Schroddis Tag 200 – Der Tod hatte einen Plan…hatte
19 11 2010Ort: Parkplatz am Lake Hart
Ortszeit: 11.11.2010, 23.00 Uhr
Wetter: 29 Grad, gefuehlt mehr
Anwesende: Etliche Muecken, die auf meinem Monitor tanzen
Heute moechte ich meinen Blogeintrag mal mit einer Mathematischen Formel beginnen.
Es ist mittlerweile etliche Jahre her, dass verzweifelte Paedagogen vergeblich versucht haben mir glaubhaft zu machen, dass Minus mal Minus Plus ergibt. Heute, knappe 15 Jahre spaeter moechte ich auf diesem Weg meinen mittlerweile wohl schneeweissen (woran ich sicher nicht ganz unschuldig bin) Lehrern mitteilen, dass sie wohl doch recht gehabt haben. Wie ich weiss, bin ich ja gluecklicherweise nicht der einzige Schrottvogel auf diesem Planeten. Umso schoener ist es, wenn man dann mal gleichgesinnte oder besser formuliert, gleich geschrottete trifft. Irgendwie scheint diese geballte Ladung Schrottigene dann doch einen positiven Effekt zu bewirken. Um dies an einem aktuellen Beispiel aufzuzeigen, moechte ich unsere Geschichte jedoch von einem etwas frueheren Zeitpunkt an erzaehlen.
Nachdem wir unsere geplante Zeit in Adelaide schon so gut wie rum, alle Waesche gewaschen, Post verschickt und die Rucksaecke schon fast gepackt hatten, rief ich am Vorabend der geplanten Abholung unseres naechsten Ueberfuehrungsfahrzeugs bei der lokalen Autovermietung an, um uns ueber das im Auto vorhandene Kochequipment zu informieren. Die freundliche Dame an der anderen Leitung teilte mir zu meiner Freude mit, dass Toepfe, Pfannen, ein Gaskocher und einiges Weiteres im Auto zur verfuegung stehe. Ach ja, und ganz nebenbei, dass unser Fahrzeug vermutlich einen Unfall hatte und storniert ist. Unglaeubig fragte ich noch mal nach, ob sie gerade einen Scherz gemacht habe oder unser Fahrzeug wirklich nicht mehr verfuegbar sei. Sie bestaetige dies und teilte mir feundlichst mit, dass das Naechstmoegliche erst 8 Tage spaeter abholbar ist.
Da diese Auskunft alle unsere Plaene sprengte, rief ich daraufhin immernoch unglaeubig die Relocation-Agentur an, welche mir ebenfalls diesen Sachverhalt bestaetigte, mir jedoch anbot sich umgehend bei mir zu melden, wenn das naechste Auto verfuegbar sei. Da wir im Hostel ohnehin eine weitere (kostenlose) Nacht gebucht hatten, sahen wir das ganz entspannt und freuten uns auf einen verlaengerten Aufenthalt im schoenen Adelaide.
Am naechsten Morgen erhielt ich dann den rettenden Anruf, dass das naechste Auto zu den gleichen Konditionen bereits zwei Tage spaeter abholbereit sei. So verbrachten wir mit Max und Robert noch zwei schoene Tage und kamen am vorabend vor unserer Abreise ins Gespraech mit Julia, einer anderen Deutschen.
Von ihr bekam ich die wohl schrottigste Australien-Geschichte zu hoeren, die mir bisher untergekommen ist – und ich habe hier echt schon ne Menge schraege Geschichten gehoert.
