Schroddis Tag 341 – Wie gewonnen, so zerronnen

1 04 2011

Ort: Rainbow Beach Backpackers, Perth
Ortszeit: 01.04.2011, 22.00 Uhr
Wetter: 18 Grad
Anwesende: Zum Glueck grad niemand

Vergangene Woche war es endlich soweit. Mit dem Auslaufen meiner Miete zog ich endlich aus dem Drecklock Brook Lodge aus. Und zwar ging es nur rund 200m entfernt Ueber ein Pub direkt an die Hauptstrasse. Mein neues Zuhause gefiel mir gut, man lebte sich schnell ein, lernte Leute kennen und vertrieb sich die Zeit in der Bar.

Meine Visumszeit war endlich abgearbeitet und mein Visum fuers 2. Australienjahr eingereicht. Vorgestern hatten wir dann ein feucht-froehliches Beieinander in der Bar, als sich ein schon recht angetrunkener Einheimischer dazugesellte und anfing gegen uns Backpacker zu poebeln. Die Stimmung kippte recht schnell und kaum hatte man sich versehen, wurde die kleine Meinungsverschiedenheit mit so ziehmlich allem ausgetragen, was der Raum so hergab. Da anschliessend eine Ambulanz benoetigt wurde und auch die Einrichtung ganz schoen gelitten hatte, wurde auch die Polizei gerufen.

Mit drei Polizeiwagen wurden wir anschliessend auf die etwa 40 km entfernte Polizeistation gebracht, wo man uns verhoerte und wir anschliessend eine echt unangenehme Nacht nahezu ohne Schlaf in den Ausnuechterungszellen verbringen mussten. Nach Klaerung der Sachlage in etlichen Verhoeren, teilte man mir zu meinem Schrecken mit, dass ich eine Geldstrafe in hoehe von 800$ sofort zu begleichen habe und mit dem naechstmoeglichen Flieger das Land verlassen muesse. Mir fiel alles aus dem Gesicht und mein Australientraum platzte mit einem lauten Knall. Es half kein Reden oder betteln. So buchte ich am gleichen Tag noch mein open return Ticket auf den kommenden Samstag und nahm den nachsten Bus nach Perth.

Da sitze ich nun schwer enttaeuscht und werde in wenigen Stunden meinen Flieger betreten muessen. Wie gewonnen, so zerronnen. Dass mein Trip ein so schnelles Ende haben wuerde, haette ich beim besten Willen nicht erwartet.

Bis die Tage

Schroddi



Schroddis Tag 309 – Willst du keinen Schaden haben, lass Schroddi nicht den Trecker fahren

28 02 2011

Ort: Garten, Brook Lodge, Donnybrook
Ortszeit: 28.02.2011, 20.00 Uhr
Wetter: 25 Grad
Anwesende: Wind…endlich!

Nachdem ich in meinem ersten Farmblog bereits stolz berichtet habe, dass ich mittlerweile vier verschiedene Traktoren fahren kann, werden sich einige Schroddikenner bestimmt schon gefragt haben wie lange das gut gehen kann.

Wie ueblich, nicht lange…

So geschah es beim Pfluecken von Pflaumen. Einer unserer Traktoren hat eine defekte und dadurch nicht schliessbare, sich nach hinten oeffnende Tuer. So faehrt man entweder mit geoeffneter Tuer oder muss sie eben selbst zuhalten. Beim Einfahren in eine Baumreihe kann man schnell mal die Tuer verlieren, wenn man die Tuer nicht festhaelt und an einem Pfosten oder Baum haengen bleibt. Fuer mein Schroddi-Gen war diese Tuer natuerlich das gefundene Fressen. So fuhr ich also geistesabwesend mit offenstehender Tuer in die Baumreihe ein…

Nein, es ist nichts passiert. Mein Boss hat es gluecklicherweise rechtzeitig gesehen und mir in letzter Sekunde zugebruellt, den Traktor zu stoppen. Kurz erklaerte er mir, dass eine neue Tuer einige Tausend Dollar kostet und ich ihm fuer diese Aktion nun eine Kiste Bier schulde, welche mich hier etwa 30 Euro kostet.

Nach einem erfolglosen ersten Versuch holte das alles verwuestende Gen zum Nachschlag aus. Als wir einige Tage nach dem vermeidlichen Tuerverlust mal wieder am oberen Ende einer Baumreihe angekommen waren, musste ich den Traktor wenden, um in der folgenden Reihe wieder bergab (das Feld ist am Hang gelegen) zu arbeiten. Mit einer guten halben Tonne feinster Fruechte auf dem Anhaenger wendete ich also elegant in zwei Zuegen und rollte langsam in die naechste Baumreihe ein als ploetzlich mein fahrbarer Untersatz rapide zu beschleunigen begann. Ein beherzter Tritt auf die Bremse ging jedoch ins Leere. Nach zwei weiteren Versuchen und bereits einem stattlichen Tempo raste ich mit entsetzten Blick an meinem Boss vorbei. Geistesanwesend zog ich in diesem Moment die Handbremse und brachte damit das Gespann zum Stehen. John guckte mich etwas verwundert ueber meine Raserei an und ich rief ihm zu, dass etwas mit der Bremse nicht stimmt. Er kam also, oeffnete die Motorhaube, warf einen Blick hinein und sagte mir mit breitem Grinsen, dass halt die Bremsfluessigkeit leer ist.

Da er wohl genauso gut wusste wie ich, dass mein koreanischer Kollege bei versagenden Bremsen vermutlich mit rasender Geschwindigkeit und unter lautem Gebruell entweder in den Baeumen oder im Teich gelandet waere, fragte ich ihn anschliessend provozierend, was denn ein Traktor in Bieren wert ist, wenn eine Traktortuer etwa einer Kiste entspricht. Immerhin bekam ich meine Tuer-Bierkiste erlassen.

Nach der Nummer dachte ich mir dann: „Schroddi-Gen, diesmal musst du dir bissi mehr einfallen lassen, um hier Chaos zu stiften.“ Wie wir wissen, ist mein Gen ja halbwegs sportlich und nahm somit meine Ansage als Herausforderung an.

Wieder ging es um das Wenden am oberen Ende der Baumreihe. Mit nahezu einer Tonne Nektarinen und meinem Kollegen Charly auf dem Haenger Schlug ich also bergab in die naechste Reihe ein. Diesmal mit dem alten David Brown (Baujahr 1962), welcher in Deutschland vermutlich nur noch als Museumsstueck zu finden ist.

Mein ruestiger Rentner

Mein ruestiger Rentner

So steuerte ich also zielstrebig (mit dem Wissen, dass es durchaus etwas eng werden koennte) in die Reihe. Als ich dann einsehen musste, dass es aufgrund eines vorgesetzen Holzpfostens nicht klappen wird, sprang ich mit meinem ganzen Koerpergewicht und ein bisschen mehr auf die Bremse und versuchte mit aller Kraft am Lenkrad zu reissen, um kurzfistig den Kurvenradius zu verkleinern noch heile am Pfosten vorbei zu kommen.

