Platzhalter fuer das, was kommt :-)

21 06 2011

Die letzten 6 Tage haben wir an unserem Fensterplatz im Himmel verbracht, wo mangels Strom und Empfang ein vollwertiges Bloggen leider nicht moeglich war. Zum juetzigen Eintritt in die Zivilisation war ein Digitalisieren des Niedergeschriebenen leider nicht moeglich. Nun geht es erstmal wieder 250km ins Landesinnere, wo sicherlich viel Zeit zum Schreiben sein wird. Sobald uns das Outback also wieder ausspuckt, darf man mit neuem Lesestoff rechnen.

Schlammpackung - haelt die Reifen frisch

Schlammpackung - haelt die Reifen frisch

Nur eins voraus… Es wird lang, lang und dreckig….



Schroddis Tag 409 – Als mich die Zivilisation zurueck hatte und unser Muell geklaut wurde

12 06 2011

Ort: Km 2.544, Geraldton
Ortszeit: Tag 8, 10.06.2011, 12 Uhr
Wetter: 23 Grad, sonnig
Anwesende: Das rauschen des WindesViechzeug

Es war frueher Nachmittag als uns das Outback in der Millionenstadt Perth ausspuckte.
Mit jedem Kilometer stieg in mir das Grauen vor ersten Kontakten mit der Zivilisation.
Zum Einstieg sollte ich auch gleich eine Art Konfrontationstherapie bekommen, indem wir zum gnadenlos ueberlaufenen Hillarys Harbour fuhren. Nach 4 Tagen ohne Dusche in gnadenlos dreckigen Klamotten versuchte ich mich also unter Menschen zu begeben und fuehlte mich sichtlich unwohl. Um meine mittelschwere innere Krise zu ueberspielen fing ich also an, gegen alles zu mobben, was saubere Klamotten als ich trug – also gegen jeden. Naja, teils zu recht…

Nach diesem heftigen Einstieg fuhren wir zum Hostel, auf dessen Parkplatz wir die kommende Nacht verbringen sollten. Das Auto keine fuenf Minuten im Hof geparkt, verabschiedete ich mich wie ueblich direkt zum naechstgelegenen Thai Restaurant. Nachdem ich mich die letzten 4 Tage ausschliesslich von Dosenfrass, Instantsuppen und Brot ernaehrt hatte, schlenderte ich

Traumdusche

Traumdusche

anschliessend mit einer prall gefuellten Plautze zurueck zum Hostel. Dort war es an der Zeit die Staub- und Schlammkruste mit UV-Schutzfaktor 65.000 zu loesen. So verschwand ich mit einer Stahlbuerste und 5 Litern Terpentin in der Dusche und versuchte unter einem Duschkopf, welcher Wasser nur troepfchenweise abgab, meine urspruengliche Hautfarbe wieder zum Vorschein kommen zu lassen. Nach einer langwierigen Haeutung fuehlte ich mich wieder wie ein Mensch und konnte nun die abendlichen Feierlichkeiten angehen, welche wir mit einigen Bekannten des letzten halben Jahres begossen.

Am naechsten Tag lief dann alles etwas langsamer an. Nachdem wir uns erstmal bei einem deutschen Fleischer mit Wiener wuerstchen, Leberwurst und Emu- & Kangaroosalami eingedeckt hatten, ging es am fruehen Nachmittag endlich auf die Strasse in den waermeren Norden. Bei Einbruch der Dunkelheit erreichten wir Yanchep, wo es einen Nationalpark gibt, in dem wir uns am kommenden Morgen Koalas ansehen wollten. Den Sonnenuntergang schauten wir uns noch am Strand an und zogen uns zum Abendessen an ein Kiosk zurueck, wo wir ausgesprochen luxurioes mit Beleuchtung an einem Tisch essen konnten. Die anschliessende Suche nach einem Nachtlager fuehrte uns keine 200m weiter in einen kleinen Pfad mitten im Busch. Kaengus

Am folgenden Morgen ging es dann zu frueher Stunde noch vor Oeffnung (um den Eintritt zu sparen) in den Nationalpark. Wir wollten die dortigen Koalas sehen, trafen stattdessen jedoch auf sehr zutrauliche Kangaroos. Die Eukalyptus mampfenden Schlafmuetzen pennten noch in den Baeumen und waren fuer morgentliche Besuche offensichtlich nicht besonders aufgeschlossen. So hatte uns nach relativ kurzer Zeit der Highway zurueck und es ging weiter nach Norden. Auf dem Weg schauten wir uns einige verschlafene Kuestenstaedte und deren Straende an. Bei Lancelin taten sich vor uns die groessten Sandduenen auf, die ich in meinem Leben gesehen

Geparkt - fuer immer

Geparkt - fuer immer

habe. Wie mittlerweile beinahe ueblich, misshandelten wir unseren fahrenden Untersatz wieder gnadenlos und buegelten ueber eine unmoegliche Piste mitten in die Wueste, wo wir wie kleine Kinder im Sandkasten fuer die Grossen tollten.

Rund 100 km weiter sollte unser naechster Stop an einem See sein. Es war nicht irgendein See, denn dort gab es lebende Stromatoliten zu sehen. Wer sich jetzt fragt:“Was sind denn Stromalotitten?“ Liegt richtig, titten, titten, titten…. Kurze Zeit spaeter ging es dann weiter zum Gegenprogramm fuer das weibliche Geschlecht, zu den Penicles, sorry Pinnacles. Welche aus schoen anzusehenden Sandsteinsaeulen in einer Sandwueste bestehen. Puenktlich nach PeniclesSchliessung des Nationalparks erfreuten wir uns erneut ueber freien Eintritt und drehten bei untergehender Sonne eine Runde durch diese ausserirdische anmutende Landschaft. Anschliessend befanden wir uns mal wieder im Dunklen mitten im Kangarooland. So schlichen wir mit 60 Sachen ueber den Highway, die Blicke stets in die Strassengraben gerichtet und hielten Ausschau nach geeigneten Schlafplaetzen. Wir bogen also in diverse unasphaltierte Nebenstrassen ein, fanden jedoch ausser Schildern mit der Beschriftung „No Camping“ keine geeignete Nische, unser Auto zu verstecken. Bis auf das Vergnuegen ein etwas genervtes Kangaroo vor dem Auto her zu scheuchen, war die Suche leider sehr frustrierend.

Rund 50 Kilometer und diverse Kangaroobegegnungen weiter fand sich die Einfahrt zu Sandy Cape, einem Campingplatz, auf dem man nichts bezahlen braucht, wenn man spaet kommt und dreist genug ist. Nach etwa 8 Kilometern auf extrem holpriger Strecke, gesaeumt von suizidgefaehrdeten Kangaroos, fand sich ein sehr ruhiger Schlafplatz, welcher uns jedoch von Millionen Blutsaugern mies gemacht werden sollte.

Nach einer angenehm warmen Nacht ging es frueh zurueck auf die Strasse, um nicht dem Platzwaechter in die Haende zu fallen. Diesmal jedoch in umgekehrte Richtiung, wo wir nach gut 13 km wieder in Jurien Bay ankamen. Dort fruehstueckten wir gemuetlich und verbrachten einen entspannten Tag am Strand. Im oertlichen Toilettenhaeuschen wartete endlich eine extrem erfrischende (kaltwasser)Dusche auf uns. Pennertonne

Nachdem unser Tank wieder gut gefuellt war, ging es endlich weiter in Richtung Norden.
Alerdings blieb uns nach diesem verbummelten Tag nicht viel Fahrzeit und wir mussten uns nach rund 100km bereits wieder einen Schlafplatz suchen. Diesmal bot sich der Strand von Cliff Head an, wo wir ein recht einsames Plaetzchen gefunden hatten und endlich legal Feuer machen konnten. Schnell hatte sich eine kleine, verrostete Metalltonne gefunden, aus der rasch der Boden getreten war. Nach einem schoenen Sonnenuntergang am Strand hatten wir also an unserer brennenden Pennertonne ein vorzuegliches Abendessen.

Einige Zeit spaeter fiel scheinbar eine der in der neben dem Auto platzierten Muelltuete gelagerten Flaschen um. Im gleichen Augenblick klimperte es nochmal und ploetzlich entfernte sich unser Muell unter lautem rascheln in rasender Geschwindigkeit. Etwas verdutzt leuchteten wir unserem Muell hinterher und sahen in der Ferne lediglich zwei gruselige Augen leuchten. Nur wenig spaeter schlich der Fuchs, zu welchem diese Augen gehoerten wieder nur wenige Meter um uns herum und liess sich vom Schein unserer Lampen nicht beeindrucken. Nach einiger Zeit verzog er sich jedoch, als er feststellen musste, dass es ausser Plastik und Glas bei uns nichts zu holen gab.