Sie hatte sich beim Wandern in Neuseeland ungluecklicherweise eine Sehnenscheidenentzuendung im rechten Fuss zugezogen, was sie spaeter in Australien veranlasste, sich einen Roller zu mieten, um ihren Fuss zu schonen. Leider hatte sie es dabei jedoch geschafft sich auf nasser Strasse mit ihrer motorisierten Gehhilfe lang zu machen. Glueck im Unglueck war, dass sie lediglich mit einem angerissenen Miniskus davon gekommen ist, was sie jedoch nicht davon abhaelt ihren Australien-Trip fortzusetzen – und zwar mit einer etwas sichereren Gehhilfe in Form eines Mietwagens, welchen sie vor 2 Tagen mit einem australischen Freund gemietet hatte. So liess sie sich von Melbourne nach Adelaide kutschieren und wollte die naechsten Tage weiter nach Alice Springs fahren, waehren sie nicht fahrlaessigerweise mit 90 kmh durch eine Baustelle gerauscht, wo 40 erlaubt war und an deren Ende die freundlichen Helfer in Blau-Weiss warteten, welche neben 600$ auch den Fuehrerschein ihres Chauffeurs einkassierten. So waren sie nun mit einem Mitwagen in Adelaide gestrandet, welcher in Brisbane, etwa 2000km entfernt wieder zurueckgegeben werden musste. Zu allem Ueberfluss hatte sie auch bereits ihren Weiterflug einige Tage spaeter von Alice Springs geplant, bevor Andrew, ihr Freund das Auto nach Brisbane weiterfaehrt.
Durch den Verlust des Fuehrerscheins standen die beiden jedoch etwas doof da.
Eine telefonische Ruecksprache mit der Vermietung ergab lediglich, dass der zustaendige Betreuer ebenfalls absolut ueberfordert und daher keine Hilfe war.
Saemtliche durchgespielten Szenarien stellten sich als unmoeglich heraus.
In Adelaide oder Alice Springs befanden sich keine Depots, um das Auto zurueck zu geben. Einen weiteren Fahrer zu organisieren fiel auch ins Wasser, da dieses Auto nur zwei Sitzplaetze hatte und selbst zu fahren haette fuer Andrew mit einem Gefaengnisaufenthalt und fuer Julia mit einer Verschlimmerung ihrer Verletzung enden koennen. Obwohl eine Weiterreise nach Alice derzeit unmoeglich schien oder mit grossen Risiken verbunden war, pochte Julia darauf irgendwie in die Wueste zu kommen.
Nachdem Sie uns ihre Geschichte erzaehlt hatte, schaltete sich zumindest bei Jana ganz schnell der Sinn fuers Geschaeft ein. So boten wir ihnen an, dass einer von uns Ihren Van und dafuer einer von ihnen in unserem Auto mitfaehrt, somit alles im legalen Bereich ist und die beiden sicher in Alice Springs ankommen. Das alles fuer eine Aufwandsentschaedigung von „lediglich“ 150 – 200 Dollar. Zu unserem Erstaunen nahmen sie unser Angebot freudig an und wollten am naechsten Tag mit uns aufbrechen.
Um 10 Uhr sollte unser Bushcamper (was auch immer das sein moege) bereit stehen.
Etwa 15 Minuten vorher brach ich mit Meggy Richtung Bushaltestelle auf, um die 5 km zur
Vermietung nicht laufen zu muessen. Da wir nicht die leiseste Ahnung hatten, an welcher Haltestelle wir aussteigen muessen, kam wieder Ulf, das Aprilscherz-Navi zum Einsatz. Kurz vor dem angezeigten Ziel sprangen wir aus dem Bus und wunderten uns, dass wir noch rund 100 Hausnummern von der Vermietung entfernt waren. So liefen wir auf Ulf fluchend das letzte Stueck und kamen leicht verspaetet an der Vermietung an.
Dort begruesste man uns freundlich und praesentierte uns wie gewohnt ein Video, was die verschiedenen Funktionen des Fahrzeugs erklaerte. Als der Film beendet war, war unser Vermietungsfuzzi allerdings ebenfalls verschwunden und tauchte eine Weile nicht mehr auf. Uns
sass die Zeit im Nacken, da wir lt. Plan an diesem Tag noch rund 850km vor uns hatten. Als der nette Herr Arsch dann endlich wieder auftauchte und wir den ganzen Papierkram abgewickelt hatten, drueckte er mir einen fertig ausgefuellten Schadensreport des Autos in die Hand und bat mich zu unterschreiben. Verdutzt fragte ich ihn, ob wir das nicht gemeinsam am Auto machen wuerden. Daraufhin kam nur die kurze Abfertigung, dass ich ja noch mal rein kommen koenne, wenn etwas am Auto ist, was er nicht notiert hat. So nahmen Meggy und ich dann unser neues Zuhause in Augenschein, welches nach rund 230.000 Outbackkilometern die eine oder andere Macke davongetragen hatte. Nicht nur, dass einige Kratzer am und im Auto
waren, hatte es auch einen beachtlichen Steinschlag und wie wir erst spaeter feststellen sollten einen Kuehlschrank, der wie ein alter Fischkutter stank. Bevor wir vom Hof rollten, schoss ich mit meinem Handy noch schnell ein paar Fotos von den groebsten Maengeln, um auf Nummer sicher zu gehen. Dieser Geistesblitz sollte meinen Kopf spaeter noch aus der Schlinge ziehen.
