Schroddis Tag 466 – Warum den Kopf in den Sand stecken, wenns unter Wasser doch viel schoener ist?

14 08 2011

Ort: Km 7.587, Parkbank im Ortskern Exmouth
Ortszeit: Tag 65, 06.08.2011, 18.00 Uhr
Wetter: 21 Grad, bewoelkt
Anwesende: –

Wenn wir mal einige Tage abschalten wollten, haben wir uns gerne aus Exmouth in den nahegelegenen Cape Range Nationalpark abgeseilt. Da die sehr begrenzten Zeltplaetze im Park permanent ausgebucht sind, ist die nahezu einzige Moeglichkeit einen der kostbaren Schlafplaetze zu ergattern, morgens bei Parkoeffnung einer der Ersten am Eingang zu sein. Vor unserer Abreise in Donnybrook habe ich mir sagen 06 DDuenenlassen, dass man sich bereits um 5 Uhr anstellen sollte, um rund drei Stunden spaeter einer der Gluecklichen zu sein. Daher suchten wir uns fuer die kommende Nacht einen moeglichst nahen Schlafplatz, welcher uns nur wenige Kilometer vor Parkeingang in die Sandduenen fuehrte. Noch mitten in der Nacht ging es in der Dunkelheit auf zur Warteschlange, wo wir das Zweite von spaeter zehn Autos waren und somit einen der vier freien Campingplaetze ergatterten. Nach drei weiteren Stunden Schlaf erhielten wir letztendlich das heiss ersehnte Ticket und fuhren stolz wie Harry in den Park. Zwar bekamen wir nur zwei der gewuenschten drei Naechte, jedoch sollte das unsere Freude erstmal nicht trueben. Bei der Fahrt nach Sueden, wo man auf der einen Seite einen kleinen Gebirgszug und auf der anderen Seite einige der Emuschoensten Straende der Australiens hat, kreuzten direkt vor unserem Auto nicht nur Kangaroos, sondern auch noch eine Gruppe Emus die Strasse. Wir waren also schon mal gewarnt extrem vorsichtig zu fahren und es sollte nur eine zarte Andeutung von dem sein, was uns am kommenden Tag noch erwarten wuerde. Als wir dann wenig spaeter in der Turquoise Bay ankamen und das tuerkise Wasser schimmern sahen, hielt es uns nicht laenger an Land. Wir schnallten uns diese uebergrossen Dinger an die Fuesse, mit welchen man unmoeglich vorwarts laufen kann, setzten wasserdichte Brillen auf, steckten uns Plastikrohre in den Mund und Photo20_6Asprangen ins angenehm warme Nass. Neben Schildkroeten, Rochen und kunterbuntem tropischen Fisch gab es ausserdem die schillernde Korallenlandschaft des Ningaloo Riff zu bewundern. Nachdem wir am Nachmittag dann unser Zelt aufgestellt hatten, sassen wir am Strand mit unseren sieben Nachbarparteien im Stuhlkreis und hatten eine ganz witzige Runde, bei der die aelteren Herren ploetzlich zu Bullenbaendigern, Outbackcowboys und Haifaengern (natuerlich mit blossen Haenden) wurden.

07 Ray

Der naechste Tag begann etwas wolkig und windig, sodass nur ich mich morgens zur Flut am Oyster Stacks Strand ins Wasser traute, dafur jedoch mit einem wunderbar fischreichen Schnorchelgang belohnt wurde. Um uns anschliessend aufzuwaermen, goennten wir uns eine rund 4km lange Wanderung entlang einer etwas unwirklich wirkenden Schlucht. Nach dem darauf folgenden Schnorchelgang folgte noch ein nicht ganz unwichtiger Programmpunkt: Mission „Кontakt mit der Aussenwelt

Dafuer hatten wir knapp 55km zu einem Leuchtturm zu fahren, welcher auf einem etwas groesseren Huegel gelegen war und somit Handyempfang ermoeglichte. Man kann dort jedoch nicht nur telefonieren, sondern auch wunderbar Wale beobachten und bei guter Pasta gnadenlos die Zeit vergessen.

08 Hoppeltier

Als wir satt und bereit fuer den Heimweg waren, blieb uns noch rund eine halbe Stunde bis zum Sonnenuntergang, was bedeutete, dass bereits Kaenguruzeit angebrochen war. Ungluecklicherweise lagen vor uns noch rund 55 Kilometer durch Territorium des treudoofen Hoppeltiers. Bereits nach wenigen Kilometern tauchten die ersten potenziellen Salamis am Strassenrand auf. Es wurden immer mehr und binnen kuerzester Zeit liessen sich keine 50 Meter mehr fahren, ohne, dass nicht jemand unangekuendigt die Strasse ueberquerte oder einfach nur froehlich kauend am Strassenrand eine Bedrohung fuer sich und Andere darstellte. Wir drosselten das Tempo auf nahezu stop and go und poebelten die leichtsinnigen Kaengurus und Wallabies gut gelaunt an. Nach knapp zwei Stunden waren die 50 Kilometer dann endlich geschafft und wir erreichten nach einer Tortur aehnlich dem frankfurter Berufsverkehrs endlich unser einsames Zelt.

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Den naechsten Morgen mussten wir unseren Strandschlafplatz leider wieder raeumen und machten uns anschliessend einen gemuetlichen Strandtag. Als wir dann am spaeten Nachmittag kurz vor Aufbruchszeit noch ein letztes Mal im bei Ebbe nur knapp knietiefen Wasser plantschten, trauten wir unseren Augen kaum als doch tatsaechlich nur wenige Meter von uns einige Riffhaie auftauchten und unbeeindruckt von den zaehen Zweibeinern auf Beutejagd gingen. Da wir noch den kommenden Sontag zur Verfuegung hatten, jedoch keinen Schlafplatz mehr bekommen konnten, verliessen wir gegen Abend den Nationalpark und schlugen in den benachbarten Sandduenen wieder unser Nachtlager auf.