Roadtrip 2011-06-03 - 09

Roadtrip 2011-06-03 - 09

Heute Morgen ging es dann gemaechlich weiter. Wir besuchten einige verschlafene Staedchen, deren Straende und rissen ansonsten haptsaechlich Kilometer. Verdaechtig waren lediglich die entgegenkommenden ueberaus freundlich winkenden Schulbusfahrerinnen, seit ich ohne Shirt fuhr. Wenig spaeter folgte uns mal wieder die Polizei. Vermutlich bekamen sie beim Nummernschildabgleich zu hoeren, dass unser Auto dermassen vermuellt ist, dass eine Frage nach den Fahrzeugpapieren recht aussichtslos ist. So wurden wir nach einer Weile ueberholt und man sah die freundlichen Beamten nicht mehr wieder.

Unser Nachtlager haben wir nun auf einem kostenlosen 24h Parkplatz AUFgeschlagen und hoffen, dass unsere Nachbarn ihre Kinder bald ERschlagen.

Weitergehen soll es morgen in den bei Kalbarri beheimateten Nationalpark, wo wir endlich mal etwas Bewegung bekommen…sehen wir mal, ob das gut geht.

Viele Gruesse

oben ohne Schroddi



Schroddis Tag 405 – Kalgoorlie, zeig uns dein Loch

6 06 2011

Ort: Km 1.371, Kurz vor Yellowdine auf dem Weg nach Perth (nur noch 400 km)
Ortszeit: Tag 3, 06.06.2011, 7.45 Uhr
Wetter: Sonnig – endlich
Anwesende: Ein morgenaktiver Terrorzwerg

In der 500 Einwohner Metropole war es kein Kunststueck einen Schlafplatz zu finden. Hinter einem Getreidesilo fand sich ein gemuetliches und ruhiges Plaetzchen fuer die eiskalte erste Nacht im Auto. Viel geschlafen haben wir wohl nicht und um 6.30 Uhr ging es ein zweites Mal zum Wave Rock, um auf dem Stein zu Fruehstuecken.

Gravel Road

Gravel Road

Die naechste Etappe sollte uns anschliessend in die rund 400 km entfernte Goldgraeberstadt Kalgoorlie ins Outback fuehren, wo wir abends einen Bekannten treffen wollten.

So sollte es auf kuerzestem Weg die ersten 120 km ueber eine unbefestigte Strasse gehen. Natuerlich fuhr diese Strecke Monique, da ich nur zwei Tage vor Abfahrt beim Driften auf einer unbefestigten Strasse „mein“ Auto in den Strassengraben geschleudert hatte. Gottverlassen ging es dann Ewigkeiten ueber die ruckelige Piste. Waehrend einer Pinkelpause bot ich meiner Chauffeurin dann durchs geoeffnete Fenster an, dass das nun die Gelegenheit waere, mich stehen zu lassen….bloede Idee!

Nachdem ich die folgenden zwei Kilometer gelaufen war, erbarmte sie sich dann doch und liess mich wieder einsteigen…auf der Fahrerseite. Nach der langen Laufstrecke goennte ich mir zur Weiterfahrt dann ein vitalisierendes Bier. Die weiteren 300 km gingen anschliessend relativ unspektakulaer geradeaus.

Headlight Dinner

Headlight Dinner

Von einer Freundin habe ich mir sagen lassen, dass es knapp 6 km vor Kalgoorlie einen kostenlosen Campingplatz an einem See gibt. Ueber eine unmoegliche Buckelpiste fuehrte uns eine Strasse an diesen Ort, wo wir beschlossen schon mal das Zelt aufzustellen, um uns diese Prozedur in Dunkelheit zu sparen. Nach getaner Arbeit fuhren wir endlich in die nach wildem Westen anmutende Grossstadt (30.000 Einwohner) und verabredeten uns mit Vincent. Ein anschliessender Blick auf den Wetterbericht liess uns zurueck aus der Stadt fahren und unser Zelt wieder abbauen, was sich im Nachhinein als brilliante Entscheidung erwies.

Kurz nach Einbruch der Dunkelheit gab es noch ein schnelles Abendessen vom Gaskocher. Mit einsetzendem Nieselregen fuhren wir zu unserem verabredeten Treffpunkt, liessen uns von einem besoffenen Aboriginie um eine Kippe anschnorren und kehrten dann in Paddy’s Pub ein. Vincent wollte unbedingt noch das Lokal wechseln, da in den benachbarten Kneipen in Unterwaesche und ohne oben bedient wurde. Unserer weiblichen Begleitung gefiel die Idee nicht so gut. Daher warfen wir nur mal einen kurzen Blick in einen dieser Schuppen, um festzustellen, dass die dortigen Outbackschabracken eine schlechtgelaunte Reisebegleitung ohnehin nicht wert waren. Da wir von der vergangenen Nacht ohnehin etwas geschafft waren und noch keinen Schlafplatz hatten, verabschiedeten wir uns anschliessend von Vincent und machten uns auf die Suche nach einem Schlafplatz fuer die kommende Nacht, welcher sich in einer Wohngegend direkt neben einer Gueterzugtrasse finden liess.

Nach einer relativ warmen und ausgesprochen gemuetlichen Nacht mit Dauerregen starteten wir den kommenden Tag mit fluechen gegen das miese Wetter. Auf unserem Tagesplan standen ein Blick in Kalgoorlies grosses Loch (Tagebau mit einem 3,5km x 1,5km breiten und ueber 500m tiefen Loch) und die Fahrt zum Lake Ballard, einem Salzsee, in dem 51 perverse Metallfiguren stehen. So machten wir uns frueh auf die Socken und kamen einige Minuten spaeter an den verschlossenen Toren des Mienengelaendes an. Waren wir wirklich knapp 800km gefahren, um am Ende den Blick auf Kalgoorlies Loch verweigert zu bekommen? Um den Grund der Schliessung zu erfahren, fuhren wir also zurueck in die Stadt, um uns bei der Schroddicaroertlichen Touristeninformation schlau zu machen. Dort teilte man uns mit, dass es zu einem Steinschlag gekommen sei, die Aussichtsplattform aber am gleichen Nachmittag oder spaetestens am naechsten Tag wieder oeffnen wuerde. Wir entschlossen uns also erstmal zum rund 200 km entfernten Lake Ballard zu fahren. Da die letzten knapp 60 km aus unbefestigter Strasse bestanden und es nun schon seit dem Vorabend leicht regnete, riefen wir im naechstgelegenen Ort an, um uns ueber die dortigen Strassenverhaeltnisse zu Informieren. Es lagen keine Meldungen ueber unpassierbarkeit der Strecke vor und wir machten uns auf den Weg, welcher uns an Geisterstaedten der Goldgraeberzeit um 1900 vorbeifuehrte.

Leider war von der direkt am Weg liegenden Stadt Broad Arrow so gut wie nichts mehr uebrig. Daher beschloss ich kurzerhand eine Nebenstecke nach Ora Banda zu nehmen. Wie ich erst auf halbem Wege der 27km langen Strasse auf dem Atlas entdeckte, waren die letzten 9km der Strasse nicht Asphaltiert. Nach ueber 12 Stunden Dauerregen sollte die Strasse mit einem Fronttriebler nahezu unpassierbar sein und die Hand voll entgegenkommender Allradfahrzeuge sollte auch keinen anderen Eindruck erwecken.

Schlammpiste

Schlammpiste

Kurze Zeit spaeter endete das geteerte Strassenstueck und vor uns tat sich eine furchteinfloessende Schlammpiste auf. Dennoch beschlossen wir uns von den miesen Strassenverhaeltnissen nicht unterkriegen zu lassen. Falls doch, haetten wir alles, was wir fuer einen laengeren Aufenthalt im Strassengraben braeuchten. So schlitterten wir foermlich durch den Matsch und versuchten nicht stehen zu bleiben oder von der Piste abzukommen. Einige Liter Angstschweiss spaeter erreichten wir Ora Banda, was ausser einem Pub und ein paar Wellblechhuetten nicht viel zu bieten hatte. Im Pub fragte man uns unglaeubig, ob wir wirklich mit dem Fronttriebler die Stadt erreicht haetten. Da es immernoch regnete und die „Stadt“ ebenfalls verschlammt war, entschieden wir uns nicht lange zu bleiben, um nicht noch schlechtere Strassenverhaeltnisse auf dem Rueckweg vorfinden zu muessen.