Trotz einer echt hakeligen Schaltung hatte unser Buschpanzer ordentlich Bums unter der gut 2 Meter langen Motorhaube. Zwar hatten wir zwei Tanks mit jeweils 70 Liter Fassungsvermoegen, jedoch konnte man davon ausgehen,
dass diese bei einem freudenbringenden Fahrstil auch schneller leer als wieder voll waren. Zurueck am Hostel trafen wir auf Jana und die anderen beiden Schrottvoegel, welchen in letzter Sekunde eingefallen ist, dass ich ja als Fahrer noch in deren Mietvertrag aufgenommen werden muesse. So rannte Andrew mit meinem Fuehrerschein in die naechste Reiseagentur, um das Ding noch an seine Autovermietung zu faxen. Nach etlichen Versuchen und etwa einer weiteren halben Stunde waren wir dann endlich startklar. Bis 14 Uhr des Tages durfte unser zukuenftiger Fussgaenger noch fahren. Daher bat ich ihn das Auto noch aus der Stadt zu kutschieren, wo ich dann nach Ablauf seiner Frist uebernahm. 
Mit Ulf, unserem Chaosnavi, versuchte ich dann durch den Grossstadtdschungel den Ortsausgang zu finden, waehrend die Huehners neben mir wieder aufdrehten und ihren Spass dabei hatten, sich wie bei einer Achterbahnfahrt zu benehmen.
Mit dem Navi und dem Schaltknueppel in der einen Hand, dem Lenkrad in der anderen Hand, mit einem Auge auf den Verkehr voraus und dem anderen Auge auf den Rueckspiegel gerichtet, um das folgende Auto auf mehrspurigen Strassen zu beachten, fuhren wir erstmal eine Runde im Kreis.
Nach besserwisserischen Spruechen meiner Achterbahnfreundinnen, konnte ich erst fuer Ruhe sorgen, als ich dezent andeutete, dass wenigstens eine von ihnen in Kopfnussweitreiche sitzt und in kuerze einfach ausgeschaltet wird, wenn nicht bald ruhe ist. Manchmal ist Gewalt eben doch eine Loesung – und Maenner Multitaskingfaehig.
Auf den zweiten Versuch ging es dann auf dem Richtigen Weg aus der Stadt. Wie ueblich wurde es schnell laendlicher und wir kamen gut voran. Gegen 14 Uhr legten wir dann die erste Pause ein und mischten uns durch. Ich war ganz froh bei 27 Grad aus unserem engen Auto mit den Plastiksitzen zu kommen und es gegen einen weitaus komfortableren Van tauschen. Andrew tat mir schon etwas leid ohne jegliche Beinfreiheit die naechsten Tage zwischen den beidem Maedels verbringen zu muessen und vor allem dafuer noch Geld bezahlt zu haben…
Unsere Reise fuehrte uns durch laendliche Umgebung entlang des Meeres nach Port Agusta, wo wir die Tanks noch einmal auffuellten. Anschliessend wechselte die Landschaft von jetzt auf gleich auf das gewohnt gruene Outback-Nichts.
Mit meiner Beifahrerin hatte ich in sachen Musikgeschmack echt Glueck. So glitten wir entspannt bangend den ewig geradeausfuehrenden Highway entlang. Kurz bevor die Daemmerung einsetzte hatten wir unseren naechsten Tankstop. Da die letzten hunderten Kilometer so gut wie kein Bewuchs war, entschieden wir uns noch ein ganzes Stueck in die Dunkelheit zu fahren, da wir uns relativ sicher fuehlten und noch ein Stueck voran kommen wollten. Grundsaetzlich sollte man gerade auf diesem Weg nicht in Dunkelheit fahren, jedoch haetten Kaengurus mangels Bewuchs nicht einfach aus dem Nichts auftauchen koennen. 
