Schroddis Tag 464 – Der Ranger und die Lochmatratzenmisere

14 08 2011

Ort: Km 7.524, Parkbank im Ortskern Exmouth
Ortszeit: Tag 63, 04.08.2011, 18.30 Uhr
Wetter: 23 Grad, sonnig
Anwesende: keine

Endlich hatten wir Carnarvon verlassen und waren wieder auf der Strasse nach Norden. Wie bereits die vergangenen rund 200 Highwaykilometer war es wieder ein endlos anmutendes Geradeausstueck mit langweiliger buschiger Landschaft ohne jegliche Abfahrten, die Abenteuer in Form von Schlammloechern oder aehnlichem versprachen. Etwa 300 Kilometer standen uns bis zu unserem ersten grossen Etappenziel Exmouth bevor. Da Monique aufgrund diverser ungeplanter Autoreparaturen mit einem relativ schmalen Budget losgereist ist, sollte Exmouth die naechstbeste Gelegenheit sein, einen Job zu finden und etwas Geld zu verdienen. Ohnehin waere dies ein schoener Ort, um etwas zu verweilen, da er direkt am groessten Kuestenriff der Welt, dem Ningaloo Riff gelegen ist. Gegen Nachmittag erreichten wir noch rund eine Fahrstunde vor Coral Bay einen Rastplatz, auf dem wir uns ueber Nacht einrichteten und ich endlich mal die letzten beiden Blogeintraege abtippen konnte.

Der Wetterbericht versprach strahlenden Sonnenschein fuer den naechsten Tag und wir freuten uns tierisch auf Schnorcheln im Riff. Als wir nach einer ruhigen Nacht aufwachten, hing der Himmel voll mit tiefschwarzen Wolken und uns wurde bewusst, dass der Wetterbericht mal wieder von der falschen Seite in seine Plexiglaskugel geschaut hatte. Dennoch war es warm und (noch) trocken. So machten wir uns auf den Weg in die 200 Einwohner Gemeinde Coral Bay. Auf halber Strecke oeffnete dann der Himmel seine Pforten und bis wir in Coral Bay angekommen waren dachten wir bereits ueber einen Aussenbord-Motor fuer unser Gefaehrt nach. Trotz der eingeschraenkten Sicht war der Blick aufs Meer einfach umwerfend. Es hatte die schillernsten Farben und bereits vom Strand aus sah man die Korallenbloecke kurz unter der Wasseroberflaeche so weit das Auge reichte. Dennoch truebte das Wetter die Schnorchellaune ein wenig. Moniques grosser Traum war ein Badevergnuegen mit den bis zu 12 Metern grossen Walhaien, dem groessten Fisch auf dem Planeten. Daher ging sie in eine der Agenturen, um eine Tour zu Buchen. Zu ihrem Schrecken teilte man ihr jedoch mit, dass die Walhai-Saison in Coral Bay bereits vor 3 Wochen beendet wurde. Gluecklicherweise war fuer den naechsten Morgen im 150km entfernten Nachbarort Exmouth noch ein Platz auf einem Boot zu ergattern. Daher entschlossen wir uns erstmal weiter zu fahren und bei besserem Wetter noch einmal wieder zu kommen.

S7300078

Rund zwei Stunden spaeter an unserem ersten grossen Roadtrip-Etappenziel Exmouth angekommen, hatte es immerhin aufgehoert zu regnen. Vor Ort begannen wir das kleine, jedoch lang gezogene und etwas zerpflueckte 2.000 Einwohner Staedchen zu erkunden. Enden sollte unsere Tour am fuer Kleinstadtverhaeltnisse gut sortierten, jedoch knackig teuren Supermarkt, wo wir zur Feier des Tages eine Packung Kaenguruwuerstchen erstanden. Zu diesem Zeitpunkt ahnten wir jedoch nicht, dass die Zubereitung der hier heimischen Tiere in ihrer beliebtesten Form den restlichen Abend in Anspruch nehmen wuerde.