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Als wir am naechsten Morgen in aller Fruehe aufstanden, um puenktlich vor Parkoeffnung wieder an den Traumstraenden aufzuschlagen, tauchte vor unserem Auto ein wunderschoener Hund auf. Als er uns bemerkte, flitzte er sofort zurueck in den Busch und beobachtete uns skeptisch aus der Ferne. Es hatte in aller Fruehe eine Sekunde gedauert, um zu schalten, dass es sich nicht um einen normalen Hund, sondern einen wilden Dingo handelte. Der Rest des Tages verlief sowohl ueber als auch unter Wasser relativ unspektakulaer. Das unumstrittene Highlight des Tages war wohl die erste Suesswasserdusche seit Tagen auf dem Weg zurueck nach Exmouth.

Bei unserem zweiten Abstecher in den Park blieb uns jedoch nur eine Nacht, fuer die wir schlau wie Fuchs unseren Schlafplatz vorab im Internet gebucht hatten. So goennten wir uns einen schoenen Strandtag und tauchten erst am spaeten Nachmittag an unserem 9 Plaetze umfassenden Zeltplatz auf. Noch waehrend wir alles fuer die Nacht vorbereiteten, traffen sich alle anderen Platzrentner in den Duenen zu einem Drink bei einem Plausch mit gleichzeitiger Walbeobachtung. Wenig spaeter gesellten wir uns dazu, um mal „Hallo“ zu sagen, verschwanden jedoch wenig spaeter bereits zu einem Strandspatziergang, welcher sich bis zwei Stunden in die Dunkelheit hinein zog. Meine Stirnlampe hatte ich wenige Tage zuvor, das erste Mal in Australien, mit neuen Batterien gefuettert.

Spinne

Waehrend ich umher leuchtete, fielen mir ueberall kleine baeuliche Reflektionen auf. Bei naeherem Hinsehen entpuppten sich diese Reflektionen als Spinnenaugen, was die Angelegenheit interessant machte. Es gab nicht einen Quadratmeter auf dem nicht wenigstens eine Spinne zwischen Cent- und Handflaechengroesse befand. Belustigt von der Spinnensuche kamen wir wieder ueber die Duenen zurueck an den Campingplatz, wo wir ploetzlich auf eine Meute aufgescheuchter Rentner trafen. Sie hatten unsere Flip Flops noch in den Duenen stehen sehen, uns jedoch vermisst und suchten daher besorgt nach uns. Stolz wollte ich einem der Opis meine Spinnenentdeckung mit der Taschenlampe vorfuehren. Wie ich erst spaeter herausfand, liessen sich die Reflektionen jedoch nur erkennen, wenn man selbst die Lampe am Kopf trug. Im Nachhinein will ich nicht wissen, was die Herrschaften wohl gedacht haben, als wir nach Stunden vom Strand zurueck kamen und irgendwas von ueberall leuchtenden Spinnenaugen faselten.

Nachdem wir am folgenden und letzten Strandtag im Park noch einem Rochen mit einer Spannweite von rund 2 Metern begegnet sind, weckte das meine Lust nach mehr. Ich entschied mich also noch mindestens einen Tauchgang am oertlichen Navy Pier zu machen.

Pier

Ich schlenderte also in die Tauchbasis des einzigen lizensierten Tauchanbieters, welcher die Tauchgaenge auf der Militaerbasis durchfuehren durfte. Leider war man etwas verunsichert, da ich nur lediglich seit auf den Tag 11 Jahren nicht mehr getaucht bin. So noetigte man mich also einen mehrstuendigen Auffrischungstest bestehend aus Theorie und Praxis im Schwimmbecken zu absolvieren. Gluecklicherweise liess sich noch ein bereits im Feierabend befindlicher Instruktor mobilisieren, sodass ich noch am gleichen Nachmittag den Kurs machen und am naechsten Morgen mit auf die Tour konnte. Die Auffrischung war also mit Leichtigkeit bewaeltigt und es sollte frueh am naechsten Morgen losgehen. Das Ziel war der bereits erwaehnte Navy Pier, welcher im kalten Krieg von den Amerikanern errichtet wurde, um 15km noerdlich von Exmouth einen der groessten Niedrigfrequenzsender der Welt zu bauen (woraus 1967 die Stadtgruendung resultierte).

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Diese Stahlkonstruktion ist unter Wasser stark mit Korallen jeder Art bewachsen und beherbergt neben Riesenzackenbarschen, Barrakudas, Seeschlangen und bis 3m grossen Haien noch jede Menge anderer Attraktionen. Nicht ohne Grund wird dieser Ort als einer der besten Tauchspots weltweit gehandelt. Nach einem Briefing verlegten wir also in einem Bus und einem Anhaenger voller prall gefuellter Druckluftflaschen auf die Militaerbasis, wo wir nach einer Passkontrolle endlich den Pier erreichten. Es folgte ein Tauchgang der jeden einzelnen der viel zu vielen Dollars wert war. Ich hatte wieder Blut geleckt und entschied mich kurz vor Abreise noch ein weiteres, wesentlich guenstigeres Angebot zu nutzen und zwei weitere Unterwasser-Exkursoinen in einer nahegelegenen Bucht zu unternehmen.

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Am drittletzten Tag in Exmouth sollte es so weit sein und ich quaelte mich unmenschlich frueh zur Tauchbasis. Schnell ging es in den Bus, welcher uns zum rund 50 Kilometer entfernt gelegenen Tauchboot bringen sollte. Nach etwa der halben Strecke erreichte uns jedoch der ernuechternde Anruf des Skippers, welcher freundlichst mitteilte, dass es an diesem Tag zum Auslaufen zu stuermisch sei. Etwas enttaeuscht drehten wir um und ich schob meinen Tauchgang auf den Morgen vor unserem Abreisetag. Leider sollte auch dieser Tauchgang mangels Teilnehmern ins Wasser fallen, man bot mir jedoch an, stattdessen am gleichen Tag zum gleichen Preis mit an den Pier zu kommen. Ich schlug sofort zu und freute mich auf zwei weitere geniale Tauchgaenge an diesem stark belebten Ort.