Da die Beleuchtung von meinem Van absolut fuer die Fuesse war und zwischen Windschutzscheibe und Stossstange nur wenige Zentimeter lagen, liess ich Meggy mit dem Panzen und der riesigen Roobar (Australischer Kaengu-Kuhfaenger) vorfahren. Kurz nach unserem Tankstop wechselte jedoch ploetzlich die Landschaft vom absoluten Nichts auf Buschlandschaft mit dichtem Bewuchs direkt am Strassenrand, was uns im nachfahrenden Auto echt gruselte und dementsprechend immer langsamer werden liess. Mit noch gut 50 km/h rollte ich auf den naechsten Parkplatz und weigerte mich weiter zu fahren. Von weiblicher Seite war zwar gewuenscht an einer Tankstelle mit Toilette zu naechtigen, allerdings konnte und wollte ich eine Weiterfahrt einfach nicht mehr verantworten. Nach kurzer Diskussion suchten wir uns eine Nische, assen etwas und legten uns dann in die Betten, wo ich anfing diesen Blogeintrag zu schreiben und waehrenddessen allerlei Viechzeug auf meinem Monitor sammelte.
Vernuenftigerweise klappte ich gegen halb 12 die Kiste zu und versuchte zu schlafen.
Versuchte… die Stunden gingen ins Land und ich lag immernoch wach. Genau wie Jana eine Etage tiefer. Irgendwann mitten in der Nacht entschieden wir uns noch mal austreten zu gehen und die ganzen Informationstafeln auf dem Parkplatz zu lesen – es gab ja auch sonst nichts zu tun.
Meggy lag quer ueber die Fahrer- und Beifahrersitze und schlief schon seit Stunden tief und fest. Nach Janas Theorie hatten wir wohl ueber einer Wasserader geparkt, was uns den Schlaf raubte. Kurze Zeit nachdem wir wieder im Auto waren schlief sie jedoch tief und fest. Wir wollten am kommenden Tag mit dem Sonnenaufgang aufbrechen.
Ungluecklicherweise wussten wir aber absolut nicht, wann dieser sein wuerde, da wir die letzte Zeit etliche Laengen- und Breitengrade durchfahren hatten, eine Zeitverschiebung und die letzten Naechte in einem Zimmer ohne Fenster geschlafen hatten. Als ich immernoch wach lag als mein Wecker um 4.45 Uhr klingelte und es noch finster war, stellte ich ihn noch mal um eine halbe Stunde weiter und schlief dann endlich ein – wie gesagt fuer eine halbe Stunde.
Am naechsten Morgen erstaunlich hell wach packten wir unseren Krempel wieder zusammen und wollten erstmal an die naechste Tankstelle verlegen.
Waehrend Julia hinter unserem Wagen stand sagte ihr Jana unvermittelt in einem ganz ruhigen Ton: „Da laeuft gerade ein Skorpion auf dich zu“. Vollkommen verwirrt von diesem so ruhig wirkenden Satz blickte ich zu Boden und sah tatsaechlich einen Skorpion stattlicher Groesse keinen halben Meter von Julias Fuss entfernt. In Australien sind die meisten Backpacker von Schlangen und Spinnen gegruselt aber dieser Skopion kam fuer mich direkten Weges aus Absurdistan.
Ein Tier, dass in seiner mythologischen Symbolik Bedrohung und Tod verkoerpert. Sollte dies ein Zeichen gewesen sein, dass es die richtige Entscheidung war, am
Vorabend nicht weiter durch die Dunkelheit zu fahren?
Am naechsten Tag fuhren wir weiter nach Norden und erreichten gegen Mittag bei leichtem Regen die mitten in der Wueste gelegene Opal-Stadt Coober Pedi. An der dortigen Tankstelle legten wir einen Duschstop ein und assen etwas, bevor es darum ging die Gegend zu erkunden. Dort stiessen wir u.A. das erste Mal auf Aborigines , welche etwas unbehagen in uns ausloesten. Da es ohnehin regnete kreuzten wir etwas mit den Autos in der Stadt bis wir an einem Untergrundhotel landeten, welches in einen alten Minenschacht gebaut war. Nach einer Erkundung bot uns der Hotelwirt an
kostenlos einige Rohopale als Souveniere mitzunehmen.