Glueck im Unglueck: Ich schaffte es und streichelte den Pfeiler lediglich mit der Aussenseite meines rechten Vorderrades. Dummerweise uebersah ich jedoch den eigentlichen Grund fuer den vorgelagerten Holzpfosten, naemlich die dahinterliegende Wasserleitung, welche sich mit einem lauten Schlag in 1000 Einzelteilen im Umkreis verstreute.

Wenige Meter spaeter hatte ich meinen Bulldozer endlich zum Stehen gebracht.
Mit einem kurzen Blick musste ich also feststellen, dass ich gerade die Wasserversorgung fuer rund 150 Nektarinenbaeume „ausgeschaltet“ hatte. So kam ich zum Schluss, meinem Boss den Schaden besser zu melden, anstatt zu warten bis die Baeume kaputt gehen und anschliessend meinen Job UND den Kopf zu verlieren. Wenigstens war die Bewaesserung nicht in Gange und ich habe um Zentimeter das computergesteuerte Ventil verfehlt.

Ich entschuldigte mich also fuer das Malheur und bot John an, fuer den Schaden aufzukommen, sowie die Reparatur der senkrecht in den Boden verlaufenden Rohre zu uebernehmen.

Er warf einen Blick auf das Truemmerfeld und sagte lediglich…..no worries, mate. Waere alles ok, hab nen Fehler gemacht und sollte es nicht wieder tun.

Einige Tage spaeter fragte er mich lediglich, ob ich ihm beim Verkleben der neuen Rohre helfen kann. Bei der Gelegenheit erfuhr ich beilaeufig, dass es sich um 200 Dollar teure Hochdruckrohre gehandelt habe (deshalb sind sie auch so schoen mit einem lauten knall „explodiert“).

Nachdem bei mir ja bisher nicht allzu viel passiert ist, hat sich das frustrierte Schroddi-Gen an meinem tollpatschigen Zimmergenossen Ed vergriffen. Er erwischte den Endpfosten einer Reihe und verwechselte zu allem Ueberfluss im Anschluss die Bremse mit dem Gaspedal (kann ja mal passieren, wenn man keinen Fuehrerschein hat), was dazu fuehrte, dass er beihnahe den Traktor zum Kippen brachte, etliche hundert Kilo Pflaumen auf dem Boden verteilte und letztendlich auf dem zweiten Baum zum stehen kam. Er sucht derzeit uebrigens nach einem Job…

Seit einigen Wochen fahre ich nun unfallfrei Traktor. Aber keine Angst, es gibt ja auf unserer Farm noch andere lustige Vehikel, die man schrotten kann.

Ich bleibe am Ball.

Es gruesst

der Treckerfahrer Schroddi

Wieder ging es um das Wenden am oberen Ende der Baumreihe. Mit nahezu einer Tonne Nektarinen und meinem Kollegen Charly auf dem Haenger Schlug ich also bergab in die naechste Reihe ein. Diesmal mit dem alten David Brown (Baujahr 1962), welcher in Deutschland vermutlich nur noch als Museumsstueck zu finden ist.



Wetterbericht

23 02 2011

Im deutschen Sommer wurde ich hin und wieder gehaenselt, weil es in Deutschland zu diesem Zeitpunkt bis zu unglaubliche 10 Grad waermer war als im australischen Winter.  All jene bitte ich nun mal einen Blick auf das heimische Termometer zu werfen, anschliessend mal genau diesen Wetterbericht zu studieren…

Wetter

und anschliessend blass vor Neid zu werden :-p

Wer zuletzt lacht, lacht am heissesten. (Finnisches Saunasprichwort)

In diesem Sinne

*Muahahahaha*

Schroddi



Kreative Auszeit?

14 02 2011

Nun ist es schon wieder eine Weile her, dass ich mich hier mal zu Wort gemeldet habe.  Dies haengt nicht damit zusammen, dass ich keine Lust mehr zum Schreiben habe oder mir die Geschichten ausgegangen sind.

Es mangelt nicht an Kuriositaeten, Unfaellen aller Art oder Schreiblust.
Der wahre Grund fuer die derzeit gaehnende Leere im Blog ist ganz einfach, dass ich die letzten Wochen ein woechentliches Arbeitspensum von bis zu 67 Stunden an 7 Tagen ableiste. Auf diesem Wege setze ich meine ganze Energie derzeit leider in ploetzlichen Reichtum anstatt schraege Blogeintraege um.

Mir schwirren zwar noch ein paar Sachen im Kopf rum, die unbedingt zu „Papier“ gebracht werden sollten, jedoch wird das wohl noch einige Tage in Anspruch nehmen.

Die gute Nachricht ist, dass der ploetzliche Reichtum u.A. in einen fahrbaren Untersatz verpulvert werden wird, was zu gegebener Zeit garantiert wieder fuer neue erzaehlenswerte Geschichten sorgen wird und ich mir derzeit somit den Arsch natuerlich nur aufreisse, um euch auch in Zukunft wieder ein Lachen ins Gesicht zu zaubern.

In diesem Sinne…

I love you all 🙂

Schroddi



Schroddis Tag 280 – Bianca war ne echte Enttaeuschung

1 02 2011

Ort: Im Zimmer, Brook Lodge, Donnybrook
Ortszeit: 30.01.2011, 19.00 Uhr
Wetter: 32 Grad, schwuel
Anwesende: Ed und Laura, die gerade mal wieder was in ihrem eigenen Chaos suchen – Messis

Ja, die Ueberschrift habt ihr richtig gelesen. Bianca war eigentlich ein wirklich heisser Feger. Am Freitag war sie noch nicht mal richtig da, brachte mich jedoch schon ordentlich ins Schwitzen.

Nachdem wir uns am Samstag etwas naehergekommen waren, fing sie ohne grosse Umschweife direkt zu blasen an, was den Nachmittag echt angenehm machte. Kurz vor dem Hoehepunkt bekam ich dann eine kalte Dusche von oben verpasst und kurze Zeit spaeter war Bianca, unser erster Zyklon seit 1989 bereits durchgezogen.

Schade, wir hatten uns eigentlich nach all den Warnungen mehr erhofft.

Da ich noch bissi in der Gegend weilte, will ich mal nicht ausschliessen, dass wir noch mal ein echtes Unwetter zu Gesicht bekommen.

Soweit erstmal,

es gruesst der von der Frauenwelt enttaeuschte Schroddi



Schroddis Tag 279 – Das Fest der Liebe (zum Bier)

29 01 2011

Ort: Im Hof der Brook Lodge, Donnybrook
Ortszeit: 29.01.2011, 14.00 Uhr
Wetter: 34 Grad, schwuel
Anwesende: Rund 80% Luftfeuchtigkeit

Fuer eine Weihnachtsgeschichte ist es nun schon fast etwas spaet. Es hat etwas gedauert mein an Weihnachten erlebtes niederzuschreiben, da ich die damaligen Eindruecke wohl erstmal selbst verarbeiten musste. Nun koennt ihr jedoch endlich den Heizluefter auf hoechste Stufe drehen, die Badehose anziehen, euch zuruecklehnen und etwas ueber meine Festtage der besonderen Art lesen….

