2500 Kilometer Fliegengenozid

16 05 2010

Wie von Schroddi ja bereits teilweise beschrieben kommt unsere Odyssee in den Australischen Norden so langsam zu einem Ende. Wir wollen zwar noch weiter in die Sonne aber in Ermangelung von Arbeit, schwindenden Finanzen und allgemeinem Stressaufbau haben wir erstmal beschlossen das Ganze etwas langsamer angehen zu lassen. Nachdem wir jetzt heraus gefunden haben dass sich das vermeintlich so vorteilhafte Arbeitsangebot auf der Erdbeerfarm als klassische Bauern- oder besser Backpackerfängerei darstellt ist auch der erste Elan erstmal wieder verflogen. Nach etwa einer Stunde Fahrt aus Brisbane heraus kamen wir am vorsorglich gebuchten Hostel an und mussten uns erzählen lassen dass unser Jobvermittler ein mittlerweiler Bekannter Abzocker ist der den Leuten Job in Aussicht stellt die aber frühestens ins 2-3 Wochen verfügbar werden. Mit uns sind noch einige andere auf die Masche reingefallen und im Hostel standen auch bereits 30 andere auf der Warteliste für das Fruitpicking. Ob und wann wir nun tatsächlich dazu kommen werden endlich mal einen Australier um Geld zu erleichtern wird sich noch heraus stellen. Wir haben uns jetzt jedenfalls vorerst im gemütlichen Fischerörtchen Mooloolaba einquartiert. Unsere neue Tradition in jeder Stadt erstmal Thailändisch Essen zu gehen erfreut sich großer Beliebtheit und führt entgegen aller Schwierigkeiten wenigstens kurzfristig immer wieder zu Glücksgefühlen. Strand gibt es hier auch nur leider ist bei dem wolkigen Wetter noch nicht viel damit anzufangen.

Zum allgemeinen Zustand von Australien als Reiseland seien an dieser Stelle nochmal die Preise erwähnt. Eine Schachtel Zigaretten kostet irgendwo zwischen 10-20$, das trinkbarste Bier beläuft sich in der Regel auf 5$ pro Longneck (750ml) wer sich mit Wein abfinden kann findet hier und da mal einen günstigen weissen zwischen 5-10$. Die Hostels kosten im Schnitt 27$ pro Nacht aber da wir im letzten Hostel eine günstige Investition getätigt haben werden wir hoffentlich etwas Geld sparen. Wir sind nämlich jetzt alle im  Besitz einer VIP Backpacker Karte. Für 37$ bekommt man 10% bei vielen Stellen, 1$ Rabatt pro Nacht auf die Zimmer, eine SIM Karte mit 50$ Gesprächsguthaben und 500 Freikilometer von Greyhound (eine Reisebuslinie). Unglaublicher Value for Money, hätten wir das mal vorher gewusst. Dagegen kann die mickrige Youth Hostel Association Mitgliedschaft nicht anstinken. Wobei sich aus Kostengründen auch so eine nicht ausschliessen lässt. Zum Glück haben Schroddi und ich genug Polster angelegt um noch einige Wochen so durchzuhalten. Bei Meggy ist das ein anderes Thema aber wir sind alle zuversichtlich kreative Lösungen zu finden um weiter ein Dach über dem Kopf zu haben. Das Dreimann-Zelt und der Gaskocher die wir in Melbourne für zusammen 50$ von einem netten Hamburger erstanden haben bleiben allerdings weiter für den Notfall vorgesehen. Die Diät beschränkt sich größtenteils auf Toastbrot, selbstgekochtes (Nudeln, Nudeln und ab und zu Nudeln), FastFood und unsägliche Mengen vom viel verfügbaren Eis. Solche Kalorien sind allerdings schnell wieder wett gemacht wenn wir wieder einmal mit vollem Marschgepäck von 40Kg pro Person Wegstrecken zurücklegen müssen entweder weil nette Autovermieter die Karte für uns lesen („Ach das ist nicht so weit, das kann man laufen“) oder wir in Ermangelung von Fortbewegungsmitteln anderweitig Strecken zurücklegen müssen. Aber das macht hart.

Bis jetzt bessert sich die Stimmung immer wieder, von einzelnen Rückschlägen abgesehen, und ich bin zuversichtlich dass wir in ein paar Wochen ausgeglichene und zufriedene Obdachlose sein werden =) Die Erntesaison für Früchte in der Region hier soll in ein paar Wochen starten und vielleicht kommt dann mal etwas Kapital in die Kasse gespült. Schaden könnte es nicht aber noch haben wir immer genug (zu viel?) zu essen. Kommunikation bleibt weiter schwierig. Das GSM Netz funktioniert in weiten Teilen des Landes ausgezeichnet und Anrufe sind zu jeder Tages und Nachtzeit kein Problem. Lediglich mit dem Internet hapert es und wir machen regen Gebrauch von freien Angeboten wie MacDonalds, Staatsbücherei oder anderen Einrichtungen. Im Moment surfe ich für 6$ für 5hrs im Hostel selbst. Für Downloads oder ähnliches sind die meisten freien Netze allerdings nicht zu gebrauchen weshalb ein Multimedia-Mensch wie ich wohl immer wieder auf kostenpflichtige Zugänge angewiesen sein wird. So ganz ohne Medien ist es dann halt doch schwierig. Viele kucken in den Abendstunden das australische Fernsehen aber das fange ich auch hier erst garnicht wieder an.

Sonderlich viel passiert im Moment nicht. Außer den 80$ die wir an den Erdbeerbetrüger bezahlt haben weine ich noch keiner der Entscheidungen nach und das was auf meinem Mist gewachsen ist hält sich ebenfalls im Rahmen. Weitere Infos und vielleicht abgefahrenere Texte gibt es wenn uns mal wieder etwas interessantes widerfährt oder bei entsprechendem Intoxikationsniveau. So nüchtern und müde wie ich im Momemt meistens bin komme ich nicht auf so abstruses Zeugs. Und wenn wir Abends trinken habe ich die Hände voll genug zu tun mir all die Namen, Gesichter und Gitarrenchorde zu merken. Bis jetzt ein spektakulärer Urlaub aber wenn erstmal die Backpacker/Arbeitsrealität hinzu kommt könnte es dennoch der erwartet harte Trip werden auf den alle so gespannt sind. Ich habe keinen Zweifel. Zum ersten mal in meinem Leben weiss ich nicht wie es weiter geht und es ist mir scheissegal. Ist doch auch schon mal was? Dann werde ich ja auch noch ALT in zwei Wochen. Mal sehen was wir da so veranstalten. Bankverbindung kennt ihr ja 😉

P.S.: Denheim du alte Kackbratze mach mal dein Telefon an; deine blöde Mailbox hat mich jetzt bestimmt schon 5$ gekostet.

Gruß an Matze, Manu, Kim, Sven, Heidi, Alex, Hanna, Oli, Ben und wen ich noch zu faul bin aufzuschreiben.

Schöne Grüße ins matschige Deutschland und bis die Tage

No Worries — Oder doch ein paar aber scheiss drauf – maGGus