Der Wind hatte sich gelegt und wir fuhren erneut und erwartungsfroh auf die Militaerbasis. Als der Pier dann endlich zu sehen war, klappten sich jedoch spontan alle unsere Mundwinkel nach unten als wir den dortigen Seegang erblickten. Nahezu 2 Meter hohe Wellen brachen sich am Pier und sollten die Tauchgaenge zu einem gefaehrlichen Vergnuegen machen. Da sich die Verhaeltnisse an der dortigen Landzunge extrem schnell aendern koennen, beschlossen wir an Land noch eine Weile auf Besserung zu warten und uns derweil die Baeuche mit Kuchen, Fruechten und belegten Broten zu fuellen. Als sich jedoch die Lage nicht bessern wollte, stiegen wir mal wieder in den Bus und fuhren unverrichteter Dinge zurueck in die Stadt. Es konnte doch nicht sein, dass mir Exmouth noch die letzten Tauchgaenge verhagelt. So wollte ich einen letzten Anlauf an unserem Abfahrtstag wagen und hatte endlich das benoetigte Glueck. Alles ging sehr schnell. Das Briefing wurde aufgrund der guten, jedoch wackeligen Wetterbedingungen von 30 auf nur 3 Minuten verkuerzt und es ging im Eiltempo mit dem Bus aus der Stadt. Diesmal war uns das Wasser gnaedig und wir konnten zwei super Tauchgaenge durchfuehren und einiges Entdecken.

Nun war ich auch bereit Exmouth endlich zu verlassen und es ging keine 3 Stunden spaeter endlich wieder aus der Stadt, welche nicht unbedingt schlecht zu uns war, uns jedoch mittlerweile echt auf die Nerven ging.

Es gruesst das Tiefsee Monster Schroddi



Schroddis Tag 465 – Vier Jobs und ein Todesfall

14 08 2011

Ort: Km 7.562, Parkbank im Ortskern Exmouth
Ortszeit: Tag 64, 05.08.2011, 18.00 Uhr
Wetter: 23 Grad, sonnig
Anwesende: Sich kloppende Voegel

Nach den ersten Tagen Orientierungslauf in Exmouth ging es dann langsam an den ernsten Teil die Jobsuche. In der Stadt war unsere erste Anlaufstelle das schwarze Brett im Ortskern. Dort hingen zu unserer Freude einige Jobanzeigen aus, wie es uns zuvor von diversen Leuten Prophezeit wurde. Wir fotografierten alles ab und versuchten die entsprechenden Arbeitgeber heimzusuchen. Von den verantwortlichen Managern bekamen wir leider beinahe ausnahmslos zu hoeren, dass die ausgeschriebenen Stellen bereits besetzt waren. Anfangs zweifelten wir etwas an unserem Auftreten und hielten die Absagen nur fuer faule Ausreden, jedoch sollten wir zwei Tage spaeter feststellen, dass saemtliche Jobanzeigen nach der einwoechigen Aushangszeit wieder vom schwarzen Brett verschwunden waren. Es schien also als waeren wir lediglich einige Tage zu spaet in den Ort gekommen.

So blieb uns nichts anderes uebrig als einfach mal auf Verdacht saemtliche potentiellen Arbeitgeber abzuklappern. Zwei Tage und rund 30 Bewerbungen spaeter die deprimierende Ausbeute gleich Null. Daher entschieden wir uns kurzfristig erstmal im rund 40 km entfernten Cape Range Nationalpart abzutauchen, um dort ein wenig das groesste Kuestenriff der Welt zu erschnorcheln. Den kommenden Freitag wollten wir noch einmal Kontakt mit der Aussenwelt aufzunehmen, um zu checken, ob sich auch hoffentlich keiner der potentiellen Arbeitgebern gemeldet hat, um das folgende Wochenende mal ordentlich von den vergangenen 4 Wochen Urlaub entspannen zu koennen. Um dafuer noetogen Handy- und Internetempfang zu bekommen, fuhren wir also rund 55km zu einem auf einem Huegel gelegenen Leuchtturm. Ungluecklicherweise fanden sich tatsaechlich zwei Nachrichten auf meiner Mailbox.

Eine Tierarztpraxis, sowie ein Fish & Chips laden wollten Monique zum naechsten Wochenstart zum Probearbeiten haben. Waehrend Monique den folgenden Montag ihren ersten Arbeitstag hinter sich brachte, konzentrierte ich mich am Strand mental auf die anstehende Jobsuche meinerseits. Was stand fuer mich also noch zur Auswahl? Ich koennte erneut alle Campingplaetze abklappern, nochmal in den Restaurants vorstellig werden oder versuchen als Freiwilliger auf einem Tauchboot anzuheuern, um dabei einige Tauchgaenge abstauben. Nachdem ich diesen komplexen Sachverhalt mit einem entspannten Nickerchen in der Sonne analysiert hatte, stand ueberraschenderweise die Entscheidung fest, dass ich eigentlich gar keine Lust zum Arbeiten habe, jedoch die Tauchboot Idee gar nicht schlecht klang. Am naechsten Tag fuhr ich also auf der Suche nach dem kostenlosen Tauchvergnuegen saemtliche entsprechende Anlaufsstellen an. Schnell stellte ich fest, das die Frage nach einem Job mit panischer Abwehrhaltung beantwortet wurde. Fuegte man jedoch nachtraeglich das Wort ‚ehrenamtlichhinzu, atmeten die meisten erleichtert auf. Ungluecklicherweise sollte etwas derartiges jedoch ausnahmslos an meinen mangelnden Qualifikationen scheitern.

