Schroddis Tag 224 – Die Reise ins Dunny
10 12 2010Ort: Etwa 10.000 Meter ueber der Great Victoria Dessert
Ortszeit: 05.12.2010, 09.45 Uhr (also Ortszeit Perth)
Wetter: Draussen bestimmt kaelter als in Deutschland
Anwesende: Etwa 70 gelangweilte Mitreisende
Nun ist es soweit, ich habe Alice und meinem geliebten Outback den Ruecken zugekehrt. Die Reise soll zwecks Arbeit weitergehen – und zwar in eine Region, in der man mit leichter koerperlicher Arbeit in wenigen Stunden nicht gleich 5 Liter Wasser verliert.
Nachdem ich vom Osten nach wie vor die Nase voll habe, zieht es mich weiter Richtung Westen. Die Entscheidende Frage war nur: Wohin?
In Alice habe ich mich via Internet die komplette Westkueste entlang auf diversen Farmen beworben, was bisher leider keine groesseren Erfolge hervorbrachte. Nachdem ich vor Wochen mit Jana bereits das grobe Ziel Perth festgelegt habe und sie sich wenige Tage spaeter mit einer Mitfahrgelegenheit auf den Weg machte, verfehlte sie ihr Ziel um nur knappe 250 km und landete voller Begeisterung im kleinen Ort Margaret River, von wo sie mich anrief und von massenhaft verfuegbaren Jobs berichtete.
Da dieser Ort wunderschoen in Strandnaehe gelegen ist und dort wohl eine wesentlich entspanntere Atmosphaere als in Alice Springs herrscht, liess ich mich dazu hinreisen, auch meinen Weg in dieses Oertchen zu planen.
Da ich keine Lust hatte unnoetig viel Geld fuer Sprit auszugeben und nahezu die gleichen 1.600 km nach Adelaide zurueck zu eiern (direkter Weg nach Perth geht mangels Strassen leider nicht), welche wir bereits vor drei Wochen in Gegenrichtung gefahren sind, entschied ich mich ausnahmsweise einen Flug nach Perth zu nehmen. Zwar sind oeffentliche Verkehrsmittel an der Westkueste relativ mau, dennoch fand sich von Perth ein Bus nach Margaret River. Dieser sollte jedoch bereits rund 90 Minuten nach meiner Landung in einem anderen Stadteil Perth’s abfahren. Alternativ haette ich ein Hostel buchen koennen und waere in der City fuer teuer Geld in irgendeinem Drecksloch abgestiegen. So entschied ich mich relativ schnell diese sportliche Herausforderung anzunehmen und wollte versuchen meinen Bus binnen kuerzester Zeit zu erreichen, um moeglichst schnell die Grossstadt wieder verlassen zu koennen.
Somit war der Trip nach Margaret eigentlich bestens geplant und ich stand quasi in den Startloechern als ich gestern dann einen liebreizenden Anruf von Jana erhielt, in dem sie mir mitteilte, dass nun die Arbeitsmoeglichkeiten in Margaret stark nachgelassen haben und man sich bezueglich Jobs etwas gedulden muss.
Da ich jetzt in Alice eigentlich erstmal genug rumgesessen habe und gerne mal wieder ein bissi Bewegung und einen regelmaessigen Geldfluss haette, starb der Plan nach Margaret zu gehen recht schnell, da ich nicht dort rumsitzen und weiter Geld verbrennen wollte. Wie wir ja mittlerweile gelernt haben, sind Plaene in Australien dafuer da, ueber den Haufen geworfen zu werden. Gluecklicherweise erzaehlte Jana zusaetzlich, dass in einem kleinen Ort namens Donnybrook, etwa 100km weiter, zur Zeit Erntesaison und somit Arbeit verfuegbar sei.
Dieser Ort war mir bis dato noch kein Begriff, was zwei Gruende haben konnte:
1. Der Ort ist einfach zu klein, um auf einer Landkarte zu landen
2. Ich hab mal wieder schlampig gearbeitet
Im Endeffekt denke ich einfach, dass es am Namen liegt, denn aus Donnybrook wird mit einem kleinen Buchstabentausch Dunnybrook, was in etwa = Plumpsklobach bedeutet und diesen Ort nicht wirklich attraktiv erscheinen laesst. Auf den meisten Landkarten ist er zumindest zu finden und oh Wunder, eine Busanbindung hat er auch.
Das bereits nach Margaret gebuchte Ticket liess sich leider nicht mehr stornieren, jedoch gibt es die Moeglichkeit einfach auf halbem Wege auszusteigen und einen anderen Anschlussbus nach Dunnyb…, aehm Donnybrook zu nehmen.
Leider war das einzige Hostel im Ort, welches u.A. die Farmarbeit vermittelte, telefonisch zu dem Zeitpunkt nicht erreichbar. Da ich die Rezeption in der Mittagspause vermutete, buchte ich einfach auf gut Glueck das Busticket.