Zu Weihnachten bekam ich also eine Einladung meines etwas verstrahlten Arbeitskollegen Shane. So sollte ich am Freitag, den 24.12. direkt nach der Arbeit von meinem Boss direkt zu ihm gefahren werden und ueber Nacht bleiben, um anschliessend den eigentlichen Weihnachtstag in Australien mit seiner Nachbarin zu grillen und am darauffolgenden Tag bei seiner Schwaegerin zum Mittagessen sein. Auch seine Frau sollte mit den Kindern kommen. Klang also eigentlich alles wunderbar.

Am 24.12 nahm ich dann meinen ganzen Geruempel fuer’s Wochenende mit auf die Farm, wo ich kurz vor Feierabend zwei Schuesse hoerte. Als ich dann etwa wenig spaeter zum Ausgang des Feldes kam, hing dort eine erschossene Kuh mit ausgeschlitztr Kehle kopfueber an den Gabeln des Traktors und blutete aus. Mein Boss John sprang derweil froehlich mit geschultertem Gewehr im angrenzenden Kuhgehege zwischen seinen potentiellen Opfern umher. Als er anschliessend auf mich zukam, hatte er wohl meinen etwas entgeisterten Blick gesehen sagte er nur trocken:“Tja, sowas passiert halt auf einer Farm.“

Anschliessemd fuhr er mich zu Shane’s Haus, welches sich auf einem Grundstueck unseres Farmers.befindet. Waehrend der Fahrt musste ich John dann versprechen, dass ich Ihn anrufe, wenn ich in Probleme komme. Das klang ja schon mal sehr beruhigend. Auf die Nachfrage, warum er mir das anbot, entgegnete er nur, dass einige von Shane’s Freunde etwas unfreundlich seien. Beste Voraussetzungen also fuer besinnliche Weihnachten. 🙂

Villa Kunterbunt

Villa Kunterbunt

Am entsprechenden Grundstueck angekommen uebertraf es dann meine schlimmsten Befuerchtungen. Es handelte es sich zwar um ein Haus, jedoch wuerde man es in Deutschland wohl mehr als Wellblechhuette oder Gartenlaube bezeichnen. Dieses „“Haus befindet sich extra eingezaeunt in einem bereits eingezaeunten Kuhgehege.

Waehrend ich so ueber die kuhfreie Wiese (also das, was man in sued-west Australien als Wiese bezeichnet) lief, boelkte bereits seine Nachbarin meinen Namen ueber ihren Zaun. So lief ich dann auf eine kleine, extrem aufgedunsen und vom Alkohol gepraegte Frau mittleren Alters zu, welche sich als Peg, seine Nachbarin vorstellte. Sie bat mich herein, weil sich Shane irgendwo rumtrieb. Im Esszimmer platzgenommen, sah ich einen weissbaertigen alten Mann auf der Couch liegen und einen Kriegsfilm gucken (er erinnerte mich starkt an Nikolaus nach Feierabend). Sofort stellte man mir ein kaltes Export vor die Nase, was nach einem Tag Feldarbeit bei 34 Grad ja nicht das Schlechteste ist.

Etwa eine halbe Stunde spaeter kam ein Auto um die Ecke , aus dem Shane und sein ordentlich angetrunkener Kumpel Nigel herausfielen. Nach kurzem „Hallo“ fuhr mich seine Nachbarin, die offensichtlich nicht so betrunken war wie Shane’s Kumpel, in die Stadt, wo ich 5 Liter Wasser und zwei Boxen Bier holte.

v.l.n.r. Nigel, Stormy & Shane

v.l.n.r. Nigel, Stormy & Shane

Zurueck an Shane’s Verschlag, traf ich die beiden Saufbrueder trinkend vorm Haus sitzend an. Von nun an konnte ich die Zeit in Bierdosen messen. Etwa 4 Kaltgetraenke sassen wir anschliessend vorm Haus und unterhielten uns.

Ploetzlich fragte mich mein Kollege, ob ich ein guter Kaempfer sei. Als ich nachhakte, wie das gemeint sei, erklaerte er mir, dass er sich gerne einfach so schlaegt und meistens auch nur in die Pubs geht, um jemanden zu finden, mit dem er sich schlagen kann. Ich habe ihm dann verstaendlich gemacht, dass ich ihn bei einer Taetlichkeit seinerseits leider sofort umbringen muss, da ich es derzeit nicht verantworten kann, verletzt zu werden. Das hat er dann auch verstanden und war friedlich. Weitere vier kuehle Blonde spaeter entschieden wir Dart zu spielen. Einer Shane’s erster Wuerfe traf sein Ziel perfekt. Und zwar den Fusszeh seines Kumpels.

Dieser konterte daraufhin und wollte mit einem kraeftigen Wurf Shane’s hintern treffen, verfehlte ihn nur knapp und traf den Pfeil dafuer etwa 2cm tief in seine Hand. Dieser nahm es mit Humor und wunderte sich eher, dass aus der Wunde kein Blut kam. Ich haette stattdessen Bier erwartet, es kam aber wirklich nichts raus.

Die Putzfrau hat vor 30 Jahren gekuendigt

Die Putzfrau hat vor 30 Jahren gekuendigt

Als ich 5 Dosen spaeter meine mittlerweile leicht sprachgestoerten Dartgegner in Grund und Boden spielte, entschied sich Shane, sich lieber mit einem Schlafsack in die Pisslache seiner Toilette zu legen. Mit Toilette ist uebrigens der Vorgarten gemeint, da die eigentliche Toilette (oder was man dafuer halten kann), nicht richtig funktioniert und daher nur fuer grosse Geschaefte zur Verfuegung steht.
Nachdem mein Kolege mir auch seine Redback Spider Falilie im Netz neben dem Klo vorgestellt hatte, entschloss ich kuzum fuer die naechsten Tage an spontanem Darmverschluss zu leiden.

Nach drei weiteren inspirierenden Export kam Shane dann die famose Idee mit seiner

Staubwedel oder Hochdruckreiniger?

Staubwedel oder Hochdruckreiniger?

Motorcross Maschine ueber die Felder zu buegeln und ein paar Spruenge zu machen. Shane raste also in Shorts und Stiefel gekleidet los und seine Kampftoele ihm hinnterher. Nigel entgegen baendigte jedoch seine Jack Russell Terrier Dame Stormy mit den pausenlosen Worten sie aufzuhaengen, wenn sie das Motorrad verfolgt. Weiterhin erzaehlte er mir, dass Shane sich erst letzte Woche mit dem Motorrad um einen Kuhzaun gewickelt hat und dass es nur eine Frage der Zeit waere, bis er sich heute wieder lang macht. Es waere aber nicht so schlimm, weil man besoffen den Schmerz ja nicht so merkt.