Mounique sollte auch nach dem Probearbeiten ihre Jobs behalten und ich verbummelte mir gemuetlich dieTage und wollte es anschliessend mit einer anderen Taktik versuchen. Getreu dem Motto: „Das Glueck ist mit den Faulen“, beschloss ich einfach, dass die Jobs eben zu mir kommen sollen, wenn ich schon nicht den Weg zu ihnen finde.

So liess ich ein Jobgesuch am oertlichen schwarzen Brett aushaengen und behielt entspannt mein Handy im Auge. Die naechsten Tage verbrachten wir einige Zeit mit Penny, Moniques Chefin aus der Fish & Chips Bude. Eines Abends sassen wir nach Feierabend im Aussenbereich, als es ploetzlich einen lauten Schlag tat und man einen Hund herzzerreissend jaulen hoerte. In diesem Moment hatte es Bonsai, Pennys Deutsche Dogge/Irischer Wolfshund-Mischling auf ein Kraeftemessen mit einem herannahenden Auto angelegt.

Bonsai

Der Hund hatte sich offensichtlich etwas in der Schulter gebrochen und blutete deutlich aus dem Brustkorb. Die schnell zur Hilfe gekommene Polizei bot sich gleich an, den Hund an Ort und Stelle zu erschiessen, jedoch wollten wir das Tier erstmal zum Tierarzt bringen. Ungluecklicherweise befand sich an diesem Wochenende keiner der zwei hiesigen Aerzte im Ort. So bekam Bonsai erstmal Schmerz- und Beruhigungsmittel und eine Taxifahrt im Polizeiauto zurueck zum Lokal. Dort gelang es uns nach stundenlangen Kompressenhalten die Blutung weitestgehend zu stoppen und stabilisierten dem armen Kerl soweit, dass er das Wochenende ueberleben wuerde, um am Montag dann endlich in der Praxis vorstellig zu werden. Dort liess man das arme Tier schweren Herzens nach zwei langen Tagen einschlafen. Den kommenden Nachmittag nutzten wir dann, um eine feierliche Beerdigung des kanpp 50 Kilo schweren Bonsai in den Sandduenen zu begehen.

Spaeter zurueck am Lokal hielt ganz unvermittelt ein Auto mit einem bulligen Stafford Terrier auf der Ladeflaeche neben uns. Der kleine, irgendwie lustig aussehende Fahrer war uns schon oefter begegnet, sprang aus seinem Auto und merkte an, dass wir ja auch ueberall nur rumhaengen und offensichtlich nichts zu tun haben. Recht hatte er (zumindest was mich betraf) und fragte uns, ob wir nicht Lust haetten, ueber den Tag fuer etwas Geld auf seinen Hund aufzupassen. Ich schlug sofort zu und freute mich schon auf stundenlange Spatziergaenge auf Kinderspielplaetzen mit meiner Kampftoele.

Die naechsten Tage passierte jedoch in der Hinsicht nicht viel. So begann ich vor Lauter Langeweile Moniques hoffnungslos ueberforderten Chefin rund um das Lokal zur Hand zu gehen. Irgendwie war in Exmouth alles nicht so gelaufen, wie wir uns das Gedacht hatten. So liessen wir bei der oertlichen Werkstatt fuer еnglaublich guenstige330 Dollar unsere defekte Wasserpumpe am Auto richten und planten wenige Tage spaeter wieder aufzubrechen.

Am Tag als ich dann endlich den ersehnten Werkstatttermin antreten konnte, klingelte unerwartet mein Handy. Es war Graig, der Kampfhundbesitzer, welcher fuer den restlichen Tag seinen Hund loswerden musste. Ich sagte zu und bekam gesagt, wo ich schnellstmoeglich Buddy, den Stafford abholen konnte. So lief ich anschliessend zur oertlichen Schule, wo ich meinen Schutzbefohlenen an Graig’s Auto im Schatten angebunden vorfand.

Da ich bis dato noch keine Erfahrung im Entfuehren von Kampfhunden hatte, tastete ich mich langsam heran und siehe da, es funktionierte. Etwas verwirrt drehte sich Buddy immer wieder um und wusste nicht so recht, wie ihm geschieht. Dennoch liess er sich von mir ziehen, wo ich mit ihm hin wollte, naemlich zum nahegelegenen Lokal, wo Monique bereits auf uns wartete. Im Hof angekommen verschloss ich das Gate und konnte das Kraftpaket mal von der Leine lassen. Er machte direkt deutlich, was er von der Aktion hielt und schiss gepflegt mitten in den Hof. Als er dann anschliessend versuchte durch den Zaun zu entkommen, daemmerte mir, dass es wohl doch nicht so leicht verdientes Geld werden koennte, wie ich mir das vorgestellt hatte. Zu dritt brachen wir dann anschliessend auf, um Monique puenktlich um 9 Uhr zur Arbeit zu bringen. Von da an standen mir noch rund 6 lange Stunden mit meinem Zugtier bevor. Da Buddy weder rasten wollte, noch besonders begeistert schien, entschloss ich mich mit ihm eine lange Strandwanderung zu machen. Nach einem recht beschwerlichen und pausenlosen Weg in der prallen Sonne, kamen wir nach rund 3 Stunden halb verdurstet wieder am Fish & Chips Shop an, wo wir uns beide erstmal eine Erfrischung goennten. Auch nach dieser Strecke liess sich Buddy nicht beruhigen und jaulte nach wenigen Minuten unueberhoerbar nach Herrchen. So blieb mir also nichts anderes uebrig als weiter mit ihm spatzieren zu gehen. An meinen Fuessen hatte ich mittlerweile dicke Blasen von den Flip Flops und versuchte daher weitestgehend Barfuss weiter zu laufen. Wir drehten also eine weitere lange Runde am Strand. Als meine Fuesse irgendwann nicht mehr wollten, liess ich mich im Schatten einer Palme nieder und endlich schien auch Buddy mal etwas muede zu werden. So sassen wir einige Minuten friedlich im Schatten und entspannten. Als ueberraschend mein Handy klingelte. Es war ein Touristenresort, welcher eigentlich Monique zwecks Arbeit sprechen wollte. Ich teilte ihnen mit, dass sie derzeit arbeiten ist und vermutlich keinen Job mehr brauche. So bot man also mir einen Job an. Bereits resigniert sagte ich, dass wir voraussichtlich in wenigen Tagen die Stadt verlassen wuerden und wuenschte ihr einen schoenen Tag. Irgendwie hatte mich der Anruf jedoch neugierig gemacht und ich beschloss mit Buddy noch mal einen Abstecher im Resort zu machen.

