten
  • 1 Auto
  • Kein klares Ziel

Vor fast genau einem halben Jahr verlagerten Monique und ich unseren Lebensmittelpunkt auf zwei Sitze eines 20 Jahre alten Autos. Unser primaeres Ziel bestand darin, eine gute Zeit zu haben. So machten wir uns auf einen langen Weg, um die eine oder andere spektakulaere Sehenswuerdigkeit zu entdecken. Auf unserem Weg lagen u.A. ein Denkmal auf einer saftig gruenen Wiese stehend, wo ein kleines Maedchen 1942 durch eine japanische Fliegerbombe getoetet wurde und Australiens kleinstes Motorradmuseum bestehend aus genau einem Exponat. Nicht alle Attraktionen lagen direkt auf unserem Weg. So machten wir zum Beispiel mehrere Hundert Kilometer Umwege, um uns einen wunderschoenen Wasserfall in einer Schlucht anzusehen, der zu dieser Zeit jedoch kein Wasser fuehrte. Ebenfalls besuchten wir eine Geisterstadt, welche nur noch aus planiertem Boden und einer Gedenktafel bestand. Nicht alle unsere Ziele lagen in erreichbarer Naehe. Dies stellen wir das erste Mal schmerzlich fest, als wir auf halber Strecke mit dem Auto kurzum im Schlamm stecken blieben. Getreu dem Motto, dass man alles mal gemacht haben muesse, durfte natuerlich auch die Eine oder Andere Autopanne mitten im Outback nicht fehlen.

Unser einziger begrenzender Faktor war der Ablauf von Monique’s Visum. Gestern war es dann soweit. Ich setzte sie am internationalen Flughafen Brisbane ab und machte mich anschliessend auf den Heimweg nach Mooloolaba.

Die Runde ist nun voll

Die Runde ist nun voll

Ich bin nun 19 Monate im Land, habe in der Zeit etwa 36.000 Kilometer Reisestrecke zurueckgelegt und fast alles gesehen, was ich unbedingt sehen wollte.

Geblieben sind mir verdreckte Klamotten, ein reparaturbeduerftiges Auto, ein leeres Portmonaie, unbezahlbare Erinnerungen und weitere 5 Monate Aufenthaltserlaubnis.

Meine eigentliche Reisezeit in Australien sehe ich prinzipiell als beendet und werde mich nach und nach wieder in das Leben eines rechtschaffenden Buergers einfinden (muessen).

Da das bunte Treiben nun ein Ende hat, wird dies nach mittlerweile ueber 100 Artikeln mein voraussichtlich letzter Blogeintrag gewesen sein.

Vielen Dank an alle, die bis zum bitteren Ende meinen niedergeschriebenen geistigen Durchfall ueber sich haben ergehen lassen. Wer auch in Zukunft up to date sein moechte, kann mir einfach einen Kommentar hinterlassen oder mich auf den sonst ueblichen Wegen kontaktieren. Ihr werdet dann in meinen Spamverteiler aufgenommen und ueber aktuelle Verletzungen, Krankheiten, Hochzeiten und anderen nutzlosen Mist informiert.

See ya later guys…

Schroddi



Schroddis Tag 572 – Urlaub

21 11 2011

Ort: Km 24.593, Kurz vor Gympie
Ortszeit: RoadtripTag 174, 21.11.2011, 21.00 Uhr
Wetter: 20 Grad, Sternenhimmel
Anwesende: Moskitos und Grillenzirpen

Unser zweitaegiger Segeltrip ist nun um. Eigentlich kann ich nicht viel darueber erzaehlen ohne nicht in unkontrolliertes Schwaermen auszubrechen. Bei manchem Anblick ist mir nicht nur die Spucke weg geblieben, sondern musste ich wegen akuter Mundhoehlenvertrocknung beinahe an den Tropf.

Anstatt Geschriebsel gibt’s daher diesmal die gnadenlosen Bilder auf der Fotoseite im Blog.