So, jetzt stellt mal eine Frau vor eine Kiste mit hunderten glitzernden Steinen und sag, dass sie sich nur zwei mitnehmen darf. FuNkTiOnIeRt NiChT!!!!!
Nach einer halbe Stunde Stand Jana vor „nur“ noch 8 Steinen, zwischen denen sie sich nicht entscheiden konnte. So handelte sie einen Preis von 5 $ aus und nahm sie letztendlich alle mit.
Weiter ging unsere Reise nach Norden als wir mit einbrechender Daemerung die Grenze zum
Northern Territory passierten als ich ploetzlich einige Hundert Meter voraus das Gefuehl hatte, etwas wahrgenommen zu haben und das Tempo drosselte. Als wir naeher kamen, entpuppte sich das Etwas als ein gut 1,5m grosses Kaenguru. Als ich langsam heranfuhr und das Fenster runter kurbelte, um es zu fragen, ob auch seine Kumpels hier rumhaengen, hopste es wortlos zurueck in den Busch. Wieder deuteten wir dies als ein Zeichen. Diesmal eher als direkten Bugschuss. So drosselten wir das Tempo und ich lies Meggy mit ihrem Raeumgeraet wieder den Vortritt. Nur wenige Kilometer weiter sah ich ein etwa 4 Meter grosses Kaenguru etwa 50 Meter von der Strasse entfernt. Nach einem Tipp entdeckte es auch Julia. Naeherkommend entpuppte es sich allerdings als ein sehr markant
geformter Baum. Wieder hatten wir ein Zeichen des Todes erkannt, drosselten wiederum das Tempo und fuhren am naechsten am Kulgera Roadhouse raus.
Dort angekommen liess sich irgendwie kein schoener Schlafplatz auftun. Also ging ich ins Roadhouse und fragte nach entsprechenden Schlafmoeglichkeiten. Ungluecklicherweise wurde uns anstatt einer Parkplatznische nur der dazugehoerige Campingplatz angeboten, auf dem wir dann zwangslaeufig fuer 4 Dollar pro Person eincheckten.
Bei der Erkundung der dazugehoerigen Waschraeume kam mal wieder richtige
Outbackstimmung auf. Nicht nur war alles voller Kaefer, sondern hingen dort auch reichlich Spinnen rum, die gross genug waren, um aus der Naehe ihre vermutlich toedlichen Beisswerkzeuge zu sehen.
Ganz anders erging es Jana. Sie kam froehlich mit einem kunterbunten Babygecko aus dem Bad, mit dem sie die naechsten Stunden einen Monolog fuehren sollte.
Aufgrund der zeitlichen Gegebenheiten hatten sich unsere beiden zwangslaeufigen Begleiter am gleichen Mittag entschieden am kommenden Tag an der Abzweigung zum Uluru weiter nach Alice zu fahren, da am
darauffolgenden Sonntag morgen deren Freundin aus Brisbane eingeflogen kommt, um das Auto weiter zu fahren.
Daher setzten wir uns abends noch auf ein kuehles Blondes ins Roadhouse, waehrend sich Jana weiterhin mit ihrem Freund und damit gleichzeitig die kopfschuettelnden anderen Gaeste unterhielt.
Nach einer geruhsamen Nacht – diesmal mit Schlaf, denn wir hatten wohl die Wasserader verfehlt – war unser Plan mittags den Kings Canyon zu besichtigen und abends noch rechtzeitig zum Sonnenuntergang am grossen roten Brocken einzutreffen.
So ging es mit dem Sonnenaufgang weiter bis wir an die an der Strassengabelung zu Uluru gelegenen Tankstelle kamen, alle Tanks auffuellten und ein paeuschen machten. Dort sprang uns dann eine Freundin aus Adelaide vor die Fuesse, welche bereits einen Tag vor uns mit einer Bustour aufgebrochen war.