Dreckschleuder

Dreckschleuder

Erleichtert erreichten wir wieder den Goldfields Highway nach Menzies und waren keine 2 Stunden spaeter in dieser auch recht verlassenen Stadt, welche aus einigen sehr schoenen alten Gebaeuden und ueberwiegend Wellblechhuetten bestand. In der dortigen Touristeninformation fragte ich sicherheitshalber noch mal nach den Strassenbedingungen zum Salzsee. Nicht ueberrascht erfuhr ich, dass die Strecke aufgrund der Wetterbedingungen fuer alle Fahrzeuge geschlossen ist. Nachdem uns schon Kalgoorlie ihr Loch verwehrte und wir nun auch nicht die noerdlich gelegenen Feuchtgebiete erkunden durften, zweifelten wir langsam an dem Wert des immerhin rund 1.700 km Umwegs auf dem Weg in das knapp 200km von Donnybrook entfernte Perth.

Superloch

Superloch

Nachdem mal wieder alle Plaene durchkreuzt waren, entschieden wir uns einen Zahn zu zulegen und noch einen zweiten Versuch am Loch zu wagen, bevor wir den verfruehten Rueckweg nach Perth antreten wuerden. Im Tiefflug ging es dann im hoeheren dreistelligen Geldstrafenbereich in einer knappen Stunde zurueck nach Kalgoorlie, wo wir noch einen kurzen Zwischenstop im Minenmuseum einlegten. Beim zweiten Anlauf am Super Pit genannten Riesenloch hatten wir endlich mal Glueck an diesem Tag und Monique konnte endlich sehen, dass es in diesem Ort noch ein groesseres (Arsch)Loch als mich gab.

Mit Einbruch der Dunkelheit verliessen wir die Goldgraeberstadt ohne glitzerndes Gestein in den Taschen wieder in Richtung Perth. Nach rund 170km Nachtfahrt schlugen wir unser Nachtlager am Strassenrand auf. Heute morgen kurz nach Anbruch des Tages bekam meine „Bettnachbarin“ dann Hummeln im Hintern. So kam es, dass ich noch nicht wirklich aus meinem Schlafsack gekrochen war, als wir schon wieder auf die Strasse nach Westen rollten.

Vor etwa einer Stunde machte Monique die Musik leise und teilte mir mit, dass sich die Polizei hinter uns befindet und fragte mich, ob sie denn anhalten solle. Antwort darauf: „Wenn sie das Blaulicht anhaben, sollten wir das wohl besser tun“. Da wir nur mit 70 km/h auf dem mit 110km/h beschilderten Highway schlichen, waren wir gespannt, ob wir dafuer Aerger bekommen werden. Die freundlichen Polizisten warfen einen Blick in unser Fahrzeug und fragten nach Fuehrerschein und Fahrzeugpapieren. Den Fuehrerschein hatten wir recht schnell zur Hand, doch die Fahrzeugpapiere mussten sich irgendwo in einem unauffindbaren Rucksack auf unserer zugemuellten Ruecksitzbank befinden. Wir kuendigten also an, dass es sich nur um Stunden handeln koenne alle geforderten Papiere zu besorgen. Grinsend fragte man uns dann, woher wir waeren, ob wir Backpacker seien und ob wir unsere Zeit hier geniessen. Scheinbar wollten die netten Beamten nicht den ganzen Tag auf den Fahrzeugschein warten, verzichteten auf die restlichen Papiere, wuenschten uns eine schoene Zeit und verschwanden wieder. Erheitert von der „sehr strengen“ Fahrzeugkontrolle nahmen wir uns den naechsten Parkplatz als Gelegenheit mal Ordnung im hinteren Teil unseres Wohn-, Ess- und Schlafzimmers zu machen. Die letzten Kilometer verwandelte sich die Landschaft von kargem und flachen Outbackcharme in eine Mittelgebirgsaehnliche huegelig und bewaldete, gruene Gegend, die geradezu nach Zivilisation riecht. Bis Perth sind es nun keine 100km mehr und mir graut es schon seit mehr als einem halben Jahr wieder in einer Grossstadt anzukommen. Ob ich es noch schaffe, mich entsprechend zivilisiert zu verhalten, erfahrt ihr dann im naechsten Bericht.

Es gruesst der unzivilisierte Schroddi aus dem Niemandsland



Schroddis Tag 400 – Verstecken spielen mit einem Bullen

3 06 2011

Ort: Tv Raum Swag Hotel, Donnybrook
Ortszeit: 01.06.2011, 9.00 Uhr
Wetter: 17 Grad, Schauer
Anwesende: Daniel Wirtz live 🙂

Es war mal wieder ein typisch verschlafener Sonntag Morgen, als ich verpennt mit meinem Kakao in der Hand auf das von Zaeunen und Vogelnetzen umgebene Farmgelaende fuhr. Auf halben Wege zu den Pflaumenbaeumen stoppte ich, da ploetzlich direkt vor meinem Auto ein stattlicher brauner Bulle auftauchte. Ich rieb mir die Augen und schlug meinen Kopf gegen das Lenkrad, doch der Bulle schien wirklich real zu sein.

Da ausser mir um diese Uhrzeit niemand auf der Farm zu erwarten war, entschied ich mich, selbst den Bulen aus der von Vogelnetzen umgebenen Plantage zu treiben. Als ich also aus dem Auto ausstieg, um den Bullen ein Stueck zurueck zu treiben, biss dieser erstmal beherzt in einen unserer wertvollen Aepfeln. Ich machte dem Schlingel also Beine und er zog sich ein ganzes Stueck zu den Plaumenbaemen zurueck. So konnte ich nun das Vogelnetz und ein Gate oeffnen. Kaum zurueck im Farmgelaende folgten mir zwei weitere neugierige Vielfrasse, welche ich dann mit Getoese zurueck auf die Kuhwiese scheuchte.

Der glueckliche Bulle stand nach wie vor unterhalb der Pflaumenreihen. So entschied ich mich, etwa 50 Meter die Baumreihen hoch zu laufen und dann quer zu klettern, um irgendwie unbemerkt am Bullen vorbei zu kommen und hinter ihm aufzutauchen. Als ich dann am unteren Ende der Reihen wieder ankam, war mein grosser brauner Freund verschwunden. Scheinbar wollte er mit mir verstecken spielen. Da ich jedoch am fruehen Morgen nicht fuer Spielereien aufglegt war, griff ich zu unfairen Mitteln und schwang mich ins Auto, mit dem ich eine Runde um das Gelaende drehte. Von dem Bullen fehlte aber auch nach der zweiten Runde noch jede Spur. So lief ich also langsam entnervt noch eine dritte Runde, um ganz sicher zu gehen dass ausser mir niemand da war. Zu diesem Zeitpunkt war ich mir schon nicht mehr ganz sicher, ob ich das Tier wirklich gesehen hatte oder ob das Steak von hauseigenem Rind am Vorabend vielleicht nicht mehr ganz gut war. Ich gab also auf und begann mit meiner eigentlichen Arbeit. Als spaeter mein Boss vorbei kam, erzaehlte ich ihm von meiner eigenartigen Erscheinung. So drehte er auch noch eine Runde mit dem Motorrad, allerdings ebenfalls erfolglos.

Zwei Tage spaeter erreichte ich zur Mittagspause das untere Ende einer Pflaumenbaumreihe und sah rund 100m von mir entfernt wieder den mir bereits zuvor erschienenen braunen Bullen stehen und gluecklich das lang gewachsene gruene Gras mampfen. Ich traute meinen Augen nicht. Verwirrt griff ich erstmal zu meinem Brot und biss herzhaft in die ungarische Salami – Der Bulle war aber immernoch da. Ich bat ihn, sich diesmal nicht von der Stelle zu bewegen und sprintete zum anderen Ende der Farm, wo mein Boss gerade andere Rinder wog. Ich konte mir das Grinsen nicht verkneifen, als ich ihm sagte, dass ich wieder Rinder auf der Plantage sehe und sicher bin, dass es diesmal keine Halluzinationen sind. So sprangen wir also auf sein Motorrad und fuhren zum Ort meiner letzten Erscheinung. Tatasaechlich stand der Bulle noch da und ich war wirklich erleichtert, dass ich ihn in diesem Momnt nicht als Einziger sah, was mich wohl langsam dazu bewegt haette, meine Ernaehrung auf Veganisch umzustellen.

Ich sprang also vom Moped und liess meinen Chef wild fluchen auf den Bullen zufahren. Dieser lies aengstlich einen Pups und rannte durch das Vogelnetz und einen Zaun davon, was ein Loch hinterlies, gross genug, um einen Laster darin zu parken.