Ungluecklicherweise war das Hostel auch den restlichen Tag weder per Telefon, noch auf Handy erreichbar. Daher schickte ich am gleichen Nachmittag noch eine Email mit der Bitte mich zu kontaktieren, wenn sie diese Lesen. Leider sollte sich auch diesbezueglich nichts mehr tun.
Wovor es mir bezueglich meiner Reise am allermeisten graute, war das Gepaecklimit von 23kg. Nachdem ich in Deutschland mit 19,8kg vor ueber einem halben Jahr gestartet bin und mittlerweile einiges dazugekommen und anderes dafuer rausgeflogen ist, hatte ich keine Ahnung wie sich dies in meinem Gepaeck auswirken wuerde. Gluecklicherweise hatten wir zur Kontrolle eine Personenwage im Hostel, welches mein Gepaeckgewicht mit 21,5kg angab. In wie weit ich dieser Waage trauen sollte, wusste ich nicht, da sie mein eigenes Gewicht noch vor einer Woche 5kg hoeher angegeben hatte als an diesem Abend. Ich verliess mich also auf die Waage, eine andere Wahl hatte ich schliesslich nicht.
Nachdem die Rucksaecke gepackt, die Essensreste vertilgt und die Angehoerigen vor einem eventuellen Flugzeugabsturz informiert waren, ging es dann ins Bettchen, da am naechsten Morgen bereits um 8.30 Uhr das Taxi auf uns warteten sollte.
Selbst machdem sich das Ziel geaendert hatte, klang der erdachte Reiseplan einfach noch zu perfekt, um zu funktionieren (mal abgesehen von dem Hostel, welches auf auf keine meiner Kontaktierungsversuche reagierte).
Gegen 7 Uhr wurde ich dann von einem Donnergrollen aus dem Schlaf gerissen. Wie haette es auch anders sein koennen?! Ich habe mit einem Gewitter in Alice Springs Einzug gehalten und verliess den Ort auch wieder mit einem Donnerschlag. Das hat doch Stil. Achtung wueste, der Gewitterschroddi geht und das Wetter wird bald wieder besser.
Ueberpuenktlich sammelte uns dann das bestellte Taxi vor der Hosteltuer ein und brachte uns sicher und mit reichlich Zeitpuffer zu dem Ort, den man in Alice Springs einen Flughafen nennt. Von aussen sah es mehr wie eine kleine Bahnhofshalle aus. Das Einzige, was diesen Ort von einem Bahnhof unterschied, war die Tatsache, dass wir neben den beiden Damen am Check In-Schalter scheinbar die einzigen Menschen am „Flughafen“ waren. Nach und nach trudelten einige weitere Leute ein bis alle Passagiere unserer mit rund 70 Menschen zu ¾ gefuellten Maschine anwesend waren. An der Sicherheitsschleuse bekam ich ungluecklicherweise zwei meiner drei Feuerzeuge abgenommen. Weitere Dinge wie z.B. ein Pfefferspray gab es diesmal gluecklicherweise nicht zu bemaengeln. 10 Minuten vor der offiziellen Boardingzeit kamen wir am bereits geoeffneten Gate an. Da offensichtllich an diesem Tag alle Leute ueberpuenktliich waren, hoben wir auch gleich einige Minuten frueher ab. Mit einem ueberfuellten Flugraum schien es hier ja keine Probleme zu geben.
So flogen wir rund drei Stunden der Zeit hinterher, was im Endeffekt eine Flugzeit von nur 1,5 Stunden ergab. Entgegen der ausdruecklichen Sicherheitsvorschriften filmte ich Start und Landung mit meiner Kamera und brachte damit enttaeuschenderweise den Piloten nichtmal ins Schwitzen. Das naechste Mal werde ich versuchen gleichzeitig noch mit dem Handy zu telefonieren, ohne dabei von einem Skymarshall erschossen zu werden.
Wir landeten auch 15 Minuten frueher, was dem knappen Zeitplan in Perth etwas entgegen kam. Da auch der Flughafen einer 2 Millionen Stadt ueberraschend klein ausfiel, hatten wir unsere Rucksaecke nach rund 20 Minuten unversehrt wieder und sattelten erstmal von Waldbrandaustretern auf Flip Flops um.
Anschliessend stiegen wir zu einem ehemaligen Rennfahrer ins Taxi, welcher in Wohngebieten gerne mal das Dreifache der erlaubten Geschwindigkeit fuhr, was unserem Portemonaie ganz gelegen kam. Ungluecklicherweise war er nicht ganz sicher, wo wir hinmussten, landete jedoch am richtigen Busterminal eine Punktlandung. Dort angekommen checkten wir bei der freundlichen Vertreterin unserer Busagentur ein und hatten noch einige Minuten bis wir uns zum Bus begeben mussten, was ich mir mit einem Mittagessen beim oertlichen Asiaten versuesste.
