Schroddis Tag 465 – Vier Jobs und ein Todesfall

14 08 2011

Ort: Km 7.562, Parkbank im Ortskern Exmouth
Ortszeit: Tag 64, 05.08.2011, 18.00 Uhr
Wetter: 23 Grad, sonnig
Anwesende: Sich kloppende Voegel

Nach den ersten Tagen Orientierungslauf in Exmouth ging es dann langsam an den ernsten Teil die Jobsuche. In der Stadt war unsere erste Anlaufstelle das schwarze Brett im Ortskern. Dort hingen zu unserer Freude einige Jobanzeigen aus, wie es uns zuvor von diversen Leuten Prophezeit wurde. Wir fotografierten alles ab und versuchten die entsprechenden Arbeitgeber heimzusuchen. Von den verantwortlichen Managern bekamen wir leider beinahe ausnahmslos zu hoeren, dass die ausgeschriebenen Stellen bereits besetzt waren. Anfangs zweifelten wir etwas an unserem Auftreten und hielten die Absagen nur fuer faule Ausreden, jedoch sollten wir zwei Tage spaeter feststellen, dass saemtliche Jobanzeigen nach der einwoechigen Aushangszeit wieder vom schwarzen Brett verschwunden waren. Es schien also als waeren wir lediglich einige Tage zu spaet in den Ort gekommen.

So blieb uns nichts anderes uebrig als einfach mal auf Verdacht saemtliche potentiellen Arbeitgeber abzuklappern. Zwei Tage und rund 30 Bewerbungen spaeter die deprimierende Ausbeute gleich Null. Daher entschieden wir uns kurzfristig erstmal im rund 40 km entfernten Cape Range Nationalpart abzutauchen, um dort ein wenig das groesste Kuestenriff der Welt zu erschnorcheln. Den kommenden Freitag wollten wir noch einmal Kontakt mit der Aussenwelt aufzunehmen, um zu checken, ob sich auch hoffentlich keiner der potentiellen Arbeitgebern gemeldet hat, um das folgende Wochenende mal ordentlich von den vergangenen 4 Wochen Urlaub entspannen zu koennen. Um dafuer noetogen Handy- und Internetempfang zu bekommen, fuhren wir also rund 55km zu einem auf einem Huegel gelegenen Leuchtturm. Ungluecklicherweise fanden sich tatsaechlich zwei Nachrichten auf meiner Mailbox.

Eine Tierarztpraxis, sowie ein Fish & Chips laden wollten Monique zum naechsten Wochenstart zum Probearbeiten haben. Waehrend Monique den folgenden Montag ihren ersten Arbeitstag hinter sich brachte, konzentrierte ich mich am Strand mental auf die anstehende Jobsuche meinerseits. Was stand fuer mich also noch zur Auswahl? Ich koennte erneut alle Campingplaetze abklappern, nochmal in den Restaurants vorstellig werden oder versuchen als Freiwilliger auf einem Tauchboot anzuheuern, um dabei einige Tauchgaenge abstauben. Nachdem ich diesen komplexen Sachverhalt mit einem entspannten Nickerchen in der Sonne analysiert hatte, stand ueberraschenderweise die Entscheidung fest, dass ich eigentlich gar keine Lust zum Arbeiten habe, jedoch die Tauchboot Idee gar nicht schlecht klang. Am naechsten Tag fuhr ich also auf der Suche nach dem kostenlosen Tauchvergnuegen saemtliche entsprechende Anlaufsstellen an. Schnell stellte ich fest, das die Frage nach einem Job mit panischer Abwehrhaltung beantwortet wurde. Fuegte man jedoch nachtraeglich das Wort ‚ehrenamtlichhinzu, atmeten die meisten erleichtert auf. Ungluecklicherweise sollte etwas derartiges jedoch ausnahmslos an meinen mangelnden Qualifikationen scheitern.

Mounique sollte auch nach dem Probearbeiten ihre Jobs behalten und ich verbummelte mir gemuetlich dieTage und wollte es anschliessend mit einer anderen Taktik versuchen. Getreu dem Motto: „Das Glueck ist mit den Faulen“, beschloss ich einfach, dass die Jobs eben zu mir kommen sollen, wenn ich schon nicht den Weg zu ihnen finde.