Ein Bier spaeter (Zeitrechnung in Biereinheiten verschiebt sich etwas, da Shane nicht waehrend der Fahrt trinken konnte) beendete die Nachbarin das bunte Treiben mittels eines lauten Bruellers in Shane’s Richtung. Dieser erwiederte darau mit den Worten: „Es ist Weihnachten und ich bin doch noch nicht mal gefallen. Darf man sich denn an Weihnachten nicht mal selbst verletzen?

Z, der faule Hund

Z, der faule Hund

So setzten wir uns halt rein und schauten uns erst ein ACDC Konzert und anschliessend Pinks Floyds „The Wall“ an, wozu wir endlich mal ein paar kuehle Blonde geniessen konnten.
Als mir irgendwann die Augen zufielen, bat mir Shane eine Matratze auf den Boden zum Schlafen an, allerdings muesse ich mir den Schlafplatz mit seinem 30kg Stefford Terrier teilen. Nachdem ich mir neben dem faulen Koeter einen Platz erkaempft hatte, lief er mir noch ein paar mal uebers Gesicht oder machte sich halt auf mir breit. Irgendwann fanden wir dann jedoch einen Kompromiss und schliefen beide ein.

Gegen 4, 6 und 7 Uhr wurde ich kurzzeitig von Dosenklicken geweckt, wachte jedoch endgueltig erst bei Bier Nr. 4 richtig auf. Nach dem Bier zum Aufwachen und dem „Guten Morgen-Bier“ innerhalb von 15 Minuten gab es dann das „Bis gleich-Bier“, da Nigel was zu erledigen hatte und auf dem Rueckweg Fleischkuchen^^ mitbringen wollte.

Bierzucht im Vorgarten

Bierzucht im Vorgarten

Ich setzte erstmal genuesslich meine 5 Liter Wasserflasche an und goennte mir einen grosszuegigen Schluck. Vollkommen entgeistert und unglaeubig fragte mich Shane, ob ich da wirklich gerade Wasser trinke. Er erklaerte mir, dass es in seinem Haus normalerweise nur Bier gibt – er war aber so gnaedig fuer mich eine Ausnahme zu machen. Anschliessend erklaerte ich ihm, dass ich diesen Tag heim moechte und nicht noch eine Nacht bleibe. Er sagte mir, dass mich seine Schwaegerin nach dem Essen bei den Nachbarn mit in die Stadt nehmen kann. Klang soweit ganz gut und der Alptraum sollte somit ein baldiges Ende haben.

Einen guten Liter, also rund drei Bierdosen spaeter rief dann seine Nachbarin irgendwas unverstaendliches den Berg rauf.

So bewaffneten wir uns mit einigen Kuehlgetraenken und halfen ihr im Garten ein wenig beim Aufbau der Tafel fuer die 25 erwarteten Gaeste, welche 4 Bier spaeter auch eintrafen.

Das gemeinsame Essen mit Hans und Franz war ganz ok und mein Magen freute sich das erste Mal seit Freitag morgen wieder ueber feste Nahrung. Zudem rueckte das Ende meines Horrortrips immer naeher. Von einem Bier aufs Naechste entschied Shane dann spontan, dass wir wieder in sein Haus muessen. Dort angekommen, brauchte es ein weiteres Bier und die beiden Brueder waren sich einig an den Damm zum Schwimmen zu fahren. Auf die Frage, was denn nun mit meiner Mitfahrgelegenheit sei, bekam ich auf dem Weg zu Nigels Auto nur kurz gesagt, dass sie nicht kommt und ich noch eine Nacht bei ihm schlafen werde. So entschloss ich mich die 12 km halt heim zu laufen, wenn wir in wenigen Stunden vom Damm zurueck sind, Hauptsache es ist noch hell.

So sass ich mit ACDC und zwei ordentlich betrunkenen Typen im Auto und fuhr zum Damm. Und wir fuhren….und fuhren. Nach rund 2 Bier Fahrt durchs Niemalsland und dichte Waelder, sotppten wir ploetzlich an einem abgelegenen Massenmoerderhaus (dort hoerte dich niemand schreien) und fuer einen Moment ging mir der Gedanke durch den Kopf: „Na toll, nun wird dir alles abgenommen und der Kopf abgeschnitten. Das wars dann.“

Nigel schloss die Tuer auf und bat mich herein. In einem grossen Raum, waren auf dem ganzen Boden getrocknete Baumwurzeln verteilt und er paesentierte stolz seine Sandeholz Sammlung. Auf die Frage, ob ich nicht ein Stueck kaufen moechte, reagierte ich nach wie vor immernoch etwas verstoert und sprachlos. Aus meiner Reaktion interpretierte er dann, dass mir seine Sammlung anscheinend nicht gefaellt. So stiegen wir (zum Glueck noch mit Kopf) wieder ins Auto und fuhren ein weiteres Bier lang durch den Wald bis wir ploetzlich auf dem Parkplatz an einem kleinen See hielten. Ich war wirklich gluecklich, dass uns unterwegs kein Baum vors Auto gesprungen ist. Nach der Masse an Bieren haette ich ja nicht mal mehr laufen, geschweige denn ein Auto fahren koennen.
Nigel fuhr fuer seinen Pegel jedoch ausgesprochen gut, fast besser als er lief.

Am See angetroffen trafen wir auf eine Art Alkigrossfamilie. Angefangen von zarten 11 Jahren (noch nuechtern) bis Mitte 65 (Sternhagelvoll) war so ziehmlich jedes Alter vertreten.
Nachdem sie meine Herkunft herausgefunden hatten (mal wieder haette ich flunkern sollen), sprach man mich liebevoll mit Kraut oder Nazi an. Wir waren uns also von der ersten Minute an dicke Freunde im speziellen verachtete mich Sharan, Shane’s Schwaegerin, die mich eigentlich nach dem Mittagessen haette heimfahren sollen.

So sassen wir also am See und wer haette es gedacht, wir tranken Bier. Nach einigen Doeschen fing Shane an auf einen Baum zu klettern und plante von rund 5 Metern hoehe in das etwa huefttiefe Wasser zu springen. Alle versuchten ihn davon abzuhalten, da der See an dieser Stelle fuer einen Sprung aus dieser Hoehe einfach zu flach ist. Davon liess sich Shane jedoch nicht beeindrucken und legte einen Bilderbuch Bauchplatscher hin, erstaunlicherweise ohne sich ernsthaft zu verletzen. Das musste erstmal gefeiert werden, natuerlich mit Bier.

Waehrenddessen stand der rund 23 jaehrige Sohn hinter mir an Nigels Auto gelehnt, wo er es in seiner Badehose einfach mal entspannt laufen lies. Ziel dieser Aktion war, seiner juengeren Schwester mal unbemerkt auf den Fuss zu pinkeln. Mich wunderte langsam gar nichts mehr. Genau genommen schaute ich einfach nur noch auf die Uhr, und rechnete wie lange wir noch ausharren koennen, um noch rechtzeitig vor Dunkelheit von Shanes Haus zurueck zum Hostel zu laufen.