Nach kurzer Verabschiedung und 150 zusaetzlichen Dollars in der Tasche ging es dann weiter in Richtung Kings Cannyon. Nach gut 300 Kilometern kurviger Schlagloecher, umrandet mit Asphalt erreichten wir am Mittag den Canyon. Nach inspizierung der oertlichen Begebenheiten erfuhren wir, dass die Wanderstrecke nicht ohne ist und rund 4 Stunden in Anspruch nehmen wird. Bei 29 Grad und strahlend blauem
Himmel entschied sich Meggy kurzfristig nicht an unserer Wanderung teilzunehmen. Da die 4 Stunden wirklich knapp waren, um rechtzeitig zu Sonnenuntergang (wann immer der sein wuerde) am roten Brocken zu sein, war die Ueberlegung anfangs nur ein Stueck zu wandern, allerdings lag der Garten Eden genau auf der haelfte der Strecke und war eigentlich der Grund, warum ich mit Jana dort hoch wollte. So entschieden wir uns eben „etwas“ schneller zu laufen. Auf diversen Schildern war gewarnt ausschliesslich mit festem Schuhwerk, Hut, Sonnencreme und einem Liter Wasser/Stunde den Wanderpfad anzutreten. Barfuss in Surfshorts und Bikini mit 2 Litern Wasser fuer uns beide machten wir uns dann auf den Weg – im Eiltempo. Nach rund 50
Minuten hatten wir komplett ausgelaugt von der Hitze den Garten Eden erreicht. Am dortigen Wasserloch war unser Plan mit Kamera bewaffnet hinter eine Conservation Area zu schwimmen, wo man direkt am Abgrund eines gut 75m tiefen Wasserfalls im Wasserloch entspannen kann.
Als wir dann ins Wasser sprangen checkte leider die Reiseleiterin einer gerade angekommenen Gruppe, was wir vorhatten und verbot uns mit dem Satz „in 20 Minuten sind wir eh wieder weg“ die Conservation Area zu ueberqueren. So sassen wir also die Gruppe aus, schwammen anschliessend hinter die
Conservation Area und wurden mit absolut einmaligen Impressionen belohnt. Irgendwann machten wir uns auf den Rueckweg und schafften den Rundgang inkl. einstuendiger Pause am Wasserloch in 3,5 Stunden. Zurueck am Parplatz belohnten wir uns mit einer kurzen Dusche aus der Wasserflasche und machten uns wieder auf den Weg. Bereits spaeter dran als geplant, liess ich mich das erste mal in Australien darauf ein die Geschwindigkeitsbegrenzung eher als Richtgeschwindigkeit anzusehen, was auf einer kurvigen Strecke mit teils 30 cm tiefen Schlagloechern zeitweise echt zur Herausforderung wurde. Als wir noch eine ganze Ecke vom Steinchen entfernt waren, raste die Sonne schon unaufhaltsam dem Horizont entgegen. Obwohl wir bereits wieder rund 400 km
nach Westen gefahren waren ging die Sonne bereits wesentlich frueher unter. Warum?
Wir hatten drei Uhren, welche alle unterschiedliche Uhrzeiten anzeigten, zudem hatten wir mit der Grenze des Northern Territorys mal wieder eine andere Zeitzone erreicht und waren dadurch mal wieder total verplant.
Mit der Dunkelheit erreichten wir dann den entsprechenden Nationalpark, was jedoch relativ uninteressant war, da man anstatt einen roten Brocken lediglich noch einen schwarzen Umriss sah. So kam dann wie ueblich die knifflige Frage nach einem Nachtlager auf. Direkt am Eingang des Nationalparks ist ein riesiges Touristenresort mit Hotels, Tankstelle und Campingplatz. Jedoch steht selbst im Reisefuehrer ein unterschwelliger Tip, lieber die 20 km weiter zu fahren (falls verantwortbar) und auf einer freien Restarea zu schlafen.
Wir wollten wenigstens mal sehen, ob es in Yulara, der Touristadt nicht doch eine Nische fuer eine nicht ganz legale Uebernachtung gibt. Leider wimmelte es dort von Security, weshalb wir wenigstens einen Blick auf den Campingplatz werfen wollten. An der Rezeption teilte man uns dann freundlich mit, dass uns eine Nacht 50 $ kosten wuerde. Somit war die Entscheidung bereits gefallen diesen Ort der Touristenausbeute definitiv zu verlassen. Da wir dort seit 3 Tagen das erste mal wieder Empfang mit unseren Handys hatten, wurde erstmal ein kurzes Lebenszeichen an die Heimat abgegeben.
Traurigerweise endete dies wie ueblich wieder mit schlechten Nachrichten fuer einen von uns. Ein guter Freund von Jana wurde einige Tage zuvor von einem Zug erfasst und hat leider nicht ueberlebt.