15 Minuten spaeter schlug ich voellig verdreckt und verschwitzt mit Vollbart und aermellosen Shirt wie der letzte Mensch in der Rezeption auf und traf auf Bronwyn, der dortigen Managerin. Sie erzaehlte mir etwas von einem Hausmeister Job, was wirklich interessant und nach leicht verdientem Geld klang. So verbliebt ich mit ihr, dass ich noch kurz Ruecksprache mit meiner Reisebegleitung halten wolle und mich dann wieder bei ihr melde.

Kurzer Spatziergang

Kurzer Spatziergang

Also schleppte mich Buddy anschliessend wieder zur Tierarztpraxis, um puentlich zu Feierabend Monique abzuholen und gemeinsam wieder zurueck zum Lokal zu gehen, wo wir meinen Vierbeiner mit einer mittlerweile beachtlich lang heraushaengenden Zunge endlich wieder mit Fluessigkeit versorgen konnten. Nach 6,5 Stunden, rund 20km und mindestens 4 Blasen kamen ich mit meinen wunden Fuessen endlich an meinem Ziel an.

Auch Buddy musste unsere Tour mittlerweile ganz ordentlich zugesetzt haben. Er kippte sich einen halben Liter Wasser hinter die Binde, legte sich in den Schatten und liess die Welt mal Welt sein. Selbst als sein Herrchen vorbei kam, um den Kleinen endlich abzuholen, hatte er kaum noch die Kraft sich ueber irgendwas zu freuen, legte sich auf die Ladeflaeche des Autos und schlief weiter. Ich hatte dieses Kraftpaket also besiegt, jedoch nicht ohne deutliche Kampfspuren. Urspruenglich wollte mir Graig fuer meine Dienste 40 Dollar da lassen, als ich ihm jedoch meine Geschichte erzaehlte, die Blasen zeigte und er seinen erschreckend erschlagenen Hund sah, packte ihn wohl das Mitleid und er drueckte mir letztendlich 50 Dollar in die Hand. Hey, hey, mein erstes (zugegebenermassen hart) verdientes Geld in Exmouth! Nachdem ich endlich mein Zugtier los war, stand ein letzter Marsch des Tages an. Naemlich zur Werkstatt, um endlich wieder einen fahrbaren Untersatz zu bekommen.. Damit fuhren Monique und ich dann zum Touristenresort, um Bronwyn die frohe Botschaft zu ueberbringen, dass wir nun doch noch einige Wochen in Exmouth bleiben wuerden und ich den Job annehme. Bei der Gelegenheit hakte auch Monique gleich noch nach, ob nicht fuer sie

Des Hausmeisters Spielplatz

Des Hausmeisters Spielplatz

auch noch etwas Arbeit abgreifbar sei. Wie es der Zufall will, bekam sie zu ihrem Glueck noch ein paar Vormittage woechentlich als Zimmermaedchen angeboten und schlug zu. Fuer sie passte es nun perfekt. Vormittags Arbeit im Resort, Nachmittags in der Tierarztpraxis und abends dann in der Frittenbude. Ich hatte die letzten Wochen nun wirklich genug ruhige Kugeln durch die Gegend geschoben und bekam nun auch Lust wieder zu arbeiten.

So klapperte ich erneut die einzigen beiden Restaurants ab, die gross genug sind, um eine reine Spuelkraft zu unterhalten. Irgendwie sollte mein Timing nicht ganz gluecklich sein. Im italienischen Restaurant hatte man erst den Tag zuvor einen neuen Tellerwaescher eingestellt, nachdem ich gross die Werbetrommel ruehrte, notierte man sich doch mal meine Nummer, falls sich der Neue als Niete erweisen wuerde.

Am folgenden Tag klingelte dann mein Handy und ratet mal, wer da dran war 🙂

Yep, so schnell hatte ich ploetzlich meinen zweiten Job, der mir nahezu zugeflogen ist. Mit beiden Jobs sollte ich in Kuerze ein Vermoegen verdienen koennen.

Nachdem ich tags drauf von Acht bis 16 Uhr meinen Hausmeisterpflichten im Resort nachgekommen war, begab ich mich bereits eine Stunde spaeter ins Restaurant, um den Abend mit Spuelhaenden ausklingen zu lassen.

Entgegen meiner Erwartungen handelte es sich jedoch um Teller Waschen in seiner reinsten Form und hielt mich nonstop fuer die naechsten gut 7,5 Stunden in Atem. Zur Geisterstunde verliess ich dann abgeschlagen den Italiener und war mir sicher, dass 15,5 Stunden taeglicher koerperlicher Arbeit fuer einen alten Sack wie mich einfach zu viel waren. Damals war ich noch jung und brauchte das Geld aber mittlerweile bin ich zu alt fuer den Scheiss und muss meine alten Knochen schonen. Also schmiss ich den Tellerwaescher Job bereits am naechsten Tag und konzentrierte mich weiterhin auf mein Koennen als Hausmeister.