Meinem sichtlich angefressendem Boss habe ich dann als Sahnehaeubchen noch berichtet, dass ich am morgen einige Papageien in den Apfelbaeumen gesehen habe.
Daraufhin fragte er mich nur, ob ich in 5 Minuten noch da sei und brauste davon. Einige Zeit spaeter kam er in Freizeitklamotten in seinem Auto angefahren, drueckte mir seine Flinte und reichlich Munition in der Hand und sagte mir, dass ich die bloeden Voegel erschiessen soll. Falls ich keine Papageien finde, koenne ich im Buschland neben der Farm einige Voegel, Enten, Schwaene oder Kangaroos schiessen. Mit den anschliessendem Worten, dass ich mich doch bitte nicht selbst erschiesse, verschwand er den Rest des Tages auf ein Footballspiel und liess mich mit der Waffe zurueck.

Gesagt, getan…

Gemoerderter Appel

Gemoerderter Appel

Es gibt diese Tage, an denen man sich die Drecksarbeit nur mit einem Blick auf den Kontoauszug versuessen kann. Manchmal kommt es allerdings auch anders als man denkt….



Schroddis Tag 356 – Mentalitaet

17 04 2011

Ort: Bunbury Beach
Ortszeit: 16.04.2011, 14.00 Uhr
Wetter: 32 Grad
Anwesende: Das Rauschen der Wellen…

Wie jeden Dienstag sass ich auch diese Woche wieder auf den Trockner wartend vorm oertlichen Waschsalon und beobachtete den Verkehr auf der Hauptstrasse. Nicht weit von mir bog ein alter Mercedes im Schritttempo in eine Seitenstrasse ein, blieb noch in der Kurve stehen und der Motor liess sich offensichtlich nicht mehr starten. Aufgrund der ungluecklichen „Parksituation“ wollte ich gerade meine Hilfe anbieten, um das Auto auf die angrenzende Tankstelle zu schieben. Jedoch hielt in diesem Moment das zweite passierende Auto und die beiden Fahrer hielten ein kurzes Schaetzchen. Daraufhin parkte der Fahrer des gerade gehaltenen Autos schnell am Strassenrand und half dem Liegengeblebenen das Auto auf die Tankstelle zu schieben. Dabei sollte es nicht bleiben. Der nette Helfer schmiss sich direkt unter das bockende Auto, um nach dem Rechten zu sehen. Leider konnte er wohl nichts machen und zog unverrichteter Dinge von dannen. Da die naechste (gerade im Feierabend befindliche) Werkstatt nur einige Meter entfernt war, liess der Benzfahrer (wie hier ueblich) sein Auto offen stehen, ging zur Werkstatt und ward nicht mehr gesehen.

Wieder mal war ich beeindruckt von der australischen Hilfsbereitschaft. Und versuchte mir vorzustellen, wie diese Geschichte wohl im frankfurter Gallusviertel ausgegangen waere….

….es war Feierabendverkehr als der arbeitslose Lars K. (31) mit seiner Mercedes S Klasse von der Mainzer Landstrasse in eine weniger belebte Seitenstrasse abbog. Leider versagte in diesem Moment der Tuningchip seiner Luxuskarosse und brachte die verchromten Edelfelgen zum stehen. Fluchend versuchte er sein Auto zu starten, jedoch blieb jeglicher erfolg auch nach einigen Minuten aus. Sichtlich angefressen konnte er auch nicht lange die hupend passierenden Autos ignorieren. So kam es, dass er total abgenervt dem naechsten hupenden Auto seinen schoensten Finger zeigte und ihm hinterher schimpfte. Zu seinem Unglueck hatte er gerade den Bodybuilder und Tuersteher Buelent U. Beschimpft, welcher das gar nicht lustig fand und mit quietschenden Reifen seinen 3er BMW zum Stehen brachte. Mit einem illegalen Schlagring in der Hand stieg er aus, lief laut schimpfend auf Lars zu und zauberte ihm unter Morddrohungen eine Platzwunde in die linke Gesichtshaelfte. Nachdem der stark blutende Lars die Situation beschwichtigen konnte und Buelent aufgebracht in seinem Auto davon raste, schob er zwangslaeufig sein Auto an den Strassenrand und suchte erstmal einen Arzt auf. Dort angekommen verweigerte man ihm zu allem Ueberfluss die Behandlung, da er seine 10 Euro Praxisgebuehr nicht zur Hand hatte.

So lief er also zurueck zum Auto, um etwas Kleingeld zu besorgen. Dort angekommen musste er zu seinem Entsetzen feststellen, dass er in der Eile sein Cabrio nicht geschlossen hat.  Dies hatte dazu gefuehrt, dass bereits seine 200 Euro Sonnenbrille aus der Mittelkonsole entwendet wurde. Aufgrund seines langsam zuschwellenden Auges sollte Lars erst spaeter merken, dass jemand sogar bereits den Mercedesstern von der Motorhaube gebrochen hat. Zurueck an der Arztpraksis stand er nun vor verschlossenen Tueren, da an diesem Tag nicht genug Privatpatienten zur Sprechstunde erschienen.
Frustriert von so viel Pech blieb ihm nun nur noch die Moeglichkeit sein letztes Geld (die Praksisgebuehr) in ein Strassenbahnticket zu investieren, um zum naechsten Krankenhaus zu kommen. Nachdem er endlich die noetige Behandlung erhalten hatte, wartete er nun auf einen freund, welcher ihn gegen 10 Euro Praxisgebuehr ausloeste und zu seinem Auto fuhr. Beim Anblick seines Gefaehrts brach er jedoch mittlerweile nervlich komplett am Ende, da man ihm zu allem Ueberfluss bereits seine vercromten Felgen der Serie Pro-Let entwendet hatte. So nahm er also das zwischenzeitlich fuer Falschparken ausgestellte Ticket von der Scheibe und liess sich zum naechsten Reifenhaendler fahren, um seinen geliebten Benz wieder zu mobilisieren

Leider waren an diesem Tag keine Reifen in der passenden Groesse verfuegbar, man versprach ihm jedoch ueber Nacht fuer Nachschub zu sorgen. Frustriert liess sich Lars dann nach Hause fahren, um sein geschwollenes Gesicht zu kuehlen und sich anschliessend in den Schlaf zu weinen.

Am mit den teuer bezahlten Raedern naechsten Tag wieder am Ungluecksort des Vortags angekommen, sass der Schock tief. Am Ort, an dem er gerade 24 Std. zuvor sein Auto notgedrungen abgestelt hatte, herrschte nun gaehnende Leere. Offensichtlich hatte man ihm auch noch seinen geliebten Schlitten geklaut. So ging die Odysee weiter – und zwar auf zur naechsten Polizeistation, um den Diebstahl zu melden. Vor Ort bat ihn der (un)freundliche Beamte vom Dienst vor jeglicher Auskunft erstmal einen Stapel an Formularen ueber sein halbes Leben auszufuellen. Als auch diese Huerde genommen war, teilte man ihm freundlich mit, dass sein Auto nicht gestohlen, sondern nach § 17 Abs. 3 der StVO abgeschleppt hat, weil es in nicht fahrbereitem Zustand auf oeffentlicher Flaeche und sich zudem nach § 12 Abs. 1 der StVO im absoluten Halteverbot befand. Man gab ihm die Adresse des beauftragten Abschleppunternehmers und wuenschte noch einen schoenen Tag.

Nachdem Lars anschliessend eine hohe dreistellige Rechnung fuer „das Abschleppen eines nicht fahrbereiten Fahrzeugs in Nebenzeit“ geglichen hat, durfte er nun endlich seine neuen Raeder montieren und mit geklautem Mercedesstern vom Hof rollen.*

*Diese Geschichte, sowie saemtliche Charaktere sind frei erfunden und haben rein gar nichts mit der Realitaet zu tun.



Schroddis Tag 344 – Wie gewonnen, so zerronnen – RICHTIGSTELLUNG

5 04 2011

Ort: Swag, Donnybrook
Ortszeit: 04.04.2011, 19.10 Uhr
Wetter: 19 Grad
Anwesende: Schroddi, der fiese Möp

In der Tat handelte es sich bei meinem letzten Artikel um einen kleinen Aprilscherz.

Ein herzliches Dankeschoen an alle, die mein letzter Artikel etwas unruhig hat werden lassen – you made my day!!!