Voller Vorfreude auf diesen leckeren Imbiss gingen wir mit S(n)ack und Pack in den benachbarten Park, wo Sitzbaenke auf die in Australien ueblichen oeffentlichen Gasgrills hindeuteten. Ungluecklicherweise blieb es bei den Sitzgarnituren, wir bekamen jedoch den Tipp, dass es an der Touristeninformation den benoetigten Gasgrill geben sollte. Dort angekommen fand sich ein schoenes Plaetzchen, wir rauemten wieder saemtliche Zutaten aus dem Kofferraum und breiteten uns an der Kochstelle aus. Zu unserem Entsetzen sollte es das erste mal sein, dass man fuer die Benutzung Geld einwerfen musste. Schweren Herzens warfen wir einen Dollar ein, jedoch tat sich weiter nichts. Um nach all der Vorfreude auf die Hoppeltierwuerste nicht mit leeren Maegen dastehen zu muessen, sprachen wir ein paar Einheimische an, ob es irgendwo eine weitere Gelegenheit gaebe unser Essen warm zu machen. Einen weiteren oeffentlichen Gasgrill schien es nicht zu geben, jedoch legte man uns ans Herz, sich einfach in den benachbarten Campingplatz zu schleichen und die Kaengu-Knacker dort zu brutzeln. Da wir ja bereits erfahrene Einschleicher waren, packten wir also den ganzen Krempel in einen Rucksack und verlegten kurzerhand auf den besagten Zeltplatz, wo sich der Himmel fuer einen jeden (Gas-)Grillmeister befand. Dort traf Monique zufaellig auf eine Bekannte, mit der sie bereits in Perth zusammen gearbeitet hatte. Da unsere Schlafplatzfrage noch ungeklaert und es bereits dunkel war, holten wir uns von ihr einen Ratschlag ein. Uebernachtungen auf einem Campingplatz standen fuer uns vollkommen ausser Frage, da wir absolut nicht bereit waren die ueberteuerten Preise von rund 30$ pro Kopf und Nacht fuer eine Muetze Schlaf in unserer Dackelgarage auf einem unvergoldeten Rasen zu zahlen. Aufgrund des Wuchers hatten auch Moniques Freunde ihre erste Nacht im Auto an einem ruhigen Platz in der Stadt verbringen wollen. Jedoch war er fuer die oertliche Polizei, welche nachts gezielt nach Backpackern suchte, nicht ruhig genug und sie wurden unter Androhung einer Strafe vertrieben. Anschliessend hatten sie jedoch einige Kilometer suedlich der Stadt ihren Schlaf hinter einer Zementfabrik gefunden. So entschieden wir uns auch etwas abgelegeneres zu suchen. Etwas spaeter liessen wir also die Stadt wieder hinter uns und bogen nach einiger Zeit in eine unbefestigte Strasse ab. An der Einfahrt befand sich ein groesseres Schild mit recht viel Text. Wir lasen jedoch lediglich die Ueberschrift „Sandstein Fabrik“ und freuten uns, dass (auf 01 No Campingden ersten Blick) ansonsten keines der auffaellig grossen „Camping Verboten“ Schilder zu sehen war, welche man sonst an jeder Ecke fand. Wir folgten diesem Schotterweg auf der Suche nach einer geeigneten Nische ein ganzes Stueck, bis wir an einen weggespuelten Abschnitt kamen, welcher mit unserem Auto absolut unpassierbar war. So drehten wir um und parkten uns einfach an den Strassenrand.

Am naechsten Morgen waren wir frueh wieder in der Stadt und ich lieferte die angehende Walhai-Schwimmerin puenktlich am Sammelpunkt fuer ihren Tagesausflug ab. Ich erkundete den Tag ueber die Gegend bis ich anschliessend an einem Strand ankam, wo ich mich beschloss, mir endlich mal wieder die Haare zu schneiden und die Fussel aus dem Gesicht zu schlagen. Ich steckte also das Rasiererkabel in unseren am Zigarettenanzuender 03 Walhaiangeschlossenen Stromkonverter, startete den Motor und rasierte mir mit einem Spiegel in der Hand die Haare vom Kopf. Bei diesem Anblick bekringelten sich die Insassen der vorbeikommenden Autos vermutlich zu Recht. Den restlichen Abend liessen wir ruhig angehen, um am kommenden Tag ausgeschlafen die Jobsuche angehen zu koennen.