Bereits nach einigen Tagen frass mir meine Chefin Bronwyn aus der Hand und am Ende unseres rund zweiwoechigen Arbeitsintermezzos wollte sie uns gar nicht mehr gehen lassen.

Auch Moniques Chefin Penny liess uns nicht gerne gehen, da wir mittlerweile ein wichtiger Bestandteil ihres Ladens waren und wir die Lokalitaet in ehrenamtlicher Arbeit ordentlich aufgehuebscht haben.

So hatte ich als Hundesitter, ehrenamtliches Allround-Talent, Hausmeister & Landschaftsgaertner und Tellerwaescher in zwei Wochen noch beinahe ungewollt 4 Jobs abgegriffen.

Soll doch mal einer behaupten das Glueck sei nicht mit den Faulen…

Es gruesst der faule Schroddisack



Schroddis Tag 464 – Der Ranger und die Lochmatratzenmisere

14 08 2011

Ort: Km 7.524, Parkbank im Ortskern Exmouth
Ortszeit: Tag 63, 04.08.2011, 18.30 Uhr
Wetter: 23 Grad, sonnig
Anwesende: keine

Endlich hatten wir Carnarvon verlassen und waren wieder auf der Strasse nach Norden. Wie bereits die vergangenen rund 200 Highwaykilometer war es wieder ein endlos anmutendes Geradeausstueck mit langweiliger buschiger Landschaft ohne jegliche Abfahrten, die Abenteuer in Form von Schlammloechern oder aehnlichem versprachen. Etwa 300 Kilometer standen uns bis zu unserem ersten grossen Etappenziel Exmouth bevor. Da Monique aufgrund diverser ungeplanter Autoreparaturen mit einem relativ schmalen Budget losgereist ist, sollte Exmouth die naechstbeste Gelegenheit sein, einen Job zu finden und etwas Geld zu verdienen. Ohnehin waere dies ein schoener Ort, um etwas zu verweilen, da er direkt am groessten Kuestenriff der Welt, dem Ningaloo Riff gelegen ist. Gegen Nachmittag erreichten wir noch rund eine Fahrstunde vor Coral Bay einen Rastplatz, auf dem wir uns ueber Nacht einrichteten und ich endlich mal die letzten beiden Blogeintraege abtippen konnte.

Der Wetterbericht versprach strahlenden Sonnenschein fuer den naechsten Tag und wir freuten uns tierisch auf Schnorcheln im Riff. Als wir nach einer ruhigen Nacht aufwachten, hing der Himmel voll mit tiefschwarzen Wolken und uns wurde bewusst, dass der Wetterbericht mal wieder von der falschen Seite in seine Plexiglaskugel geschaut hatte. Dennoch war es warm und (noch) trocken. So machten wir uns auf den Weg in die 200 Einwohner Gemeinde Coral Bay. Auf halber Strecke oeffnete dann der Himmel seine Pforten und bis wir in Coral Bay angekommen waren dachten wir bereits ueber einen Aussenbord-Motor fuer unser Gefaehrt nach. Trotz der eingeschraenkten Sicht war der Blick aufs Meer einfach umwerfend. Es hatte die schillernsten Farben und bereits vom Strand aus sah man die Korallenbloecke kurz unter der Wasseroberflaeche so weit das Auge reichte. Dennoch truebte das Wetter die Schnorchellaune ein wenig. Moniques grosser Traum war ein Badevergnuegen mit den bis zu 12 Metern grossen Walhaien, dem groessten Fisch auf dem Planeten. Daher ging sie in eine der Agenturen, um eine Tour zu Buchen. Zu ihrem Schrecken teilte man ihr jedoch mit, dass die Walhai-Saison in Coral Bay bereits vor 3 Wochen beendet wurde. Gluecklicherweise war fuer den naechsten Morgen im 150km entfernten Nachbarort Exmouth noch ein Platz auf einem Boot zu ergattern. Daher entschlossen wir uns erstmal weiter zu fahren und bei besserem Wetter noch einmal wieder zu kommen.

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Rund zwei Stunden spaeter an unserem ersten grossen Roadtrip-Etappenziel Exmouth angekommen, hatte es immerhin aufgehoert zu regnen. Vor Ort begannen wir das kleine, jedoch lang gezogene und etwas zerpflueckte 2.000 Einwohner Staedchen zu erkunden. Enden sollte unsere Tour am fuer Kleinstadtverhaeltnisse gut sortierten, jedoch knackig teuren Supermarkt, wo wir zur Feier des Tages eine Packung Kaenguruwuerstchen erstanden. Zu diesem Zeitpunkt ahnten wir jedoch nicht, dass die Zubereitung der hier heimischen Tiere in ihrer beliebtesten Form den restlichen Abend in Anspruch nehmen wuerde.