Auf den bequemen Ledersitzen im Bus bequem gemacht ging es dann die naechsten 2,5 Stunden weiter nach Sueden. Das vorlaeufige Ziel hiess Bunbury, wo wir einen rund dreistuendigen Aufenthalt hatten, bevor es weiter zu unserem endgueltigen Ziel ging.
Aufgrund einer Art Weihnachtsmarkt war das dortige Busterminal jedoch nicht erreichbar, woraufhin wir an einer Landstrasse rausgeschmissen wurden. Erstmal ziel- und orientierungslos liefen wir zu einem Kiosk, wo ich mit einem Asiaten ins Gespraech kam. Dieser verriet mir, dass unser Busterminal, von dem wir weiterreisen sollten, ausserhalb der Laufdistanz lag. Sofort bot er uns an, uns in seinem Auto mitzunehmen. Da wir aber ohnehin noch drei Stunden Zeit hatten, lehnte ich erstmal dankend ab. Gleichzeitig kam Katharina mit einem deutschen Paerchen ins Gespraech. Sie erzaehlten viele lustige Geschichten von ihrer Auswanderung und dem Leben, was sie in Australien fuehren. Nebenher boten sie uns immer wieder an, uns Arbeit auf diversen Farmen von Bekannten vemitteln zu koennen und sollten alle Stricke in Dunnyb…. Donnybrook reissen, koennten wir sie anrufen, um fuer den Notfall erstmal bei ihnen unterzukommen. Mit einigen einer guten Unterhaltung und kuehlen Bierchen verging die Zeit wie im Fluge und unsere drei Stunden Aufenthalt waren so gut wie totgeschwaetzt. So luden sie uns in ihren VW-Transporter und fuhren uns zu unserer naechsten Bushalltestelle.
Der dortige Bus kam wie irgendwie alles an diesem Tag ueberpuenktlich und kutschierte uns die naechsten 30 Minuten an unser Tagesziel. Nach kurzer Orientierung war der Weg zum oertlichen Hostel gefunden und ich war gespannt wie ein Flitzebogen, ob am gleichen Abend noch ein Zimmer zu bekommen war. Schliesslich hatte ich bis dato das Hostel nicht erreicht und auch nch keine Rueckmeldung bekommen.
An der Bar mit integrierter Rezeption empfang man uns recht herzlich und gab uns die vermutlich letzten Schlafplaetze im Hostel. Im 4 Bett-Zimmer angekommen traf ich direkt auf einen sehr sympatischen Kerl, mit dem ich bereits an der letzten Haltestelle ins Gespraech gekommen war.
Ein kurzer Rundgang im Hostel lies mir jedoch graue Haare wachsen. Die Kueche, sowie die Waschraeume waren total verdreckt und in einem erbaermlichen Zustand, was offensichtlich nicht ausschliesslich daran lag, dass die Hostelbetreiber ihr Geschaeft nur halbherzig fuehrten, sondern auch an den 150 Bewohnern, die sich dem ersten Anschein nach nur 4 Toiletten und Duschen, sowie eine Kueche zu teilen hatten.
Da wir aufgrund der Gepaeckbegrenzung in Alice saemtliche Lebensmittel aufgebraucht oder zurueckgelassen hatten, trieb uns der Hunger noch einmal in die „Stadt“, wo an einem Sonntagabend bereits alles geschlossen war….mit ausnahme eines chinesischen Restaurants, in das wir uns auch schnellstens begaben, bevor auch dieser Laden die Tueren schliesst. Ich weiss nicht, ob man den Raum, welchen wir vorfanden wirklich ein Restaurant nennen konnte. Es erinnerte mich eher an ein Nachkriegsesszimmer…. „Damals hatten wir ja nichts“. Es war ein nackter, mit Furnierholz ausgekleideter Raum, mit einer notduerftig ausgekleideten Theke und einigen Stuehlen und Tischen im Stil der 70er Jahre. Nicht zu vergessen sei der Kuehlschrank, in welchem 4 Getraenkedosen mit Logos standen, die es seit meiner fruehen Kindeheit schon nicht mehr gibt.
Wir wurden von einem aelteren Chinesen in sehr gebrochenem Englisch bedient und bekamen letztendlich ein Essen, von dem sich die Einrichtung mal eine Scheibe abschneiden koennte.
Gluecklich nach gut 11 Stunden die Distanz von knapp ueber 2.000 Kilometern ohne groessere Zwischenfaelle zurueckgelegt zu haben und dennoch mit gemischten Gefuehlen ueber die neue Unterkunft, ging es anschliessend, in Erwartung was der Ort noch bringen mag, auf die durchgelegenen Betten.
Es gruesst
Schroddi aus dem Dunny in Donnybrook










…ach, ist das immer wieder schön, die Berichte zu lesen ;-)))
Schon die Überschriften sind der Hit *lach
Liest denn eigentlich noch jemand mit????
Ich schick mal einen „Ping“ in die Runde mit herzlichem Dankeschön an den Autor und lieben Gruß in die ganze Runde
…..von treuer und begeisteter Leserin ;-)))))))