Nach einigen erfolglosen Tagen der Jobsuche seilten wir uns erstmal fuer einige Tage in den nahegelegenen Nationalpark ab. Als wir zurueck in die Stadt kamen, zogen wir es vor, uns erstmal nach einem neuen Schlafplatz ausserhalb der Stadt umsehen. Zwar war unser vorangegangenes Nachtlager echt gemuetlich und abgelegen, jedoch lasen wir vor Abreise das „Sandstein Fabrik“-Schild am Strasseneingang doch mal etwas genauer und stellten zu unserem Erschrecken fest, dass das Einfahren strengstens untersagt ist und Zuwiderhandlung verfolgt wird. Nach kurzer Suche fand sich eine neue Nische, nicht einmal weit von unserem letzten Nachlager entfernt. Dem ersten Anschein nach wurden wir dort nicht so kriminalisiert. Und entschieden uns, unser Glueck dort fuer eine Weile zu versuchen. Rund eine Woche ging es gut. Eines morgens wachte ich jedoch mit dem Sonnenaufgang auf und sah quer vor uns das Auto des Rangers stehen.

Scheisse!

Wir waren nach einer kurzen Nacht noch etwas zerstoert und hatten uns nichtmal eine Ausrede parat gelegt. Ungluecklicherweise waren wir auf ein echt aetzendes Exemplar eines Rangers gestossen. Wir oeffneten das Fenster und er bombardierte uns direkt mit Fragen. Warum wir dort stehen, wo wir herkamen, wie lange wir dort schon seien, wie lange wir in der Stadt bleiben wuerden etc. Wir schafften es kaum uns zu artikulieren, stammelten einigen sinnlosen Scheiss und erzaehlten ihm was vom Pferd. Er fragte uns nach unseren Paessen, die wir ihm nicht ohne weiteres in die Haende druecken wollten. So gaben wir erstmal rotzfrech unsere Fuehrerscheine heraus. Leider bemerkte der unfreundliche Herr dies nach kurzer Zeit bereits und wurde immer unaustehlicher. Es schien ihm also nicht zu gefallen, von ein paar verstrahlten Backpackern verarscht zu werden. Als er uns dann schliesslich erklaerte, dass die Hoehe der Strafe zwischen 100 und 1000 Dollar von unserer Kooperationsbereitschaft abhaengen wuerde, lenkten wir dann doch relativ schnell ein und akzetierten recht schnell die Minimalstrafe.

Nach dieser Aktion wussten wir also, dass mit dem Ranger nicht gut Kirschen essen war und wir waren uns einig, dass wir uns kein zweites Mal erwischen lassen sollten, da es sonst richtig teuer wuerde und wir ihm ohnehin erzaehlt hatten, dass wir am gleichen Tag noch die Stadt verlassen wollen. Unsere Ideenfindung zwecks eines neuen Schlafplatz schritt recht schnell voran und wir waren uns nach kuerzester Zeit einig, dass wir Penny, Moniques Chefin fragen wuerden, ob wir nicht in ihrem Restaurant schlafen koennten.

Dieser Deal sollte ohne weiteres klappen und wir schlugen kurzerhand jeden Abend zwischen den Lokaltischen unser Nachtlager auf. Da die Fliesen nicht gerade die bequemste Schlafunterlage darstellte und wir den Boden mit riesigen Spinnen und Schaben teilten, entschied ich nach einer guten Woche endlich mal eine Luftmatratze zu kaufen, was ich eigentlich bereits in Carnarvon machen wollte.

So verschlug es mich in den oertlichen gut ausgestatteten Campingzubehoer-Laden, wo ich fuer einen fairen Preis eine Doppelluftmatratze erstand. Als ich den Verkaeufer fragte, ob man das Ding gut mit Parrotsdem Mund aufblasen koennte, sorte ich fuer schallendes Gelaechter und bekam zur Antwort, dass das theoretisch moeglich waere, ich vor Fertigstellung jedoch vermutlich bewusstlos werden wuerde. So liess ich mir also noch eine elektrische Luftpumpe mit Zigarettenanzuenderanschluss andrehen und verliess als angehender Luxusschlaefer den Laden mit meinem neuen Hab und Gut.