So liess ich ein Jobgesuch am oertlichen schwarzen Brett aushaengen und behielt entspannt mein Handy im Auge. Die naechsten Tage verbrachten wir einige Zeit mit Penny, Moniques Chefin aus der Fish & Chips Bude. Eines Abends sassen wir nach Feierabend im Aussenbereich, als es ploetzlich einen lauten Schlag tat und man einen Hund herzzerreissend jaulen hoerte. In diesem Moment hatte es Bonsai, Pennys Deutsche Dogge/Irischer Wolfshund-Mischling auf ein Kraeftemessen mit einem herannahenden Auto angelegt.

Bonsai

Der Hund hatte sich offensichtlich etwas in der Schulter gebrochen und blutete deutlich aus dem Brustkorb. Die schnell zur Hilfe gekommene Polizei bot sich gleich an, den Hund an Ort und Stelle zu erschiessen, jedoch wollten wir das Tier erstmal zum Tierarzt bringen. Ungluecklicherweise befand sich an diesem Wochenende keiner der zwei hiesigen Aerzte im Ort. So bekam Bonsai erstmal Schmerz- und Beruhigungsmittel und eine Taxifahrt im Polizeiauto zurueck zum Lokal. Dort gelang es uns nach stundenlangen Kompressenhalten die Blutung weitestgehend zu stoppen und stabilisierten dem armen Kerl soweit, dass er das Wochenende ueberleben wuerde, um am Montag dann endlich in der Praxis vorstellig zu werden. Dort liess man das arme Tier schweren Herzens nach zwei langen Tagen einschlafen. Den kommenden Nachmittag nutzten wir dann, um eine feierliche Beerdigung des kanpp 50 Kilo schweren Bonsai in den Sandduenen zu begehen.

Spaeter zurueck am Lokal hielt ganz unvermittelt ein Auto mit einem bulligen Stafford Terrier auf der Ladeflaeche neben uns. Der kleine, irgendwie lustig aussehende Fahrer war uns schon oefter begegnet, sprang aus seinem Auto und merkte an, dass wir ja auch ueberall nur rumhaengen und offensichtlich nichts zu tun haben. Recht hatte er (zumindest was mich betraf) und fragte uns, ob wir nicht Lust haetten, ueber den Tag fuer etwas Geld auf seinen Hund aufzupassen. Ich schlug sofort zu und freute mich schon auf stundenlange Spatziergaenge auf Kinderspielplaetzen mit meiner Kampftoele.

Die naechsten Tage passierte jedoch in der Hinsicht nicht viel. So begann ich vor Lauter Langeweile Moniques hoffnungslos ueberforderten Chefin rund um das Lokal zur Hand zu gehen. Irgendwie war in Exmouth alles nicht so gelaufen, wie wir uns das Gedacht hatten. So liessen wir bei der oertlichen Werkstatt fuer еnglaublich guenstige330 Dollar unsere defekte Wasserpumpe am Auto richten und planten wenige Tage spaeter wieder aufzubrechen.

Am Tag als ich dann endlich den ersehnten Werkstatttermin antreten konnte, klingelte unerwartet mein Handy. Es war Graig, der Kampfhundbesitzer, welcher fuer den restlichen Tag seinen Hund loswerden musste. Ich sagte zu und bekam gesagt, wo ich schnellstmoeglich Buddy, den Stafford abholen konnte. So lief ich anschliessend zur oertlichen Schule, wo ich meinen Schutzbefohlenen an Graig’s Auto im Schatten angebunden vorfand.