Langsam schwand mein Zeitfenster und ich hatte mich bereits mit dem Gedanken abgefunden im Dunklen zurueck zu laufen. Egal wie – ich wuerde nicht noch eine Nacht in seinem Haus verbringen. Etliche Biere spaeter und kurz vor Einbruch der Dunkelheit wurde dann beschlossen zurueck zu fahren und ich machte drei Kreuze.
Sharan wollte nicht mit dem Nazi in einem Auto sitzen doch ungluecklicherweise war in keinem anderen Auto mehr ein Platz frei. Zu ihrem glueck sass zwischen uns ja noch der sich selbst bepissende Sohn. Mit Nigels Toele Stormy im Genick und fuer jeden ein neues Bier ging es dann auf den Rueckweg durch den Wald.

Shane mit Schlange... und Bier

Shane mit Schlange... und Bier

Ploetzlich hielt das hinter uns fahrende Auto am Strassenrand. Wir setzten also zurueck und sahen direkt vor dem Auto eine relativ grosse Schlange sich auf der Strasse schlaengeln. Es handelte sich um eine Dugite, was eine Unterart der absolut toedlichen western Brownsnake ist. Alle sprangen aus dem Auto und Shane bot sich gleich an die Schlange zu toeten, da er im Knast gelernt hatte, wie das geht.

So packte er sie am Ende und liess sie wie eine Peitsche schnalzen, was ihr quasi das Genick bricht. Tatsaechlich bewegten sich die rund 10 cm hinter ihrem Kopf nicht mehr. Da eines der Familienmitglieder gerne die Schlangenhaut behalten wuerde, schmiss Shane seine Trophaehe kurzerhand in die im Kofferraum stehende Kuehlbox. Nach kurzer Diskussion holte er sie wieder raus und schnitt ihr schnell noch den Kopf ab – nur um sicher zu gehen.

Eine Massage, die unter die Haut ging

Eine Massage, die unter die Haut ging

Mit einem frischen Bier ging es dann weiter. Zu meiner Ueberraschung allerdings nicht zu Shane, sondern zum Haus der Grossfamilie. Auf dem Parkplatz begann Shane dann die Haut von dem sich noch windenden Schlangenkoerper abzuziehen. Bei der gelegenheit entleerte sich der komplette Schlangendarm auf seine Shorts. Diese uebelriechende Masse wischte er schnell mit einem im Kofferraum liegenden Pulli ab.

Anschliessend verlegten wir auf die Terrasse vor der „Familienvilla“, wo binnen 15 Minuten u.A. eine Flasche Sambuca geleert wurde, um den steigenden Blutgehalt im Koerper wieder auszugleichen. Zu grauenvoller Musik in uebertriebener Lautstaerke wurden die Reste des gestrigens Weihnachtsessen serviert und zusammen mit einigen erfrischenden Kaltgetraenken verspeist. Mittlerweile trank die etwa 14 jaehrige Tochter auch Whisky-Cola und die maximal 11 jaehrige bediente sich an den Glaesern der restlichen Familie.

Zwischenzeitlich wischte sich Shane ueber seine mit Schlangenfaekalien beschmierte Hose und roch an seiner Hand, was seinen Magen dazu veranlasste vulkanartig saemtliche Fluessignahrung der vergangenen Stunden herauszuschleudern. Nachdem er dann einige Weile verschwunden war, erfuhr ich, dass er in Nigels Auto eingeschlafen ist.

Mit der Dunkelheit kam ein frischer Wind auf, welcher mich veranlasste meine Hautfarbe in ein blaeuliches Braun zu wechseln. Zitternd wollte ich mal wieder oder besser gesagt immernoch einfach nur heim. Als Notiz genommen wurde, dass ich mir einen abschlotter (vermutlich mangels Alkoholkonsum), brachte man mir den mit Schlangenscheisse beschmierten Pulli…. na ganz toll, genau was ich wollte. Ich ich nicht die einzige Frostbeule war und Stormy, Nigels Hund mindestens genauso nuechtern war wie ich, gruendeten wir eine Zweckgemeinschaft. Ich liess sie unter den Pulli und dafuer spendete sie ein wenig Waerme. Dies half jedoch nur bedingt. Daher fragte ich Nigel, wann er denn gedenkt zurueck zu Shane’s Haus zu fahren. Er erklaerte mir ganz trocken, dass er zu betrunken sei, um zu fahren und wir ueber Nacht hier bleiben.

Ich glaube mein Gesichtsausdruck hatte in diesem Moment Baende gesprochen, was Sharan hat aufmerksam hat werden lassen. Ob wohl sie mich Nazi nicht abkonnte, bot sie mir spontan an, mich heim zu fahren. Ich lies mir das nicht zweimal sagen, bedankte mich fuer das Essen und sprang in ihr Auto. Die Fahrt nutzte ich, um sie mal auszuquetschen, warum sie denn ploetzlich so ein Problem mit mir hatte. Als Antwort kam ganz selbstverstaendlich, eine Anspielung auf das, was „wir Deutschen“ damals gemacht haben. Ich habe sie augeklaert, dass ich einer anderen Generation angehoere, die weitestgehend das damals geschehene genauso verabscheut und lediglich noch (uebrigens genau wie Australien) in beschissene Kriege unseren amerikanischen „Freunde“ zieht. Damit waren wir dann auf einem gemeinsamen Nenner und ich fiel ihr zum Abschied uebergluecklich um den Hals, als wir endlich auf den Hof meiner so oft verachteten Unterkunft rollten.

Als erstes schmiss ich alle meine Klamotten in die Ecke, wusch den Gestank der letzten 2 ½ Tage ab und fiel uebergluecklich in mein Bett. Ungluecklicherweise befanden sich meine Schuhe und alle anderen Sachen noch in Shane’s Haus. Daher organisierte ich mir am naechsten Tag ein Auto, fuhr dort hin, lehnte dankend ein Bier ab, sammelte meine Sachen ein und fuhr uebergluecklich zurueck, wo ich alle meine Sachen erstmal wusch, um diesen biederen Pissgestank loszuwerden.

Im Nachhinein betrachtet war es ein echt anderes Weihnachten mit Einblicken in eine andere Welt. Eine Welt, gegen die ich alles menschenmoegliche unternehmen wuerde, um sie nicht zu meiner Welt werden zu lassen.

In diesem Sinne,

Prosit

Schroddi



Schroddis Tag 275 – Unsere kleine Farm – Regen ist, wenn Zigarettenpapierchen nass werden

26 01 2011

Ort: Im Bett, Brook Lodge, Donnybrook
Ortszeit: 26.01.2011, 18.00 Uhr
Wetter: 26 Grad, wieder Sonnenschein
Anwesende: Ed und Laura meine beiden Roomies

Nachdem ich die letzte Zeit ueberwiegend ueber Trockenheit und Buschfeuer geschrieben habe, will ich heute mal ueber was berichten, was euch allen wohl bekannt ist. Gut 4,5 Wochen war ich nun in der Stadt der Aepfel. In dieser Zeit hatten wir zwei kurze Nieselschauer, jedoch keinen echten Regen.

