Schroddis Tag 405 – Kalgoorlie, zeig uns dein Loch
6 06 2011Ort: Km 1.371, Kurz vor Yellowdine auf dem Weg nach Perth (nur noch 400 km)
Ortszeit: Tag 3, 06.06.2011, 7.45 Uhr
Wetter: Sonnig – endlich
Anwesende: Ein morgenaktiver Terrorzwerg
In der 500 Einwohner Metropole war es kein Kunststueck einen Schlafplatz zu finden. Hinter einem Getreidesilo fand sich ein gemuetliches und ruhiges Plaetzchen fuer die eiskalte erste Nacht im Auto. Viel geschlafen haben wir wohl nicht und um 6.30 Uhr ging es ein zweites Mal zum Wave Rock, um auf dem Stein zu Fruehstuecken.
Die naechste Etappe sollte uns anschliessend in die rund 400 km entfernte Goldgraeberstadt Kalgoorlie ins Outback fuehren, wo wir abends einen Bekannten treffen wollten.
So sollte es auf kuerzestem Weg die ersten 120 km ueber eine unbefestigte Strasse gehen. Natuerlich fuhr diese Strecke Monique, da ich nur zwei Tage vor Abfahrt beim Driften auf einer unbefestigten Strasse „mein“ Auto in den Strassengraben geschleudert hatte. Gottverlassen ging es dann Ewigkeiten ueber die ruckelige Piste. Waehrend einer Pinkelpause bot ich meiner Chauffeurin dann durchs geoeffnete Fenster an, dass das nun die Gelegenheit waere, mich stehen zu lassen….bloede Idee!
Nachdem ich die folgenden zwei Kilometer gelaufen war, erbarmte sie sich dann doch und liess mich wieder einsteigen…auf der Fahrerseite. Nach der langen Laufstrecke goennte ich mir zur Weiterfahrt dann ein vitalisierendes Bier. Die weiteren 300 km gingen anschliessend relativ unspektakulaer geradeaus.
Von einer Freundin habe ich mir sagen lassen, dass es knapp 6 km vor Kalgoorlie einen kostenlosen Campingplatz an einem See gibt. Ueber eine unmoegliche Buckelpiste fuehrte uns eine Strasse an diesen Ort, wo wir beschlossen schon mal das Zelt aufzustellen, um uns diese Prozedur in Dunkelheit zu sparen. Nach getaner Arbeit fuhren wir endlich in die nach wildem Westen anmutende Grossstadt (30.000 Einwohner) und verabredeten uns mit Vincent. Ein anschliessender Blick auf den Wetterbericht liess uns zurueck aus der Stadt fahren und unser Zelt wieder abbauen, was sich im Nachhinein als brilliante Entscheidung erwies.
Kurz nach Einbruch der Dunkelheit gab es noch ein schnelles Abendessen vom Gaskocher. Mit einsetzendem Nieselregen fuhren wir zu unserem verabredeten Treffpunkt, liessen uns von einem besoffenen Aboriginie um eine Kippe anschnorren und kehrten dann in Paddy’s Pub ein. Vincent wollte unbedingt noch das Lokal wechseln, da in den benachbarten Kneipen in Unterwaesche und ohne oben bedient wurde. Unserer weiblichen Begleitung gefiel die Idee nicht so gut. Daher warfen wir nur mal einen kurzen Blick in einen dieser Schuppen, um festzustellen, dass die dortigen Outbackschabracken eine schlechtgelaunte Reisebegleitung ohnehin nicht wert waren. Da wir von der vergangenen Nacht ohnehin etwas geschafft waren und noch keinen Schlafplatz hatten, verabschiedeten wir uns anschliessend von Vincent und machten uns auf die Suche nach einem Schlafplatz fuer die kommende Nacht, welcher sich in einer Wohngegend direkt neben einer Gueterzugtrasse finden liess.
Nach einer relativ warmen und ausgesprochen gemuetlichen Nacht mit Dauerregen starteten wir den kommenden Tag mit fluechen gegen das miese Wetter. Auf unserem Tagesplan standen ein Blick in Kalgoorlies grosses Loch (Tagebau mit einem 3,5km x 1,5km breiten und ueber 500m tiefen Loch) und die Fahrt zum Lake Ballard, einem Salzsee, in dem 51 perverse Metallfiguren stehen. So machten wir uns frueh auf die Socken und kamen einige Minuten spaeter an den verschlossenen Toren des Mienengelaendes an. Waren wir wirklich knapp 800km gefahren, um am Ende den Blick auf Kalgoorlies Loch verweigert zu bekommen? Um den Grund der Schliessung zu erfahren, fuhren wir also zurueck in die Stadt, um uns bei der
oertlichen Touristeninformation schlau zu machen. Dort teilte man uns mit, dass es zu einem Steinschlag gekommen sei, die Aussichtsplattform aber am gleichen Nachmittag oder spaetestens am naechsten Tag wieder oeffnen wuerde. Wir entschlossen uns also erstmal zum rund 200 km entfernten Lake Ballard zu fahren. Da die letzten knapp 60 km aus unbefestigter Strasse bestanden und es nun schon seit dem Vorabend leicht regnete, riefen wir im naechstgelegenen Ort an, um uns ueber die dortigen Strassenverhaeltnisse zu Informieren. Es lagen keine Meldungen ueber unpassierbarkeit der Strecke vor und wir machten uns auf den Weg, welcher uns an Geisterstaedten der Goldgraeberzeit um 1900 vorbeifuehrte.