Voller Vorfreude auf diesen leckeren Imbiss gingen wir mit S(n)ack und Pack in den benachbarten Park, wo Sitzbaenke auf die in Australien ueblichen oeffentlichen Gasgrills hindeuteten. Ungluecklicherweise blieb es bei den Sitzgarnituren, wir bekamen jedoch den Tipp, dass es an der Touristeninformation den benoetigten Gasgrill geben sollte. Dort angekommen fand sich ein schoenes Plaetzchen, wir rauemten wieder saemtliche Zutaten aus dem Kofferraum und breiteten uns an der Kochstelle aus. Zu unserem Entsetzen sollte es das erste mal sein, dass man fuer die Benutzung Geld einwerfen musste. Schweren Herzens warfen wir einen Dollar ein, jedoch tat sich weiter nichts. Um nach all der Vorfreude auf die Hoppeltierwuerste nicht mit leeren Maegen dastehen zu muessen, sprachen wir ein paar Einheimische an, ob es irgendwo eine weitere Gelegenheit gaebe unser Essen warm zu machen. Einen weiteren oeffentlichen Gasgrill schien es nicht zu geben, jedoch legte man uns ans Herz, sich einfach in den benachbarten Campingplatz zu schleichen und die Kaengu-Knacker dort zu brutzeln. Da wir ja bereits erfahrene Einschleicher waren, packten wir also den ganzen Krempel in einen Rucksack und verlegten kurzerhand auf den besagten Zeltplatz, wo sich der Himmel fuer einen jeden (Gas-)Grillmeister befand. Dort traf Monique zufaellig auf eine Bekannte, mit der sie bereits in Perth zusammen gearbeitet hatte. Da unsere Schlafplatzfrage noch ungeklaert und es bereits dunkel war, holten wir uns von ihr einen Ratschlag ein. Uebernachtungen auf einem Campingplatz standen fuer uns vollkommen ausser Frage, da wir absolut nicht bereit waren die ueberteuerten Preise von rund 30$ pro Kopf und Nacht fuer eine Muetze Schlaf in unserer Dackelgarage auf einem unvergoldeten Rasen zu zahlen. Aufgrund des Wuchers hatten auch Moniques Freunde ihre erste Nacht im Auto an einem ruhigen Platz in der Stadt verbringen wollen. Jedoch war er fuer die oertliche Polizei, welche nachts gezielt nach Backpackern suchte, nicht ruhig genug und sie wurden unter Androhung einer Strafe vertrieben. Anschliessend hatten sie jedoch einige Kilometer suedlich der Stadt ihren Schlaf hinter einer Zementfabrik gefunden. So entschieden wir uns auch etwas abgelegeneres zu suchen. Etwas spaeter liessen wir also die Stadt wieder hinter uns und bogen nach einiger Zeit in eine unbefestigte Strasse ab. An der Einfahrt befand sich ein groesseres Schild mit recht viel Text. Wir lasen jedoch lediglich die Ueberschrift „Sandstein Fabrik“ und freuten uns, dass (auf 01 No Campingden ersten Blick) ansonsten keines der auffaellig grossen „Camping Verboten“ Schilder zu sehen war, welche man sonst an jeder Ecke fand. Wir folgten diesem Schotterweg auf der Suche nach einer geeigneten Nische ein ganzes Stueck, bis wir an einen weggespuelten Abschnitt kamen, welcher mit unserem Auto absolut unpassierbar war. So drehten wir um und parkten uns einfach an den Strassenrand.

Am naechsten Morgen waren wir frueh wieder in der Stadt und ich lieferte die angehende Walhai-Schwimmerin puenktlich am Sammelpunkt fuer ihren Tagesausflug ab. Ich erkundete den Tag ueber die Gegend bis ich anschliessend an einem Strand ankam, wo ich mich beschloss, mir endlich mal wieder die Haare zu schneiden und die Fussel aus dem Gesicht zu schlagen. Ich steckte also das Rasiererkabel in unseren am Zigarettenanzuender 03 Walhaiangeschlossenen Stromkonverter, startete den Motor und rasierte mir mit einem Spiegel in der Hand die Haare vom Kopf. Bei diesem Anblick bekringelten sich die Insassen der vorbeikommenden Autos vermutlich zu Recht. Den restlichen Abend liessen wir ruhig angehen, um am kommenden Tag ausgeschlafen die Jobsuche angehen zu koennen.

Nach einigen erfolglosen Tagen der Jobsuche seilten wir uns erstmal fuer einige Tage in den nahegelegenen Nationalpark ab. Als wir zurueck in die Stadt kamen, zogen wir es vor, uns erstmal nach einem neuen Schlafplatz ausserhalb der Stadt umsehen. Zwar war unser vorangegangenes Nachtlager echt gemuetlich und abgelegen, jedoch lasen wir vor Abreise das „Sandstein Fabrik“-Schild am Strasseneingang doch mal etwas genauer und stellten zu unserem Erschrecken fest, dass das Einfahren strengstens untersagt ist und Zuwiderhandlung verfolgt wird. Nach kurzer Suche fand sich eine neue Nische, nicht einmal weit von unserem letzten Nachlager entfernt. Dem ersten Anschein nach wurden wir dort nicht so kriminalisiert. Und entschieden uns, unser Glueck dort fuer eine Weile zu versuchen. Rund eine Woche ging es gut. Eines morgens wachte ich jedoch mit dem Sonnenaufgang auf und sah quer vor uns das Auto des Rangers stehen.

Scheisse!

Wir waren nach einer kurzen Nacht noch etwas zerstoert und hatten uns nichtmal eine Ausrede parat gelegt. Ungluecklicherweise waren wir auf ein echt aetzendes Exemplar eines Rangers gestossen. Wir oeffneten das Fenster und er bombardierte uns direkt mit Fragen. Warum wir dort stehen, wo wir herkamen, wie lange wir dort schon seien, wie lange wir in der Stadt bleiben wuerden etc. Wir schafften es kaum uns zu artikulieren, stammelten einigen sinnlosen Scheiss und erzaehlten ihm was vom Pferd. Er fragte uns nach unseren Paessen, die wir ihm nicht ohne weiteres in die Haende druecken wollten. So gaben wir erstmal rotzfrech unsere Fuehrerscheine heraus. Leider bemerkte der unfreundliche Herr dies nach kurzer Zeit bereits und wurde immer unaustehlicher. Es schien ihm also nicht zu gefallen, von ein paar verstrahlten Backpackern verarscht zu werden. Als er uns dann schliesslich erklaerte, dass die Hoehe der Strafe zwischen 100 und 1000 Dollar von unserer Kooperationsbereitschaft abhaengen wuerde, lenkten wir dann doch relativ schnell ein und akzetierten recht schnell die Minimalstrafe.