Der Sommer hatte mit taeglichen Temperaturen zwischen 33 und 38 Grad, sowie absoluter Trockenheit Einzug gehalten. Sehr untypisch fuer diese Region und Jahreszeit sagte der Wetterbericht jedoch fuer den 05.01. Gewitter voraus.

Ueblicherweise ueberlegt es sich der Wetterbericht kurzfristig noch mal anders oder liegt komplett daneben. Ich hoffte, dass es auch an diesem Tag so kommen sollte, da ich auf der Farm bei Gewitter die einzige Zuflucht unter Baeumen oder in einer Blechhuette haben wuerde.

Gewitta?

Gewitta?

So ging ich also wie ueblich zur Arbeit. Der Tag begann sehr schoen, jedoch zogen zu meiner Ueberraschung bald dunkle Wolken auf. Ich ignorierte sie gekonnt, denn eine andere Wahl hatte ich ja nicht. So wechselte ich weiterhin die Duesen unserer Bewaesserungsanlage und bekam dabei regelmaessig lauwarme Duschen mit mal mehr und mal weniger schlammigen Wasser ab.

Von einer Sekunde auf die Naechste oeffnete der Himmel dann seine Pforten….groooosse Pforten. Da ich mein Handy und meinen Mp3-Player noch einstecken hatte, legte ich einen fluchtartigen Sprint zu meinem Rucksack hin. Vom Eingang des Feldes rief mich mein Boss heran und wir kuschelten uns auf einem halben Quadratmeter in die Blechhuette, wo saemtliche Insektizide und andere Duengemittel gelagert waren. Neben uns befand sich direkt das Rindergatter. Daher wollte ich die Gelegenheit nutzen und endlich herausfinden, wie Kuehe gucken, wens blitzt. Ich schaute ihnen also tief in die Augen und ausser dem ueblich daemlich-zornigen Blick war nichts zu sehen….es blitzte ja auch nicht 🙁

Waehrenddessen ballerte Peter, sein Vater, unbeeindruckt vom Strakregen mit seinem Motorrad ueber die Huegel und trieb weiterhin die Rinder zusammen. John bot mir nach wenigen Minuten an, mich nach Hause zu fahren. Ich lehnte dankend ab, da es erst rund 10 Uhr war und ich mit einem baldigen Ende des Schauers rechnete. Als der Regen nachliess machte ich mich zurueck an die Arbeit. Immer wieder stoppte der Regen fuer einige Minuten und legte anschliessend wieder los, mal staerker und mal schwaecher. Als ich gut zwei Stunden mehr als nur aufgeweicht war und um meine Zigarettenpapierchen fuerchten musste, beschloss ich doch Feierabend zu machen. Unser zufaellig vorbeigekommener Berater Jeff gab mir dann eine Mitfahrgelegenheit zurueck ins Hostel.

Es war definitiv die richtige Entscheidung, da es auch den kompletten Nachmittag durchregnete. Nur drei Tage spaeter waren dann auch endlich meine Schuhe wieder komplett getrocknet. Farmarbeit kann ja ganz lustig sein – aber nicht bei Regen.

Dies ist jetzt rund drei Wochen her. Fuer vergangenen Montag wurden wieder Regen und schweinekalte 21 Grad angekuendigt. Mitten in der Nacht wachte ich auf und hoerte es ganz ordentlich plaetschern. Ich hoffte, dass es aufhoert bis wir zur Arbeit muessen und schlief wieder ein.

Als ich dann eine Stunde spaeter (also immernoch mitten in der Nacht) aus dem Bett kroch, schuettete es immernoch. So machte ich mich zaehneknirschend fertig und entschied mich an diesem Morgen fuer Lederstiefel anstatt Sneaker, um wenigstens einige cm Hautflaeche vor dem Regen zu schuetzen. Beim Fruehstueck kamen dann meine Kollegen (die im uebrigen genauso viel Lust hatten bei dem Schmuddelwetter zu arbeiten) auf mich zu und fragten, was wir tun sollen. Ich sagte ihnen, dass sie sich wie ueblich fertig machen sollen und ich hoffe gute Nachrichten vom Boss zu bekommen.

Etwa 10 Minuten vor Abfahrzeit feierte ich dann die erloesende Sms. „Wir starten heute, wenn es aufhoert zu regnen“. Es war zwar nicht das, was ich hoeren sollte, da es trotzdem ekelhaft ist in kniehohem, nassen Gras zu arbeiten und die Nektarinen aus den ebenfalls nassen Baeumen zu angeln, jedoch war es in jedem Fall besser als im Regen zu arbeiten. Daraufhin anwortete ich John, dass wir uns bereithalten werden, um zu kommen, wenn es aufhoert zu Regnen. Dies bedeutete in etwa, dass sich meine gluecklichen Kollegen wieder aufs Ohr legten und ich das Handy im Auge behalten musste. Um mir auch noch den letzten Optimissmus zu nehmen, erhielt ich als Antwort, dass es wahrscheinlich eh bald aufhoert zu regnen. So legte ich mich also wieder ins Bett.

Constantine, Trainspotting und Schindlers List (also gut 6,5 Stunden) spaeter regnete es immernoch und ich entschied mich dazu ausnahmsweise mal einen Film zu gucken. So zog ich mir gelangweilt auch noch Gamer rein und hatte quasi den Tag rumgekriegt.

Mein Fazit also: Zweimal Regen in einem Monat ist einfach zu viel… und macht viereckige Augen.



Schroddis Tag 263 – Wir werden alle sterben – also nicht ich (Teil 3)

13 01 2011

Ort: Vorm Ventilator, Brook Lodge, Donnybrook
Ortszeit: 13.01.2010, 16.00 Uhr
Wetter: 29 Grad, wolkenlos
Anwesende: Ed und sei Frau

Nach einer kreativen Pause die letzten Tage moechte ich mich heute erstmal mit einer verdammt ernst gemeinten Klarstellung zu Wort melden 🙂

Trotz meiner Berichte ueber die aktuellen Buschbraende (vorgestern sind in der Naehe wieder 10 Haeuser abgebrannt), werde ich in letzter Zeit von saemtlichen Leuten gefragt, wie es mit der Hochwasserlage aussieht und ob ich schon nasse Fuesse bekomme.