Leider war von der direkt am Weg liegenden Stadt Broad Arrow so gut wie nichts mehr uebrig. Daher beschloss ich kurzerhand eine Nebenstecke nach Ora Banda zu nehmen. Wie ich erst auf halbem Wege der 27km langen Strasse auf dem Atlas entdeckte, waren die letzten 9km der Strasse nicht Asphaltiert. Nach ueber 12 Stunden Dauerregen sollte die Strasse mit einem Fronttriebler nahezu unpassierbar sein und die Hand voll entgegenkommender Allradfahrzeuge sollte auch keinen anderen Eindruck erwecken.
Kurze Zeit spaeter endete das geteerte Strassenstueck und vor uns tat sich eine furchteinfloessende Schlammpiste auf. Dennoch beschlossen wir uns von den miesen Strassenverhaeltnissen nicht unterkriegen zu lassen. Falls doch, haetten wir alles, was wir fuer einen laengeren Aufenthalt im Strassengraben braeuchten. So schlitterten wir foermlich durch den Matsch und versuchten nicht stehen zu bleiben oder von der Piste abzukommen. Einige Liter Angstschweiss spaeter erreichten wir Ora Banda, was ausser einem Pub und ein paar Wellblechhuetten nicht viel zu bieten hatte. Im Pub fragte man uns unglaeubig, ob wir wirklich mit dem Fronttriebler die Stadt erreicht haetten. Da es immernoch regnete und die „Stadt“ ebenfalls verschlammt war, entschieden wir uns nicht lange zu bleiben, um nicht noch schlechtere Strassenverhaeltnisse auf dem Rueckweg vorfinden zu muessen.
Erleichtert erreichten wir wieder den Goldfields Highway nach Menzies und waren keine 2 Stunden spaeter in dieser auch recht verlassenen Stadt, welche aus einigen sehr schoenen alten Gebaeuden und ueberwiegend Wellblechhuetten bestand. In der dortigen Touristeninformation fragte ich sicherheitshalber noch mal nach den Strassenbedingungen zum Salzsee. Nicht ueberrascht erfuhr ich, dass die Strecke aufgrund der Wetterbedingungen fuer alle Fahrzeuge geschlossen ist. Nachdem uns schon Kalgoorlie ihr Loch verwehrte und wir nun auch nicht die noerdlich gelegenen Feuchtgebiete erkunden durften, zweifelten wir langsam an dem Wert des immerhin rund 1.700 km Umwegs auf dem Weg in das knapp 200km von Donnybrook entfernte Perth.
Nachdem mal wieder alle Plaene durchkreuzt waren, entschieden wir uns einen Zahn zu zulegen und noch einen zweiten Versuch am Loch zu wagen, bevor wir den verfruehten Rueckweg nach Perth antreten wuerden. Im Tiefflug ging es dann im hoeheren dreistelligen Geldstrafenbereich in einer knappen Stunde zurueck nach Kalgoorlie, wo wir noch einen kurzen Zwischenstop im Minenmuseum einlegten. Beim zweiten Anlauf am Super Pit genannten Riesenloch hatten wir endlich mal Glueck an diesem Tag und Monique konnte endlich sehen, dass es in diesem Ort noch ein groesseres (Arsch)Loch als mich gab.
Mit Einbruch der Dunkelheit verliessen wir die Goldgraeberstadt ohne glitzerndes Gestein in den Taschen wieder in Richtung Perth. Nach rund 170km Nachtfahrt schlugen wir unser Nachtlager am Strassenrand auf. Heute morgen kurz nach Anbruch des Tages bekam meine „Bettnachbarin“ dann Hummeln im Hintern. So kam es, dass ich noch nicht wirklich aus meinem Schlafsack gekrochen war, als wir schon wieder auf die Strasse nach Westen rollten.
Vor etwa einer Stunde machte Monique die Musik leise und teilte mir mit, dass sich die Polizei hinter uns befindet und fragte mich, ob sie denn anhalten solle. Antwort darauf: „Wenn sie das Blaulicht anhaben, sollten wir das wohl besser tun“. Da wir nur mit 70 km/h auf dem mit 110km/h beschilderten Highway schlichen, waren wir gespannt, ob wir dafuer Aerger bekommen werden. Die freundlichen Polizisten warfen einen Blick in unser Fahrzeug und fragten nach Fuehrerschein und Fahrzeugpapieren. Den Fuehrerschein hatten wir recht schnell zur Hand, doch die Fahrzeugpapiere mussten sich irgendwo in einem unauffindbaren Rucksack auf unserer zugemuellten Ruecksitzbank befinden. Wir kuendigten also an, dass es sich nur um Stunden handeln koenne alle geforderten Papiere zu besorgen. Grinsend fragte man uns dann, woher wir waeren, ob wir Backpacker seien und ob wir unsere Zeit hier geniessen. Scheinbar wollten die netten Beamten nicht den ganzen Tag auf den Fahrzeugschein warten, verzichteten auf die restlichen Papiere, wuenschten uns eine schoene Zeit und verschwanden wieder. Erheitert von der „sehr strengen“ Fahrzeugkontrolle nahmen wir uns den naechsten Parkplatz als Gelegenheit mal Ordnung im hinteren Teil unseres Wohn-, Ess- und Schlafzimmers zu machen. Die letzten Kilometer verwandelte sich die Landschaft von kargem und flachen Outbackcharme in eine Mittelgebirgsaehnliche huegelig und bewaldete, gruene Gegend, die geradezu nach Zivilisation riecht. Bis Perth sind es nun keine 100km mehr und mir graut es schon seit mehr als einem halben Jahr wieder in einer Grossstadt anzukommen. Ob ich es noch schaffe, mich entsprechend zivilisiert zu verhalten, erfahrt ihr dann im naechsten Bericht.
Es gruesst der unzivilisierte Schroddi aus dem Niemandsland
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