Gedanken eines (Daten-)Ausreisenden
7 02 2010In etwas über zwei Monaten (genaues auf der Tour Seite) startet das bislang größte Abenteuer meiner Geschichte (mal abgesehen von der Odyssee durch das grandiose deutsche Bildungssystem). Als eingefleischter Datenjunkie und Internet-Native (das sind die die von den großen Firmen in die „Free Software/Open Source/Piraterie“-Reservate des Web 2.0 gedrängt wurden) stellt sich mir hier eine Herausforderung die Erdlinge erst seit dem späten 20. Jahrhunderts zu würdigen wissen. Weit abseits von LCD Fernsehen, Always-On-Breitband-Internet und Handytelefonie tun sich endlose Abgründe des Offline auf. Zusammen mit zwei weiteren Weltbürgern von ausgewiesenem Scharfsinn und schmerzbefreiter Abenteuerlust werde ich mich in eine Welt begeben in der ich seit vielen Jahren nur relativ wenig Zeit verbracht habe (dafür war viel davon echt geil) – dem offline Real Life.
Wie lebt es sich ohne Email Postfach?
Wie added man Freunde ohne Xbox Live Account?
Wo ist die Rechtschreibkorrektur wenn man völlig betrunken Englisch sprechen muss?
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Was passiert wenn man seine/n ZeltnachbarIn „gruschelt“?
Zählt eine Kneipe als „Social Networking“?
Wer ist Mark Zuckerberg und warum schreibt er ein Buch über mein Gesicht?
Steht das VZ in StudiVZ für VerZichtbar?
Als in früheren Zeiten Abenteuer aufbrachen um die Welt in berechnete Schranken zu weisen konnte niemand ahnen wie schwer es unsereins einst haben wird. Kein Alexander von Humboldt oder Magellan musste sich jemals mit Gertis aus Reisebüros herumschlagen oder sich überlegen wie man im Busch bei Google Earth eine Placemark setzt. Fragen über Fragen, Dinge die vor 10 Jahren geschweigedenn Jahrhunderten noch nicht einmal existierten kommen uns heute unverzichtbar vor.
Ich betrachte diese Reise als kalten Entzug, als Rückgewinnungsfeldzug meiner Integrität als Mensch, als Chance zu überprüfen ob uns Bear Grylls seit Jahren getrocknete Bärenkacke erzählt, als wesentlicher Beweis dafür das sich fremde Menschen in Notsituationen zusammenreissen und für eine coole Zeit ihre Differenzen überbrücken können, als Experiment ob ein weich gewordenes Opfer der Büro-Existenz noch in der Lage ist Mutter Natur zärtlich den Scheitel zu massieren, als existentielle Neuorientierung für den Weg in die Zukunft, als chancenreichen Road-Trip abseits aller Straßen, als neo-spirituelle Selbstfindungsreise, als kollossalen Arschtritt, als Erinnerung das es auch anders geht.
Wer weiss was uns passieren wird, wer weiss wohin es uns verschlägt. Eines ist Gewiss, je weiter ich es von mir weg schaffe desto näher komme ich mir selbst. Kurzum: Wenn ich danach noch der selbe bin habe ich irgendwas gewaltig falsch verstanden.
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