Daher an dieser Stelle mal ein klares Statement:

  1. Hat es hier seit meiner Ankunft vor rund 5 Wochen an zwei Tagen gerade genug geregnet, um in einer Pfuetze am Strassenrand zu ertrinken.Nasstrocken
  2. Bin ich derzeit rund 3.500km vom Katastrophengebiet entfernt (Entspricht etwa der Entfernung von Deutschland bis in die Sahara).
  3. Bin ich zwar fuer die gelegentliche Stiftung von Chaos bekannt, habe nichts mit der Flut zu tun und wasche daher meine Haende in Unschuld und nicht im Hochwasser. Dieses Ausmass ueberschreitet meine Kompetenzen.
  4. Waere es doch eine durchaus interessante Hochwasserkatastrophe, wenn im ueberflueten Gebiet die Waelder brennen. Naja, Gegensaetze siehen sich ja gelegentlich an…

So seids beruhigt, ich schnicke weiter meine Kippen auf den trockenen Waldboden und werde daher eher verbrennen als dass ich wegschwimme.

Es gruesst das Unschuldsschroddl (noch)

PS: Die von Schneegi im letzten Artikel vorgeschlagene Idee, ein Spendenkonto fuer ein Feuerwehrauto zu eroeffnen, finde ich gut. Wer also spenden moechte, bekommt natuerlich gerne meine Kontodaten uebermittelt.



Schroddis Tag 254 – Wir werden alle sterben – Immernoch (Teil 2)

4 01 2011

Ort: Vorm Ventilator, Brook Lodge, Donnybrook
Ortszeit: 04.01.2010, 21.00 Uhr
Wetter: 35 Grad (Also hier im Zimmer)
Anwesende: Dank modernster Technik ein leises Lueftchen

Gluecklicherweise hatte sich der uns einnebelnde Rauch nach zwei Tagen wieder verzogen. Aus den oertlichen Nachrichten erfuhr ich dann, dass in dieser Zeit nicht weit von hier ein Wald mit der groesse des Sodener Stadtgebiets (inkl. Eichwald) abgebrannt ist.

Na, zum Glueck war es also nur ein kleiner Brand, der mittels 100 Feuerwehrleuten und dem Einsatz mehrerer Loeschflugzeuge binnen 2 Tagen geloescht werden konnte.

Die Ortsansaessigen nehmen das also gelassen, denn es ist erst der Anfang der Feuersaison und an so kleinere Braende muesse man sich gewoehnen.

Gestern war es dann ploetzlich wieder soweit. Nach Einbruch der Dunkelheit wurde binnen Minuten die Luft so verqualmt, dass einem wieder die Augen gebrannt haben.

UFOs?

UFOs?

Da ich es am Horizont roetlich leuchten gesehen habe, bin ich mal ein Stueckchen die Strasse hochgeaufen und habe es nicht weit von der Stadt entfernt leuchten gesehen.

Ich bin mal gespannt, ob wir diesen Sommer echt noch beaengstigend nahe ans Feuer ran kommen (oder besser das Feuer an uns). Die Baeume im Hostelgargten scheinen immerhin bereits gebrannt zu haben – genau wie die an der Farm.

In jedem Fall rueckt der Feind deutlich naeher. Ich glaub ich kaufe mir die naechsten Tage mal ne Wasserpistole, natuerlich nur zur Selbstverteidigung.

Es gruesst der Schroddi aus dem Glutofen



Schroddis Tag 250 – Mal so unter uns gesagt

31 12 2010

Ort: Ufer des Preston River, Donnybrook
Ortszeit: 27.12.2010, 16.45 Uhr
Wetter: 36 Grad
Anwesende: Eine Spinne in meiner Netbooktastatur *grr‘

Wieder geht ein Jahr zu Ende. Fuer mich war 2010 nicht nur irgendein, sondern ein ganz besonderes Jahr, denn es war 7 Stunden kuerzer als sonst.

Ihr denkt jetzt sicher, was sind schon 7 Stunden doch 7 Stunden koennen sich anfuehlen wie eine halbe Ewigkeit.

Zum Beispiel entsprich dies der Zeit,…

…in der ich fluchend auf einem Erdbeerfeld gestanden habe (gebueckt, natuerlich).
…in der man pausenlos mit dem Auto fahren kann und unter Umstenden nur 2 Orte passiert.
…die man ungeschuetzt in der Sonne verbringen kann, bevor man sich mit schweren Hautverbrennungen ins Krankenhaus einliefern lassen muss.
…die taeglich Fliegen auf meinem Koerper verbringen
…die ich gebraucht habe, um in Alice Springs 7 Liter Wasser zu trinken
…die ich in etwa fuer diesen Blogeintrag gebraucht habe
…die ich braeuchte, um von hier an den Strand zu laufen

Ebenso koennen 7 Stunden jedoch auch eine wunderschoene Zeit sein, denn 7 Stunden…

…hat mir 2010 locker die Kinnlade vor Begeisterung offen gestanden.
…verbringe ich in 14 Tagen alleine mit Lachen
…wundere ich mich woechentlich ueber schraege und kuriose Dinge (gerade fuhr bei 36 Grad Aussentemperatur ein Typ mit Jacke und langer Hose auf einem Fahrrad an mir vorbei?!)
…entsprechen meiner Freizeit an einem typischen Arbeitstag
…reichen in diesem wunderschoenen Land aus, um viele nette Menschen kennen zu lernen, gleich mehrere Abenteuer zu erleben, dreimal seine Plaene zu aendern und trotzdem vor neuen Ideen zu spruehen,Tiere und Landschaften zu entdecken, die man sonst nur aus Buechern, Tv oder von Postkarten kennt oder einfach mal die Seele baumeln zu lassen.

Nachdem ich nun also feststellen musste, dass man mich bei meinem Australienjahr um diese sieben u.U. wunderschoenen Stunden beschissen hat, habe ich mich nun dazu entschlossen, mein erstes Visum mittels drei Monaten (22 Tage sind nun geschafft ) Farmarbeit zu verlaengern, um dann noch mal ein ganzes Jahr mit vollen 365 Tagen im Land zu verbringen.

Ich habe ja immer gesagt, dass ich ein Jahr in Australien bleibe, haette ich die 364 Tage und 17 Stunden andauernde Vorbeireitungszeit jedoch erwaehnen sollen?

Leider konnte meine Firma diese Entscheidung nicht nachvollziehen und hat mir Weihnachten mit der Aussage „versuesst“, dass es derzeit so aussieht, dass aufgrund Nichtdarstellbarkeit mein Arbeitsvertrag bei einer Verlaengerung meiner Reise dann beendet waere, was jedoch nicht bedeutet, dass man sich ueber meine Rueckkehr in 2012 nicht freuen wuerde. Lest diesen Satz ruhig mehrmals durch und lasst euch diesen sueffig schwammigen Geschmack mal auf der Zunge zergehen.

Heisst es dann mittlerweile auch in den Medien, das Firma XY aus Nichtdarstellbarkeit gegenueber der wirtschaflichen Gesamtsituation dann mal die Arbeitsvertraege von 5.000 Arbeitnehmern beendet, was jedoch nicht bedeutet, dass sich das Unternehmen ueber eine Rueckkehr ihrer ehemaligen Angestellten in besseren Zeiten nicht freut?

