Schroddis Tag 130 – Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln
5 09 2010Ort: Balkon, 2. Stock, Mooloolaba Backpackers, Mooloolaba
Ortszeit: 05.09.2010,17.30 Uhr
Wetter: 23 Grad, Dauerregen und 94% Luftfeuchtigkeit *japs*
Anwesende: Irgendein psychodelischer Scheiss, der mich aus dem Tv beschallt
Nachdem ich die letzte Woche meine Unterkunft erarbeitet hatte, erkundigte ich mich weiterhin taeglich an der Rezeption nach Aufgaben oder Jobs, welche fuer mich zu erledigen seien. Dienstag vor zwei Wochen hiess es wie ueblich, dass nichts zu tun sei, allerdings wurde ich gefragt, ob ich einen richtigen Job suche.
Da ich hier meines Wissens keinen Anspruch auf Hartz IV habe, bejate ich dies und bekam gesagt, dass im Nacktcafe (org. Nude Cafe) ein Tellerwaescher gesucht wird.
So legte ich meinen Reinhold Messner-Look ab, sprang in meine besten Klamotten und flitzte zur Strandpromenade, um im Cafe vorstellig zu werden.
Dort angekommen wurde ich wie ueblich nach meinem Lebenslauf gefragt. Ich antwortete der Managerin daraufhin lediglich, dass ich bereits Fregar Algo da plato beim Mexikaner keine 20m die Strasse runter praktiziere und wurde prompt gebeten nachmittags schwarz gekleidet wieder zu erscheinen.
Mich schwarz zu kleiden stellt bei meinem derzeitigen „Kleiderschrank“ kein Problem dar, allerdings gibt es beinahe keine Kleidungsstuecke ohne unangebrachte Motive. So fuhr ich mittags mit dem Bus schnell ins oertliche Einkaufszentrum und besorgte mir drei schwarze Shirts und eine kurze Hose.
Nachmittags erschien ich dann im Cafe. Dort wurde ich dem altgedienten Tellerwaescher zugewiesen und ging mit ihm dann erstmal den Muell runter bringen und die Handtuecher zur Waescherei bringen. Anschliessend putzten wir den Kuechenboden und schlossen den Laden. Ich sollte zwei Tage spaeter um 12 Uhr wieder kommen.
So wirklich freute ich mich nicht ueber meinen neuen Job, da die Kueche dreckig, eng und total veraltet war. Das einzig schoene war der Meerblick, den man aber nicht so wirklich geniessen konnte.
Zwei Tage spaeter trat ich dann meinen Job an. Immer noch ohne zu wissen, wie hoch der Stundenlohn ist und wie viele Schichten ich woechentlich machen kann.
An diesem Tag blieb es allerdings nicht beim Spuelen in der verranzten Kueche. Ich hatte die Kundschaft zu bedienen, Tische abzuraeumen, regelmaessig den Muell raus zu bringen, die Kueche zu putzen und nebenher noch das Geschirr zu spuelen.
Waehrend meiner Arbeit bekam ich von einem Kollegen zugesteckt, dass den Vormittag noch jemand anders zum Probearbeiten dort war und die Chefin sich wohl fuer einen von uns entscheiden wuerde. Ich hatte den Job also noch nicht ganz in der Tasche, was mich aber eigentlich auch nicht so wirklich stoerte, da ich mich in dem Laden einfach nicht wohl fuehlte.
Nach Feierabend sagte mir die Managerin, dass ich zwei Tage spaeter die Kuechenchefin treffen solle, um zu erfahren, welche Schichten ich nun uebernehmen kann.
So ging ich gestern Nachmittag wieder zum Cafe, um mir die entsprechenden Infos zu holen. Dort bekam ich dann gesagt, dass ich einen brillianten Job gemacht habe, man sich allerdings fuer meinen franzoesischen Gegenspieler entschieden hat, da dieser wesentlich laenger an der Sunshine Coast zum Arbeiten bleiben wuerde. Ich war gar nicht boese um ihre Entscheidung und nahm die Aussage laechelnd, ja fast freudig entgegen.
Da sie offensichtlich so ein schlechtes Gewissen hatte, mir eine Absage zu geben (Australier sind dafuer bekannt, nicht Nein sagen zu koennen), bekam ich den heissen Tipp, dass der Besitzer eines benachbarten italienischen Restaurants noch einen Tellerwaescher sucht.
Also flitzte ich wieder nach Hause, wechselte die Garderobe und stellte mich im Restaurant vor. Leider war nur die Managerin dort, welche mir bestaetigte, dass der Job verfuegbar ist und ich zwei Tage spaeter wieder kommen solle, wenn der Chef arbeitet.
So stellte ich mich am folgenden Dienstag persoenlich und mit Lebenslauf beim Kuechenchef vor. Dieser machte den Eindruck als ob er nur wiederwillig jemanden einstellen moechte und darueber hinaus von mir mangels Erfahrung nicht besonders begeistert war. Dennoch lud er mich zu einem Probearbeiten ein.
Erneut zwei Tage spaeter wies mich dann Nick 2 ½ Stunden in meinen neuen Job ein. Dieser beinhaltete allerdings nicht wie erwartet nur Spuel- und Reinigungsarbeiten, sondern war wesentlich umfangreicher. Von der Pizzateigzubereitung ueber Gemuesepraeparierung und dem Aufwaermen von Lasange und Canellonis bis hin zum Kreieren der Desserts war eigentlich fast alles an Kuechenarbeit vertreten.
Nach meinem Probearbeiten bekam ich vom Chef gesagt, dass ich schneller werden muesse, er mich aber wieder sehen moechte. So bat er mich am kommenden Samstag fuer eine volle Schicht zu kommen.
Als ich Freitags in der Stadt unterwegs war, bekam ich ploetzlich aus einem fahrenden Auto von meiner Kuechenchefin aus dem Nacktcafe zugerufen, dass ich mein Geld fuer die geleisteten Stunden im Cafe abholen koenne. So stattete ich dem Cafe am naechsten Tag einen Besuch ab, da ich ohnehin nichts Bares mehr in der Tasche hatte.
Dort angekommen erzaehlte man mir, dass der Franzose nichts taugt und dass man mich zurueck haben moechte. Ich liess sie noch eine Nacht zappeln. Nach meiner heutigen Zusage waere mir Jan, die Kuechenchefin vor Glueck fast um den Hals gefallen. So arbeite ich ab naechster Woche in drei Lokalen, die alle keine 50 Meter auseinander liegen und habe einen Wochenverdienst, von dem ich in Deutschland nur haette traeumen koennen.
Mal wieder kam alles anders als gedacht und das beinahe taeglich. Ich bin gespannt wie lange diese Situation nun anhalten wird. Gerne erinnere ich mich an meine Worte aus dem diesjaehrigen Fruehling, dass ich nie wieder in einer Kueche arbeiten moechte…
Bis die Tage
Es gruesst der Typ mit der Spuelschuerze.
PS: ein weiteres Bild folgt in kuerze
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