>Hier geht’s zu den Bildern<

Es gruesst der Schroddi zu See



Schroddis Tag 568 – Seemannsgarn

18 11 2011

Ort: Km 23.401, Ein Acker zwischen Bowen und Arlie Beach
Ortszeit: RoadtripTag 170, 17.11.2011, 20.45 Uhr
Wetter: 26 Grad, Sternenhimmel
Anwesende: Fester Boden unter den Fuessen…noch

Endlich war die Schufterei in Tully vorbei. Es sollte sich jedoch gelohnt haben. Nachdem wir uns einige Tage Regenwald, Wasserfaelle und traumhafte Straende angesehen hatten, sollte es aufs Meer hinaus gehen. Wir buchten uns auf eine Yacht zwecks Tauchen und Schnorcheln im Great Barrier Reef ein. Als es morgens in Cairns aufs Boot ging lachte die Sonne vom Himmel, jedoch war es ein wenig windig. Dies sollte die Freude auf unseren Tagesausflug nicht trueben…also nicht fuer uns. Der Wellengang machte die Fortbewegung auf dem Boot nicht ganz einfach, jedoch hielt sich die Schaukelei einigermassen im Rahmen. Eine Hand voll Leute sah das jedoch nicht so und versammelte sich mit braunen Papiertueten zu einem netten Beisammen auf dem hinteren Bootsdeck. Ich weiss nicht was mit ihnen los war, jedoch schwitzten sie alle ganz ordentlich, hatten allesamt ihre Urlaubsbraeune verloren und bruellten staendig unverstaendliches Zeug in ihre Tueten.

Zwei Tage spaeter sollte es fuer mich einige hundert Kilometer weiter suedlich zu zwei

West Coast Customs pimpt jetzt auch Traktoren

West Coast Customs pimpt jetzt auch Traktoren

Wracktauchgaengen erneut auf ein Boot gehen. Laut des Anbieters sollte die Ueberfahrt rund eine halbe Stunde dauern. An diesem Tag jedoch nicht. Es war wieder etwas windig und die Wellen schuettelten unser kleines Schlauchboot ordentlich durch. Um uns nicht zu ueberschlagen fuhren wir mit gedrosseltem Tempo und benoetigten fuer die Fahrt rund die doppelte Zeit. Auf unserem letzten Boot war es nicht einfach zu laufen. Hier war an Laufen nicht zu denken, da es allein schon nicht einfach war zu sitzen. Ich wartete nur auf die ueblichen verdaechtigen Tuetenbrueller, konnte einige versteinerte Mienen sehen, jedoch noch niemand, dem es offensichtlich richtig schlecht ging. Dies aenderte sich rapide und die Frauenwelt bruellte abwechselnd in einen silber glaenzenden Blecheimer. Nachdem wir endlich geankert hatten und beachtlich vor uns hinschaukelten, hatte das Elend seinen Hoehepunkt erreicht. Eine Dame hing ueber der Railing, eine sass im Klo und die dritte unterhielt sich nach wie vor mit unserem offensichtlich

Der friedliche Schein truegt

Der friedliche Schein truegt

sympatischen Eimer. Zwei von dreien berappelten sich und schaften es letztendlich von Bord zu springen, waehrend sich Nummer 3 aengstlich an ihren silbernen Freund klammerte. Beim Anlegen der Tauchausruestung wurde mir auch das erste Mal schwindelig und ich sah zu, dass ich von Bord kam. Nach einem echt genialen Tauchgang ging es zwecks einer einstuendigen Oberflaechenpause zurueck auf unsere Schiffsschaukel. Bereits nach zwei Minuten war mein Schwindel wieder da und mir verging relativ schnell der Appetit auf das leckere Mittagessen. Generell war die Verpflegung relativ ueberfluessig, da ich offensichtlich nicht der Einzige war, dem es so erging. Ich konzentrierte mich mit aller Kraft auf den Horizont. Alles ging soweit gut bis es hiess, dass die Ausruestung wieder angelegt werden muss. Letztendlich hatte ich es doch geschafft und schwang mich endlich ueber Bord. Ungluecklicherweise verschlimmerte der Seegang meine Situation im Wasser noch einmal deutlich. Waehrend der Rest meiner Tauchgruppe abtauchte, schleuderte ich noch mal fix mein Fruehstueck ins Wasser. Anschliessend den Atemregler in den Mund gesteckt (yummie!!!) und nix wie ab in tiefere Gefilde.