Kommt gut durch den April,

viele Gruesse (immernoch aus Oz)

Tscheyses

Jesus loves you2



Schroddis Tag 341 – Wie gewonnen, so zerronnen

1 04 2011

Ort: Rainbow Beach Backpackers, Perth
Ortszeit: 01.04.2011, 22.00 Uhr
Wetter: 18 Grad
Anwesende: Zum Glueck grad niemand

Vergangene Woche war es endlich soweit. Mit dem Auslaufen meiner Miete zog ich endlich aus dem Drecklock Brook Lodge aus. Und zwar ging es nur rund 200m entfernt Ueber ein Pub direkt an die Hauptstrasse. Mein neues Zuhause gefiel mir gut, man lebte sich schnell ein, lernte Leute kennen und vertrieb sich die Zeit in der Bar.

Meine Visumszeit war endlich abgearbeitet und mein Visum fuers 2. Australienjahr eingereicht. Vorgestern hatten wir dann ein feucht-froehliches Beieinander in der Bar, als sich ein schon recht angetrunkener Einheimischer dazugesellte und anfing gegen uns Backpacker zu poebeln. Die Stimmung kippte recht schnell und kaum hatte man sich versehen, wurde die kleine Meinungsverschiedenheit mit so ziehmlich allem ausgetragen, was der Raum so hergab. Da anschliessend eine Ambulanz benoetigt wurde und auch die Einrichtung ganz schoen gelitten hatte, wurde auch die Polizei gerufen.

Mit drei Polizeiwagen wurden wir anschliessend auf die etwa 40 km entfernte Polizeistation gebracht, wo man uns verhoerte und wir anschliessend eine echt unangenehme Nacht nahezu ohne Schlaf in den Ausnuechterungszellen verbringen mussten. Nach Klaerung der Sachlage in etlichen Verhoeren, teilte man mir zu meinem Schrecken mit, dass ich eine Geldstrafe in hoehe von 800$ sofort zu begleichen habe und mit dem naechstmoeglichen Flieger das Land verlassen muesse. Mir fiel alles aus dem Gesicht und mein Australientraum platzte mit einem lauten Knall. Es half kein Reden oder betteln. So buchte ich am gleichen Tag noch mein open return Ticket auf den kommenden Samstag und nahm den nachsten Bus nach Perth.

Da sitze ich nun schwer enttaeuscht und werde in wenigen Stunden meinen Flieger betreten muessen. Wie gewonnen, so zerronnen. Dass mein Trip ein so schnelles Ende haben wuerde, haette ich beim besten Willen nicht erwartet.

Bis die Tage

Schroddi



Schroddis Tag 309 – Willst du keinen Schaden haben, lass Schroddi nicht den Trecker fahren

28 02 2011

Ort: Garten, Brook Lodge, Donnybrook
Ortszeit: 28.02.2011, 20.00 Uhr
Wetter: 25 Grad
Anwesende: Wind…endlich!

Nachdem ich in meinem ersten Farmblog bereits stolz berichtet habe, dass ich mittlerweile vier verschiedene Traktoren fahren kann, werden sich einige Schroddikenner bestimmt schon gefragt haben wie lange das gut gehen kann.

Wie ueblich, nicht lange…

So geschah es beim Pfluecken von Pflaumen. Einer unserer Traktoren hat eine defekte und dadurch nicht schliessbare, sich nach hinten oeffnende Tuer. So faehrt man entweder mit geoeffneter Tuer oder muss sie eben selbst zuhalten. Beim Einfahren in eine Baumreihe kann man schnell mal die Tuer verlieren, wenn man die Tuer nicht festhaelt und an einem Pfosten oder Baum haengen bleibt. Fuer mein Schroddi-Gen war diese Tuer natuerlich das gefundene Fressen. So fuhr ich also geistesabwesend mit offenstehender Tuer in die Baumreihe ein…

Nein, es ist nichts passiert. Mein Boss hat es gluecklicherweise rechtzeitig gesehen und mir in letzter Sekunde zugebruellt, den Traktor zu stoppen. Kurz erklaerte er mir, dass eine neue Tuer einige Tausend Dollar kostet und ich ihm fuer diese Aktion nun eine Kiste Bier schulde, welche mich hier etwa 30 Euro kostet.

Nach einem erfolglosen ersten Versuch holte das alles verwuestende Gen zum Nachschlag aus. Als wir einige Tage nach dem vermeidlichen Tuerverlust mal wieder am oberen Ende einer Baumreihe angekommen waren, musste ich den Traktor wenden, um in der folgenden Reihe wieder bergab (das Feld ist am Hang gelegen) zu arbeiten. Mit einer guten halben Tonne feinster Fruechte auf dem Anhaenger wendete ich also elegant in zwei Zuegen und rollte langsam in die naechste Baumreihe ein als ploetzlich mein fahrbarer Untersatz rapide zu beschleunigen begann. Ein beherzter Tritt auf die Bremse ging jedoch ins Leere. Nach zwei weiteren Versuchen und bereits einem stattlichen Tempo raste ich mit entsetzten Blick an meinem Boss vorbei. Geistesanwesend zog ich in diesem Moment die Handbremse und brachte damit das Gespann zum Stehen. John guckte mich etwas verwundert ueber meine Raserei an und ich rief ihm zu, dass etwas mit der Bremse nicht stimmt. Er kam also, oeffnete die Motorhaube, warf einen Blick hinein und sagte mir mit breitem Grinsen, dass halt die Bremsfluessigkeit leer ist.

Da er wohl genauso gut wusste wie ich, dass mein koreanischer Kollege bei versagenden Bremsen vermutlich mit rasender Geschwindigkeit und unter lautem Gebruell entweder in den Baeumen oder im Teich gelandet waere, fragte ich ihn anschliessend provozierend, was denn ein Traktor in Bieren wert ist, wenn eine Traktortuer etwa einer Kiste entspricht. Immerhin bekam ich meine Tuer-Bierkiste erlassen.

Nach der Nummer dachte ich mir dann: „Schroddi-Gen, diesmal musst du dir bissi mehr einfallen lassen, um hier Chaos zu stiften.“ Wie wir wissen, ist mein Gen ja halbwegs sportlich und nahm somit meine Ansage als Herausforderung an.

Wieder ging es um das Wenden am oberen Ende der Baumreihe. Mit nahezu einer Tonne Nektarinen und meinem Kollegen Charly auf dem Haenger Schlug ich also bergab in die naechste Reihe ein. Diesmal mit dem alten David Brown (Baujahr 1962), welcher in Deutschland vermutlich nur noch als Museumsstueck zu finden ist.

Mein ruestiger Rentner

Mein ruestiger Rentner

So steuerte ich also zielstrebig (mit dem Wissen, dass es durchaus etwas eng werden koennte) in die Reihe. Als ich dann einsehen musste, dass es aufgrund eines vorgesetzen Holzpfostens nicht klappen wird, sprang ich mit meinem ganzen Koerpergewicht und ein bisschen mehr auf die Bremse und versuchte mit aller Kraft am Lenkrad zu reissen, um kurzfistig den Kurvenradius zu verkleinern noch heile am Pfosten vorbei zu kommen.

Glueck im Unglueck: Ich schaffte es und streichelte den Pfeiler lediglich mit der Aussenseite meines rechten Vorderrades. Dummerweise uebersah ich jedoch den eigentlichen Grund fuer den vorgelagerten Holzpfosten, naemlich die dahinterliegende Wasserleitung, welche sich mit einem lauten Schlag in 1000 Einzelteilen im Umkreis verstreute.

Wenige Meter spaeter hatte ich meinen Bulldozer endlich zum Stehen gebracht.
Mit einem kurzen Blick musste ich also feststellen, dass ich gerade die Wasserversorgung fuer rund 150 Nektarinenbaeume „ausgeschaltet“ hatte. So kam ich zum Schluss, meinem Boss den Schaden besser zu melden, anstatt zu warten bis die Baeume kaputt gehen und anschliessend meinen Job UND den Kopf zu verlieren. Wenigstens war die Bewaesserung nicht in Gange und ich habe um Zentimeter das computergesteuerte Ventil verfehlt.

Ich entschuldigte mich also fuer das Malheur und bot John an, fuer den Schaden aufzukommen, sowie die Reparatur der senkrecht in den Boden verlaufenden Rohre zu uebernehmen.

Er warf einen Blick auf das Truemmerfeld und sagte lediglich…..no worries, mate. Waere alles ok, hab nen Fehler gemacht und sollte es nicht wieder tun.