Da ich bis dato noch keine Erfahrung im Entfuehren von Kampfhunden hatte, tastete ich mich langsam heran und siehe da, es funktionierte. Etwas verwirrt drehte sich Buddy immer wieder um und wusste nicht so recht, wie ihm geschieht. Dennoch liess er sich von mir ziehen, wo ich mit ihm hin wollte, naemlich zum nahegelegenen Lokal, wo Monique bereits auf uns wartete. Im Hof angekommen verschloss ich das Gate und konnte das Kraftpaket mal von der Leine lassen. Er machte direkt deutlich, was er von der Aktion hielt und schiss gepflegt mitten in den Hof. Als er dann anschliessend versuchte durch den Zaun zu entkommen, daemmerte mir, dass es wohl doch nicht so leicht verdientes Geld werden koennte, wie ich mir das vorgestellt hatte. Zu dritt brachen wir dann anschliessend auf, um Monique puenktlich um 9 Uhr zur Arbeit zu bringen. Von da an standen mir noch rund 6 lange Stunden mit meinem Zugtier bevor. Da Buddy weder rasten wollte, noch besonders begeistert schien, entschloss ich mich mit ihm eine lange Strandwanderung zu machen. Nach einem recht beschwerlichen und pausenlosen Weg in der prallen Sonne, kamen wir nach rund 3 Stunden halb verdurstet wieder am Fish & Chips Shop an, wo wir uns beide erstmal eine Erfrischung goennten. Auch nach dieser Strecke liess sich Buddy nicht beruhigen und jaulte nach wenigen Minuten unueberhoerbar nach Herrchen. So blieb mir also nichts anderes uebrig als weiter mit ihm spatzieren zu gehen. An meinen Fuessen hatte ich mittlerweile dicke Blasen von den Flip Flops und versuchte daher weitestgehend Barfuss weiter zu laufen. Wir drehten also eine weitere lange Runde am Strand. Als meine Fuesse irgendwann nicht mehr wollten, liess ich mich im Schatten einer Palme nieder und endlich schien auch Buddy mal etwas muede zu werden. So sassen wir einige Minuten friedlich im Schatten und entspannten. Als ueberraschend mein Handy klingelte. Es war ein Touristenresort, welcher eigentlich Monique zwecks Arbeit sprechen wollte. Ich teilte ihnen mit, dass sie derzeit arbeiten ist und vermutlich keinen Job mehr brauche. So bot man also mir einen Job an. Bereits resigniert sagte ich, dass wir voraussichtlich in wenigen Tagen die Stadt verlassen wuerden und wuenschte ihr einen schoenen Tag. Irgendwie hatte mich der Anruf jedoch neugierig gemacht und ich beschloss mit Buddy noch mal einen Abstecher im Resort zu machen.

15 Minuten spaeter schlug ich voellig verdreckt und verschwitzt mit Vollbart und aermellosen Shirt wie der letzte Mensch in der Rezeption auf und traf auf Bronwyn, der dortigen Managerin. Sie erzaehlte mir etwas von einem Hausmeister Job, was wirklich interessant und nach leicht verdientem Geld klang. So verbliebt ich mit ihr, dass ich noch kurz Ruecksprache mit meiner Reisebegleitung halten wolle und mich dann wieder bei ihr melde.

Kurzer Spatziergang

Kurzer Spatziergang

Also schleppte mich Buddy anschliessend wieder zur Tierarztpraxis, um puentlich zu Feierabend Monique abzuholen und gemeinsam wieder zurueck zum Lokal zu gehen, wo wir meinen Vierbeiner mit einer mittlerweile beachtlich lang heraushaengenden Zunge endlich wieder mit Fluessigkeit versorgen konnten. Nach 6,5 Stunden, rund 20km und mindestens 4 Blasen kamen ich mit meinen wunden Fuessen endlich an meinem Ziel an.