Immer wieder werde ich gefragt, ob ich nicht meine Familie und Freunde vermisse. Klar vermisse ich sie. Ich wuerde mich auch riesig freuen, wenn sie mich mal besuchen kommen. Aber sollte ich wegen ein paar Menschen, die ich vermisse, meinen derzeit gelebten Traum aufgeben?

Wenn mich also jemand fragen sollte, ob ich zurueck kommen moechte, wuerde meine Gegenfrage wohl wie folgt lauten:

„In das Land der Dichter und Denker, bestehend aus Richtern und Henkern, gefuehrt von paranoiden Wendehaelsen, ferngesteuert oder angetrieben von wirtschaftlichen Selbstinteressen und in ein Zuhause, welches nur noch aus einer 6cbm Holzkiste besteht, um im Endeffekt auf die Haelfte meines jetzigen Lohnes, sowie auf die unzaehligen Abenteuer, Menschen, Erfahrungen, Eindruecke, das Meer, den ewigen Sommer und die wohl beste Zeit meines Lebens zu verzichten?“

Wer in dieser Gegenfrage keine klare Antwort lesen kann, loescht bitte sofort meinen Blog aus seinen Favoriten, macht den Meinungsbilder wieder an und gibt sich die volle Droehnung, einer Dieter Bohlen „Ich stelle euch bloss und zerstoere eure Traeume-Sendung“. Ich lebe derweil meinen Traum weiter, auch in 2011.

Ich wuensche allen, die an mich geglaubt, meinen meinen Traum unterstuetzt und mich ab und an gestuetzt haben, einen guten Rutsch, sowie ein wunderschoenes 2011, gepraegt von Gesundheit, Erfolg, Zufriedenheit und der Erfuellung wenigstens eines eurer Traeume.

Allen, die gelegentlich in meine Suppe gespuckt, mir Steine in den Weg gelegt (damit ist nicht der Rheinstein gemeint) oder mir einfach nur das Leben zur Hoelle gemacht haben, gilt an dieser Stelle ein ganz besonderes Dankeschoen, denn ohne euch haette ich wohl nie die Eier gehabt, einfach alles stehen und liegen zu lassen und in ein neues Leben aufzubrechen..

Alles, was es nun noch zu sagen gaebe, wurde bereits gesagt. Naemlich von einem sehr genialen frankfurter Kuenstler, den ich an dieser Stelle einfach das Wort zum, aehm, Freitag sprechen lasse…

Viele Gruesse

Schroddi

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Du solltest träumen für all jene, denen die Angst den Schlaf geraubt,
deren Hoffnung man zertreten, irgendwo im Strassenstaub.
Du solltest springen für all jene, denen der Fuss in Ketten liegt,
deren Willen man gebrochen, deren Freiheit man bekriegt.

Du solltest leuchten für die Lichter, die man in Dunkelheit gesperrt,
für die Kinder die nicht wissen, ob die Väter wiederkehren.
Du solltest wissen um dein Glück, das dir ein Zufall zugespielt ,
zu jeder Stunde, jeden Tag an dem du die Sonne siehst.

Du solltest sprechen für all jene, die nicht reden können von diesen Dingen,
weil die die es nicht hören wollen, sie soll’s ganz schnell zum schweigen bringen,
Etwas bewegen für all jene, deren Leben längst erstarrt,
die von deiner Freiheit träumen und den Chancen die du hast.

Sei frei – solange es geht!
Bleib frei – solange du lebst!
Sei frei – und reite die Welle!
Sei frei – an ihrer Stelle!



Schroddis Tag 248 – Wir werden alle sterben – also vielleicht

29 12 2010

Ort: Innenhof, Brook Lodge, Donnybrook
Ortszeit: 29.12.2010, 21.30 Uhr
Wetter: 25 Grad, verqualmt
Anwesende: Dieses Brennen in den Augen…

Aufgrund der Tatsache, dass es hier im trockensten Winter/Fruehjahr seit Wetteraufzeichnung seit ueber drei Monaten nicht mehr wirklich geregnet hat und es so gut wie keinen gruenen Grashalm in der Gegend gibt, fuehlt man sich manchmal schon etwas komisch, wenn man mit Fluppe im duerren Gras steht.

Waehrend der der Arbeit roch es dann heute ploetzlich nach Feuer, was mich in Vergangenheit nie nervoes gemacht haette, sich hier aber doch irgendwie komisch anfuehlt. Zu allem Ueberfluss erzaehlte mir mein Arbeitskollege, welcher nebenher noch bei der freiwilligen Feuerwehr ist, dass er anstatt Weihnachten zu feiern mit etwa 100 Kameraden und mehreren Lueschlugzeugen in der naehe zwei Tage lang ein Buschfeuer bekaempft hat.

Roadtrain - Russpartikelfilter kaputt

Roadtrain - Russpartikelfilter kaputt

Bereits eine Weile nach Feierabend kam in Donnybrook wieder der Geruch von Feuer auf und es schien etwas diesig zu werden. Etwa zwei Stunden spaeter hatte die gesamte Stadt keinen Strom mehr, der Rauch in der Luft verdichtete sich und begann in den Augen und in der Lunge zu Brennen. Beim Blick auf die aktuellen Buschbrand Warnungen, musste ich zudem feststellen, dass in der Gegend nicht nur ein Feuer lodert.

Der Rauch fuehrte zu einem Wunderschoenen „feuerroten“ Sonnenuntergang, was einen Chinesen veranlasste ganz trocken zu sagen: „Sieht ja aus wie in Hong Kong“.

Da ich ja jetzt mit meinem Wlan stick etwas mobiler bin, werde ich dann im Zweifelsfall waehrend meiner Evakuierung oder beim Verbrennen noch bloggen, wie das so kommt.

In dem Sinne…

…beschwere sich noch mal einer ueber Schnee…

Es gruesst der Schroddi, ganz Feuer und Flamme



Schroddis Tag 246 – Meine neue Freundin

27 12 2010

Ort: Waschsalon BP Tankstelle, Donnybrook
Ortszeit: 27.12.2010, 17.00 Uhr
Wetter: ca. 36 Grad, Sonnenschein
Anwesende: Der stechende Geruch von Diesel

Wie es nunmal so passiert, es kam ganz unvermittelt. Waehrend der Arbeit kam sie ploetzlich auf mich zu, sah mich mit ihren grossen Augen an und wollte mir von da an nicht mehr von der Seite weichen.

Sie ist eine ganz ruhige und darueber hinaus auch eine echte Langschlaeferin. Waehrend ich schon um 6.45 Uhr auf dem Feld stehe, taucht sie in aller Regel erst gegen 7.30 Uhr auf. Typisch Frau ist sie natuerlich auch eine ganz schoene Frostbeule, was sich darin bemerkbar macht, dass sie mir regelmaessig ihre kalten Fuesse in den Mund steckt. Ansonsten ist sie aber eher verschmust und ruesselt mir meistens zaertlich im Gesicht rum.

Unsere Beziehung wird jedoch ein baldiges Ende haben…

…wenn ich diese scheiss Fliege naemlich endlich erschlage!!!