Einige Tage spaeter fragte er mich lediglich, ob ich ihm beim Verkleben der neuen Rohre helfen kann. Bei der Gelegenheit erfuhr ich beilaeufig, dass es sich um 200 Dollar teure Hochdruckrohre gehandelt habe (deshalb sind sie auch so schoen mit einem lauten knall „explodiert“).

Nachdem bei mir ja bisher nicht allzu viel passiert ist, hat sich das frustrierte Schroddi-Gen an meinem tollpatschigen Zimmergenossen Ed vergriffen. Er erwischte den Endpfosten einer Reihe und verwechselte zu allem Ueberfluss im Anschluss die Bremse mit dem Gaspedal (kann ja mal passieren, wenn man keinen Fuehrerschein hat), was dazu fuehrte, dass er beihnahe den Traktor zum Kippen brachte, etliche hundert Kilo Pflaumen auf dem Boden verteilte und letztendlich auf dem zweiten Baum zum stehen kam. Er sucht derzeit uebrigens nach einem Job…

Seit einigen Wochen fahre ich nun unfallfrei Traktor. Aber keine Angst, es gibt ja auf unserer Farm noch andere lustige Vehikel, die man schrotten kann.

Ich bleibe am Ball.

Es gruesst

der Treckerfahrer Schroddi

Wieder ging es um das Wenden am oberen Ende der Baumreihe. Mit nahezu einer Tonne Nektarinen und meinem Kollegen Charly auf dem Haenger Schlug ich also bergab in die naechste Reihe ein. Diesmal mit dem alten David Brown (Baujahr 1962), welcher in Deutschland vermutlich nur noch als Museumsstueck zu finden ist.



Wetterbericht

23 02 2011

Im deutschen Sommer wurde ich hin und wieder gehaenselt, weil es in Deutschland zu diesem Zeitpunkt bis zu unglaubliche 10 Grad waermer war als im australischen Winter.  All jene bitte ich nun mal einen Blick auf das heimische Termometer zu werfen, anschliessend mal genau diesen Wetterbericht zu studieren…

Wetter

und anschliessend blass vor Neid zu werden :-p

Wer zuletzt lacht, lacht am heissesten. (Finnisches Saunasprichwort)

In diesem Sinne

*Muahahahaha*

Schroddi



Kreative Auszeit?

14 02 2011

Nun ist es schon wieder eine Weile her, dass ich mich hier mal zu Wort gemeldet habe.  Dies haengt nicht damit zusammen, dass ich keine Lust mehr zum Schreiben habe oder mir die Geschichten ausgegangen sind.

Es mangelt nicht an Kuriositaeten, Unfaellen aller Art oder Schreiblust.
Der wahre Grund fuer die derzeit gaehnende Leere im Blog ist ganz einfach, dass ich die letzten Wochen ein woechentliches Arbeitspensum von bis zu 67 Stunden an 7 Tagen ableiste. Auf diesem Wege setze ich meine ganze Energie derzeit leider in ploetzlichen Reichtum anstatt schraege Blogeintraege um.

Mir schwirren zwar noch ein paar Sachen im Kopf rum, die unbedingt zu „Papier“ gebracht werden sollten, jedoch wird das wohl noch einige Tage in Anspruch nehmen.

Die gute Nachricht ist, dass der ploetzliche Reichtum u.A. in einen fahrbaren Untersatz verpulvert werden wird, was zu gegebener Zeit garantiert wieder fuer neue erzaehlenswerte Geschichten sorgen wird und ich mir derzeit somit den Arsch natuerlich nur aufreisse, um euch auch in Zukunft wieder ein Lachen ins Gesicht zu zaubern.

In diesem Sinne…

I love you all 🙂

Schroddi



Schroddis Tag 280 – Bianca war ne echte Enttaeuschung

1 02 2011

Ort: Im Zimmer, Brook Lodge, Donnybrook
Ortszeit: 30.01.2011, 19.00 Uhr
Wetter: 32 Grad, schwuel
Anwesende: Ed und Laura, die gerade mal wieder was in ihrem eigenen Chaos suchen – Messis

Ja, die Ueberschrift habt ihr richtig gelesen. Bianca war eigentlich ein wirklich heisser Feger. Am Freitag war sie noch nicht mal richtig da, brachte mich jedoch schon ordentlich ins Schwitzen.

Nachdem wir uns am Samstag etwas naehergekommen waren, fing sie ohne grosse Umschweife direkt zu blasen an, was den Nachmittag echt angenehm machte. Kurz vor dem Hoehepunkt bekam ich dann eine kalte Dusche von oben verpasst und kurze Zeit spaeter war Bianca, unser erster Zyklon seit 1989 bereits durchgezogen.

Schade, wir hatten uns eigentlich nach all den Warnungen mehr erhofft.

Da ich noch bissi in der Gegend weilte, will ich mal nicht ausschliessen, dass wir noch mal ein echtes Unwetter zu Gesicht bekommen.

Soweit erstmal,

es gruesst der von der Frauenwelt enttaeuschte Schroddi



Schroddis Tag 279 – Das Fest der Liebe (zum Bier)

29 01 2011

Ort: Im Hof der Brook Lodge, Donnybrook
Ortszeit: 29.01.2011, 14.00 Uhr
Wetter: 34 Grad, schwuel
Anwesende: Rund 80% Luftfeuchtigkeit

Fuer eine Weihnachtsgeschichte ist es nun schon fast etwas spaet. Es hat etwas gedauert mein an Weihnachten erlebtes niederzuschreiben, da ich die damaligen Eindruecke wohl erstmal selbst verarbeiten musste. Nun koennt ihr jedoch endlich den Heizluefter auf hoechste Stufe drehen, die Badehose anziehen, euch zuruecklehnen und etwas ueber meine Festtage der besonderen Art lesen….

Zu Weihnachten bekam ich also eine Einladung meines etwas verstrahlten Arbeitskollegen Shane. So sollte ich am Freitag, den 24.12. direkt nach der Arbeit von meinem Boss direkt zu ihm gefahren werden und ueber Nacht bleiben, um anschliessend den eigentlichen Weihnachtstag in Australien mit seiner Nachbarin zu grillen und am darauffolgenden Tag bei seiner Schwaegerin zum Mittagessen sein. Auch seine Frau sollte mit den Kindern kommen. Klang also eigentlich alles wunderbar.

Am 24.12 nahm ich dann meinen ganzen Geruempel fuer’s Wochenende mit auf die Farm, wo ich kurz vor Feierabend zwei Schuesse hoerte. Als ich dann etwa wenig spaeter zum Ausgang des Feldes kam, hing dort eine erschossene Kuh mit ausgeschlitztr Kehle kopfueber an den Gabeln des Traktors und blutete aus. Mein Boss John sprang derweil froehlich mit geschultertem Gewehr im angrenzenden Kuhgehege zwischen seinen potentiellen Opfern umher. Als er anschliessend auf mich zukam, hatte er wohl meinen etwas entgeisterten Blick gesehen sagte er nur trocken:“Tja, sowas passiert halt auf einer Farm.“

Anschliessemd fuhr er mich zu Shane’s Haus, welches sich auf einem Grundstueck unseres Farmers.befindet. Waehrend der Fahrt musste ich John dann versprechen, dass ich Ihn anrufe, wenn ich in Probleme komme. Das klang ja schon mal sehr beruhigend. Auf die Nachfrage, warum er mir das anbot, entgegnete er nur, dass einige von Shane’s Freunde etwas unfreundlich seien. Beste Voraussetzungen also fuer besinnliche Weihnachten. 🙂

Villa Kunterbunt

Villa Kunterbunt

Am entsprechenden Grundstueck angekommen uebertraf es dann meine schlimmsten Befuerchtungen. Es handelte es sich zwar um ein Haus, jedoch wuerde man es in Deutschland wohl mehr als Wellblechhuette oder Gartenlaube bezeichnen. Dieses „“Haus befindet sich extra eingezaeunt in einem bereits eingezaeunten Kuhgehege.

Waehrend ich so ueber die kuhfreie Wiese (also das, was man in sued-west Australien als Wiese bezeichnet) lief, boelkte bereits seine Nachbarin meinen Namen ueber ihren Zaun. So lief ich dann auf eine kleine, extrem aufgedunsen und vom Alkohol gepraegte Frau mittleren Alters zu, welche sich als Peg, seine Nachbarin vorstellte. Sie bat mich herein, weil sich Shane irgendwo rumtrieb. Im Esszimmer platzgenommen, sah ich einen weissbaertigen alten Mann auf der Couch liegen und einen Kriegsfilm gucken (er erinnerte mich starkt an Nikolaus nach Feierabend). Sofort stellte man mir ein kaltes Export vor die Nase, was nach einem Tag Feldarbeit bei 34 Grad ja nicht das Schlechteste ist.