Abends dann die puffrote Veluormatratze aufgepumpt freute ich mich endlich auf eine Nacht, ohne Druckstellen zu bekommen. Als ich irgendwann mitten in der Nacht aufwachte, musste ich jedoch zu meinem Entsetzen feststellen, dass sich mein Beckenknochen tief in die Eiskalte Fliese bohrte. Konnte es sein, dass die neue Matratze tatsaechlich Luft verlor? Ich wollte es nicht glauben und schob die Schuld auf das nicht 100%ig geschlossene Ventil. So wollte ich also noch eine zweite Nacht testen. Diesmal leider wieder mit dem gleichen Ergebnis. So trottete ich also etwas angenervt am Folgetag wieder zum Laden und bat um Umtausch, welcher mir wenigstens ohne zu murren gewaehrt wurde.

Lang genug hatte ich nun mit den Fliesen Vorlieb genommen und freute mich abschliessend auf einen luftgepolsterten Schlaf. Jedoch sollte ich wieder mitten in der Nacht auf dem Boden aufwachen. Das war nun wirklich nicht mehr lustig. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass gleich zwei defekte Matratzen ausgerechnet an mich verkauft wurden. Am naechsten Morgen inspizierte ich also genaustens die Schlafunterlage und ueberlegte schon mal, wie ich dem Verkaeufer beibringe, dass ich schon wieder einen Platten erlitten hatte. Diesmal schien es sich jedoch offenbar um einen mehr als peinlichen Anwenderfehler zu handeln. Ein Haltering hatte sich in das Ventil geschraubt, welches sich daher nicht luftdicht schliessen liess. Mit zwei Handgriffen war das Problem behoben. Wenige Tage spaeter begann das Drama dann von Neuem. Wieder wachte ich mitten in der Nacht auf, um unglaeubig und mittlerweile echt angepisst auf den nackten Fliesen aufzuwachen. Das Spiel machte ich noch eine weitere Nacht mit und entschied mich anschliessend das eventuelle Leck zu lokalisieren, um dem Verkaeufer erneut eine geschrottete Luftmatratze auf die Theke zu knallen. Da man eine 3 Quadratmeter Doppelmatratze nicht so einfach im Wassereimer auf Dichtigkeit pruefen kann, fuhren wir also am gleichen Abend in das Touristenresort, wo wir tagsueber arbeiteten. Im Dortigen Pool war die Schwachstelle schnell ausgemacht. Diesmal war eine Klebestelle eingerissen, was die Angelegenheit nicht reparabel machte. Am naechsten Tag ging es also mit der grossen Frage „Wie bringe ich es ihm bei?“ in den oertlichen Campingshop.

Dem unglaeubigen Verkaeufer knallte ich also wieder eine platte Liegewiese auf die Theke. Um die Situation etwas aufzulockern, beteuerte ich nicht nur korrektes Handling der Luftmatratze, sondern auch lautstark, dass wir nichtmal Sex auf dem Ding hatten. Beschaemtes Gleaechter ging durch den gut gefuellten Shop und der peinlich beruehrte Mann hinter dem Tresen rang eine Sekunde nach Worten. Fuer einen Moment war mir als haette ich fuer verklemmte australische Verhaeltnisse etwas ueber die Strenge geschlagen. Dennoch sollte die Aussage seinen Zweck erfuellen und der Verkaeufer sah schleunigst zu, uns ein Ersatz eines anderen Herstellers heraus zu suchen. Diesmal stellte er uns sogar eine Quittung aus, um die Matratze im zweifelsfall bei jedem beliebigen Shop zurueck geben zu koennen (nur hoffentlich nicht wieder bei ihm…) Er wuenschte uns viel Spass auf unserer neuen Schlafunterlage, wischte sich erneut den Angstschweiss von der Stirn und war heilfroh, als wir den Laden endlich wieder verliessen. Allem Anschein nach handelt es sich um ein qualitativ hochwertigeres Produkt und der nette Herr hat gute Chancen, dass ich ihn nicht wieder beehren werde, da uns unsere Reise in Kuerze endlich wieder aus Exmouth raus fuehren wuerde. Mit einer noch schneeweissen Luftmatratze sollte es also wenige Tage spaeter ins rot staubige Outback gehen.

Es gruesst

das anstoessige Schroddi



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