Mit getruebter Stimmung fuhr ich uns dann die letzten 20 Kilometer auf den freien Rastplatz. Unterwegs hatten wir ENDLICH die Situation, die wir nun schon so haeufig und mit allen Mitteln herausgefordert hatten. Kurz vor uns hopste ein Kaenguru auf die Strasse und blieb irritiert im Scheinwerferlicht stehen. Langsam genug gefahren – frueh genug erkannt fuhr ich langsam an unseren Freund heran, um auch mit ihm mal eine Konversation zu beginnen, worauf sich dieser jedoch nicht einliess.
Mit letzter Kraft erreichten wir unseren Rastplatz, bauten kurz das Auto um und fielen in den Schlaf.
Am naechsten Morgen schmiss mich mein Wecker wieder kurz nach 5 Uhr aus dem Bett.
Bei einem Spatziergang um den Parplatz entdeckte ich am Horizont eine Wolke, in der es mehrmals in der Sekunde zuckte. Entweder handelte es sich um die wahrscheinlich geilste Technoparty, die jemals im Outback gefeiert wurde oder eben um ein Gewitter mit stroboskopartigen Blitzen. Zweiteres sollte widerum nur ein Zeichen sein fuer das, was uns an diesem Tag erwarten wuerde.
Kurz zusammengepackt machten wir uns wieder auf den Weg, um vor Sonnenaufgang am Steinchen zu sein. Kurz vor Einfahrt in den Nationalpark versteckten wir Jana im hinteren Teil des Fahrzeugs, wodurch wir nur 50 anstatt 75 $ Eintritt zahlten. Am speziell fuer den Sonnenaufgang errichteten Parkplatz (ist das nicht allein schon pervers?) angekommen, tummelten sich schon die Touristenschaaren mit ihren Spiegelreflexpenisverlaengerungen. Ich suchte mir ein bequemes Plaetzchen in 2,8m hoehe auf unserem Wagendach und bin dadurch beinahe genauso oft abgelichtet worden wie der Hauptgrund des Getuemmels.
Wie ich da so sass und eine uneingeschraenkte Sicht auf den nackten, roten Klumpen hatte, isses mir auf einmal voll spirituell geworden und ich haette am liebsten meine Klamotten vom leib gerissen und waere in den Busch gegangen, um im Einklang mit der Natur….
….ach was solls, glaubt mir ja eh keiner. Also weiter im Text….
Leider hatten wir die Leute an diesem Tag kein Glueck mit dem Sonnenaufgang, da der Himmel etwas bewoelkt war. Relativ schnell verschwanden all die Touristenbusse, sowie ein grossteil der Autos wieder. Nachdem sich der ganze Trubel gelegt hatte, kam dann die Sonne zum Vorschein und belohnte uns mit einem wunderschoen leuchtenden Fels. Mitten auf dem Parkplatz sitzend machten wir uns dann nach Pennerknigge Fruehstueck, raeumten unsere Messibude auf und machten uns auf den Rueckweg zum Stuart Highway. Die morgentlichen Woelkchen formierten sich relativ schnell zu einer imposant anmutenden schwarzen Front, aus der massig Blitze zu Boden schossen.
Diese Front wuchs in rasanter Geschwindigkeit. Kurze Zeit spaeter war in noerdlicher (wo wir hin mussten) und westlicher Richtung (wo wir herkamen) scheinbar der Weltuntergang nicht weit. Nahezu trocken erreichten wir unsere Strassengabelung des Vortags in Erldunda wieder, wo wir erstmal fuer 112 $ die Tanks auffuellten und von unserer West-Ost-Route auf den Stuart Highway Richtung Norden abbogen. Nun sollte es mitten ins Unwetter gehen. Ich habe seit Verlassen Deutschlands kein Gewitter mehr aus der Naehe gesehen. Nun sollte ich ausgerechnet in der Wueste ins eines geraten.
