Schroddis Tag 481 – Mit Eddy und Wendy auf Abwegen
31 08 2011Ort: Km 10.816, Am Aschehaeufchen des Lagerfeuers der Nacht zuvor
Ortszeit: Tag 82, 21.08.2011, 10.15 Uhr
Wetter: 25 Grad, leicht windig
Anwesende: Das rauschen einer leichten Windprise in den Baeumen, einige verspielte Kakadus, zwitschernde Voegel, kreisende Adler, der vor sich hin plaetschernde Bachlauf UND EIN BESCHISSEN LAUT BRUMMENDER STROMGENERATOR UNSERES NACHBARS *grrr
Auf unserem Weg von Derby nach Kununurra wollten wir uns unbedingt zwei Dinge ansehen. Zum einen den Wolfe Creek Meteroitenkraten, welcher als Namensgeber fuer einen Film steht, in dem es um einen nicht gefassten Backpacker Killer geht. Zum anderen sollte der Punululu National Park mit seinen Bungle Bungles auf dem Programm stehen. Beide Ziele konnten wir mit unserem handelsueblichen Stadtauto nicht erreichen. Drum planten wir, unser Auto irgendwo stehen zu lassen und per Anhalter weiter zu kommen.
Da sich auf dem Weg zum Krater lediglich eine Strassengabelung anbot, an welcher wir unser ganzes Hab und Gut den Tag ueber stehen lassen koennten und es in der Gegend von Aboriginies wimmelte, entschieden wir uns diese Sehenswuerdigkeit doch lieber auszulassen. Etwas besser schien die Gelegenheit am Punululu National Park. Dort befand sich an der Strassenkreuzung zum Park ein Rastplatz an einem Bachlauf. 
Es fand sich ein wunderschoen sandiges Schattenplaetzchen direkt am Ufer, wo wir unser Zelt aufschlagen wollten. Wir hatten uns noch nicht lange niedergelassen, als einer unserer Nachbarn vom anderen Ende des Rastplatzes angelaufen kam und uns den heissen Tip gab, dass wir unser Zelt noch nicht aufschlagen und das Auto besser umparken sollten, da wenig spaeter genau an dieser Stelle eine Rinderherde mit rund 3000 Tieren durchgetrieben werden sollte. Da wir keinen Tunnel in unserem Wohn-, Ess- und Schlafzimmer haben wollten, suchten wir uns vorlaeufig einen neuen Stellplatz. Bereits wenig spaeter hoerte man ganz in der Naehe Hubschrauber und kurz darauf kam das erste Rind um die Ecke, gefolgt von einer riesigen Staubwolke, bestehend aus hunderten von daemlichen Tieren, welche panisch vor den beiden Hubschraubern fluechteten. 
Als sich der Staub irgendwann legte, erschienen vier Reiter, die das Ende der Herde markierten. Nun war es fuer uns an der Zeit, den besten Spot fuer unser Nachtlager zu sichern. Wir breiteten uns als mit dem Zelt auf einer schattigen Sandbank direkt am Ufer des kleinen und wunderschoen verwachsenen Bachlaufs aus.
Am naechsten Tag wollten wir die Bungle Bungles im Punululu Nationalpark ansehen, allerdings sind in dem 53km entfernten Nationalpark nur Allradfahrzeuge mit einer hohen Bodenfreiheit zugelassen. So mussten wir uns halt eine Mitfahrgelegenheit fuer den Tag suchen. Einer unserer Nachbarn bot auch spontan an, uns mitzunehmen, allerdings hatte er eine gehbehinderte Lady dabei, was nicht auf allzu viel Wandern schliessen liess. So lehnten wir das Angebot dankend ab und wollten uns lieber am kommenden Tag direkt an der Highway Abfahrt ein etwas sportlicheres Exemplar suchen.