Etwa eine halbe Stunde spaeter kam ein Auto um die Ecke , aus dem Shane und sein ordentlich angetrunkener Kumpel Nigel herausfielen. Nach kurzem „Hallo“ fuhr mich seine Nachbarin, die offensichtlich nicht so betrunken war wie Shane’s Kumpel, in die Stadt, wo ich 5 Liter Wasser und zwei Boxen Bier holte.

v.l.n.r. Nigel, Stormy & Shane

v.l.n.r. Nigel, Stormy & Shane

Zurueck an Shane’s Verschlag, traf ich die beiden Saufbrueder trinkend vorm Haus sitzend an. Von nun an konnte ich die Zeit in Bierdosen messen. Etwa 4 Kaltgetraenke sassen wir anschliessend vorm Haus und unterhielten uns.

Ploetzlich fragte mich mein Kollege, ob ich ein guter Kaempfer sei. Als ich nachhakte, wie das gemeint sei, erklaerte er mir, dass er sich gerne einfach so schlaegt und meistens auch nur in die Pubs geht, um jemanden zu finden, mit dem er sich schlagen kann. Ich habe ihm dann verstaendlich gemacht, dass ich ihn bei einer Taetlichkeit seinerseits leider sofort umbringen muss, da ich es derzeit nicht verantworten kann, verletzt zu werden. Das hat er dann auch verstanden und war friedlich. Weitere vier kuehle Blonde spaeter entschieden wir Dart zu spielen. Einer Shane’s erster Wuerfe traf sein Ziel perfekt. Und zwar den Fusszeh seines Kumpels.

Dieser konterte daraufhin und wollte mit einem kraeftigen Wurf Shane’s hintern treffen, verfehlte ihn nur knapp und traf den Pfeil dafuer etwa 2cm tief in seine Hand. Dieser nahm es mit Humor und wunderte sich eher, dass aus der Wunde kein Blut kam. Ich haette stattdessen Bier erwartet, es kam aber wirklich nichts raus.

Die Putzfrau hat vor 30 Jahren gekuendigt

Die Putzfrau hat vor 30 Jahren gekuendigt

Als ich 5 Dosen spaeter meine mittlerweile leicht sprachgestoerten Dartgegner in Grund und Boden spielte, entschied sich Shane, sich lieber mit einem Schlafsack in die Pisslache seiner Toilette zu legen. Mit Toilette ist uebrigens der Vorgarten gemeint, da die eigentliche Toilette (oder was man dafuer halten kann), nicht richtig funktioniert und daher nur fuer grosse Geschaefte zur Verfuegung steht.
Nachdem mein Kolege mir auch seine Redback Spider Falilie im Netz neben dem Klo vorgestellt hatte, entschloss ich kuzum fuer die naechsten Tage an spontanem Darmverschluss zu leiden.

Nach drei weiteren inspirierenden Export kam Shane dann die famose Idee mit seiner

Staubwedel oder Hochdruckreiniger?

Staubwedel oder Hochdruckreiniger?

Motorcross Maschine ueber die Felder zu buegeln und ein paar Spruenge zu machen. Shane raste also in Shorts und Stiefel gekleidet los und seine Kampftoele ihm hinnterher. Nigel entgegen baendigte jedoch seine Jack Russell Terrier Dame Stormy mit den pausenlosen Worten sie aufzuhaengen, wenn sie das Motorrad verfolgt. Weiterhin erzaehlte er mir, dass Shane sich erst letzte Woche mit dem Motorrad um einen Kuhzaun gewickelt hat und dass es nur eine Frage der Zeit waere, bis er sich heute wieder lang macht. Es waere aber nicht so schlimm, weil man besoffen den Schmerz ja nicht so merkt.

Ein Bier spaeter (Zeitrechnung in Biereinheiten verschiebt sich etwas, da Shane nicht waehrend der Fahrt trinken konnte) beendete die Nachbarin das bunte Treiben mittels eines lauten Bruellers in Shane’s Richtung. Dieser erwiederte darau mit den Worten: „Es ist Weihnachten und ich bin doch noch nicht mal gefallen. Darf man sich denn an Weihnachten nicht mal selbst verletzen?

Z, der faule Hund

Z, der faule Hund

So setzten wir uns halt rein und schauten uns erst ein ACDC Konzert und anschliessend Pinks Floyds „The Wall“ an, wozu wir endlich mal ein paar kuehle Blonde geniessen konnten.
Als mir irgendwann die Augen zufielen, bat mir Shane eine Matratze auf den Boden zum Schlafen an, allerdings muesse ich mir den Schlafplatz mit seinem 30kg Stefford Terrier teilen. Nachdem ich mir neben dem faulen Koeter einen Platz erkaempft hatte, lief er mir noch ein paar mal uebers Gesicht oder machte sich halt auf mir breit. Irgendwann fanden wir dann jedoch einen Kompromiss und schliefen beide ein.

Gegen 4, 6 und 7 Uhr wurde ich kurzzeitig von Dosenklicken geweckt, wachte jedoch endgueltig erst bei Bier Nr. 4 richtig auf. Nach dem Bier zum Aufwachen und dem „Guten Morgen-Bier“ innerhalb von 15 Minuten gab es dann das „Bis gleich-Bier“, da Nigel was zu erledigen hatte und auf dem Rueckweg Fleischkuchen^^ mitbringen wollte.

Bierzucht im Vorgarten

Bierzucht im Vorgarten

Ich setzte erstmal genuesslich meine 5 Liter Wasserflasche an und goennte mir einen grosszuegigen Schluck. Vollkommen entgeistert und unglaeubig fragte mich Shane, ob ich da wirklich gerade Wasser trinke. Er erklaerte mir, dass es in seinem Haus normalerweise nur Bier gibt – er war aber so gnaedig fuer mich eine Ausnahme zu machen. Anschliessend erklaerte ich ihm, dass ich diesen Tag heim moechte und nicht noch eine Nacht bleibe. Er sagte mir, dass mich seine Schwaegerin nach dem Essen bei den Nachbarn mit in die Stadt nehmen kann. Klang soweit ganz gut und der Alptraum sollte somit ein baldiges Ende haben.

Einen guten Liter, also rund drei Bierdosen spaeter rief dann seine Nachbarin irgendwas unverstaendliches den Berg rauf.

So bewaffneten wir uns mit einigen Kuehlgetraenken und halfen ihr im Garten ein wenig beim Aufbau der Tafel fuer die 25 erwarteten Gaeste, welche 4 Bier spaeter auch eintrafen.

Das gemeinsame Essen mit Hans und Franz war ganz ok und mein Magen freute sich das erste Mal seit Freitag morgen wieder ueber feste Nahrung. Zudem rueckte das Ende meines Horrortrips immer naeher. Von einem Bier aufs Naechste entschied Shane dann spontan, dass wir wieder in sein Haus muessen. Dort angekommen, brauchte es ein weiteres Bier und die beiden Brueder waren sich einig an den Damm zum Schwimmen zu fahren. Auf die Frage, was denn nun mit meiner Mitfahrgelegenheit sei, bekam ich auf dem Weg zu Nigels Auto nur kurz gesagt, dass sie nicht kommt und ich noch eine Nacht bei ihm schlafen werde. So entschloss ich mich die 12 km halt heim zu laufen, wenn wir in wenigen Stunden vom Damm zurueck sind, Hauptsache es ist noch hell.

So sass ich mit ACDC und zwei ordentlich betrunkenen Typen im Auto und fuhr zum Damm. Und wir fuhren….und fuhren. Nach rund 2 Bier Fahrt durchs Niemalsland und dichte Waelder, sotppten wir ploetzlich an einem abgelegenen Massenmoerderhaus (dort hoerte dich niemand schreien) und fuer einen Moment ging mir der Gedanke durch den Kopf: „Na toll, nun wird dir alles abgenommen und der Kopf abgeschnitten. Das wars dann.“

Nigel schloss die Tuer auf und bat mich herein. In einem grossen Raum, waren auf dem ganzen Boden getrocknete Baumwurzeln verteilt und er paesentierte stolz seine Sandeholz Sammlung. Auf die Frage, ob ich nicht ein Stueck kaufen moechte, reagierte ich nach wie vor immernoch etwas verstoert und sprachlos. Aus meiner Reaktion interpretierte er dann, dass mir seine Sammlung anscheinend nicht gefaellt. So stiegen wir (zum Glueck noch mit Kopf) wieder ins Auto und fuhren ein weiteres Bier lang durch den Wald bis wir ploetzlich auf dem Parkplatz an einem kleinen See hielten. Ich war wirklich gluecklich, dass uns unterwegs kein Baum vors Auto gesprungen ist. Nach der Masse an Bieren haette ich ja nicht mal mehr laufen, geschweige denn ein Auto fahren koennen.
Nigel fuhr fuer seinen Pegel jedoch ausgesprochen gut, fast besser als er lief.