Kurze Zeit spaeter oeffnete sich der Himmel und liess scheinbar mehr Wasser auf uns niederregnen als die Wueste in den letzten 10 Jahren gesehen hat. Nach einigen Minuten erreichten wir die ersten ueberfluteten Strassenabschnitte und hatten riesigen Spass unserem Auto mal eine ordentliche Unterbodenwaesche zu verpassen (die es auch noetig hatte). Auch die ganzen Fliegenreste spuelte es endlich mal von der Scheibe und als wir rund 50 km spaeter Die Gewitterfront veriessen, hatten wir seit Ewigkeiten mal wieder freie Sicht. Nach einem Blick in den Rueckspiegel musste ich zum Entsetzen der Maedels das Auto mit blockierenden Raedern im Schotter zum stehen bringen und sprang aus dem Wagen, denn hinter uns erstreckte sich ueber den gesamten Horizont die mit
Abstand imposanteste Boehenwalze, die ich in meinem Leben gesehen hatte. Die Rotation war mit blossem Auge bestens zu erkennen und bewegte sich rasant auf uns zu. Mit dem Unwetter im Nacken eilten wir dann die letzten Kilometer nach Alice Springs, wo wir erst an Jana und mein Hostel zum Ausladen fuhren und anschliessend zum YHA, wo wir Meggy absetzten. In diesem Moment hatte uns das freundliche Ungewitter bereits auch schon wieder eingeholt. Um es auszusitzen blieb allerdings nicht viel Zeit, da wir wie immer in letzter Minute das Auto loswerden mussten. So kamen wir 6 Minuten vor Abgabefrist bei der Autovermietung an. Die Dame sprang kurz raus und kam mit einem etwas zerknirschten Gesicht zurueck. Sie meinte wir haetten einen krassen Steinschlag in der Scheibe und waren so doof keine zusaetzliche
Versicherung abzuschliessen. Das wuerde teuer werden.
Im ersten Moment fiel mir alles aus dem Gesicht. Im zweiten Moment jedoch mein Ass aus dem Aermel. Ich sagte ihr, dass der Kackvogel in Adelaide den Schadenbericht schlampig und ohne mein Beisein ausgefuellt hat und das Auto ohnehin in erbaermlichen Zustand und dreckig war. Darueber hinaus habe ich Bilder u.a. von dem Steinschlag gemacht, die ich ihr zeigen koenne. Bei einem Griff an meine Hose musste ich allerdings feststellen, dass ich mein Handy im Hostel liegen hatte, was jetzt meine Argumente etwas schaechte.
Ich redete noch etwas auf sie ein und versprach ihr die Bilder per Mail zu schicken, wenn ich zurueck im Hostel bin. Andererseits haette es mich rund 40 Dollar Taxi gekostet mein Handy extra zu holen. Da ich ja so ein charmantes und vertrauenswuerdiges armes Backpackerlein bin, liess sie sich auf meinen Deal ein.
Zurueck im Hostel machte ich mich direkt dran ihr die Bilder zu schicken. Diese Bilder waren nicht nur mit einem Zeitstempel versehen, sondern zeigten auch beim Foto durch die Windschutzscheibe das Gebaeude der Autovermietung in Adelaide.
Am naechsten Tag erhielt ich eine total suesse Mail von ihr, in der sie sich fuer die Bilder bedankt hat und immernoch total hin und weg von meiner ehrlichen Art war.
Wenn sie gemerkt haette, dass wir rund 300 km mehr gefahren sind als es uns erlaubt war….Bescheissen und beschissen werden, wir Backpacker tun’s doch alle 🙂
Also, vorsicht vor Leuten mit grossen Rucksaecken….
Nach 2.400 km, zwei Schlangen-, drei Kaenguru- und einer Skorpionsbegegnung, mindestens zehn Vogelschlaegen und jeder Menge Moehren gruesst der Schroddi, der die Zeichen zu deuten wusste und dem Plan des Todes entronnen ist…im Gegensatz zu einigen Voegeln.
Final Destination Alice Springs!
Somit waere bewiesen, dass Minus x Minus Plus ergibt und Julia und ich die teils verheerenden Effekte des Schrottigens gemeinsam neutralisieren konnten und einen erfolgreichen Trip hatten.






















wahnsinns Informationswelle 😉 ach das klingt alles so unbeschwert….natürlich mit ein paar Ausnahmen!! Hier fängt es heute an zu schneien (zumindest in unserem alten Territorium Königstein), dass wird wieder ein Spaß mit den Vollpfosten da draußen auf den Straßen!! Kussi