Nach dieser Aktion wussten wir also, dass mit dem Ranger nicht gut Kirschen essen war und wir waren uns einig, dass wir uns kein zweites Mal erwischen lassen sollten, da es sonst richtig teuer wuerde und wir ihm ohnehin erzaehlt hatten, dass wir am gleichen Tag noch die Stadt verlassen wollen. Unsere Ideenfindung zwecks eines neuen Schlafplatz schritt recht schnell voran und wir waren uns nach kuerzester Zeit einig, dass wir Penny, Moniques Chefin fragen wuerden, ob wir nicht in ihrem Restaurant schlafen koennten.

Dieser Deal sollte ohne weiteres klappen und wir schlugen kurzerhand jeden Abend zwischen den Lokaltischen unser Nachtlager auf. Da die Fliesen nicht gerade die bequemste Schlafunterlage darstellte und wir den Boden mit riesigen Spinnen und Schaben teilten, entschied ich nach einer guten Woche endlich mal eine Luftmatratze zu kaufen, was ich eigentlich bereits in Carnarvon machen wollte.

So verschlug es mich in den oertlichen gut ausgestatteten Campingzubehoer-Laden, wo ich fuer einen fairen Preis eine Doppelluftmatratze erstand. Als ich den Verkaeufer fragte, ob man das Ding gut mit Parrotsdem Mund aufblasen koennte, sorte ich fuer schallendes Gelaechter und bekam zur Antwort, dass das theoretisch moeglich waere, ich vor Fertigstellung jedoch vermutlich bewusstlos werden wuerde. So liess ich mir also noch eine elektrische Luftpumpe mit Zigarettenanzuenderanschluss andrehen und verliess als angehender Luxusschlaefer den Laden mit meinem neuen Hab und Gut.

Abends dann die puffrote Veluormatratze aufgepumpt freute ich mich endlich auf eine Nacht, ohne Druckstellen zu bekommen. Als ich irgendwann mitten in der Nacht aufwachte, musste ich jedoch zu meinem Entsetzen feststellen, dass sich mein Beckenknochen tief in die Eiskalte Fliese bohrte. Konnte es sein, dass die neue Matratze tatsaechlich Luft verlor? Ich wollte es nicht glauben und schob die Schuld auf das nicht 100%ig geschlossene Ventil. So wollte ich also noch eine zweite Nacht testen. Diesmal leider wieder mit dem gleichen Ergebnis. So trottete ich also etwas angenervt am Folgetag wieder zum Laden und bat um Umtausch, welcher mir wenigstens ohne zu murren gewaehrt wurde.

Lang genug hatte ich nun mit den Fliesen Vorlieb genommen und freute mich abschliessend auf einen luftgepolsterten Schlaf. Jedoch sollte ich wieder mitten in der Nacht auf dem Boden aufwachen. Das war nun wirklich nicht mehr lustig. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass gleich zwei defekte Matratzen ausgerechnet an mich verkauft wurden. Am naechsten Morgen inspizierte ich also genaustens die Schlafunterlage und ueberlegte schon mal, wie ich dem Verkaeufer beibringe, dass ich schon wieder einen Platten erlitten hatte. Diesmal schien es sich jedoch offenbar um einen mehr als peinlichen Anwenderfehler zu handeln. Ein Haltering hatte sich in das Ventil geschraubt, welches sich daher nicht luftdicht schliessen liess. Mit zwei Handgriffen war das Problem behoben. Wenige Tage spaeter begann das Drama dann von Neuem. Wieder wachte ich mitten in der Nacht auf, um unglaeubig und mittlerweile echt angepisst auf den nackten Fliesen aufzuwachen. Das Spiel machte ich noch eine weitere Nacht mit und entschied mich anschliessend das eventuelle Leck zu lokalisieren, um dem Verkaeufer erneut eine geschrottete Luftmatratze auf die Theke zu knallen. Da man eine 3 Quadratmeter Doppelmatratze nicht so einfach im Wassereimer auf Dichtigkeit pruefen kann, fuhren wir also am gleichen Abend in das Touristenresort, wo wir tagsueber arbeiteten. Im Dortigen Pool war die Schwachstelle schnell ausgemacht. Diesmal war eine Klebestelle eingerissen, was die Angelegenheit nicht reparabel machte. Am naechsten Tag ging es also mit der grossen Frage „Wie bringe ich es ihm bei?“ in den oertlichen Campingshop.

Dem unglaeubigen Verkaeufer knallte ich also wieder eine platte Liegewiese auf die Theke. Um die Situation etwas aufzulockern, beteuerte ich nicht nur korrektes Handling der Luftmatratze, sondern auch lautstark, dass wir nichtmal Sex auf dem Ding hatten. Beschaemtes Gleaechter ging durch den gut gefuellten Shop und der peinlich beruehrte Mann hinter dem Tresen rang eine Sekunde nach Worten. Fuer einen Moment war mir als haette ich fuer verklemmte australische Verhaeltnisse etwas ueber die Strenge geschlagen. Dennoch sollte die Aussage seinen Zweck erfuellen und der Verkaeufer sah schleunigst zu, uns ein Ersatz eines anderen Herstellers heraus zu suchen. Diesmal stellte er uns sogar eine Quittung aus, um die Matratze im zweifelsfall bei jedem beliebigen Shop zurueck geben zu koennen (nur hoffentlich nicht wieder bei ihm…) Er wuenschte uns viel Spass auf unserer neuen Schlafunterlage, wischte sich erneut den Angstschweiss von der Stirn und war heilfroh, als wir den Laden endlich wieder verliessen. Allem Anschein nach handelt es sich um ein qualitativ hochwertigeres Produkt und der nette Herr hat gute Chancen, dass ich ihn nicht wieder beehren werde, da uns unsere Reise in Kuerze endlich wieder aus Exmouth raus fuehren wuerde. Mit einer noch schneeweissen Luftmatratze sollte es also wenige Tage spaeter ins rot staubige Outback gehen.

Es gruesst

das anstoessige Schroddi