Da ich im ersten Durchgang einen langen Tauchgang und somit eine kuerzere Oberflaechenpause hatte, war ich beim zweiten Trip bereits wieder einer der ersten am Boot. Diesmal graute es mir jedoch davor, das Wasser wieder zu verlassen und zog vor, mit aufgeblasener Weste vorm Boot umher zu treiben bis alle Anderen wieder zurueck waren. Als dann neben mir ploetzlich eine stattliche Qualle auftauchte, zog ich es doch vor, fix zurueck ins Boot zu klettern. Relativ schnell vierliessen wir dann unseren Tauchspot und mir ging es wieder wesentlich besser. Endlich konnte ich auch das anschliessende Grillen geniessen und meinen mittlerweile Vakuum ziehenden Magen wieder fuellen. Im Anschluss folgte eine noch rund 150 Kilometer lange Fahrt, um am naechsten Tag fuer zwei Tage und Naechte auf einem Segelboot anzuheuern. Wenn das mal gut geht…

Es gruesst der Kotzbrocken,

Schroddi



Schroddis Tag 562 – Und am Ende kam es dicke

17 11 2011

Ort: Km 21.273, Tully Caravan Park
Ortszeit: RoadtripTag 164, 11.11.2011, 13.15 Uhr
Wetter: 30 Grad, bewoelkt
Anwesende: Meine zum Entsorgen bereit liegenden in Rattenpisse getraenkten Arbeitsklamotten

Nach meiner ersten Woche auf den Bananenfeldern war mir bereits klar, warum die Bananenernte unter Backpackern als eine der haertesten und beschissensten Erntearbeiten bekannt war. Auf der Hand liegt auch, dass nicht jeder fuer diesen Job gemacht ist. So kam es, dass von unserem neu aufgestellten Team zu Beginn der zweiten Woche bereits Zwei Leute wieder arbeitslos waren. Ein Dritter sollte sich Tage spaeter verheben, ebenfalls ausscheiden und der Vierte im Bunde schmiss den Job zum Ende der zweiten Woche. So blieben nur noch meine beiden Chefs Ash, Bernard und ich. Vor Ash hatte ich echt Respekt. Er ist ein kleiner Inder, der gerade 64 Kilo auf die Waage bringt (also weniger als einige Bananenbuendel, die er schleppt) und vor Energie nur so strotzt. Wenn wir uns alle erschoepft hinsetzten, um etwas zu trinken, sprang er herum und begann u.A. mit Bananen zu werfen.

Die faule Banane liess sich bequem auf der Schulter herumtragen

Die faule Banane liess sich bequem auf der Schulter herumtragen

Fuer die folgende Woche bekamen wir erneut zwei Helfer, wovon am Mittwoch ebenfalls einer das Weite suchte. Auch ich fuehlte mich jeden Abend wie ein ordentlich gekopftes Schnitzel, jedoch wollte ich die drei Wochen irgendwie durchziehen. Davon mal abgesehen gab es immer wieder einige Momente, welche fuer die Qual entschaedigten (z.B. als sich unbemerkt eine Baumschlange um mein Handgelenk wickelte, sich ein Kangaroo an unserer Fruehstueckspause beteiligte oder mir ploetzlich die Machete eines Kollegen im Finger steckte).

Zwar hatte ich die Nase bis oben hin voll, jedoch standen nur noch zwei weitere Tage an. Ich dachte nicht, dass es noch viel schlimmer kommen koennte, aber wie das so ist…

Donnerstag bekamen wir Verstaerkung durch einen Vorarbeiter eines anderen Teams und mir wurde zwar angekuendigt, dass er ordentlich den Druck erhoehen wuerde, jedoch hatte ich mir nicht im geringsten ausgemalt, was das bedeuten koennte.

Monokultur im australischen Dschungel

Monokultur im australischen Dschungel

Als mich Donnerstag Morgen dann wie ueblich unser Chef zur Arbeit abholte sass Francis wie angekuendigt auf dem Beifahrersitz. Von hinten konnte ich bis auf seine Wadendicken Unterarme nicht viel sehen, da seine ueberdimensionalen Nackenmuskeln den Blick weitestgehend verdeckten. Ich war gespannt, was mich da wohl erwarten wuerde.