Am See angetroffen trafen wir auf eine Art Alkigrossfamilie. Angefangen von zarten 11 Jahren (noch nuechtern) bis Mitte 65 (Sternhagelvoll) war so ziehmlich jedes Alter vertreten.
Nachdem sie meine Herkunft herausgefunden hatten (mal wieder haette ich flunkern sollen), sprach man mich liebevoll mit Kraut oder Nazi an. Wir waren uns also von der ersten Minute an dicke Freunde im speziellen verachtete mich Sharan, Shane’s Schwaegerin, die mich eigentlich nach dem Mittagessen haette heimfahren sollen.

So sassen wir also am See und wer haette es gedacht, wir tranken Bier. Nach einigen Doeschen fing Shane an auf einen Baum zu klettern und plante von rund 5 Metern hoehe in das etwa huefttiefe Wasser zu springen. Alle versuchten ihn davon abzuhalten, da der See an dieser Stelle fuer einen Sprung aus dieser Hoehe einfach zu flach ist. Davon liess sich Shane jedoch nicht beeindrucken und legte einen Bilderbuch Bauchplatscher hin, erstaunlicherweise ohne sich ernsthaft zu verletzen. Das musste erstmal gefeiert werden, natuerlich mit Bier.

Waehrenddessen stand der rund 23 jaehrige Sohn hinter mir an Nigels Auto gelehnt, wo er es in seiner Badehose einfach mal entspannt laufen lies. Ziel dieser Aktion war, seiner juengeren Schwester mal unbemerkt auf den Fuss zu pinkeln. Mich wunderte langsam gar nichts mehr. Genau genommen schaute ich einfach nur noch auf die Uhr, und rechnete wie lange wir noch ausharren koennen, um noch rechtzeitig vor Dunkelheit von Shanes Haus zurueck zum Hostel zu laufen.

Langsam schwand mein Zeitfenster und ich hatte mich bereits mit dem Gedanken abgefunden im Dunklen zurueck zu laufen. Egal wie – ich wuerde nicht noch eine Nacht in seinem Haus verbringen. Etliche Biere spaeter und kurz vor Einbruch der Dunkelheit wurde dann beschlossen zurueck zu fahren und ich machte drei Kreuze.
Sharan wollte nicht mit dem Nazi in einem Auto sitzen doch ungluecklicherweise war in keinem anderen Auto mehr ein Platz frei. Zu ihrem glueck sass zwischen uns ja noch der sich selbst bepissende Sohn. Mit Nigels Toele Stormy im Genick und fuer jeden ein neues Bier ging es dann auf den Rueckweg durch den Wald.

Shane mit Schlange... und Bier

Shane mit Schlange... und Bier

Ploetzlich hielt das hinter uns fahrende Auto am Strassenrand. Wir setzten also zurueck und sahen direkt vor dem Auto eine relativ grosse Schlange sich auf der Strasse schlaengeln. Es handelte sich um eine Dugite, was eine Unterart der absolut toedlichen western Brownsnake ist. Alle sprangen aus dem Auto und Shane bot sich gleich an die Schlange zu toeten, da er im Knast gelernt hatte, wie das geht.

So packte er sie am Ende und liess sie wie eine Peitsche schnalzen, was ihr quasi das Genick bricht. Tatsaechlich bewegten sich die rund 10 cm hinter ihrem Kopf nicht mehr. Da eines der Familienmitglieder gerne die Schlangenhaut behalten wuerde, schmiss Shane seine Trophaehe kurzerhand in die im Kofferraum stehende Kuehlbox. Nach kurzer Diskussion holte er sie wieder raus und schnitt ihr schnell noch den Kopf ab – nur um sicher zu gehen.

Eine Massage, die unter die Haut ging

Eine Massage, die unter die Haut ging

Mit einem frischen Bier ging es dann weiter. Zu meiner Ueberraschung allerdings nicht zu Shane, sondern zum Haus der Grossfamilie. Auf dem Parkplatz begann Shane dann die Haut von dem sich noch windenden Schlangenkoerper abzuziehen. Bei der gelegenheit entleerte sich der komplette Schlangendarm auf seine Shorts. Diese uebelriechende Masse wischte er schnell mit einem im Kofferraum liegenden Pulli ab.

Anschliessend verlegten wir auf die Terrasse vor der „Familienvilla“, wo binnen 15 Minuten u.A. eine Flasche Sambuca geleert wurde, um den steigenden Blutgehalt im Koerper wieder auszugleichen. Zu grauenvoller Musik in uebertriebener Lautstaerke wurden die Reste des gestrigens Weihnachtsessen serviert und zusammen mit einigen erfrischenden Kaltgetraenken verspeist. Mittlerweile trank die etwa 14 jaehrige Tochter auch Whisky-Cola und die maximal 11 jaehrige bediente sich an den Glaesern der restlichen Familie.

Zwischenzeitlich wischte sich Shane ueber seine mit Schlangenfaekalien beschmierte Hose und roch an seiner Hand, was seinen Magen dazu veranlasste vulkanartig saemtliche Fluessignahrung der vergangenen Stunden herauszuschleudern. Nachdem er dann einige Weile verschwunden war, erfuhr ich, dass er in Nigels Auto eingeschlafen ist.

Mit der Dunkelheit kam ein frischer Wind auf, welcher mich veranlasste meine Hautfarbe in ein blaeuliches Braun zu wechseln. Zitternd wollte ich mal wieder oder besser gesagt immernoch einfach nur heim. Als Notiz genommen wurde, dass ich mir einen abschlotter (vermutlich mangels Alkoholkonsum), brachte man mir den mit Schlangenscheisse beschmierten Pulli…. na ganz toll, genau was ich wollte. Ich ich nicht die einzige Frostbeule war und Stormy, Nigels Hund mindestens genauso nuechtern war wie ich, gruendeten wir eine Zweckgemeinschaft. Ich liess sie unter den Pulli und dafuer spendete sie ein wenig Waerme. Dies half jedoch nur bedingt. Daher fragte ich Nigel, wann er denn gedenkt zurueck zu Shane’s Haus zu fahren. Er erklaerte mir ganz trocken, dass er zu betrunken sei, um zu fahren und wir ueber Nacht hier bleiben.

Ich glaube mein Gesichtsausdruck hatte in diesem Moment Baende gesprochen, was Sharan hat aufmerksam hat werden lassen. Ob wohl sie mich Nazi nicht abkonnte, bot sie mir spontan an, mich heim zu fahren. Ich lies mir das nicht zweimal sagen, bedankte mich fuer das Essen und sprang in ihr Auto. Die Fahrt nutzte ich, um sie mal auszuquetschen, warum sie denn ploetzlich so ein Problem mit mir hatte. Als Antwort kam ganz selbstverstaendlich, eine Anspielung auf das, was „wir Deutschen“ damals gemacht haben. Ich habe sie augeklaert, dass ich einer anderen Generation angehoere, die weitestgehend das damals geschehene genauso verabscheut und lediglich noch (uebrigens genau wie Australien) in beschissene Kriege unseren amerikanischen „Freunde“ zieht. Damit waren wir dann auf einem gemeinsamen Nenner und ich fiel ihr zum Abschied uebergluecklich um den Hals, als wir endlich auf den Hof meiner so oft verachteten Unterkunft rollten.

Als erstes schmiss ich alle meine Klamotten in die Ecke, wusch den Gestank der letzten 2 ½ Tage ab und fiel uebergluecklich in mein Bett. Ungluecklicherweise befanden sich meine Schuhe und alle anderen Sachen noch in Shane’s Haus. Daher organisierte ich mir am naechsten Tag ein Auto, fuhr dort hin, lehnte dankend ein Bier ab, sammelte meine Sachen ein und fuhr uebergluecklich zurueck, wo ich alle meine Sachen erstmal wusch, um diesen biederen Pissgestank loszuwerden.

Im Nachhinein betrachtet war es ein echt anderes Weihnachten mit Einblicken in eine andere Welt. Eine Welt, gegen die ich alles menschenmoegliche unternehmen wuerde, um sie nicht zu meiner Welt werden zu lassen.

In diesem Sinne,

Prosit

Schroddi