Am naechsten Morgen standen wir dann also um 8 Uhr an besagtem Ort und versuchten jemand zu finden, der noch nach Unterhaltung fuer den Ausflug suchte. Leider sollte uns das Glueck
nicht so gewogen sein. Es war ein recht ruhiger Tag und viele Leute wollten nur mal gucken, jedoch nicht in den Park fahren. Nach ueber einer Stunde rumalberns kam dann ein Lichtblick. Ein Paerchen haette uns so gerne mitgenommen und fuehlte sich furchtbar schlecht, dass sie nicht in den Park fuhren und uns daher nicht helfen konnten. Daher stellten sie sich mit uns hin und fingen an, mit uns die Autos anzuhalten. Nach einiger Zeit erfolgloser Arbeit, fuhr das Paar wieder und wir probierten unser Glueck alleine weiter. Wir kamen mit einem aelteren Paerchen
ins Gespraech und sie boten an, dass sie noch kurz den Wohnanhaenger absetzen wollten und uns dann abholen, falls wir noch da stuenden. Als auch sie nach einer knappen Stunde nicht wieder kamen, dachten wir schon an Aufgabe. Ploetzlich
kamen Eddy und Wendy dann wieder um die Ecke gerauscht und baten uns in ihrem Nissan Navara Platz zu nehmen.
Die Tour konnte endlich losgehen. Mittlerweile war es fast halb Elf. Bis zum eigentlichen Parkeingang sollten noch 53km Staubpiste vor uns liegen. Auf den Informationstafeln vor Ort war angeschrieben, dass die Strecke rund 2-3 Stunden in Anspruch nehmen wuerde, was wir uns jedoch nicht wirklich vorstellen konnten. Der Weg war sehr rauh und wir waren uns nach den ersten paar Kilometern sicher, dass es bereits bis zu diesem Punkt saemtliche Teile an unserem Auto locker geruettelt haette. Dies sollte
jedoch nur ein Vorgeschmack von dem sein, was noch bevorstand. Nach einigen Minuten Fahrt erreichten wir den ersten von einer Hand voll Bachlaeufen, die es zu durchqueren gab. Wir pfluegten uns also durch das huefthohe Wasser, in dem unser Fahrer Eddy sichtlich seinen Spass hatte. Der Weg wurde immer extremer. Die Schlagloecher tiefer, die Steine groesser und die Kuppen steiler. Unsere Anschnallgurte waren schwer damit beschaeftigt uns in den Sitzen zu halten, waehrend Eddy und Wendy Schwank aus ihrer Jugend erzaehlten. Vor einem der letzten Bachlaeufen tauchte vor uns ploetzlich ein Auto mit Wohnanhaenger auf. Unglaeubig trauten wir unseren Augen nicht. Beim besten willen konnten wir uns nicht vorstellen, wie er den Weg bis zu diesem Punkt geschafft hatte. Der Verrueckte musste bis an diesen Punkt nicht nur
seine Inneneinrichtung zerlegt, sondern sein Wohnzimmer ebenfalls geflutet haben. Eddy hatte dafuer ueberhaupt kein Verstaendnis und regte sich vergnuegt ueber so viel Bloedheit auf. Nach ueber 2,5 Stunden Fahrt kamen wir ordentlich verstaubt und geschuettelt, nicht geruehrt im Park an. Niemand hatte erwartet, dass es so eine Ewigkeit dauern wuerde. Da es mittlerweile bereits frueher Nachmittag war, blieb uns nicht einmal mehr eine Stunde zum Wandern, bevor es schon wieder auf den Rueckweg gehen musste. Die Fahrt zog sich unheimlich, Eddy hatte hinter dem Steuer jedoch seinen Spass. Er lebte mit seiner Frau nun schon seit 52 Jahren in Australien, lange bevor es im Land anstaendige Strassen gab, jedoch waren sich beide
einig, dass dies das wohl abenteuerlichste Streckenstueck war, welches sie je bewaeltigt hatten. Als wir nach weiteren ueber 2 Stunden endlich wieder den Highway erreichten, gab auch bereits das Auto etwas seltsame Klaenge vor sich. Leicht Seekrank kamen wir gluecklich am Abend wieder an unserem Schlafplatz an. Wir hatten zwar vom Nationalpark nicht viel gesehen, jedoch war in diesem Fall der Weg das Ziel. Am naechsten Tag sollte es dann wieder auf befestigten Strassen weiter nach Norden gehen. Das naechste Abenteuer wuerde schon irgendwo auf uns warten.
Es gruesst das Offroader Schroddi
(Geschuettelt, nicht geruehrt)
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