Ort: Victorianisches Wohnzimmer unseres Hostels
Ortszeit: 28.4.2010, 6.30 Uhr
Anwesende: Nur die hässliche Hauskatze und ich
Guten Morgen,
die erste Nacht auf der anderen Seite der Welt ist rum. Zumindest für mich. Der Rest des Hostels schlummert noch oder will zumindest nicht aufstehen.
Wie fühlt es sich an auf der anderen Seite der Welt zu sein? Nun ja, irgendwie hätte ich es mir etwas anders vorgestellt.
Nachdem wir feststellen mussten, dass die meisten Hostelbewohner Deutsche sind und wir von der guten Seele unseres Hauses als nächste Einkaufsmöglichkeit einen ALDI genannt bekommen haben , wusste ich wieder, warum ich bei den meisten Abschieden immer sagte: „Bin doch nicht weit weg“. Zmindest fühlt es sich wirklich nicht so an. Zum Frühstück gibt es später ungarische Salami und einige weitere Dinge, die einem nicht ganz unbekannt sind. Am Telefon habe ich auch bereits gesagt bekommen, dass es nicht so klingen würde als wäre ich am anderen Ende der Welt.
Unser Flug war wirklich anstrengend und fing auch recht turbulent an. Am Check In-Schalter angekommen, wurden wir von einem Polizisten erstmal ohne Gründe wieder weggeschickt. Kurze Zeit später haben sie dann die Schalterhalle gesperrt. Wie sich herausstellte wegen eines herrenlosen Gepäckstücks, dass erstmal vom Bombenräumkommando untersucht wurde. Glücklicherweise haben sie die Flache O-Saft anschließend nicht sprengen müssen. So versuchten wir anschließend einzuchecken, was sich auch als komplizierter herausstellte als gedacht. Leider musste ich feststellen, dass ich meine verschweißten Bundeswehr-Streichhölzer nicht mitnehmen durfte. Eine der beiden Packungen hatte ich schnell zur Hand, wusste jedoch nicht wo das Zweite ist und ließ es einfach mal drauf ankommen.
An der Security-Schleuse wurde Meggy anschließend wegen ihres Pfeffer-Sprays gestoppt, welches sie auch bei ihren letzten Flügen in die USA immer dabei hatte!? Nachdem dies bei der Flughafenpolizei in vertrauensvolle Hände gegeben wurde, konnten wir in letzter Minute endlich in unseren Flieger steigen, wo wir uns fasziniert mit dem Bord-Entertainment beschäftigten und erstmal mittels unserer im Sitz integrierten Spiele-Controller eine Runde Tetris auf unseren eigenen Monitoren gegeneinander spielten.
Der Flug zog sich unheimlich und wir bekamen kaum ein Auge zu. Bei dickem Nebel und Dauerregen in Seoul angekommen, machten wir es uns erstmal in einer Raucher-Lounge bequem und versuchten irgendwie die knapp 6 Stunden Wartezeit rum zu bekommen. Währenddessen stellten wir fest, dass die freundlich Dame am Frankfurter Check in die Tickets für den Weiterflug von Meggy und mit beide auf meinen Namen ausgestellt wurden. Nachdem wir das korrigieren lassen hatten, ging es nun einige Stunden später endlich weiter.
Diesmal hatten wir mit unserem Flieger leider nicht ganz so viel Glück. Anstatt einer persönlichen Spiele- und Multimedia-Konsole in jedem Sitz, gab es nur einen großen Fachbildschirm für alle, auf dem ich dann an Ende verzweifelt eine Reportage über Weinanbau in Österreich sehen musste.
So blieb uns nichts anderes übrig als krampfhaft zu versuchen etwas zu schlafen, was uns dann zeitweise auch mehr oder minder gelang.
In den frühen Morgenstunden war es dann soweit. Der Landeanflug auf unser Ziel begann und äußerte sich bei einem Blick aus dem Fenster in einem unglaublich beeindruckenden Lichtermeer mit dem Namen „Melbourne“. Nach der Landung hinterließ ich meine Sabberspuren an der Fensterscheibe ihrem Schicksal und stellte mich nach einem letzten Einkauf bei Duty Free bei der Passkontrolle an. Alles lief wirklich reibungslos. Nachdem wir unsere begehrten Stempel hatten, lag unser Gepäck bereits auf dem Band für uns bereit und es ging durch die Tür in die schöne, neue Welt, wo uns bereits men Großonkel mit seiner Frau erwartete.
Nach einem Wabbelsandwich und den ersten gescheiterten Konversationen in Englisch (meinerseits), machten wir uns dann zum Shuttle-Bus in Richtung unseres Hostels.
Vorbei an der beeindruckenden Skyline von Melbourne und dem ersten Blick auf das Meer kamen wir dann nach etwa einer Stunde an unserem Ziel an.
David zeigte uns direkt alles Wissenswertes rund um unsere neue Herberge. Nachdem wir unsere Rucksäcke nach dem Prinzip der chaotischen Lagerung enteert hatten, machten wir uns auf einen kleinen Spatziergang, der uns auf direktem Wege zum Strand führte. Eider war es bei rund 18 Grad und baldigem einsetzenden Nieselregen etwaskalt, um gleich ins kühle Nass zu springen. Also machten wir uns direkt zum Einkauf unseres Abendessens.
Anschließend verbrachten wir den Nachmittag auf den Bänken vor unserem Hostel und lernten viele unserer Mitbewohner kennen. Zu meiner Begeisterung bestätigte sich alles, was ich bereits über das Backpackervölkchen gelesen hatte. Es waren ausnahmslos echt sympathische Leute, mit denen man schnell warm wurde und direkt über Gott und die Welt plauderte, wirklich ganz anders als im stockesteifen Deutschland.
Gequält vom Jetlag, der uns allen echt zu schaffen machte, versuchten wir uns wenigstens bis in die Abendstunden wach zu halten, was uns mehr oder weniger gelang. Ich legte zum Beispiel ein unfreiwilliges Schläfchen beim Umspeichern meiner Telefonnummern im Wohnzimmersessel hin.
So versuchten wir anschließend unseren Jetlag mit den heimischen Biersorten zu bekämpfen, was eigentlich ganz gut gelang. Nachdem uns Maggus ein leckeres Abendessen zauberte, verweilten wir noch ein paar Stunden bis wir total platt ins Bett fielen. Leider haben wir ein Bett zur gut befahrenen Straße hin, wo permanent irgendwelche V8 Maschinen mit nicht unbeachtlichem Tempo entlang ballerten. In der ersten Nacht sollte uns das aber nur bedingt stören. Dennoch war meine Nacht heute morgen kurz nach 6 Uhr beendet. So sitze ich jetzt hier, während sich die anderen beiden mittlerweile zum morgentlichen Jogging verabschiedeten. Dazu hat mich bisher kein Oberfeldwebel zwingen können, also werden die beiden es garantiert auch nicht schaffen 🙂
Heute steht auf dem Plan, uns mal über die örtlichen Bankgepflogenheiten schau zu machen. Unser Bargeld neigt sich schon langsam dem Ende zu, weshalb wir in der Richtung langsam tätig werden sollten.
So weit mal für heute…
Es grüßt der Schroddi im Morgenrot