Als es wenig spaeter ins Feld ging wurde ich „gluecklicherweise“ auch direkt zugeteilt die Bananenbuendel fuer dieses Kraftpaket zu buckeln. Wir waren kaum am Ort der Schmerzen angekommen, rannte Francis wie ein Geisteskranker von einer Staude zur naechsten. Durch das unwegsame Gelaende stolperte ich mit meinen Gummistiefeln hinterher und versuchte irgendwie an ihm dran zu bleiben. Ich konnte kaum gucken, schon hatte ich das erste Buendel auf der Schulter und der Maschetenflitzer stand bereits am naechsten Baum. Ich eilte los, knallte die Bananen auf den Traktoranhaenger und versuchte rechtzeitig an der naechsten Staude zu sein. Naehzu unmoeglich, denn auf halbem Wege kam mir mein Foltermeister schon mit der naechsten Ware auf der Schulter entgegen und wuchtete sie mir gnadenlos auf mein bereits weichgekopftes Schulterfleisch. Mir ging nur durch den Kopf, dass dieser Verrueckte als Kind mal in den Red Bull Topf gefallen sein muss. Gegen ihn sah selbst Ash (welchem ich fuer das Arbeitstempo echt tiefen Respekt zollte) wie ein Beamter in der Mittagspause aus. Nach einiger Zeit kam mein Boss zu mir und meinte, dass Francis das Tempo den ganzen Tag so weitergehen wuerde. Anfangs belaechelte ich diese Aussage, musste jedoch spaeter einsehen, dass er das wirklich irgendwie schaffte und kam zum Entschluss, dass er wohl nicht in einen Topf mit Red Bull, sondern mit offensichtlich wesentlich haerterem Stoff gefallen sein muss. Ich sah mich bis zur Fruehstueckspause schon nach Luft ringend irgendwo halb tot in der Ecke liegen. So tauschte ich nach rund 100 getragenen Buendeln mit meinem Boss und setzte mich auf den Traktor, waehrend er schleppen musste. Auch er hielt das Tempo nicht lange durch und wir einigten uns, dass jeder einmal fuer Ash, dann fuer Francis buckelte und sich anschliessend eine Haengerladung lang auf den Trecker setzte. Am Nachmittag sollte der Schwierigkeitsgrad dann noch etwas erhoeht werden. Ploetzlich auftretender Starkregen verwandelte das Feld in eine wahre Schlammpiste. Das auf den Tueten der Bananenbuendel gesammelte Wasser lief permanent ueber den Ruecken, durch die Kimme und sammelte sich rasend schnell in den Gummistiefeln. Am Ende des Tages hatten wir rund 39 Tonnen Bananen geerntet, wovon mindestens 13.000 Kilo auf meine Schulter entfielen. Nach Feierabend robbte ich auf meinen Brustwarzen noch in die Dusche und fiel dann komplett erschlagen ins Bett. Schliesslich sollte am folgenden Tag das grosse Finale kommen. Zwar nur einen halben Tag, dafuer aber doppelt so schnell. Francis wollte das Tempo noch etwas steigern, da ja anschliessend ohnehin Wochenende sein wuerde. 04

Nach dieser Bemerkung fing ich an, mir Gedanken ueber meine Grabbepflanzung zu machen….evtl. eine Bananenstaude? Als ich am kommenden Morgen meine Augen gegen 4.30 Uhr oeffnete verrieten mir meine Schmerzen wenigstens, dass ich noch lebte.
Wer lebt kann auch arbeiten. So schleppte ich mich wenig spaeter wieder an den vereinbarten Treffpunkt. Nach einer halben Stunde Fahrt zur Farm. dann die erloesenden Worte: „Wegen Stromausfall kann nicht gearbeitet werden“. Wow, ich war selten so gluecklich ueber einen technischen defekt. Alles, was dann fuer den letzten Arbeitstag noch auf dem Programm stand, war die Reinigung unserer drei Traktoren. So bekamen wir eine Benzin betriebene Pumpe in einen nahegelegenen Bach gestellt und sollten dort unsere Gefaehrte abspritzten. Ich folgte Ash mit dem zweiten Trecker. Noch reichlich zerstoert vom Vortag traeumte ich des Weges als Ash vor mir unbemerkt in die Eisen ging. Schlaftrunken checkte ich das etwas spaet und rutschte dem vorausfahrenden Traktor mit blockierenden Raedern auf unbefestigter Strasse laut fluchend hinten rein. Zwar steht in meinem Arbeitsvertrag, dass ich saemtliche verursachten Schaeden am Farmequipment aus eigener Tasche bezahlen muss, jedoch sahen wir ueber die dicke Macke in der massiven Stahlverkleidung hinweg. So wuschen wir unsere Traktoren noch schnell und fuhren wieder nach Hause.

Es war geschafft!!! Drei Wochen Bananen und Schroddi hat es ueberlebt. Haengen geblieben sind rund 1.500 Dollar, einige nett anzusehende Narben und Erfahrungen, die ich so nicht nochmal machen muss.

Ohne Rast ging es ans Packen, um diesen verregneten Ort (hier fiel allein in der ersten Woche die in Frankfurt durchschnittliche Jahresniederschlagsmenge) so schnell wie moeglich wieder zwecks Urlaub zu verlassen.

Es gruesst

Schroddi, mit dem Koerpergefuehl einer braunen Banane