Auch Buddy musste unsere Tour mittlerweile ganz ordentlich zugesetzt haben. Er kippte sich einen halben Liter Wasser hinter die Binde, legte sich in den Schatten und liess die Welt mal Welt sein. Selbst als sein Herrchen vorbei kam, um den Kleinen endlich abzuholen, hatte er kaum noch die Kraft sich ueber irgendwas zu freuen, legte sich auf die Ladeflaeche des Autos und schlief weiter. Ich hatte dieses Kraftpaket also besiegt, jedoch nicht ohne deutliche Kampfspuren. Urspruenglich wollte mir Graig fuer meine Dienste 40 Dollar da lassen, als ich ihm jedoch meine Geschichte erzaehlte, die Blasen zeigte und er seinen erschreckend erschlagenen Hund sah, packte ihn wohl das Mitleid und er drueckte mir letztendlich 50 Dollar in die Hand. Hey, hey, mein erstes (zugegebenermassen hart) verdientes Geld in Exmouth! Nachdem ich endlich mein Zugtier los war, stand ein letzter Marsch des Tages an. Naemlich zur Werkstatt, um endlich wieder einen fahrbaren Untersatz zu bekommen.. Damit fuhren Monique und ich dann zum Touristenresort, um Bronwyn die frohe Botschaft zu ueberbringen, dass wir nun doch noch einige Wochen in Exmouth bleiben wuerden und ich den Job annehme. Bei der Gelegenheit hakte auch Monique gleich noch nach, ob nicht fuer sie

Des Hausmeisters Spielplatz

Des Hausmeisters Spielplatz

auch noch etwas Arbeit abgreifbar sei. Wie es der Zufall will, bekam sie zu ihrem Glueck noch ein paar Vormittage woechentlich als Zimmermaedchen angeboten und schlug zu. Fuer sie passte es nun perfekt. Vormittags Arbeit im Resort, Nachmittags in der Tierarztpraxis und abends dann in der Frittenbude. Ich hatte die letzten Wochen nun wirklich genug ruhige Kugeln durch die Gegend geschoben und bekam nun auch Lust wieder zu arbeiten.

So klapperte ich erneut die einzigen beiden Restaurants ab, die gross genug sind, um eine reine Spuelkraft zu unterhalten. Irgendwie sollte mein Timing nicht ganz gluecklich sein. Im italienischen Restaurant hatte man erst den Tag zuvor einen neuen Tellerwaescher eingestellt, nachdem ich gross die Werbetrommel ruehrte, notierte man sich doch mal meine Nummer, falls sich der Neue als Niete erweisen wuerde.

Am folgenden Tag klingelte dann mein Handy und ratet mal, wer da dran war 🙂

Yep, so schnell hatte ich ploetzlich meinen zweiten Job, der mir nahezu zugeflogen ist. Mit beiden Jobs sollte ich in Kuerze ein Vermoegen verdienen koennen.

Nachdem ich tags drauf von Acht bis 16 Uhr meinen Hausmeisterpflichten im Resort nachgekommen war, begab ich mich bereits eine Stunde spaeter ins Restaurant, um den Abend mit Spuelhaenden ausklingen zu lassen.

Entgegen meiner Erwartungen handelte es sich jedoch um Teller Waschen in seiner reinsten Form und hielt mich nonstop fuer die naechsten gut 7,5 Stunden in Atem. Zur Geisterstunde verliess ich dann abgeschlagen den Italiener und war mir sicher, dass 15,5 Stunden taeglicher koerperlicher Arbeit fuer einen alten Sack wie mich einfach zu viel waren. Damals war ich noch jung und brauchte das Geld aber mittlerweile bin ich zu alt fuer den Scheiss und muss meine alten Knochen schonen. Also schmiss ich den Tellerwaescher Job bereits am naechsten Tag und konzentrierte mich weiterhin auf mein Koennen als Hausmeister.

Bereits nach einigen Tagen frass mir meine Chefin Bronwyn aus der Hand und am Ende unseres rund zweiwoechigen Arbeitsintermezzos wollte sie uns gar nicht mehr gehen lassen.

Auch Moniques Chefin Penny liess uns nicht gerne gehen, da wir mittlerweile ein wichtiger Bestandteil ihres Ladens waren und wir die Lokalitaet in ehrenamtlicher Arbeit ordentlich aufgehuebscht haben.

So hatte ich als Hundesitter, ehrenamtliches Allround-Talent, Hausmeister & Landschaftsgaertner und Tellerwaescher in zwei Wochen noch beinahe ungewollt 4 Jobs abgegriffen.

Soll doch mal einer behaupten das Glueck sei nicht mit den Faulen…

Es gruesst der faule Schroddisack



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